Über Christoph Trapp

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DZVhÄ-Kommentar: Vom Homöopath zum Terrorist

Der  bayerische HNO-Arzt Dr. Lübbers ist bekennender Homöopathie-Gegner, seit er einem kleinen Kind Globuli aus einem entzündeten Gehörgang bergen musste. Inzwischen ist er auch Sprecher des „Informationsnetzwerks Homöopathie“, und in dieser Funktion hat er in Ausgabe 9/21 des Bayerischen Ärzteblattes den „Contra“-Part zum Thema Erhalt der Zusatzbezeichnung Homöopathie verfasst. Das INH ist die Lobby-Gruppe der Anti-Homöopathie-Kampagne. Ein aktueller Eintrag von ihm auf Twitter macht deutlich, dass es mitnichten darum geht, über Homöopathie „sachgerecht“ zu informieren und „aufzuklären“, wie es im Internetauftritt des Netzwerkes heißt und von den Protagonisten immer wieder gerne dargestellt wird.

Tweet Lübbers am 23.9. 15.21 Uhr:

„Homöopathie ist eine Einstiegsdroge in die Unwissenschaftlichkeit. Ablehnung der Wissenschaft ist eine Einstiegsdroge in das Querdenkertum. Querdenkertum ist eine Einstiegsdroge in den Terrorismus. Ehrliche Aufklärung kostet Wählerstimmen. Falsche Toleranz kostet Menschenleben.“

 

Kollege Lübbers betätigt sich hier als „Drogenspezialist“ und generiert eine vermeintliche Kausalkette, an deren Ende man implizit zu dem Schluss geführt wird, Homöopathie koste Menschenleben. Dabei ist die Verknüpfung der Teilaussagen in höchstem Maße manipulativ und polemisch, erfüllt also nicht den eigenen Anspruch einer „sachgerechten Aufklärung“, sondern ist schlicht pseudointellektuelle Pöbelei.

Denn:

  • Homöopathie wird wissenschaftlich begleitet und analysiert, was zuletzt auch zur Aufnahme in eine S3-Leitlinie geführt hat (1). Ohne Zweifel braucht Homöopathie aber noch wesentlich mehr Forschung und nicht weniger, wie die meisten Homöopathie-Gegner fordern
  • Der DZVhÄ hat sich wiederholt sehr klar und eindeutig von Coronaleugnern, Impfgegnern oder Querdenkern abgegrenzt. (2) Das nicht wahrzunehmen macht deutlich, dass sich Herr Lübbers ausschließlich in seiner eigenen Homöopathie-feindlichen Blase bewegt und offenkundig keine Bereitschaft zeigt, sich mit den tatsächlichen Fakten auseinander zu setzen.
  • Die dritte Schlussfolgerung in der vermeintlichen Kausalkette ist schlicht infam, unkollegial und ehrenrührig. Zudem werden zahllose Patientinnen und Patienten zu Opfern des homöopathie-immanenten „Terrorismus“ abgestempelt. Das ist sowohl menschlich wie ärztlich unwürdig.
  • Dass ehrliche Aufklärung – in der Politik und besonders zu Wahlzeiten – Wählerstimmen kosten kann ist womöglich die einzige Wahrheit, die der Tweet des Kollegen Lübbers enthält. Dass „falsche Toleranz“ – gemeint ist vermutlich das Akzeptieren der Homöopathie als eine weltweit und seit 200 Jahren bewährte, gewünschte und vor Allem erfolgreiche Therapieform – dass also diese Toleranz Menschenleben kostet ist nicht nur absurd, sondern entbehrt jeder sachlichen Grundlage. Gerade in ärztlicher Hand, also unter Beibehaltung der Zusatzweiterbildung Homöopathie in der Weiterbildungsordnung ist Homöopathie für Patientinnen und Patienten besonders sicher, weil vor Allem Ärztinnen und Ärzte auf Grund ihrer akademisch-fachlichen Qualifikation in der Lage sind, die Möglichkeiten und Grenzen der Homöopathie in einem integrativen therapeutischen Gesamtkonzept zu erkennen und abzuwägen.

Der Tweet von Kollegen Lübbers zeigt im Übrigen, dass ihm und den Gegnern der Homöopathie kein noch so absurdes oder perfides Mittel zu billig ist, um ihre pseudo-skeptische Agenda auf Teufel komm raus durchzudrücken. Mit ärztlicher Kollegialität oder Respekt vor den Erfahrungen Anderer (Patienten oder Kollegen!) hat das definitiv nichts zu tun! Erschreckend, dass dieser Tweez fast 10.000 Mal geliked wird.

Die demokratisch gewählten und geschätzten bayerischen Kolleginnen und Kollegen, die als Delegierte des kommenden Bayerischen Ärztetages über den Erhalt der Zusatzweiterbildung Homöopathie abstimmen werden sollten sich nach diesem Tweet sehr gründlich überlegen, ob sie sich vor den Karren einer Kampagne spannen lassen oder ob sie mit Respekt und Achtung ihren eigenen Kolleginnen und Kollegen vertrauen und deren Wissen und Erfahrung wertschätzen.

Quellen:

  1. Die Ergebnisse bisheriger Ergebnisse aus Grundlagen- und Versorgungsforschung sowie aus klinischen wissenschaftlichen Studien lassen sich jederzeit nachvollziehen unter wisshom.de oder www.hri-research.org. Die S3-Leitlinie findet sich bei www.leitlinienprogramm-onkologie.de
  2. Auf der Seite des DZVhÄ finden sich kommentierende Erklärungen als Blog-Beiträge. Diese kennzeichnen die grundsätzliche Position des DZVhÄ-Vorstandes (siehe Juni 21: „Corona-Leugner Beitrag von Frontal 21“ und Juli 21: „ DZVhÄ zu Spaltungen in Corona-Zeiten“)
2021-10-06T08:48:55+02:00

News vom 1. Oktober

▶️ Interview mit Dr. med. Claudia Levin: Homöopathie in der Palliativmedizin – erschienen auf der Seite des LV Bayern.

▶️ Onkologie Leitlinie: Bericht aus der Praxis  -nachzulesen auf der dem DZVhÄ-Blog.

▶️ Ausstellung im Medizinhistorischen Museum des UKE: „Pandemie – Rückblicke in die Gegenwart“ – gezeigt werden auch fünf Texte von Samuel Hahnemann

▶️ Bryonia: Wirkstoff für Schleimhäute und bei Kopfschmerzen – wie die Pflanze in der Homöopathie eingesetzt wird, bericht das Online-Magazin lifeline.

 

 

 

 

2021-09-30T19:54:43+02:00

Wahlen 21: Positionen der Parteien zur Homöopathie

Wie stehen die zurzeit im Bundestag vertretenen Parteien zur Homöopathie bzw. zur Integrativen Medizin und welche Auswirkungen kann die Wahl am 26. September haben? Der Bundesverband Patienten für Homöopathie (BPH) hat die Positionen der Parteien herausgearbeitet. Dabei zeigen sich zwei Lager: Grüne und Linke planen Gesetzesänderungen, die den guten Status quo der Homöopathie im Gesundheitssystem zum Nachteil verändern würde. CDU/CSU möchten die gegenwärtige Situation beibehalten, auch die FDP setzt sich für möglichst viele Freiheiten für Ärzt*innen und Patient*innen ein. Dazwischen steht die SPD: ein wenig unzufrieden mit der aus ihrer Sicht unwissenschaftlichen Homöopathie – aber sie erklären, keine Gesetzesänderungen zu planen. Die AfD wird in der BPH-Übersicht nicht aufgeführt. Hier geht`s zum BPH-Blog und den Positionen der Parteien.

 

 

 

 

2021-09-21T20:34:39+02:00

News vom 21. September

▶️ Hunde sind keine Schlafschafe – Feature vom RBB Info-Radio, in dem wahllos (oder wie`s passt) Verbindungen von Querdenkerei – Homöopathie – Placebos hergestellt wird. Seltsam quer gedacht.

▶️ Themendienst-DZVhÄ: Zusatzbezeichnung Homöopathie ist heute als Pressemitteilung versendet worden.

▶️ Bundestagswahl 21: Homöopathie in der Politik – der BPH fasst auf seinem Blog die Haltungen der im Bundestag vertretenden Parteien zusammen.

 

 

 

 

2021-09-21T19:08:47+02:00

News vom 19. September

▶️ Integrative pediatrics survey: Parents report high demand and willingness to self-pay for complementary and integrative medicine in German hospitals – eine Studie der Uni Duisburg-Essen, erschienen bei Elsevier.

▶️ Eltern wollen Homöopathie für ihre Kinder- ein Beitrag in der Medical Tribune zur oben genannten Studie.

▶️ Energiewende für den guten Zweck: Gewinne von Bürgerwindrad im Kreis Heidenheim gehen an Klinik für Homöopathie – der SWR berichtet über ein tolles Projekt.

 

 

 

 

2021-09-19T18:02:55+02:00

Themendienst: Zusatzbezeichnung Homöopathie

Mit einem Themendienst bietet der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) jetzt Hintergründe über die Diskussion um die ärztliche Weiterbildung Homöopathie. Der Deutsche Ärztetag 2018 hatte sich deutlich für eine neue Musterweiterbildungsordnung mit der Zusatzbezeichnung Homöopathie ausgesprochen. Doch bei der Umsetzung in den insgesamt 17 Landesärztekammern blieb die Homöopathie zum Teil auf der Strecke. Nun stehen im September und Oktober 21 noch die Entscheidungen in Berlin und Bayern an.

 

Die Themen:

  • Erst beschlossen und dann abgeschafft? Zur Lage der ärztlichen Weiterbildung Homöopathie
  • Interview mit Dr. med. Alexandra Schulze-Rohr, DZVhÄ Vorstand Weiterbildung
  • Hintergründe: Die Anti-Homöopathie-Kampagne und der Brief des Münsteraner Kreises an den Deutschen Ärztetag 2018
  • Die Ausbildung eines homöopathisch tätigen Arztes / Ärztin
  • Ärzt*innen berichten, warum sie Homöopathie anwenden
  • Patienten berichten, warum sie Homöopathie in Anspruch nehmen / Bertelsmann Gesundheitsmonitor
  • Zusammengefasst: 9 Gründe zum Erhalt der Zusatzbezeichnung
  • Die AWMF fordert mehr Aus- und Weiterbildung in Komplementärmedizin
  • Daten & Fakten zur Homöopathie
  • Ausblick: Integrative Listen kandidieren für die Delegiertenversammlungen von Ärztekammer

Direkt zum Themendienst.

2021-10-15T17:57:28+02:00
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