Homöopathie und Wissenschaft – vier zentrale Fragen

Berlin, 5. März 2024. Die Debatte um Homöopathie hat seit der Ankündigung durch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, die Homöopathie als Satzungsleistung aus der GKV zu streichen, an Fahrt gewonnen. Maßgeblich ist das Thema Homöopathie und Wissenschaft.

H. J. Hamre und H. Kiene sind hierzu Experten. Sie haben 2023 ein vielbeachtetes Homöopathie-Review in der renommierten Zeitschrift Systematic Reviews publiziert, ebenso einen beachtenswerten Artikel zu den Wirkungsgrundlagen der Homöopathie. Sie sind tätig am Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie.

Kiene und Hamre haben zum Thema Homöopathie und Wissenschaft den folgenden Text erstellt und dem DZVhÄ erlaubt, ihn hier zu dokumentieren. Der Text gibt Antworten auf vier wichtige Fragen:

  1. Was sagen Laborexperimente zu hochpotenzierten Substanzen?
  2. Ist Homöopathie wirksam – jenseits von Placebo?
  3. Wie kann Homöopathie überhaupt wirksam sein?
  4. Warum wird Homöopathie oft negativ beurteilt?

1. Was sagen Laborexperimente zu hochpotenzierten Substanzen?

Für homöopathisch potenzierte Präparate wurden signifikante Effekte experimentell nachgewiesen und teils repliziert. Solche Effekte wurden in verschiedenen Testsystemen (physikalisch-chemisch [1], in vitro [2], Pflanzen-basiert [3, 4], Tier-basiert [5-7]) beobachtet, was gegen Artefakte und für reale Wirkungen spricht.

2. Ist Homöopathie jenseits von Placebo wirksam?

  • Über 180 randomisierte Placebo-kontrollierte Homöopathiestudien zu verschiedensten Indikationen wurden in insgesamt 6 indikationsübergreifenden Meta-Analysen ausgewertet. Im Oktober 2023 wurde ein systematisches Review zu diesen 6 Metaanalysen in der renommierten Zeitschrift Systematic Reviews publiziert [8]. Bei der offenen Begutachtung wurde kommentiert: “The author’s research is rigorous and has strong data analysis skills” und „This is an extremely detailed and well written systematic review of metaanalyses of trials in homeopathy“ [9]. Im Gesamtergebnis war Homöopathie wirksamer als Placebo [8]:
  • 5 der 6 Meta-Analysen enthielten eine Effektschätzung für alle eingeschlossenen Studien. Alle 5 zeigten signifikant positive Effekte der Homöopathie, im Vergleich zu Placebo.
  • 4 Meta-Analysen enthielten eine Effektschätzung nach Beschränkung auf Studien mit höherer methodischer Qualität. In 3 dieser 4 Analysen blieben die signifikanten positiven Effekte der Homöopathie erhalten, in 1 Meta-Analyse blieb der Effekt positiv, aber nicht signifikant.
  • Die methodische Qualität der Homöopathiestudien war ähnlich oder höher wie bei anderen klinischen Studien mit gleichem Design, aus vergleichbarem Zeitraum und bewertet nach gleichen Kriterien.
  • Die Qualität der Gesamtevidenz für positive Homöopathie-Wirksamkeit in diesem systematischen Review war ähnlich oder höher wie in systematischen Reviews zu anderen Interventionen aus einem vergleichbaren Zeitraum und eingestuft anhand desselben Bewertungsinstruents (GRADE).
  • Für eine generelle Unwirksamkeit, d.h. keinen Unterschied zwischen Homöopathie und Placebo, gab es keine Anhaltspunkte.

Bisherige Kritiken an dieser Evaluation waren verzerrend und ohne wissenschaftliche Substanz [10, 11].

3. Wie kann Homöopathie überhaupt wirksam sein?

Es wird oft argumentiert, homöopathische Hochpotenzen könnten keine Wirkungen haben, weil sie keine Wirkstoffmoleküle enthalten. Dieses Argument beruht auf einem Modell der Natur aus dem 19. Jahrhundert, wonach die gesamte Lebenswelt letztlich aufgrund der Wechselwirkungen von Atomen und Molekülen erklärt werden müsse. Homöopathika werden aber zur Behandlung von Organismen eingesetzt, und gerade die Gestaltbildung und -erhaltung komplexer funktionsfähiger Organismen kann nicht auf der Grundlage jenes Modells erklärt werden [12]. In Organismen sind demnach außer den physikalischen Grundkräften zusätzlich noch spezifische Kräfte der Gestaltbildung wirksam. Damit sie wirksam sein können, muss die Materie des Organismus mit ihnen eine Beziehung eingehen. Hierzu sind die elektromagnetischen Wechselwirkungen der Atome und Moleküle nicht imstande. Folglich kann Materie zusätzlich zu ihrer atomar-molekularen Binnenstruktur noch spezifische andere Eigenschaften haben. Die genannten Kräfte und diese Materieeigenschaften dürften der primäre Wirkungsort homöopathisch potenzierter Arzneimittel sein, evtl. mit sonstigen Sekundärwirkungen [12].

4. Warum wird Homöopathie oft negativ beurteilt?

Der hauptsächliche Grund ist der Glaube, dass Homöopathie prinzipiell nicht wirksam sein könne. Hieraus ergibt sich:

  • Ein Zirkelschluss: Wir „wissen“, dass Homöopathie unwirksam sei; also betrachten wir Studiendaten unter einer Perspektive, in der durch Ausblenden oder Wegerklären positiver Ergebnisse eine Unwirksamkeit erscheint; also können wir „nachweisen“, dass Homöopathie unwirksam ist, was wir schon „wussten“ ([8], S. 21).
  • Zweierlei Maß: Erstens werden bei Bewertungen von Homöopathie-Studien oft höhere methodische Anforderungen angelegt als bei sonstigen klinischen Studien [13]. Zweitens werden bei Aussagen zu vermeintlichen Evidenzmängeln der Homöopathie oft sehr niedrige methodische Anforderungen gestellt [10, 11].

Viele der weitbekannten negativen Homöopathie-Beurteilungen folgen diesen Mustern [14-18].

Referenzen

1. Tournier A, Würtenberger S, Klein SD, Baumgartner S. Physicochemical investigations of homeopathic preparations: a systematic review and bibliometric analysis, Part 3. J Altern Complement Med. 2021;27(1):45-57. https://doi.org/10.1089/acm.2020.0243
2. Witt CM, Bluth M, Albrecht H, Weisshuhn TE, Baumgartner S, Willich SN. The in vitro evidence for an effect of high homeopathic potencies – a systematic review of the literature. Complement Ther Med. 2007;15(2):128-38. https://doi.org/10.1016/j.ctim.2007.01.011
3. Ücker A, Baumgartner S, Sokol A, Huber R, Doesburg P, Jager T. Systematic review of plant-based homeopathic basic research: an update. Homeopathy. 2018;107(2):115-29. https://doi.org/10.1055/S-0038-1639580
4. Ücker A, Baumgartner S, Martin D, Jäger T. Critical evaluation of specific efficacy of preparations produced according to European Pharmacopeia Monograph 2371. Biomedicines. 2022;10(3). https://doi.org/10.3390/biomedicines10030552
5. Bellavite P, Conforti A, Marzotto M, Magnani P, Cristofoletti M, Olioso D, Zanolin ME. Testing homeopathy in mouse emotional response models: pooled data analysis of two series of studies. Evid Based Complement Alternat Med. 2012;2012:954374. https://doi.org/10.1155/2012/954374
6. Bonamin LV, Cardoso TN, de Carvalho AC, Amaral JG. The use of animal models in homeopathic research – a review of 2010-2014 PubMed indexed papers. Homeopathy. 2015;104(4):283-91. https://doi.org/10.1016/j.homp.2015.06.002
7. Endler PC, Scherer-Pongratz W, Harrer B, Lingg G, Lothaller H. Amphibians and ultra high diluted thyroxine – further experiments and re-analysis of data. Homeopathy. 2015;104(4):250-6. https://doi.org/10.1016/j.homp.2015.10.001
8. Hamre HJ, Glockmann A, von Ammon K, Riley DS, Kiene H. Efficacy of homeopathic treatment: Systematic review of meta-analyses of randomised placebo-controlled homeopathy trials for any indication. Syst Rev. 2023;12:191. https://doi.org/10.1186/s13643-023-02313-2
9. Peer-review reports on original submission: Hamre HJ et al. Efficacy of homeopathic treatment: Systematic review of meta-analyses of randomised placebo-controlled homeopathy trials for any indication. Syst Rev [Internet]. 2023. Available from: https://systematicreviewsjournal.biomedcentral.com/articles/10.1186/s13643-023-02313-2/peer-review
10. Hamre HJ, von Ammon K, Glockmann A, Kiene H. Comment on blog by Edzard Ernst on systematic review. IFAEMM Projekte Homöopathie [Internet]. 2023 13.02.2024. Available from: https://www.ifaemm.de/wp-content/uploads/go-x/u/4bd9ac08-a581-4e82-b1a4-a0b3b7a257e3/Hamre-HJ-von-Ammon-K-Glockmann-A-Kiene-H.-Comment-on-blog-by-Edzard-Ernst-on-systematic-review.-13.11.2023.pdf
11. Hamre HJ, von Ammon K, Glockmann A, Kiene H. Unzuverlässiges Informationsnetzwerk. IFAEMM Projekte Homöopathie [Internet]. 2024. Available from: https://www.ifaemm.de/wp-content/uploads/go-x/u/71c7cdb3-60ad-4414-8526-dd8265821b0e/ Hamre_et_al_2024-02-21_Richtigstellung_gegenueber_INH.pdf
12. Kiene H, Hamre HJ. Eine zentrale Frage zur Komplementärmedizin: Gibt es in der Natur außer den physikalischen Grundkräften noch weitere Kräfte? Complement Med Res. 2023. https://doi.org/10.1159/000534899
13. The Australian Report: Data extracted from NHMRC’s Table 1 (Information Paper, p.18-20), with analysis of combined impact of ‘reliability’ thresholds for trial sample size and quality. London: Homeopathy Research Institute; 2015. Available from: https://www.hri-research.org/resources/homeopathy-the-debate/the-australian-report-on-homeopathy/
14. Ernst E. A systematic review of systematic reviews of homeopathy. Br J Clin Pharmacol. 2002;54(6):577-82. https://doi.org/10.1046/j.1365-2125.2002.01699.x
15. Shang A, Huwiler-Muntener K, Nartey L, Juni P, Dorig S, Sterne JA, et al. Are the clinical effects of homoeopathy placebo effects? Comparative study of placebo-controlled trials of homoeopathy and allopathy. Lancet. 2005;366(9487):726-32. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(05)67177-2
16. Science and Technology Committee. Evidence Check 2: Homeopathy. Fourth Report of Session 2009-10. London: House of Commons; 2010 22.02.2010. Contract No.: HC 45.
17. ter Meulen V, Bach J-F, Denk H, Ertl G, Griffin G, Gundersen K, et al. Homeopathic products and practices: assessing the evidence and ensuring consistency in regulating medical claims in the EU. Halle (Saale): European Academies’ Science Advisory Council; 2017.
18. Sigurdson MK, Sainani KL, Ioannidis JPA. Homeopathy can offer empirical insights on treatment effects in a null field. J Clin Epidemiol. 2023;155:64-72. https://doi.org/10.1016/j.jclinepi.2023.01.010.

Zum Originalbeitrag.

2024-03-21T15:56:44+01:00

Podcast: Homöopathie in der Forschung

Berlin, 29. Januar 2024. In der 8. Folge der DZVhÄ-Podcast Reihe sprechen drei Wissenschaftler über die Homöopathie in der Forschung:

  • Prof. Dr. Stephan Baumgartner, Physiker, Universitäten Witten/Herdecke und Universität Bern
  • Prof. Dr. Michael Keusgen, Pharmazeut, Dekan des Fachbereichs Pharmazie an der Philipps-Universität Marburg und
  • Dr. Harald Hamre, Arzt, Universität Witten/Herdecke

Auch diese Folge wird von Dr. Martina Kloepfer, Berlin, moderiert.

Wichtige Antworten zu Fragen aus der Homöopathie-Forschung

  • Kann der Negativbeweis geführt werden, dass es keinen belastbaren Beleg für eine spezifische medizinische Wirksamkeit der Homöopathie gibt? Prof. Keusgen: „Ich kann beweisen, dass es einen Effekt gibt. Ich kann aber, wenn ich den Effekt nicht finde, daraus eben nicht den Rückschluss ziehen, dass es das überhaupt nicht gibt.“
  • Kann es einen wissenschaftlichen Konsens geben? Prof. Keusgen: „Das kann ja nicht sein. Es gibt genug Kreise, die Homöopathie erfolgreich einsetzen, die zu Homöopathie forschen. Und deshalb muss man immer sagen, wenn ein Konsens besteht, zwischen wem denn genau? Die Wissenschaft als solche gibt es nicht.“
  • Ist Homöopathie evidenzbasierte Medizin? Was sagt die Studienlage? Dr. Harald Hamre: „Ja, eindeutig. Unser aktuelles systematische Review aller Metaanalysen zur Homöopathie kommt zu dem Ergebniss: Homöopathie wirkt besser als Placebo. Es gibt keine Grundlage zu sagen, dass Homöopathie nicht wirkt, dass sie generell nicht wirken könne. Das geben die Daten einfach nicht her. Und deswegen kann man aus diesen Studien keine Legitimation für Maßnahmen gegen die Homöopathie in der Krankenversorgung finden“.
  • Kommt die Grundlagenforschung zu eindeutigen Ergebnissen? Prof. Baumgartner: „Zum aktuellen Stand der Forschung lässt sich zusammenfassend festhalten, dass die Ergebnisse der meisten Untersuchungen nicht mit der Placebo-Hypothese vereinbar sind. In einer großen Anzahl von Experimenten zeigten homöopathische Präparate spezifische Wirkungen, die sich von Placebo unterschieden.“
  • Sind Homöopathika überhaupt wirksam, wenn der pharmakologische Wirkmechanismus nicht klar ist? Prof. Keusgen: „Als Arzneimittel ist nicht die pharmakologische Wirkung ausschlaggebend, sondern die therapeutische Wirksamkeit. Die Frage ist, kann ich damit therapieren oder kann ich damit nicht therapieren? Bei Paracetamol wissen wir, dass es von seinen physikalisch chemischen Eigenschaften her gar nicht schmerzstillend und fiebersenkend wirken dürfte, es aber trotzdem tut.“

Fazit

  • Prof. Baumgartner: „Basierend auf den Untersuchungen unserer Arbeitsgruppe komme ich zum Schluss, dass Homöopathika keine Placebos sind, sie können spezifische Arzneimitteleffekte hervorbringen, die über Placebo hinausgehen.“
  • Prof. Keusgen: „Wir wissen, wie Homöopathika therapeutisch in sinnvoller Weise eingesetzt werden können. Als Arzneimittel ist nicht die pharmakologische Wirkung ausschlaggebend, sondern die therapeutische Wirksamkeit.“
  • Dr. Harald Hamre: „Es ist eindeutig: Homöopathie wirkt besser als Placebo.“



Diese DZVhÄ-Podcasts sind bisher erschienen

  • Homöopathie in der Tiermedizin – Die Tierärztinnen Dr. med. vet. Brigitte Hentschel, Dr. med. vet. Beatrice Milleder und Dr. med. vet. Dörte v. Bremen sprechen über die Homöopathie in der Tiermedizin.

  • Homöopathie in der Kinderheilkunde – Kinderärztin Dr. Monika Grasser und der Kinderarzt Dr. Dominik Ewald: Ein vielseitiger Podcast über Therapie, Elternwünsche, Abrechnung und Berufspolitik.

  • Homöopathie in der Allgemein- und Familienmedizin – Dr. med. Michaela Geiger und Dr. med. Jörg Albrecht sprechen im 5. DZVhÄ-Podcast über die Homöopathie in der hausärztlichen Versorgung. Was ist Familienmedizin und wie wird Homöopathie in die Hausarztpraxis integriert?
  • Patientensicherheit – Der Präsident der Bundesapothekerkammer, Thomas Benkert, im Gespräch mit Dr. Ulf Riker, Internist und Vorstandsmitglied im DZVhÄ, über Patientensicherheit im Miteinander von konventioneller und homöopathischer Medizin.
  • Die Integrative Medizin – Dr. med. Michaela Geiger, 1. Vorsitzende des DZVhÄ im Gespräch mit Robert Schmidt, Chefarzt des Münchner Krankenhauses für Naturheilweisen über die Integrative Medizin in Praxis und Klinik.
  • Über die Vielfalt in der Medizin – Dr. med. Michaela Geiger und Dr. med. Ulf Riker, Vorstände des DZVhÄ, berichten u.a. an Beispielen aus der eigenen Praxis, warum Pluralismus und Therapiefreiheit wichtige Werte in der Medizin sind.
  • Die Anamnese in der Homöopathie – Dr. med. Michaela Geiger und Dr. med. Alexandra Schulze-Rohr, Vorstände des DZVhÄ, sprechen darüber, wie sich in der Homöopathie das diagnostische Gespräch mit der klinischen Diagnostik zu einer Medizin verbindet.

Der Deutsche Ärztekongress für Homöopathie findet vom 9. bis 11. Mai 2024 in Lindau / Bodensee stattfindet. Ausrichter des Kongresses ist der DZVhÄ. Informationen zum Kongress erhalten Sie hier: www.homoeopathie-kongress.de.

2024-03-12T08:04:11+01:00

Hochwertige Studie zeigt: Homöopathie wirkt besser als Placebo

Berlin, 28. Januar 2024. Ein Autorenteam hat Anfang Oktober 2023 ihre Arbeit mit dem Titel „Wirksamkeit der homöopathischen Behandlung: Systematische Überprüfung von Meta-Analysen randomisierter, placebokontrollierter Homöopathie-Studien für jede Indikation“ veröffentlicht. Es wurden alle bisher vorhandenen sechs Homöopathie-Metaanalysen (MA) methodisch sehr aufwendig nach aktuellen wissenschaftlichen Standards ausgewertet. Zur Studie.

Dieses erstmalige systematische Review aller MA kommt zu diesen Ergebnissen

  • 5 der 6 MA enthielten eine Effektschätzung für alle eingeschlossenen Studien. Alle 5 zeigten signifikant positive Effekte der Homöopathie, im Vergleich zu Placebo.
  • 4 MA enthielten eine Effektschätzung nach Beschränkung auf Studien mit höherer methodischer Qualität.
  • In 3 dieser 4 MA blieben die signifikanten positiven Effekte der Homöopathie erhalten, in 1 MA war der positive Effekt nunmehr nicht signifikant.
  • Die methodische Qualität der Homöopathiestudien war ähnlich wie bei anderen klinischen Studien mit gleichem Design, aus einem vergleichbaren Zeitraum und bewertet nach gleichen Kriterien.
  • Die Qualität der Gesamtevidenz für positive Homöopathie-Wirksamkeit in diesem systematischen Review war ebenfalls ähnlich wie in systematischen Reviews zu anderen Interventionen aus einem vergleichbaren Zeitraum und eingestuft anhand desselben Bewertungsinstruments (GRADE).

Fazit: Homöopathie wirkt besser als Placebo

Die Antwort der Autoren zu einer Kritik von Edzard Ernst lesen Sie hier: Hamre_et_al_2023-11-13_Comment_on_blog

Die Studie:

„Efficacy of homoeopathic treatment: Systematic review of meta-analyses of randomised placebo-controlled homoeopathy trials for any indication“

Autoren: H.J. Hamre, A. Glockmann, K. v. Ammon, D.S. Riley, H. Kiene. Erschienen in der Zeitschrift Systematic Reviews am 7. Oktober 2023.

 

2024-01-28T16:31:55+01:00

Studie: Einsatz von Homöopathie in der Landwirtschaft zeigt positive Effekte

Berlin, 18.12.2023. Das Homeopathy Research Institute (HRI) stellt in der achten Folge des HRI-Studien-Monitors eine wichtige Studie aus der Agrohomöopathie vor. Der Wissenschaftler Dr. Fernando Abasolo-Pacheco von der Staatlichen Technischen Universität Quevedo in Ecuador hat eine kontrollierten Studie im Jahr 2020 mit Steckrüben durchgeführt und konnte den positiven Einfluss von homöopathischen Arzneimitteln auf diese Pflanzen-Kulturen belegen.

Da die Steckrübe ein wesentlicher Bestandteil in der Ernährung der ecuadorianischen Bevölkerung ist, wurde sie zum Forschungsgegenstand ausgewählt. Sie wird in großem Stil unter hohem Einsatz von Agrochemikalien angebaut. Diese chemische Belastung wirkt sich negativ auf das Ökosystem – auf Mensch, Tier und Umwelt – aus. Homöopathie wird in der Landwirtschaft zunehmend eingesetzt und es liegen bereits mehrere fundierte Studien vor. Eingesetzt werden aufgelöste für den Menschen zugelassene homöopathische Arzneimittel. Belegt sind eine höhere Keimrate, verbessertes Wachstum und schnellerer Austrieb.

Die Ergebnisse zeigen positive Effekte der Homöopathie auf die Pflanzen

Dr. Fernando Abasolo-Pacheco und sein Team testete diese drei homöopathischen Arzneimitteln: Silicea terra (SiT), Natrium muriaticum (NaM) und Phosphoricum acidum (PhA) in jeweils zwei unterschiedlichen Potenzierungen. Die Kontrollgruppe wurde lediglich mit Wasser behandelt. Untersucht wurden die drei Wachstumsphasen der Pflanzen: Keimung, Austrieb und das Stadium der vegetativen Entwicklung. Ergänzt wurde die Studie durch eine wirtschaftliche Analyse anhand der Variablen Anbauertrag, Nutzen-Kosten-Verhältnis und Rentabilität.

  • In der ersten Wachstumsphase, der Keimungsphase, verzeichnete die Studie durchweg einen positiven Effekt im Vergleich zu den Ergebnissen der Kontrollgruppe. Durch die Behandlung mit den jeweiligen homöopathischen Arzneien, in unterschiedlicher Dosis, konnte sowohl eine signifikant bessere Keimung sowie ein höheres Stängelwachstum beobachtet werden.
  • Auch in den beiden anderen Wachstumsphasen waren die Ergebnisse deutlich positiver als die der Kontrollgruppe.

Damit kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass sich alle sechs homöopathischen Behandlungen, zu allen drei Zeitpunkten positiv auf das Wachstum der Pflanze auswirkten.

  • Auch die wirtschaftliche Analyse verzeichnete positive Ergebnisse. Besonders die Behandlung mit Silicea terra und Natrium muriaticum schlossen mit der besten Rentabilität ab.

Die Ergebnisse bestätigen frühere Erkenntnisse anderer wissenschaftlicher Untersuchungen

In den letzten Jahren gab es zahlreiche Studien, die die positive Auswirkungen der Agrohomöopathie belegten. An diese Ergebnisse schließt die aktuelle Studie an. Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass Agrohomöopathie eine sinnvolle Alternative in der Landwirtschaft ist, und als nachhaltige Option eingesetzt werden sollte.

Zum HRI Studien-Monitor

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Der Deutsche Ärztekongress für Homöopathie, 9.-11. Mai 2024 – jetzt anmelden.

Die Verbände des ÄNH stellen das wissenschaftliche Gremium für den Deutschen Ärztekongress für Homöopathie, der vom 9. bis 11. Mai 2024 in Lindau / Bodensee stattfindet. Ausrichter des Kongresses ist der DZVhÄ, das Motto: ‚Homöopathie bei Umbrüchen und Lebenskrisen‘. Informationen zu dem Kongress erhalten Sie hier: www.homoeopathie-kongress.de.

2023-12-19T11:59:29+01:00

Homöopathische Arzneimittel können beim Antibiotika-Notstand Versorgungslücken verringern

Berlin, 10. Mai 2023. Der Antibiotika-Notstand ist in diesen Tagen Thema in Praxen, Apotheken und Medien. In Boulevard-Zeitungen wird getitelt „Jede zweite Verordnung ein Problem“ und in der Fachpresse wird nach Antworten bzw. nach Strategien gesucht, wie Ärztinnen und Ärzten erlernen können, dem Patientenwunsch nach einer Antibiotikatherapie zu begegnen. Apothekerinnen und Apotheker wissen, dass der Mangel nicht alle Antibiotikagruppen gleichermaßen betrifft – so besteht die Gefahr, dass auf Antibiotika mit unnötig breitem Wirkspektrum zurückgegriffen wird. Das kann fatale Folgen hinsichtlich der weiteren Resistenzentwicklung haben. Die Patientensicherheit ist also im doppelten Sinne bedroht: einerseits durch Fehlen geeigneter Medikamente und andererseits durch deren Wirkverlust im Rahmen inadäquater Verordnung.

Homöopathisch tätige Ärztinnen und Ärzte fordern Therapiepluralismus

Ein Ausweg wäre, neben Fehlmedikation von Antibiotika und Nichts-Tun eine dritte Option ins Auge zu fassen: Homöopathie. Viele Patientinnen und Patienten wünschen sich diese als Ergänzung oder Alternative zur konventionellen Medizin. Ihnen müssten Ärztinnen oder Ärzte also keine Antibiose ausreden, auch nicht erklären, dass ein passendes Medikament gerade nicht erhältlich ist. Natürlich ist die Ärztin und der Arzt in der Lage, das Krankheitsbild einer Patientin oder eines Patienten nach konventionell-medizinischen Kriterien einzuschätzen: wie gravierend ist der Infekt, welche Komplikationen drohen, handelt es sich um einen ansonsten gesunden oder einen geschwächten und womöglich multimorbiden Patienten, welches Ersatz-Antibiotikum käme überhaupt in Frage. Aber auch: um richtig zu entscheiden, welches homöopathische Arzneimittel zum Einsatz kommen kann, ist eine qualifizierte ärztliche Weiterbildung in Homöopathie Voraussetzung.

Ärztliche Weiterbildung Homöopathie macht den Unterschied

Bei Ärztinnen und Ärzten, aber auch bei Apothekerinnen und Apothekern, die über eine Weiterbildung Homöopathie verfügen, löst die Debatte um die Versorgungsprobleme zum Teil Unverständnis aus. Einerseits, da sie belegte therapeutische Antworten auf die drängenden medizinischen Fragen haben. Aber auch, da gerade die Zusatzbezeichnung Homöopathie von den meisten Landesärztekammern abgeschafft wird. Dieses komplementäre medizinische Wissen wird in Zukunft nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Diskussion um die Apotheker-Weiterbildung Naturheilverfahren und Homöopathie hat gerade erst begonnen.

Homöopathie: Beispiele aus der Arztpraxis

 Homöopathie wird in tausenden Arztpraxen in Deutschland angewendet, abgesichert durch wissenschaftliche Erkenntnisse, tägliche ärztliche Erfahrung und ein betont patientenzentriertes Vorgehen.

  • Dr. med. Annette Schuricht, Allgemeinmedizinerin / Homöopathie, Berlin. „Ich mache die Erfahrung, dass in einer hausärztlichen Praxis relativ selten Antibiotika zwingend notwendig sind. Es gibt inzwischen genügend Studien, die belegen, dass etwa bei einer Mittelohrentzündung, einer unkomplizierten Blasenentzündung oder Sinusitis zunächst nur symptomatisch behandelt werden kann und erst bei ausbleibender Besserung gegebenenfalls ein Antibiotikum notwendig wird“.
  • Dr. med. Christine Albrecht, Allgemeinmedizinerin / Homöopathie, Berlin. „Ich schätze, dass ich 60 Prozent weniger Antibiotika verordne im Vergleich zu meiner Arztgruppe. Ich komme generell mit wenig konventionellen Arzneimitteln aus, laut Kassenärztlicher Vereinigung liege ich etwa 80 Prozent unter dem Schnitt meiner Kollegen.“
  • Dr. med. Michael Schreiner, Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Allergologe / Homöopathie und Naturheilverfahren, Gräfeling. „Unsere Antibiotikaverordnungen liegen mit 50 Prozent unter dem Durchschnitt unserer Kollegen. Der Krankheitsverlauf mit Homöopathie ist in aller Regel wesentlich besser und die Heilung stellt sich wesentlich rascher ein. Besonders bemerkenswert ist, dass wir kaum Rückfälle haben und nicht wie bei konventioneller Therapie – nach Beendigung der Antibiotikatherapie – ein Teil der Patienten wenige Tage später mit den gleichen Beschwerden wieder vorstellig wird.“

Homöopathisch tätige Ärztinnen und Ärzte stehen auf zwei therapeutischen Beinen: auf einem der konventionellen und einem der homöopathischen Medizin. Wenn etwa Therapieleitlinien nicht greifen können, weil entsprechende Medikamente nicht erhältlich sind, dann wird in der Praxis deutlich, dass wissenschaftliche Studien das eine und ärztliche Erfahrungen das andere sind. Evidenz und Relevanz verknüpfen sich zu einem starken Seil, das sich über die Abgründe von Not- oder Mangelsituationen spannen lässt.

Studien belegen die Wirksamkeit

Was die Praxis zeigt, wird durch die Wissenschaft belegt. Sowohl in der Versorgungs- als auch in der klinischen Forschung zeigen Studien, dass Antibiotika durch homöopathische Arzneimittel reduziert werden können – auch bei Nutztieren.

  • EPI 3 Studie –  Versorgungsforschung, Frankreich: Es wurden 518 Erwachsene und Kinder mit Infektionen der oberen Atemwege untersucht, wobei der Medikamentenverbrauch bewertet wurde: Die Patientinnen und Patienten in der Homöopathie-Gruppe wiesen einen signifikant niedrigeren Verbrauch von Antibiotika auf, mit ähnlich guten klinischen Ergebnissen im Vergleich zur konventionell behandelten Patienten-Gruppe.
  • Securvita BKK Auswertung: Kinder erhielten seltener Antibiotika. Besonders auffällig erwies sich dies bei Kleinkindern ab der Geburt: Mit homöopathischer Behandlung sank die Zahl der mit Antibiotika behandelten Kleinkinder im dreijährigen Untersuchungszeitraum um 16,7 Prozent, während sie in der Vergleichsgruppe um 73,9 Prozent stieg.
  • Jürgen Pannek: Die Standardbehandlung der Harnwegsinfekte ist eine Therapie mit Antibiotika. Erstmals konnte in einer prospektiven Studie gezeigt werden, dass die Anzahl der Harnwegsinfekte durch eine homöopathische Therapie reduziert werden kann, während die Infektfrequenz in der Gruppe ohne homöopathische Therapie unverändert blieb. Hier lesen Sie ein Interview mit Prof. Pannek.
  • Studie: „Homöopathie als Ersatz für Antibiotika bei der Vorbeugung von E. coli-Durchfall bei Ferkeln“ – Durchfall bei Ferkeln ist eine weit verbreitete Krankheit, die zu Gewichtsverlust und sogar zum Tod führen kann. Konventionell wird sie mit Antibiotika behandelt, was zum globalen Problem der Antibiotikaresistenz beiträgt. Deshalb sind die Studienergebnisse sehr ermutigend, denn sie zeigen, dass Ferkel von Sauen, die am Ende ihrer Trächtigkeit homöopathisch behandelt wurden, deutlich weniger E. coli- Durchfall haben als Ferkel von Sauen, die ein Placebo erhielten.

Fazit

Homöopathische Arzneimittel werden täglich in tausenden Arztpraxen als weitere Therapieoption zu Antibiotika eingesetzt – zum Wohle der Patientinnen und Patienten. Ein Mangel an Antibiotika bedeutet, dass weitere Therapieoptionen unabdingbar sind.

„Voraussetzung für den Einsatz homöopathischer Arzneien bei bakteriellen Infektionen sind jedoch entsprechende Qualifikation und Erfahrung“, sagt Dr. med. Michaela Geiger, Hausärztin und 1. Vorsitzende des DZVhÄ. Unter diesen Umständen ist Homöopathie in ärztlicher Hand sicher. Dr. Michaela Geiger: „Es ist nicht nachvollziehbar, dass diese Chance nicht genutzt wird. So kann der aktuelle Arzneimittel-Mangel eine Chance zum Erkenntnis- und Erfahrungsgewinn für den Pluralismus in der Medizin führen – gerade für vulnerablen Gruppen wie Kinder und alte Menschen.“

2023-06-30T17:53:27+02:00

Wissenschaft: Homöopathie ist Therapie-Option bei der Behandlung von ADHS

Berlin, 21. November 2022. Die Behandlung des Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist mit konventionellen Mitteln häufig nicht zufriedenstellend – der Behandlungsdruck nimmt jedoch zu. Laut AOK Westfalen-Lippe stiegen die Veordnungen von ADHS-Medikamenten vor allem bei jungen Erwachsenen rapide: 2021 im Vergleich zum Vorjahr um 22,1 Prozent und sogar um 39,8 Prozent gegenüber 2017. Es zeigt sich also deutlich, dass zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten benötigt werden. Dr. Katharina Gärtner, Dr. Michael Teut und Prof. Harald Walch untersuchten, ob eine individualisierte homöopathische Behandlung bei Kindern mit ADHS im Vergleich zu Placebo oder der üblichen Behandlung wirksam ist. Mitte Juni 2022 erschien ihre Studie „Is homeopathy effective for attention deficit and hyperactivity disorder? A meta-analysis“ in Pediatric Research.

Es wurden sechs Studien ausgewertet. Bis auf eine waren alle randomisiert und wiesen ein geringes bis mäßiges Verzerrungsrisiko auf; zwei wurden gegen eine Standardbehandlung kontrolliert und vier waren placebokontrolliert und doppelblind. Die Meta-Analyse ergab eine signifikante Effektgröße über alle Studien hinweg von Hedges g = 0,542 (95% CI 0,311-0,772; z = 4,61; p < 0,001) gegen jede Kontrolle und von g = 0,605 (95% CI 0,05-1,16; z = 2,16, p = 0,03) gegen Placebo (n = 4). Die Effektschätzungen beruhen auf Studien mit einer durchschnittlichen Stichprobengröße von 52 Teilnehmern.

Fazit der Wissenschaftler

Die individualisierte Homöopathie zeigt eine klinisch relevante und statistisch robuste Wirkung bei der Behandlung von ADHS.

2022-11-29T18:14:36+01:00

Video: Die reproduzierte Wasserlinsen-Forschung

In diesem kurzen DZVhÄ-Video erklärt PD Dr. Stephan Baumgartner, Universitäten Witten/Herdecke und Bern, kurz & bündig die reproduzierbare Wasserlinsenforschung. Dieser Ausschnitt ist aus Baumgartners Vortrag über die Grundlagenforschung in der Homöopathie vom DZVhÄ-Kongress im Mai 22. Baumgartner kommt erstmalig zu der Aussage: „In ausgedehnten verblindeten und randomisierten Experimentreihen ergibt sich wiederholt deutliche empirische Evidenz für spezifische Wirkungen von auch hochverdünnten homöopathischen Potenzen.“

 

2022-09-14T08:59:42+02:00

Rachel Roberts (HRI): Homöopathie ist mehr als Placebo

Interview mit Rachel Roberts, Geschäftsführerin des britischen Homeopathy Research Instituts (HRI). Sie ist Expertin zum Thema Homöopathie-Forschung. Roberts erkläert u.a. die Standards qualitativ guter Forschung und nennt Homöopathie-Studien, die diese Standards erfüllen. Auf die Frage nach der Wirkung homöopathischer Arzneien sagt sie: „Die besten Untersuchungen zeigen, dass homöopathische Arzneimittel echte klinische Wirkung haben, die über den Placebo-Effekt hinausgehen.“

Was sind Ihrer Meinung nach die drei wichtigsten Qualitätsmerkmale für gute Forschung?

Wenn ich die Qualität von Homöopathie Studien beurteile, achte ich immer auf das, was ich als kompromisslose Forschung bezeichne – d. h. Studien, die die richtigen Fragen stellen, die die hochwertigsten konventionellen wissenschaftlichen Forschungstechniken anwenden und die es außerdem schaffen, die Qualität der homöopathischen Behandlung der Patienten nicht zu beeinträchtigen oder zu gefährden.

Das bedeutet für mich gute Forschung:

  1. Sie untersucht potenzielle neue Behandlungen für Patienten, die dringend klinische Hilfe benötigen. Es macht keinen Sinn, die Homöopathie für Krankheiten zu erforschen, bei denen die konventionelle Medizin bereits hervorragende Arbeit leistet. Viel wichtiger ist es, zu prüfen, ob die Homöopathie Patienten helfen kann, für die es derzeit keine ausreichend wirksame Behandlung gibt oder bei denen die vorhandenen Behandlungen problematisch sind – weil sie etwa unerwünschte Nebenwirkungen verursachen oder kontraindiziert sind.
  2. Es werden Studiendesigns und Ergebnismessungen (Instrumente zur Messung der Auswirkungen der getesteten Behandlung) verwendet, die in der wissenschaftlichen Welt allgemein anerkannt sind.
  3. Die Wahl der Arznei(en), die Dosierung und die Dauer der Behandlung sollten der Behandlung ähnlicher Patienten durch gut ausgebildete homöopathische Verordner in der realen Welt entsprechen.

Können Sie uns ein Beispiel einer Studie nach Ihrem Qualitätsanspruch nennen?

Eine meiner derzeitigen Lieblingsarbeiten, die ein perfektes Beispiel für all diese Elemente darstellt, ist eine israelische Studie (Lotan et al. 2020), in der untersucht wurde, ob die Homöopathie Seromen (Flüssigkeitsansammlungen nach Operationen) nach einer Mastektomie bei Patientinnen mit Brustkrebs vorbeugen kann. Serome verursachen in der Regel starke Beschwerden und verzögern die Heilung, doch gibt es keine andere konventionelle Behandlung als das Anlegen von Drainagen nach der Operation, um die Flüssigkeit zu entfernen.

Diese „Goldstandard“-Studie – eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie – ergab, dass bei den Frauen, die nach der Operation mit homöopathischen Arzneimitteln (Arnica montana und Bellis perennis) behandelt wurden, die Drainagen 2,4 Tage früher (18 % früher) entfernt werden konnten als bei den Frauen, die ein Placebo erhielten. Bedauerlicherweise müssen sich viele Frauen einer solchen Operation unterziehen, so dass es sehr wünschenswert wäre, wenn weitere Forschungen in diesem Bereich durchgeführt würden, mit dem Ziel, dieses einfache homöopathische Behandlungsprotokoll als durchzuführende, kostengünstige Ergänzung der routinemäßigen Nachsorge für solche Patientinnen einzuführen.

Wie beurteilen Sie die Standards in der Homöopathie Forschung?

Die Standards in der Homöopathie Forschung sind im Vergleich zu anderen Bereichen, einschließlich der konventionellen medizinischen Forschung, sehr gut. Laut den Ergebnissen einer kürzlich im BMJ veröffentlichten Studie (Gartlehner et al. 2022) scheint der Forschungssektor der Homöopathie die konventionelle Medizin in Bezug auf wissenschaftliche und ethische Standards zu übertreffen, mit einem geringeren Maß an „Berichtsverzerrungen“ – ein Problem, das zu einer Überschätzung des Nutzens von Behandlungen führen kann. So wurde beispielsweise untersucht, wie oft die Forscher das „primäre Ergebnis“ änderten, d. h. welches Symptom bzw. welche Messung, das während einer Studie überwacht wurde, als das wichtigste „Ergebnis“ der Studie angesehen wurde. Es wurde festgestellt, dass dieses Verschieben, um günstigere Ergebnisse zu erzielen, in 25 % der Homöopathie-Forschungsstudien vorkommt, während dies in 43 % der Studien der konventionellen Medizin der Fall ist (Shah K et al, 2020).

Ich beschäftige mich nun schon seit über zehn Jahren mit der Homöopathie Forschung und es ist schön zu sehen, dass immer mehr qualitativ hochwertige Studien veröffentlicht werden. Laut Dr. Robbert van Haselen, dem Direktor des World Integrated Medicine Forum, zeigt die Evidenzbasis der Homöopathie in den letzten Jahren einen klar erkennbaren Trend zur Verbesserung der Studienqualität. Es wird also auf immer höherem Niveau geforscht – wir müssen nur noch mehr davon produzieren!

An welchen Homöopathie-Themen arbeiten die Wissenschaftler derzeit?

Ein spannendes Forschungsgebiet ist die Erforschung des Einsatzes der Homöopathie über die klinische Medizin hinaus, als Teil einer nachhaltigen und ökologischen Landwirtschaft. Die Verwendung ungiftiger homöopathischer Produkte anstelle chemischer Pestizide oder der Ersatz von Antibiotika in der Viehzucht durch homöopathische Arzneimittel könnte beispielsweise die Umweltverschmutzung und die Verunreinigung der Nahrungskette verringern.

Können Sie die Aussage „Homöopathie funktioniert nicht über den Placebo-Effekt“ bestätigen?

Ganz und gar nicht. Dies ist eine häufig genannte Theorie, aber die Daten sind einfach nicht vorhanden, um sie zu stützen. Im Gegenteil, die strengsten Untersuchungen zeigen, dass homöopathische Arzneimittel eine echte klinische Wirkung haben, die über den Placebo-Effekt hinausgeht – den man bei allen medizinischen Behandlungen beobachten kann.

Laborforscher in mehreren Ländern haben gezeigt, dass homöopathische Arzneimittel biologische Wirkungen bei Pflanzen, Fischen, Kaulquappen und sogar isolierten Blutzellen haben können. Diese Ergebnisse können nicht durch Placebo erklärt werden.

Und wenn wir uns die klinische Forschung ansehen, so hat der bahnbrechende Bericht von Dr. Robert Mathie aus dem Jahr 2014 gezeigt, dass individuell verschriebene homöopathische Arzneimittel mit 1,5- bis 2,0-fach höherer Wahrscheinlichkeit eine positive Wirkung haben als Placebo. Die klinische Wirkung, die er bei homöopathischen Arzneimitteln feststellte, ist ähnlich wie bei verschiedenen konventionellen Medikamenten, z. B. Sumatriptan bei Migräne, Fluoxetin bei schweren depressiven Störungen und Cholinesterasehemmer bei Demenz.

Wenn man sieht, dass diese Art von positiven Daten in allen Teilbereichen der Forschung – Laborexperimente, Veterinär- und Humanforschung – generiert werden, ist der Gesamttrend schwer zu ignorieren.

Referenzen

  1. Lotan AM et al. Arnica montana and Bellis perennis for seroma reduction following mastectomy and immediate breast reconstruction: randomized, double-blind, placebo-controlled trial. Europäische Zeitschrift für Plastische Chirurgie, 2020: 43, 285-294.
  2. Gartlehner G et al. Assessing the magnitude of reporting bias in trials of homeopathy: a cross-sectional study and meta-analysis. BMJ Evidence-Based Medicine, 2022; eFirst
  3. Shah K et al. Outcome reporting bias in Cochrane systematic reviews: a cross-sectional analysis. BMJ Open, 2020;16;10:e032497.

Rachel Roberts

ist Geschäftsführerin des Homeopathy Research Institute (HRI) und arbeitet seit 2010 für das Institut. Sie schloss ihr Studium der Biowissenschaften an der Universität Birmingham (UK) mit Auszeichnung ab und spezialisierte sich auf Physiologie. Außerdem absolvierte sie 1997 das College of Homeopathy in London und arbeitete anschließend bis 2012 als Homöopathin in privater Praxis. Rachel Roberts unterrichtete Homöopathie und medizinische Wissenschaft an verschiedenen Institutionen in und außerhalb Großbritanniens.

Über HRI

HRI ist eine im Vereinigten Königreich ansässige gemeinnützige Organisation, die sich der Förderung qualitativ hochwertiger Forschung im Bereich der Homöopathie auf internationaler Ebene widmet. Weitere Informationen: www.hri-research.org

2022-07-14T16:53:13+02:00

Kommentar: Lauterbach, Twitter, Homöopathie und die Wissenschaft

Ein Kommentar von Dr. med. Ulf Riker, 2. Vorsitzender des DZVhÄ

Im März dieses Jahres twitterte unser Gesundheitsminister: „Wir brauchen mehr Wissenschaft … und nicht weniger“. Recht hat er, der Lauterbach, ganz ohne Zweifel: unsere moderne und in bestimmten Bereichen hocheffektive Medizin wäre ohne die Erkenntnisse der medizinischen Wissenschaft  und ihrer Hilfstruppen aus Pharmazie oder Medizintechnik gar nicht denkbar. Ein Schelm, der annimmt, dass homöopathische ÄrztInnen daran zweifeln würden!

Woran man aber zweifeln darf ist die Plausibilität eines Denkmodells, in dem Wissenschaft als reine Natur-Wissenschaft absolut gesetzt wird. Seit langer Zeit und bis zum heutigen Tag postuliert diese Wissenschaft den Alleinvertretungsanspruch für Erkenntnisgewinn, ist dabei aber nicht wirklich bereit einzuräumen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse nicht mehr sind als Wahrscheinlichkeiten, die aus Beobachtungen abgeleitet sind.

Mag sein, dass Herr Lauterbach sogar dem Biologen Jakob von Uexküll zustimmen würde, von dem der Satz stammt: „Die Wissenschaft von heute ist der Irrtum von morgen“. Wir halten uns aber ganz offenkundig lieber am Heute fest als an morgen zu denken. Ein Beispiel: vor 50 Jahren hat der Club of Rome vor den Grenzen des Wachstums gewarnt, das damalige Handeln von Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft war ohne Zweifel wissenschaftsbasiert, die Warnung vor den Folgen freilich war es auch! Gewonnen hat das weiter so, vor den Konsequenzen in Form mehrerer paralleler Krisen stehen wir heute. Wie viele PolitikerInnen oder WissenschaftlerInnen kennen Sie, die heute öffentlich einräumen: ja, wir haben uns verrannt, wir hätten damals anders handeln müssen, es tut uns leid, wir haben uns getäuscht…? (Ach so, da hat doch eben unser Bundespräsident bekannt, dass er sich in der Russlandpolitik mitsamt vielen anderen hochrangigen Politikern getäuscht hat. Das hat immerhin ein gewisse Größe, auch wenn der entstandene Schaden noch größer ist…).

Und heute? Wir finden Mikroplastik in unserem Blutkreislauf, wir messen sinkende Grundwasserstände, wir investieren Milliarden in Renaturierung ganzer Landschaften, das Umweltbundesamt warnt vor zukünftig immer mehr Arzneimitttelrückständen in den Gewässern, große Geldsummen müssen als Folge anfälliger Monokulturen in Wald-Umbauprogramme investiert werden. Und so weiter. Alles von Wissenschaftlern aller möglichen Fachrichtungen mit- und vorausgedacht, nach „derzeitigem Wissensstand“ jederzeit gesichert.

Nachhaltiges Denken und Handeln sieht anders aus! „Irrtümer entstehen durch geschlossene Denk-Kollektive“, so fasste es der Biologe, Immunologe und Erkenntnistheoretiker Ludwig Fleck schon vor einem halben Jahrhundert zusammen und wies auf die Beharrungstendenz etablierter Denkstile hin. Max Planck trieb diesen Gedanken auf die Spitze und gab zu bedenken, dass sich neue Ideen erst dann durchsetzen können, wenn die Vertreter der alten ausgestorben seien.

Können wir in Zeiten sich gegenseitig verstärkender Krisen auf das Aussterben von Denkmodellen mit empirisch fragwürdigem Gehalt warten? Reichen lineare und teilweise monokausale wissenschaftliche Denkfiguren aus?  Oder braucht nicht doch unser Portfolio der Erkenntnismöglichkeiten Ergänzung, z.B. durch emotionale Intelligenz, Erfahrung oder Intuition? „Der Gegenstand ärztlicher Erkenntnis selbst unterscheidet sich im Grundsatz vom Gegenstand naturwissenschaftlicher Erkenntnis. Während der Naturwissenschaftler typische, normale Phänomene sucht, studiert der Arzt gerade die nichttypischen, nicht normalen, krankhaften Phänomene.“ Vielleicht eine Brücke zwischen naturwissenschaftlich orientierter Medizin und Homöopathie mit dem Zugewinn von Ressourcenschonung, Nachhaltigkeit und breiter Akzeptanz unter Menschen, die Gegenwart und Zukunft in ihrer ganzen Komplexität und Vielfalt berücksichtigt wissen möchten. Wie wäre es, lieber Herr Gesundheitsminister, wenn wir alle gemeinsam etwas breiter denken würden, wie viel von welcher Wissenschaft wir eigentlich brauchen und wie wir mit ihrer Hilfe, aber auch mit ergänzenden tools den „One Health“-Gedanken in gegenseitigem Respekt umsetzen und Zukunft sichern können?

2022-07-14T16:50:48+02:00

Themendienst Forschung: Homöopathie ist Evidenzbasierte Medizin

In einem 7-seitigen Themendienst zur Homöopathie-Forschung fasst der Deutsche Zentralverein homöpathischer Ärzte (DZVhÄ) den aktuellen Forschungsstand zusammen. „Die Homöopathie-Forschung ist eine wenig beachtete Disziplin, dabei gibt es zum Beispiel über 200 randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) zur Homöopathie, es gibt Grundlagen- und Versorgungsforschung und Datenbanken, in denen sich jeder einen Überblick verschaffen kann“, sagt Dr. med. Michaela Geiger, 1. Vorsitzende des DZVhÄ.

Die Definition der Evidenzbasierten Medizin (EbM) ist laut Cochrane Institut: „EbM stützt sich auf drei Säulen: die individuelle klinische Erfahrung, die Werte und Wünsche des Patienten und den aktuellen Stand der klinischen Forschung.“ Nimmt man auch nur eine der drei Säulen weg, wackelt das Gebäude bzw. es stürzt ein. Der Diskurs um die Homöopathie hat in den letzten Jahren gezeigt, dass es offenbar einfacher ist, nur die Säule von Wissenschaft und Forschung in den Fokus zu rücken, das Modell der EbM also willkürlich zu verändern. Bereits der Begründer der EbM, David L. Sackett (1997) wies auf diese Gefahr des „Tyrannisierens der Medizin durch externe Evidenz“ hin. „Bezogen auf die Homöopathie ist diese Tyrannei sogar eine doppelte: es wird ihr wider besseres Wissen und entgegen der Faktenlage jegliche externe Evidenz abgesprochen“, sagt Dr. med. Ulf Riker. 2. DZVhÄ-Vorsitzender.

„Es liegen genügend Studien für akute und chronische Erkrankungen vor, die eine Wirksamkeit der homöopathischen Therapie über Placebo belegen.“ Prof. Dr. med. André-Michael Beer, Direktor der Klinik für Naturheilkunde der Klinik Blankenstein, Ruhr-Universität Bochum in einem kürzlich erschienenen Konsenspapier von 10 Professor*innen zur Homöopathie

Die Themen im Überblick:

• Einstieg zum Stand der Forschung in der Homöopathie
• Homöopathie ist evidenzbasiert!
• 10 Professoren – 10 Statements zur Homöopathie in der medizinischen Versorgung
• Interview mit Prof. Beer, Initiator der „10 Statements“
• Interview mit Wissenschaftler Dr. Alexander Tournier: „Wir haben genügend Beweise,
die für die Homöopathie sprechen”
• S3 Leitlinie Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen PatientInnen
• Versorgungsforschung: Die Securvita BKK-Studie
• „Evidenzbasierte Veterinär-Homöopathie und ihre mögliche Bedeutung für die Bekämpfung
der Antibiotikaresistenzproblematik – ein Überblick”
• Studienübersichten

DZVhÄ Themendienst-Forschung hier herunterladen.

2022-09-08T12:52:22+02:00
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