Über Christoph Trapp

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DZVhÄ zum Aus der Homöopathie in der Musterweiterbildungsordnung

26. Mai 2022. Die Mehrheit der Delegierten des 126. Deutschen Ärztetages in Bremen haben am 26. Mai 2022 gegen die Zusatzbezeichnung Homöopathie in der Musterweiterbildungsordnung gestimmt. Dazu erklärt Dr. med. Michaela Geiger, 1. Vorsitzende des DZVhÄ:

„Als Begründung für die Ablehnung der Homöopathie wird die fehlende Wissenschaftlichkeit der Homöopathie aufgeführt. Ein Argument, das wir nicht stehen Michaele Geiger, 1. Vors. DZVhÄlassen können, es liegen genügend qualitativ hochwertige Studien unterschiedlichen Designs vor, die hinreichend einen Nutzen der Homöopathie belegen. Evidenzbasierte Medizin beruht nach ihrem Begründer Dr. Davids L. Sackett auf den drei Säulen: Studienlage(externe Evidenz), ärztliche Erfahrung (interne Evidenz) und die Präferenz der Patient*innen. Auf dieser Grundlage der drei Säulen der evidenzbasierten Medizin sollte die Entscheidung über die Inhalte der Weiterbildungsordnung der Ärztekammer entschieden werden.

Diese Abstimmung zeigt, dass es nun noch wichtiger wird für unseren Berufsverband, die qualitativ hochwertige ärztliche Aus- und Fortbildung der Homöopathie weiterzuentwickeln. Homöopathie hat in der Bevölkerung eine hohe Akzeptanz, sie wird von der Selbstmedikation bis hin zu schweren Erkrankungen in ärztlicher Begleitung angewandt. Diesen Stellenwert muss auch die ärztliche Fortbildung Rechnung tragen, die DZVhÄ Ausbildung mit dem Homöopathie-Diplom gewährleistet das.“

2022-05-27T11:25:34+02:00

Plakate für Ihre Praxis

Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) klärt mit Wartezimmer-Plakaten über die wesentlichen Grundzüge der Homöopathie auf. Ein Grund: die Deutungshoheit über die Homöopathie Hahnemanns im öffentlichen Raum wieder zurückzugewinnen. Der Verband möchte gemeinsam mit dem Bundesverband Patienten für Homöopathie (BPH) mehr als bisher Patientinnen und Patienten in die öffentliche Diskussion um die Homöopathie einbeziehen und ihre eigenen Erfahrungen und Beobachtungen auf der neuen Webseite des BPH veröffentlichen.

Es werden drei verschiedene Plakat-Motive angeboten, die herausgestellten Themen sind identisch. Ebenfalls die Aussage:

Für Therapiefreiheit und Vielfalt in der Medizin

 WIRKSAM

Das erleben Patientinnen und Patienten regelmäßig.
Das ist wissenschaftlich erwiesen.
Das gilt auch für Haus- und Nutztiere.

INDIVIDUELL

Wir berücksichtigen sowohl Ihre Befunde als auch Ihr Befinden.
Wir wägen genau ab, was Homöopathie im Einzelfall kann.
Wir arbeiten integrativ mit anderen Therapierichtungen zusammen.

NACHHALTIG

Wir schonen Ressourcen bereits bei der Herstellung der Arzneien.
Wir brauchen keine Tierversuche.Wir vermeiden Schadstoffbelastung von Gewässern und Umwelt.

SICHER

Wir sind wissenschaftlich ausgebildet.
Wir verfügen über reiche klinische Erfahrung.
Wir wissen, was zu tun ist, wenn Homöopathie nicht ausreicht.

ÖKONOMISCH

Die homöopathische Behandlung ist preiswert.
Die homöopathischen Arzneien sind günstig.
Homöopathie verbessert Ihre Gesundheit und spart Kosten langfristig.

Die A 2 Plakate können per Mail in der DZVhÄ Geschäftsstelle kostenlos bestellt werden, gerne auch für mehre Praxen zusammen und für die Apotheke in der Nachbarschaft.

2022-05-22T10:13:14+02:00

Homöopathie – aber sicher! Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker

Homöopathie sei gefährlich, heißt es immer wieder. So auch am 19. Mai im ARD Magazin Kontraste: Gefährliche Homöopathie und  die Rolle der Apotheker titelten die Autoren, die der Skeptiker-Szene gefährlich nahe stehen.

Der angebliche Grund für die Gefährlichkeit der Therapiemethode: wirksame andere Therapien würden unterbleiben und Krankheiten könnten schlimmstenfalls zum Tode führen. Vorgetragen wird diese verunsichernde Darstellung ausschließlich von Personen, die sich mit der Praxis ärztlicher Homöopathie entweder noch nie, nur sehr oberflächlich oder aber auf rein theoretischer Ebene beschäftigt haben.

Wir stellen klar:

Homöopathisch tätige Ärztinnen und Ärzte haben wie alle ihre KollegInnen ein abgeschlossenes Medizinstudium absolviert, die meisten eine Facharztausbildung, alle sind durch wissenschaftsbasierte Medizin sozialisiert. Hinzu kommt eine oft jahrelange praktische Tätigkeit in Kliniken, dabei erwächst aus Wissen Schritt für Schritt Erfahrung. Das gilt für sämtliche Ärzt*innen, egal welcher Fachrichtung oder Zusatzqualifikation, also auch für diejenigen Ärzt*innen, die sich schließlich der Homöopathie zugewandt haben.

  • Ärztinnen und Ärzte aller Fachrichtungen kennen die Krankheiten, Spontanverläufe und möglichen Komplikationen, für die sie besonders qualifiziert sind. Sie kennen erforderliche diagnostische Schritte ebenso wie Behandlungsoptionen der konventionellen Medizin. Und das ist gut so, denn eine breit gefächerte Kompetenz bedeutet Sicherheit für die PatientInnen auch dann, wenn Gefahr droht.
  • Homöopathisch tätige Ärztinnen und Ärzte wenden Homöopathie dann an, wenn Patienten dies wünschen. Gleichzeitig müssen die Voraussetzungen für ihren effektiven Einsatz gegeben sein: die Krankheit muss der Homöopathie grundsätzlich zugänglich sein, ärztlicherseits ist entsprechende Erfahrung in der Behandlung einer Krankheit notwendig, und nicht zuletzt müssen auch die Patienten selbst in der Lage sein, durch Selbstbeobachtung ihre Symptome und Beschwerden möglichst präzise und detailgenau zu schildern, denn gerade das individuelle Symptomen-Mosaik stellt die Voraussetzung dar für eine korrekte Arzneiwahl nach dem Ähnlichkeitsprinzip.
  • Behandelnde ÄrztInnen müssen sowohl in der Klinik, als auch im ambulanten Bereich jederzeit erreichbar sein, wenn sich Komplikationen abzeichnen und eine rasche therapeutische Intervention notwendig ist. Dies gilt umso mehr, wenn Arzt und Patient den Weg einer leitlinienorientierten Medizin verlassen und sich einer besonderen, meist individualisierenden Therapierichtung wie der Homöopathie zuwenden. In solchen Fällen ist rasche Entscheidung gefragt, ob eine homöopathische Behandlung durch eine konventionelle, medikamentöse oder chirurgische Therapie ersetzt oder zumindest ergänzt werden muss.
  • Und noch ein weiterer Aspekt dient vor Allem im ambulanten Bereich der Patientensicherheit, nämlich die Beratungskompetenz speziell qualifizierter Apothekerinnen und Apotheker. Seit fast zwei Jahrzehnten gibt es eine Weiterbildungsmöglichkeit für diese Berufsgruppe: Naturheilverfahren und Homöopathie. Grundlagen, homöopathische Arzneien, konkrete Anwendung und richtige Dosierung gehören zum „Stoff“ der Kurse. Ziel ist die qualifizierte Beratung der Apothekenkunden z.B. bei der Selbstbehandlung, aber auch bei unerwarteten Arzneireaktionen. Apothekerinnen und Ärzte sprechen „mit einer Stimme“, weil Sie wissen, wovon sie reden.

Übrigens: wussten Sie schon, dass einer homöopathiekritischen Apothekerin aus Oberbayern ca. 700 Kolleginnen und Kollegen allein in Bayern gegenüberstehen, die in den letzten Jahren eine entsprechende Qualifikation erworben und sich aus Überzeugung der homöopathischen Beratung zugewandt haben? Bundesweit sind es nach Auskunft der Apothekerkammer Bayern sogar mehr als 2200 Apothekerinnen und Apotheker, und das ist umso erstaunlicher, als die Beratung der Kunden nicht honoriert wird.

Wir sehen: Homöopathie ist in Ärztlicher Hand und flankiert von ApothekerInnen eine absolut sichere therapeutische Ergänzung und oft auch Alternative!

Dr. med. Ulf Riker, 2. Vorsitzender des DZVhÄ

2022-05-20T13:22:41+02:00

HRI Studien-Monitor: Homöopathie bessert signifikant PMS

Das Homeopathy Research Institut (HRI) hat jetzt die Serie Studien-Monitor gestartet und stellt regelmäßig Studien zur Homöopathie vor, die die Wirksamkeit der Homöopathie über den Placebo-Effekt hinaus zeigen. „Homöopathie wirkt über den Placebo-Effekt hinaus, zahlreiche hochwertige wissenschaftliche Studien belegen dies“, schreibt das HRI in ihrer ersten Pressemitteilung im April. Begonnen wurde mit einer Studie aus dem Jahr 2019 zur Anwendung von Homöopathie bei Frauen mit prämenstruellen Syndrom (PMS).

An der aktuellen Studie nahmen 105 Frauen im Alter von 20 bis 50 Jahren mit PMS teilnahmen, sie war als randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie angelegt, in der die Wirksamkeit von individuell verschriebenen homöopathischen Arzneimitteln untersucht wurde. Es wurden zwei Gruppen verglichen, die entweder eine individuelle homöopathische Behandlung oder ein Placebo erhielten. Die Wirksamkeit wurde durch Messung der PMS-Symptome (prämenstrueller Score), der Einnahme konventioneller Medikamente und der Anzahl der Krankheitstage bewertet. Dabei wurden diese Werte für die zwei Monate vor der Behandlung mit den drei Monaten während der Behandlung verglichen:

• Der prämenstruelle Score verbesserte sich in der Homöopathiegruppe stärker als in der Placebogruppe (p=0,043).
• Die Frauen in der Homöopathiegruppe nahmen während der Behandlungsphase signifikant weniger konventionelle Medikamente ein als die in der Placebogruppe (p=0,043).
• Die Zahl der von den Frauen während der Behandlungsphase gemeldeten Krankheitstage war in der Homöopathiegruppe stärker reduziert als in der Placebogruppe (p=0,028).

Die signifikante Verbesserung der prämenstruellen Symptome bei Frauen, die mit Homöopathie behandelt wurden, ist ein wichtiges Ergebnis dieser Studie.

Weitere Information zu dieser Studie von Yakir et al lesen Sie auf der HRI-Webseite.

Im Februar eröffnet das Homeopathy Research Institut (HRI) in Berlin sein erstes Büro außerhalb Großbritanniens. Die Hauptaufgabe des Büros besteht darin, fundierte wissenschaftliche Informationen über die Forschung im Bereich der Homöopathie bereitzustellen: Von den neuesten klinischen Studien bis hin zur Laborforschung. Die Niederlassung wird von Rachel Roberts, der Geschäftsführerin des britischen HRI geleitet, die über mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung in der Homöopathie und in der Forschung verfügt. „Es gibt immer mehr gute Studien, die die Wirksamkeit der Homöopathie gegenüber Placebos belegen. Es ist viel zu wenig darüber bekannt,“ erläutert Roberts den Beweggrund, die Arbeit des HRI auf Deutschland auszudehnen.

2022-05-20T11:50:25+02:00

News vom 8. Mai

▶️ Aus für Globuli? Kasse zahlt keine Homöopathie mehr – das ZDF Magazin WISO geht am 9.5. um 19:25 h dieser Frage nach und hat u.a. Dr. Ulf Riker, 2. Vorsitzender DZVhÄ, befragt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2022-05-08T21:53:10+02:00

News vom 6. Mai

▶️ Finanzierung von Globuli durch Krankenkassen immer umstrittener – NDR Beitrag, der im Grunde die Homöopathie gut darstellt.

▶️ WHO PRÜFT ALTERNATIVMEDIZIN – die PTA berichtet über ein neues Forschungszentrum in Indien.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2022-05-06T18:53:29+02:00

News vom 25. April

▶️ Umstrittene Wirkung der Globuli – Leserbrief in der SZ.

▶️ Bayerns Gesundheitsminister zur Vorstellung der Ergebnisse der IMBAY-Studie – Pressemitteilung der Bayerischen Staatsregierung zur Integrativen Medizin

▶️ Homöopathie für Kinder: „Nichts ist so wirksam wie die Erfahrung“ – ein Beitrag von Praxis Vita.

▶️ Ärztekammerwahl: Homöopathen und Bioresonanz-Mediziner als Zünglein an der Waage – der Standard über die Wiener Ärztekammer.

▶️ WHO erforscht Alternativmedizin – ein ORF Beitrag über ein neues WHO Zentrum in Indien.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2022-04-25T13:13:35+02:00

Kommentar: Lauterbach, Twitter, Homöopathie und die Wissenschaft

Ein Kommentar von Dr. med. Ulf Riker, 2. Vorsitzender des DZVhÄ

Im März dieses Jahres twitterte unser Gesundheitsminister: „Wir brauchen mehr Wissenschaft … und nicht weniger“. Recht hat er, der Lauterbach, ganz ohne Zweifel: unsere moderne und in bestimmten Bereichen hocheffektive Medizin wäre ohne die Erkenntnisse der medizinischen Wissenschaft  und ihrer Hilfstruppen aus Pharmazie oder Medizintechnik gar nicht denkbar. Ein Schelm, der annimmt, dass homöopathische ÄrztInnen daran zweifeln würden!

Woran man aber zweifeln darf ist die Plausibilität eines Denkmodells, in dem Wissenschaft als reine Natur-Wissenschaft absolut gesetzt wird. Seit langer Zeit und bis zum heutigen Tag postuliert diese Wissenschaft den Alleinvertretungsanspruch für Erkenntnisgewinn, ist dabei aber nicht wirklich bereit einzuräumen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse nicht mehr sind als Wahrscheinlichkeiten, die aus Beobachtungen abgeleitet sind.

Mag sein, dass Herr Lauterbach sogar dem Biologen Jakob von Uexküll zustimmen würde, von dem der Satz stammt: „Die Wissenschaft von heute ist der Irrtum von morgen“. Wir halten uns aber ganz offenkundig lieber am Heute fest als an morgen zu denken. Ein Beispiel: vor 50 Jahren hat der Club of Rome vor den Grenzen des Wachstums gewarnt, das damalige Handeln von Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft war ohne Zweifel wissenschaftsbasiert, die Warnung vor den Folgen freilich war es auch! Gewonnen hat das weiter so, vor den Konsequenzen in Form mehrerer paralleler Krisen stehen wir heute. Wie viele PolitikerInnen oder WissenschaftlerInnen kennen Sie, die heute öffentlich einräumen: ja, wir haben uns verrannt, wir hätten damals anders handeln müssen, es tut uns leid, wir haben uns getäuscht…? (Ach so, da hat doch eben unser Bundespräsident bekannt, dass er sich in der Russlandpolitik mitsamt vielen anderen hochrangigen Politikern getäuscht hat. Das hat immerhin ein gewisse Größe, auch wenn der entstandene Schaden noch größer ist…).

Und heute? Wir finden Mikroplastik in unserem Blutkreislauf, wir messen sinkende Grundwasserstände, wir investieren Milliarden in Renaturierung ganzer Landschaften, das Umweltbundesamt warnt vor zukünftig immer mehr Arzneimitttelrückständen in den Gewässern, große Geldsummen müssen als Folge anfälliger Monokulturen in Wald-Umbauprogramme investiert werden. Und so weiter. Alles von Wissenschaftlern aller möglichen Fachrichtungen mit- und vorausgedacht, nach „derzeitigem Wissensstand“ jederzeit gesichert.

Nachhaltiges Denken und Handeln sieht anders aus! „Irrtümer entstehen durch geschlossene Denk-Kollektive“, so fasste es der Biologe, Immunologe und Erkenntnistheoretiker Ludwig Fleck schon vor einem halben Jahrhundert zusammen und wies auf die Beharrungstendenz etablierter Denkstile hin. Max Planck trieb diesen Gedanken auf die Spitze und gab zu bedenken, dass sich neue Ideen erst dann durchsetzen können, wenn die Vertreter der alten ausgestorben seien.

Können wir in Zeiten sich gegenseitig verstärkender Krisen auf das Aussterben von Denkmodellen mit empirisch fragwürdigem Gehalt warten? Reichen lineare und teilweise monokausale wissenschaftliche Denkfiguren aus?  Oder braucht nicht doch unser Portfolio der Erkenntnismöglichkeiten Ergänzung, z.B. durch emotionale Intelligenz, Erfahrung oder Intuition? „Der Gegenstand ärztlicher Erkenntnis selbst unterscheidet sich im Grundsatz vom Gegenstand naturwissenschaftlicher Erkenntnis. Während der Naturwissenschaftler typische, normale Phänomene sucht, studiert der Arzt gerade die nichttypischen, nicht normalen, krankhaften Phänomene.“ Vielleicht eine Brücke zwischen naturwissenschaftlich orientierter Medizin und Homöopathie mit dem Zugewinn von Ressourcenschonung, Nachhaltigkeit und breiter Akzeptanz unter Menschen, die Gegenwart und Zukunft in ihrer ganzen Komplexität und Vielfalt berücksichtigt wissen möchten. Wie wäre es, lieber Herr Gesundheitsminister, wenn wir alle gemeinsam etwas breiter denken würden, wie viel von welcher Wissenschaft wir eigentlich brauchen und wie wir mit ihrer Hilfe, aber auch mit ergänzenden tools den „One Health“-Gedanken in gegenseitigem Respekt umsetzen und Zukunft sichern können?

2022-04-25T15:01:09+02:00

Was Evidenz basierte Medizin ist

Das Credo der Evidenzbasierten Medizin (EbM) ist das Lieblings-Argument von Kritikern der Homöopathie. Warum? Weil es sich – vermeintlich – so einfach auf den Punkt bringen lässt: „Keine ausreichende Studienlage, also nicht evidenzbasiert“. Bereits Studierende antworten oft auf die Frage, was evidenzbasierte Medizin denn sei: „Entscheidung nach Studienlage!“ Aber ist es das, worum es David Sackett wirklich ging?

In seinem bereits 1996 veröffentlichten Artikel „Was evidenzbasierte Medizin ist und was sie nicht ist“ schreibt Sackett sehr deutlich:

“Gute Ärzte nutzen beides: ihre individuelle klinische Expertise und die beste verfügbare externe Evidenz, keines von beiden reicht allein. Ohne klinische Expertise droht das praktische Tun von der Evidenz tyrannisiert zu werden, denn selbst exzellente externe Evidenz kann für den individuellen Patienten nicht anwendbar (inapplicable) oder unpassend (inappropriate) sein. Ohne die aktuelle beste Evidenz droht das praktische Tun schnell zu veralten zum Schaden des Patienten. Externe Evidenz kann informieren, aber niemals die individuelle klinische Expertise ersetzen und es ist diese Expertise, die entscheidet, ob eine externe Evidenz im individuellen Patientenfall überhaupt angewendet werden und – wenn dem so ist – wie diese in die klinische Entscheidung einbezogen werden sollte.“

Ist das von Bedeutung? Selbstverständlich, denn bis heute findet in der Medizin Vieles Anwendung, was lediglich tradiert ist oder sich durch Gewohnheit und Erfolg etabliert hat. Und bestimmt ist es gut, wenn sich der Eminenz-basierten Medizin („der Chef hat das schon immer so gemacht“) eine Evidenzbasierte Medizin entgegenstellen kann („bei sehr vielen Menschen ist der Verlauf aber genauso, unabhängig von der Maßnahme des Chefs“ oder sogar „viele Menschen leben länger ohne diese Maßnahme des Chefs“).

EbM also als Hilfe, die eigene Erfahrung und die Erfahrungen von Vielen in einen Kontext zu bringen.

Eine große Stärke der EbM für die tägliche Praxis ist vermutlich, dass sie uns gute Daten liefert, etwas Unwirksames (oder gar Schädliches) zu unterlassen lassen, oft ohne jedoch von solider Studienlage gestützte wirksame Alternativen zu liefern. Ein gutes Beispiel dafür ist die aktuelle EbM-basierte Nationale Versorgungsleitlinie Rückenschmerz, die in vielen Punkten berechtigte Negativempfehlungen ausspricht, während viele Positivempfehlungen nicht oder schwach unterstützt, teilweise  nur konsensuell und daneben oft realitätsfremd und kaum hilfreich für die tägliche Praxis sind.

Denn es ist oft viel schwieriger, solide Daten zur Unterstützung wirksamer Verfahren zu erbringen. Das liegt auf Studienebene an Faktoren wie finanziellem Support, Heterogenität im Design, fehlender Randomisierung, unterschiedlich durchführbarer Verblindung, hochvariabler Ein- und Ausschlusskriterien und vielem mehr, bei Leitlinien wohl auch dem Einfluss unterschiedlicher Lobbygruppen (Wie wäre beispielsweise sonst zu erklären, dass z.B. Akupunktur in den britischen EBM-NICE Guidlines bei jeder Form von Rückenschmerz als klare Negativempfehlung gelistet wird, während sie in Deutschland 2017 in die nationalen Versorgungsleitlinien sowohl bei akuten wie bei chronischen Rückenschmerzen als Kann – Empfehlung aufgenommen wurde?) Wie biegbar ist also Evidenzbasierte Medizin?

Und wie steht es um die Übertragbarkeit auf die reale Praxissituation? Meta-Analysen enthalten – für die bessere Vergleichbarkeit – in der Regel homogene Studiengruppen, aber in den seltensten Fällen reale Patienten mit ihren Begleiterkrankungen. Zulassungsstudien sind nicht an komplexen Patienten mit Zusatzerkrankungen erprobt und oft genug scheitert die Leitlinien-Therapie, weil sie beim individuellen Patienten wegen zusätzlicher Erkrankungen nicht anwendbar ist.

Evidenzbasierte Medizin ist nicht die Lehre von der doppelblind-randomisierten Studie, sondern „der gewissenhafte, ausdrückliche und angemessene Gebrauch der gegenwärtig besten vorhandenen Daten aus der Gesundheitsforschung, um bei Behandlung und Versorgung von konkreten Patienten Entscheidungen zu treffen. EbM beinhaltet die Integration individueller klinischer Expertise mit der bestmöglichen Evidenz aus klinischer Forschung und der Präferenz des Patienten.“ Diese Definition von David Sackett, nachzulesen im „British Medical Journal“ 1996; 312: 71–2, ist die einzige und korrekte Definition der evidenzbasierten Medizin. Sie auf ein Drittel zu kürzen ist sinnentstellend.

Ist Sackett ein Fürsprecher der Homöopathie? Sicher nicht!

Aber die Menschen, die meinen, unter der Fahne der Evidenzbasierten Medizin in den Krieg gegen die Homöopathie ziehen zu müssen, sollten so informiert sein, die Definition zu kennen. Oder so ehrlich, ihren Feldzug auf alles anzuwenden, was ihrer Definition nicht entspricht (womit dann allerdings nicht mehr viel übrig bliebe vom ärztlichen Tun). Oder sie sollten endlich zugeben, dass sie die Homöopathie aus persönlichen Gründen „einfach weghaben“ wollen oder dass ihnen ihr Vorgehen derzeit einfach nur „irgendwie opportun“ erscheint.

Für Ärztinnen und Ärzte bedeutet evidenz-basiertes Handeln:

  • Die Datenlage kennen und verbessern.
  • Wissen, was schaden und was helfen könnte.
  • Unsere Erfahrung einschätzen, unsere Grenzen kennen.
  • Zuhören und in Abstimmung mit dem individuellen Patienten die bestmögliche Therapie wählen.

Ärztinnen und Ärzte mit homöopathischer Zusatzqualifikation sind mit ihrem Tun davon nicht weiter entfernt als viele unsere KollegInnen!

Autorin: Dr. Alexandra Schulze-Rohr, DZVhÄ-Vorstand Fort- und Weiterbildung

2022-04-22T11:05:29+02:00

News vom 5. April

▶️ Krankenkassen in NRW halten an Finanzierung von Homöopathie fest – berichtet die Neue Westfälische.

▶️ Homöopathie-Erfahrungen: „Globuli sind immer meine erste Wahl“ – Tipps von PraxisVita.

▶️ Santé intégrative: quelles thérapies complémentaires à l’hôpital? Parents de jumeaux diabétiques cherchent aide désespérément – ein Beitrag im schweizer TV über Integrative Medizin.

▶️ Assessing the magnitude of reporting bias in trials of homeopathy: a cross-sectional study and meta-analysis – doch keine Verzerrung in der Homöopathie-Forschung, Beitrag im BMJ.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2022-04-05T09:55:56+02:00
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