AHZ 4/2021

225 Jahre Homöopathie: vom Auf und Ab einer „wissenschaftlichen Anomalie“

Das diesjährige Jubiläum der Homöopathie scheint nicht nur von den Schlagzeilen der Coronapandemie überschattet zu werden, sondern auch aufgrund der allgemeinen Homöopathie-Baisse der letzten Jahre wenig Beachtung zu fi nden. Dabei ist die 225-jährige Geschichte der Homöopathie durchaus spannend und abwechslungsreich.

Das gesamte Editorial von Christian Lucae finden Sie hier.

Hier finden Sie das Inhaltsverzeichnis der Ausgabe 04/2021.

Hier finden Sie die aktuellen Vereinsmitteilungen des DZVhÄ.

Viel Spaß bei der Lektüre dieser AHZ Ausgabe.

2021-08-19T09:12:17+02:00

EU Bio-Verordnung: Homöopathie ist Medizin der ersten Wahl

Interview mit Dr. med. vet. Brigitte Hentschel, sie ist praktische Tierärztin aus München mit der Zusatzbezeichnung Homöopathie und leitet die Vetmed Arbeitsgruppe des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ). Eine neue EU Bio Verordnung ist erlassen, sie tritt Anfang 2022 in Kraft und bringt einschneidende Veränderungen auch für den Bereich der Homöopathie mit sich. Brigitte Hentschel hat den Überblick und erklärt, was sich im Stall verändern wird.

Lassen sich die häufigsten Erkrankungen von Nutztieren homöopathisch behandeln?

Das ist eine Frage, die nicht so leicht zu beantworten ist. Viele Krankheiten, an denen Nutztiere leiden, haben ihre Ursache in der Haltung der Tiere, die – egal wie gut sie ist – niemals natürlich sein kann. Und wenn die Haltung nicht die Ursache der Krankheit ist, so wird diese häufig durch Haltungsmängel verschärft  oder verkompliziert. Neben der Haltung spielt auch das Betriebsmanagement für die Bestandsgesundheit eine sehr große Rolle. Mängel in diesem Bereich spielen als Krankheitsursache ebenfalls eine große Rolle. Deshalb muss neben der Therapie des Einzeltieres immer eine ordentliche Bestandsbetreuung durchgeführt werden. Wenn Haltung und Management stimmen, kann als Therapieoption auch Homöopathie herangezogen werden – und dann sind auch die Erkrankungen von Nutztieren homöopathisch behandelbar.

Kann durch konsequente homöopathische Therapie auch das Immunsystem einer Kuh nachhaltig verbessert werden?

Ja, aber auch hier nur unter der Voraussetzung, dass auch das Betriebsmanagement stimmt.

Wenn ja, was bedeutet das für den Landwirt?

Für den Landwirt bedeutet das zunächst mal, dass er mehr Zeit in die Tierbeobachtung investieren muss. Homöopathie ist eine Individualmedizin und die Mittel werden nach Symptomen verschrieben. Wenn man die Symptome nicht erkennt, kann man kein wirksames Mittel verschreiben – und dann wird das Mittel auch nicht wirken. Außerdem braucht man viel Erfahrung, um die wichtigen Symptome zu erkennen – ein Wochenendkurs nach dem „Rezept-Prinzip“ reicht da bei Weitem nicht aus. Damit kann man vielleicht einfache akute Fälle behandeln, bei einer subklinischen Mastitis oder der Mortellaro`schen Erkrankung wird man jedoch sehr schnell an seine Grenzen stoßen.

Mit entsprechender Erfahrung – oder mit einem entsprechend geschulten und erfahrenen homöopathisch arbeitenden Tierarzt, der den Bestand betreut – bedeutet die weitgehend homöopathische Behandlung eines Nutztierbestandes für den Landwirt weniger Medikamenteneinsatz, weniger Kosten durch Sperrfristen auf Fleisch, Milch und Eier, weniger Resistenzen und einen langfristig gesünderen Bestand.

Welches sind die wichtigsten Neuerungen der EU Bio Verordnung, die nächstes Jahr in Kraft tritt?

Die EU Bio Verordnung (VO) ist bereits 2018 in Kraft getreten, gilt aber erst  ab dem 1. Januar 2022. Sie ist also nicht wirklich neu. Der wichtigste Punkt dieser Verordnung, der den Homöopathen den Rücken stärkt, ist folgender:

  • VO (EU) 2018/848 Anh. II, Teil II 1.5.2.2. besagt, dass Krankheiten unverzüglich zu behandeln sind, um ein Leiden der Tiere zu vermeiden (…)
  • (…) chemisch-synthetische allopathische Tierarzneimittel einschließlich Antibiotika dürfen erforderlichenfalls unter strengen Bedingungen und unter der Verantwortung eines Tierarztes verabreicht werden, wenn…die Behandlung mit phytotherapeutischen, homöopathischen und anderen Mitteln ungeeignet ist!

Dieser Absatz erhebt die Homöopathie – und die Phytotherapie – zur First-Line-Medicine. Wir Veterinäre sehen ihn als Grundlage unserer Forderung zu mehr Ausbildung in zumindest den Grundlagen der Homöopathie im Rahmen des Studiums der Veterinärmedizin.

Und dann tritt noch die neue Tierarzneimittelverordnung in der EU in Kraft. Was ändert sich hier?

Genau, und sie wird momentan viel diskutiert. Die neue EU-Verordnung über Tierarzneimittel wurde am 7. Januar 2019 im EU-Amtsblatt veröffentlicht und tritt am 28. Januar 2022 in Kraft. Sie regelt  auch die Umwidmung von Human- in Tierarzneimittel, die ausnahmslos dem Tierarzt vorbehalten ist. Es heißt: Es kann jedoch Situationen geben, in denen kein geeignetes zugelassenes Tierarzneimittel verfügbar ist. Ausnahmsweise sollten Tierärzte dann für die von ihnen behandelten Tiere unter Befolgung strenger Regeln und ausschließlich im Interesse der Tiergesundheit und des Tierschutzes andere Arzneimittel verschreiben dürfen. Bei der Lebensmittelgewinnung dienenden Tieren sollten die Tierärzte dafür sorgen, dass angemessene Wartezeiten verordnet werden, damit schädliche Rückstände solcher Arzneimittel nicht in die Lebensmittelkette gelangen, und wenn Antimikrobenmittel verabreicht werden, ist daher besondere Sorgfalt geboten“.

Ursprünglich war die Intention des Gesetzgebers, die Tierbesitzer und/oder Laien davon abzuhalten, ihre Tiere mit Humanarzneimitteln selbst zu therapieren – etwa mit Ibuprofen oder Paracetamol – da es dabei immer wieder zu tierschutzwidrigen „Unfällen“ kommt. Treibende Kraft waren hier u.a. Tierschutzverbände. Die Tatsache, dass auch homöopathische Mittel vor dem AMG Arzneimittel sind, war dem Gesetzgeber wahrscheinlich nicht bewusst bzw. egal. Aber sie sind es, also fallen sie drunter und deshalb dürfen Homöopathika nur noch vom Tierarzt verschrieben werden.

Was bedeutet das für Tierheilpraktiker?

Das bedeutet im Klartext: nach der EU-VO über Tierarzneimittel dürfen ab dem 28. Januar 2022 homöopathische Einzelmittel, die keine Veterinär-Zulassung haben, durch Tierhalter oder andere nicht-Tierärzte – und darunter fallen auch Tierheilpraktiker – nicht mehr bei Tieren angewandt werden. Was das auf nationaler Ebene genau bedeutet, wird das neue Tierarzneimittelgesetz (TAMG) regeln, an welchem momentan noch gearbeitet wird.

Bei Nutztieren durften diese übrigens noch nie durch nicht-Tierärzte angewandt werden, da hier sämtliche Arzneimittel schon immer durch einen Tierarzt umgewidmet werden mussten, wenn sie keine Zulassung für das entsprechende Tier haben. Und wenn sie eine Zulassung für das entsprechende Tier haben, dann müssen sie durch einen Tierarzt abgegeben werden und es muss ein Anwendungs-und Abgabebeleg vorhanden sein! Das ist eine kleine, aber nicht unwichtige Tatsache, die in den letzten Jahren von Landwirten und THPs geflissentlich ignoriert wurde und leider auch manchmal von den Veterinärämtern. Auch zu diesem Punkt werden sicherlich neue Regelungen im TAMG stehen.

Welche Probleme tauchen auf und können wie gelöst werden?

Durch das Verabreichungsverbot von Homöopathika durch nicht-Tierärzte entsteht vor allem im Nutztierbereich eine Therapielücke, da es nur sehr wenige Tierärzte mit entsprechender Qualifikation in Homöopathie gibt. Mehr Ausbildung und die Integration zumindest der Grundlagen in Homöopathie in das Studium der Veterinärmedizin sind unter diesen Umständen absolut geboten!

Wie funktioniert das Umwidmen von Arzneimitteln?

Also: Jedes Medikament durchläuft ein Zulassungsverfahren, welches gesetzlich festgelegt ist. Arzneimittel werden hinsichtlich ihrer Indikation bei bestimmten Krankheiten und ihrer „Zielperson“ zugelassen (Mensch oder Tierart). Da jede Zulassung die Arzneimittelfirmen viel Geld kostet, sind AM spezifisch zugelassen – also für den Menschen oder eine oder mehrere Tierarten (meist Hund/Katze oder Rind oder Schwein oder Pferd). Meistens lassen die Firmen die Arzneimittel für die Tierarten und Indikationen zu, die am häufigsten sind, um Geld zu sparen. In der Tiermedizin gibt es jetzt mehrere Probleme:

  1. es gibt viel mehr Tierarten als die, für die die Zulassung gilt (z.B. Vögel, Exoten, Fische, Puten, kleiner Wiederkäuer…..)
  2. es gibt viel mehr Krankheiten
  3. oft hat man ein Medikament, das bei einer Krankheit wirkt, für die es nicht zugelassen ist oder das man bei einem Tier benötigt, für das es nicht zugelassen ist; also darf man es nicht einsetzen.

Es entsteht der sogenannte Therapienotstand. Deshalb dürfen Tierärzte bei Therapienotstand Medikamente umwidmen, d.h. für andere Tierarten oder andere Indikationen einsetzen, für die sie eigentlich nicht zugelassen sind. Wie das vonstattengeht, regelt die Umwidmungskaskade.

Aber Homöopathika bilden eine Ausnahme…

Ja, da homöopathische Arzneimittel ohne Indikation registriert sind und nicht dem Zulassungsverfahren unterliegen, waren sie von der Umwidmungskaskade immer schon ausgeschlossen. Ohne Indikation gibt’s auch keinen Therapienotstand, also auch keine Umwidmungskaskade. Hier bestand die rechtliche Grauzone, die von nicht-Tierärzten genutzt werden konnte – auch im Nutztierbereich. Mit dem neuen Gesetz ist diese allerdings nicht mehr vorhanden.

Und wie geht das jetzt weiter?

Fest steht, ein neues Tierarzneimittelgesetzt ist in Vorbereitung und wird vieles neu regeln und zusammenbringen.

——

Das Gespräch führte Christoph Trapp.

 

 

 

 

2021-09-23T10:01:05+02:00

Onkologie-Leitlinie: Evidenz-Level 2b für Homöopathie

In der neuen S3 Leitlinie Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen PatientInnen wird der Homöopathie von der AWMF, der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, ein Evidenz-Level 2b bescheinigt. Erarbeitet wurden die 155 Empfehlungen und Statements unter Federführung der Deutsche Krebsgesellschaft (DKG), der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie, der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie. „In der Leitlinie werden die wichtigsten zur komplementären und alternativen Medizin zählenden Methoden, Verfahren und Substanzen, die von Patient*innen genutzt werden bzw. ihnen angeboten werden, nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin bewertet“, erklärt die Deutsche Krebsgesellschaft am 26. Juli 2021 in einer Presseerklärung. Unterteilt ist die evidenzbasierte Leitlinie in vier thematische Blöcke • Medizinische Systeme • Mind-Body-Verfahren • Manipulative Körpertherapien • Biologische Therapien. In den Block der medizinischen Systeme wurden aufgenommen: Akupunktur, Akupressur, anthroposophischer Medizin, Homöopathie und die klassi­schen Naturheilverfahren.

Stark positive Ergebnisse der Homöopathie Studie

Im Bereich der Homöopathie wurde eine mangelnde Qualität vieler Studien festgestellt, wie etwa kleine Fallzahlen. Die Studie von Frass et. al.* von 2015 aber konnte die Wissenschaftler*innen überzeugen: „Es liegen Daten aus einer RCT zum Einsatz von klassischer Homöopathie vor. …aufgrund der stark positiven Ergebnisse dieser Studie [kann] der Einsatz von klassischer Homöopathie (Erstanamnese in Kombination mit individueller Mittelverschreibung) zur Verbesserung der Lebensqualität bei onkologischen Patienten zusätzlich zur Tumortherapie erwogen werden“, heißt es in der Leitlinie. Die Evidenzaufarbeitung zu Homöopathie wurde von den Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Jena unter der Leitung von Prof. Dr. Jutta Hübner (DKG) durchgeführt –  einer entschiedenen Gegnerin der Homöopathie.

Eine weitere Studie von Prof. Michael Frass et. al.** konnte für die Leitlinie nicht mehr berücksichtigt werden, da sie am 3. Oktober 2020 im Oncologist publiziert wurde, somit außerhalb des Recherchezeitraums lag. Auch diese Frass-Studie wird in der Leitlinie vorgestellt: „Die Ergebnisse zeigen eine signifikante Verbesserung in der Lebensqualität für die HomöopathieGruppe im Vergleich zur Placebogruppe nach 9 und 18 Wochen. Auch die mediane Überlebenszeit war höher in der Homöopathiegruppe (435 Tage) im Vergleich zur Placebo (257 Tage) oder Kontrollgruppe (228 Tage, p=0.010), mit wiederum keinem Unterschied zwischen Placebo und Kontrollgruppe (p=0.258). Kritisch zu sehen ist die kurze Messzeit der Lebensqualität von nur 18 Wochen, da dies nur etwa ein Sechstel der Gesamtmesszeit ausmacht“. 

Studienleiterin ist entschiedene Homöopathie Gegnerin

„Wir müssen feststellen, dass die Homöopathie in dieser Leitlinie trotz der Leiterin Prof. Jutta Hübner mit einem 2b Evidenz-Level bewertet wurde“, sagt Dr. med. Michaela Geiger, Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ). Geiger vermutet, dass hinter den Kulissen erbittert über die Studien diskutiert wurde – Jutta Hübner ist prominente Gegnerin der Homöopathie, unter anderem ist sie Sprecherin des sogenannten Informationsnetzwerks Homöopathie (INH) und damit Sprecherin der Anti-Homöopathie-Kampagne in Deutschland. Das INH zur Frass-Studie: „In Anbetracht dieser Faktenlage erscheint es naheliegender, von einer nachträglichen Anpassung der Ergebnisse im Sinne eines gewollten Resultats als von einer validen Studie auszugehen. Ein Zurückziehen der Arbeit scheint angebracht.“

Jutta Hübner gab im Juli 2020 der WELT ein Interview zur jetzt veröffentlichten Leitlinie. Das Interview wurde unter der Überschrift: „Scharlatane haben praktisch Narrenfreiheit“ veröffentlicht. Ihr formuliertes Ziel: „Wir werden in der Leitlinie erstmals eine Übersicht darüber geben, was überhaupt wissenschaftlich gesichert und sinnvoll ist und welche Risiken bei einzelnen Methoden bestehen.“ Sie ergänzt, dass Homöopathie in der Behandlung von Krebs nichts verloren habe, da das Vertrauen zwischen Ärzten und Patienten zerstört würde. (zitiert: GWUP Webseite).

Alleine die Tatsache, dass in der Leitlinie die Homöopathie als medizinisches System eingestuft wurde, wird strittig gewesen sein. Auf der Familienseite „Susannchen“ des INH wird postuliert: „Homöopathie ist keine Medizin!“ Dieser Slogan wird auch vom sogenannten Münsteraner Kreis verwendet, für den Hübner 2018 ein Memorandum zur Abschaffung der Zusatzbezeichnung Homöopathie geschrieben hat. Darin heißt es: „Wir möchten den 121. Deutschen Ärztetag ersuchen, die Zusatzbezeichnung „Homöopathie“ ersatzlos zu streichen. … Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus wäre es dann ebenso gerechtfertigt, eine Zusatzbezeichnung „Gesundbeten“ für die „Kompetenz“ zu vergeben, welche Gebete zu welchen Heiligen bei welchen Krankheiten zur Anwendung kommen sollen.“ Dieser Aufforderung sind die Delegierten der Deutschen Ärztetags 2018 nicht gefolgt und auch die Wissenschaftsdefinition von Hübner und den sogenannten Skeptikern fand keinen Einzug in die neue S3 Leitlinie. Kurze Anmerkung: Der Münsteraner Kreis wird von Dr. Christian Weymayr koordiniert, er ist Autor des Buchs Die Homöopathie-Lüge – so gefährlich ist die Lehre von den weißen Kügelchen.

Zielsetzung der Leitlinie: Forschung und Weiterbildung der Komplementärmedizin fördern

Zur Zielsetzung der Leitlinie heißt es: „Die hohe Prävalenz der Nutzung von komplementären und alternativen Methoden sowie die große Anzahl verschiedener Verfahren der komplementären und alternativen Medizin und die fehlende Aus, Fort und Weiterbildung von Ärzten zu den Themen haben zu dem Entschluss geführt eine evidenzbasierte S3Leitlinie zu erstellen. Die Autor*innen machen sehr deutlich, dass die „Aus, Fort und Weiterbildung auf diesem Gebiet gefördert und Versorgungsstrukturen verbessert werden“ müssen. „Wir sehen darin eine Aufforderung an die Landesärztekammern, keine bestehenden Weiterbildungen der in der Leitlinie genannten medizinischen Systeme abzuschaffen und sich für deren Ausbau einzusetzen“, kommentiert Dr. Michaela Geiger. Zu einem weiteren wichtigen Punkt, den auch die Autor*innen der Leitlinie ansprechen, sagt Dr. Geiger: “Wir benötigen staatlich unterstützte Forschung in der Homöopathie, in der gesamten Komplementärmedizin. Neben der Weiterbildung ist dies ein wichtiger Baustein zur Fortentwicklung der Medizin.“

  • *Frass, M., Friehs, H., Thallinger, C., Sohal, N. K., Marosi, C., Muchitsch, I., . . . Oberbaum, M. (2015). Influence of adjunctive classical homeopathy on global health status and subjective wellbeing in cancer patients A pragmatic randomized controlled trial. Complementary Therapies in Medicine, 23(3), 309317
  • **Frass, M., Lechleitner, P., Gründling, C., Pirker, C., GrasmukSiegl, E., Domayer, J., . . . Muchitsch, I. (2020). Homeopathic Treatment as an AddOn Therapy May Improve Quality of Life and Prolong Survival in Patients with NonSmall Cell Lung Cancer: A Prospective, Randomized, PlaceboControlled, DoubleBlind, ThreeArm, Multicenter Study. The oncologist, 25(12), e1930e1955
2021-09-28T08:25:52+02:00

DZVhÄ Kommentar zu Spaltungen in Corona Zeiten

Die Corona-Pandemie ist längst nicht mehr allein ein medizinisches Problem, sie hat – auch durch politische und mediale Zuspitzungen – zu einem gesellschaftlichen Ausnahmezustand geführt. Die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guerot hat jüngst in der „Berliner Zeitung“ dazu aufgerufen, „die Hysterisierung aus der Diskussion zu nehmen“. Angesprochen ist damit auch ein sozialpsychologisches Phänomen, das einen Panikmodus ebenso beinhaltet wie Tendenzen der Spaltung. Guerot fordert als Ausweg „einen Raum für legitime Kritik“.

Was hat das mit uns, mit dem DZVhÄ, seinen Landesverbänden und seinen Mitgliedern zu tun? Wir erleben zurzeit eine Polarisierung innerhalb der eigenen Reihen. Mitglieder tragen sich mit dem Gedanken, ihren Berufsverband zu verlassen, wobei die einen das mit fehlendem „Mut“ im Kampf gegen Corona-Auflagen und Impfkampagnen begründen, andere mit dem genauen Gegenteil, nämlich einer in ihren Augen fehlenden Abgrenzung von Corona-Leugnern oder Impfverweigerern.

Ohne Zweifel repräsentieren unsere Mitglieder auch einen Querschnitt unserer Gesellschaft. Vor diesem Hintergrund haben wir im Dezember 2020 in einen „DZVhÄ-Standpunkt: „Selbstverständnis ärztliche Homöopathie“ Stellung bezogen zu Angriffen aus beiden Richtungen. Im März und April 2021 haben wir weitere DZVhÄ-Standpunkte veröffentlicht, und zwar zu „Homöopathie und Covid 19“ sowie zur „Individuellen Impfentscheidung“. In allen drei Stellungnahmen haben wir versucht, legitime Kritik ernst zu nehmen und in eine rationale und nachvollziehbare Balance zu bringen mit den ureigenen Interessen unseres Berufsverbandes: die Homöopathie Hahnemanns vor Angriffen aus allen möglichen politischen, weltanschaulichen oder medialen Richtungen zu schützen.

Dieses Bemühen hat – zugegeben! – nicht selten den Schwierigkeitsgrad einer Quadratur des Kreises. Dass dies unmöglich ist wissen wir alle! Der Versuch sollte dennoch zumindest den ernsthaften und engagierten Willen des gewählten Vorstandes zum Ausdruck bringen. Leider ist es oft wesentlich leichter, Kritik zu üben als bessere Vorschläge zu machen oder sich an Problemlösungen zu beteiligen. Die Homöopathie steht im Fokus einer breiten Phalanx von Gegnern, die mit viral gehenden Falschmeldungen für eine Elimination der Homöopathie aus unserem Gesundheitssystem, am besten auch gleich aus den Köpfen und Herzen der Menschen kämpfen. Es ähnelt einer autoimmunen Selbstdestruktion unserer Gemeinschaft, wenn zeitgleich in den eigenen Reihen Fronten entstehen, an denen eine gemeinsame Verteidigung unserer zentralen Anliegen zu scheitern droht.

Daher appellieren wir an Sie alle: kehren Sie Ihrem Verein und Berufsverband nicht den Rücken, sondern setzen Sie sich im Gegenteil für den Erhalt der Homöopathie ein! Die Fragen rund um Covid-19, Impfungen oder flankierende politische Entscheidungen sind für mündige Bürgerinnen und Bürger in einer offenen und freien Gesellschaft wichtige Denk- und Handlungsfelder, aber eines Tages wird hoffentlich klar sein, dass auch Covid-19 eine medizinhistorische Episode gewesen sein wird, aus der wir – hoffentlich! – sehr viel und Unterschiedliches gelernt haben werden. Dann aber sollte es die Homöopathie immer noch geben, und mit ihr Kolleginnen und Kollegen, die sie praktizieren. Und mit all diesen Menschen – also mit Ihnen und unseren jüngeren und nachfolgenden Kolleg*innen – sollte es auch noch einen starken und handlungsfähigen DZVhÄ geben!

Suchen wir also den Schulterschluss mit Kolleg*innen in der Primärversorgung, pflegen wir respektvollen Umgang miteinander und lassen Sie uns nicht aus den Augen verlieren:  unter dem breiten Dach der Integrativen Medizin und im Sinne von „One health“ werden wir alle mit unserer versammelten Kompetenz gebraucht! Nicht nur heute und im Zusammenhang mit der Pandemie, sondern auch in Zukunft!

Dr. med. Ulf Riker, 2. Vorsitzender des DZVhÄ, für den Vorstand

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2021-07-16T16:14:26+02:00

Teil 2: Die Zusatzbezeichnung Homöopathie ist wichtig

Homöopathie ist sicher

Immer wieder wird das Argument ins Feld geführt, Homöopathie sei „gefährlich“, weil sie dazu beitrage, dass eine andere, wirkungsvolle Therapie verzögert werde oder ganz unterbleibe. Dieses Argument, vorgebracht bereits vor über 10 Jahren von Karl Lauterbach (SPD), wurde seither unzählige Male wiederholt, aber nie bewiesen oder durch Zahlen belegt.

Ohne Zweifel hat die Aussage einen wahren Kern, nämlich dann, wenn Homöopathie von Nicht-Ärzten oder im Rahmen der Selbstbehandlung, also ohne fachliche Kompetenz bei ernsten Krankheiten eingesetzt wird. Diese potentielle Gefahr für Gesundheit und Patientensicherheit ist freilich ein wesentliches Argument für den Erhalt der Zusatzbezeichnung und nicht für ihre Eliminierung aus der Weiterbildungsordnung!

Nur dann, wenn solide ausgebildete und praxiserfahrene Ärzt*innen Homöopathie auf dem Boden und mit dem Wissen der konventionellen Medizin zur Anwendung bringen, ist die ergänzende oder auch alternative Anwendung der Methode sicher.

In diesem Zusammenhang werden auch Beispiele von Tumor-Patient*innen angeführt, die wegen „alternativer“ Anwendung homöopathischer Arzneien zu Tode gekommen seien, weil sie die konventionelle onkologische Behandlung abgelehnt hätten. Diese Argumentation ist in doppelter Hinsicht äußerst fragwürdig: erstens handelt es sich oft und bedauerlicherweise um Menschen, die ihrer malignen Erkrankung ohnehin früher oder etwas später erlegen wären. Zum anderen sind die Überlebensraten sowie die Lebensqualität bei manchen Tumorerkrankungen und unter Chemotherapie oftmals mehr als bescheiden. Vor diesem Hintergrund gilt es, den Fehlschluss zu vermeiden, die Patienten seien wegen Homöopathie verstorben. Im übrigen sollte es unter dem Eindruck einer unter Umständen dramatisch lebensverkürzenden Erkrankung dem Patienten gerade im Angesicht des Todes selbst überlassen bleiben, mit  welcher therapeutischen Begleitung er sein Lebensende erreichen möchte.

Integrativ oder alternativ?

Ärztliche Homöopathie ruht auf zwei Säulen: der medizinischen und homöopathischen Ausbildung sowie der Erfahrung aus der Praxis. Ob Homöopathie ergänzend oder alleine zum Einsatz kommt hängt von beiden Aspekten ab, erfordert aber in jedem Fall ärztlichen Sachverstand, damit eine für den Patienten sichere Therapie resultiert. In diesem Zusammenhang greift auch das Argument nicht mehr, Homöopathie sei „gefährlich“, weil bei ihrer Anwendung andere wirksame Behandlungen unterblieben. Diese Unterstellung ist definitiv Unsinn, weil jeder verantwortungsvolle Arzt und jede Ärztin selbstverständlich sorgfältig abwägen wird, in welchem Fall konventionelle Medizin Priorität hat, in welchen Fällen Homöopathie als Ergänzung Vorteile für den Patienten bringt und wann eine homöopathische Arzneiwahl so sicher ist, dass sich eine konventionelle Behandlung oder Medikation erübrigt. Damit diese Abwägung gelingt, ist neben der konventionell-medizinischen Kompetenz die qualifizierte homöopathische Ausbildung unter der Obhut der Ärztekammern zwingend erforderlich.

Noch mehr gute Gründe zum Erhalt der Zusatzbezeichnung Homöopathie erhalten Sie hier.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2021-07-16T10:00:48+02:00

DZVhÄ-Ärzt*innen geben Patientenverband Interviews

Der Bundesverband Patienten für Homöopathie (BPH) hat im Mai eine Film-Reihe gestartet, die Videos erscheinen auf YouTube. Ärztinnen und Ärzte aus dem DZVhÄ unterstützen das BPH Projekt und geben in Interviews Tipps und Informationen rund um die Homöopathie. Bisher sind vier Filme veröffentlicht worden, weitere sind in Vorbereitung.

Tipps zur Selbstmedikation

Dr. med. Ina Chammah, Allgemeinärztin aus Braunschweig und Vorsitzende des DZVhÄ-Landesverbandes Niedersachsen, unterstützt ihre Patient*innen in der Selbstmedikation bei leichteren Erkrankungen oder bei akuten Verletzungen. Sie gibt in etwa 1:30 Minute Tipps, wie die Selbstmedikation mit homöopathischen Arzneien sicher funktioniert und für welche Indikationen Arzneien in einer Hausapotheke vorgehalten werden sollten. Video ansehen.

Mit Globuli um die Welt

Dr. med. Yvonne Höflinger, Allgemeinärztin aus Pfullingen, nimmt die Zuschauer in diesem Film mit auf ihre Reisen und erzählt, in welchen Situationen welche Globuli aus ihrer Reiseapotheke ihr wertvolle Dienste erwiesen haben. Ihre Erfahrungen gibt die Ärztin seit rund 20 Jahren an Reisende weiter, zusammengefasst auch in dem Buch “Globetrotter unterwegs mit Globuli”, vorgestellt im BPH-Blog. Video ansehen.

Skeptiker, Therapiefreiheit und Pluralismus in der Medizin

Dr. med. Ulf Riker, 2. Vorsitzender des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ), spricht in diesem Video über die Anti-Homöopathie-Kampagne, den hohen Wert der Therapiefreiheit und über Pluralismus in der Medizin. Als Internist mit den Zusatzbezeichnungen Homöopathie und Naturheilverfahren, weiß er aus seiner langen Erfahrung in Klinik und Praxis, wie wichtig ein pluraler Therapieansatz ist. Video ansehen.

 

Unterstützen auch Sie den BPH

In weiteren Filmen erzählen Patient*innen, wie sie zur Homöopathie gekommen sind,wie etwa Carola Schumann. In ihrer Familie wird die Homöopathie bereits in der drittten Generation – immer ärztlich begleitet – in der Selbstmedikation angewendet. Andere Themen sind: Homöopathie in der Schwangerschaft oder wie Globuli auch Tieren helfen können.

Informationen über alle Videos und weitere Medien des BPHs, die auch in Ihrer Praxis ausgelegt werden können, erhalten Sie auf der BPH-Medien Webseite. Sie möchten BPH-Flyer auslegen? Kurze Mail an den BPH reicht: info@bph-online.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2021-07-19T18:16:54+02:00

Homöopathie ist in der ärztlichen Versorgung verankert

Homöopathie hat sich über Jahrzehnte als fester Bestandteil der ärztlichen Versorgung etablieren können. Homöopathisch tätige Ärzt*innen leisten einen wesentlichen Beitrag in der kassenärztlichen und privatärztlichen Versorgung der Bevölkerung. Zum Spektrum der Anwendungen gehört die Behandlung von akut auftretenden Infektionen, Schmerzzuständen ebenso wie die Versorgung langjähriger chronischer Erkrankungsbilder. Eine aktuelle Umfrage des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) unter allen Arztpraxen mit Therapieschwerpunkt Homöopathie hat ergeben, dass fast 2/3 der homöopathisch tätigen Ärzt*innen allgemeinärztlich tätig sind, gefolgt von Kinder- und Jugendärzten, Internisten, Gynäkologen sowie Psychiatern / Psychotherapeuten.

Homöopathisch tätige Ärzt*innen decken das komplette fachärztliche Spektrum ab. Damit ist in all diesen Disziplinen ein Höchstmaß an Patientensicherheit durch integrative, konventionelle und homöopathische Behandlungsoptionen gegeben.

Mal alternativ, mal komplementär zur konventionellen Medizin

Wie die Homöopathie in der Praxis eingesetzt wird, hängt entscheidend vom Krankheitsbild des Patienten ab und wird vom Arzt, der Ärztin gemeinsam mit dem Erkrankten besprochen. Um das beurteilen zu können, ist Wissen gefragt, über den möglichen Verlauf der Krankheit und über die Therapieoptionen. Homöopathisch tätige Ärzt*innen praktizieren die integrative Medizin, sie stehen auf mindestens zwei Beinen, dem der konventionellen und dem der homöopathischen Medizin. Die Gründe, warum Ärztinnen und Ärzte, die schon eine rund 12-jährige medizinische Ausbildung bis zum Facharzt gemacht haben, ihr Wissen noch durch eine zeit- und kostenintensive Weiterbildung Homöopathie erweitern, klingt bei vielen sehr ähnlich:

  • „Es geht ja nicht darum, die herkömmliche Medizin zu verteufeln, das ist Unsinn – die Kombination ist nach meiner Auffassung das Ideale. Erst sollten die sanften Methoden eingesetzt werden, findet man mit ihnen keine Lösung, kommen die konventionellen zum Zug.“ Dr. med. Günter Heck, Facharzt für Innere Medizin mit den Zusatzbezeichnungen  Homöopathie und Naturheilverfahren.
  • „Nach sieben Jahren Krankenhausweiterbildung in der Chirurgie und Inneren Medizin war mein Wunsch groß, etwas zu finden, das Patienten langfristiger und persönlich angemessener hilft.“ Stefanie Nadler, Allgemeinmedizinerin mit den Zusatzbezeichnungen Homöopathie und Naturheilverfahren.
  • „Allerdings enden auch heute noch konventionelle Behandlungen, vor allem chronischer Erkrankungen, nicht selten in einer therapeutischen Sackgasse. Ohne Homöopathie wäre ich in sehr vielen Fällen ratlos und könnte keine gute therapeutische Option anbieten.“ Dr. med. Eugen Schippers, Facharzt für Allgemeinmedizin mit der Zusatzbezeichnung Homöopathie.
  • „Als ich begann, mich mit Homöopathie zu beschäftigen, hatte ich bereits meine eigene Praxis für Frauenheilkunde in München. Ich musste feststellen, dass ich mit den Mitteln der konventionellen Medizin vielen Frauen nicht helfen konnte. Vor allem Frauen mit chronischen Beschwerden.“ Dr. med. Ute Bullemer ist Frauenärztin mit den Zusatzbezeichnungen Homöopathie und Psychotherapie.

Homöopathie wird von Patienten angenommen

Die Inanspruchnahme der Patient*innen ist hoch, rund 30 Millionen Menschen in Deutschland nutzen die Homöopathie. In regelmäßig stattfindenden Umfragen – etwa von Forsa 3/2020 – geben 55 Prozent der Befragten an, bereits Erfahrungen mit Homöopathie gemacht zu haben, gut 2/3 der Befragten wiederum sind mit Verträglichkeit und Wirksamkeit zufrieden bis sehr zufrieden. Laut dem Bertelsmann Gesundheitsmonitor 2014 sind häufigste Anlässe für Besuche bei Homöopathen: allgemeine Beschwerden (48 Prozent), chronische und akute Erkrankungen (43 bzw. 32 Prozent). Wichtige ist die Aussage, warum Patienten eine homöopathische Therapie wünschen: Die Patienten gehen dorthin, weil anderswo keine Besserung erreicht wurde. Die Ergebnisse:

Bei mehr als 80 Prozent der Patienten, die homöopathisch behandelt wurden, besserten sich das Allgemeinbefinden sowie die seelische Verfassung. Auch körperliche Beschwerden ließen nach.

Die Beweggründe sich der Homöopathie zuzuwenden sind bei Ärzten und Patienten vergleichbar, die Grenzen der konventionellen Medizin werden sehr ähnlich wahrgenommen. So erzählen Patienten ihren Weg zur Homöopathie:

  • „Ich bin jahrelang von Hautarzt zu Hautarzt gelaufen und die Botschaft war immer wieder identisch: Ich solle eine Psychotherapie beginnen und/oder Kortisonsalbe regelmäßig verwenden. Das wollte ich so nicht akzeptieren. Aufgrund der homöopathischen Behandlung bin ich wieder glücklich geworden, weil meine Hautprobleme komplett weggegangen sind.“ Prof. Christian Höppner ist Generalsekretär des Deutschen Musikrates, Kulturratspräsident a.D.
  • „Aber nach einem knappen Jahr kamen die Flecken wieder, und zwar doppelt so stark als zuvor. Ich also wieder zu einer Hautärztin, sie verschrieb mir die schon bekannte Salbe, die dann aber nicht gewirkt hat, im Gegenteil, die Flecken weiteten sich immer stärker aus. Ich habe nicht an die Homöopathie geglaubt, Nach rund einem Jahr war meine Haut wieder so gut wie geheilt.“ Pavananthan Ponnambalam, litt rund 15 Jahren an der Hautkrankheit Vitiligo, Weißfleckenkrankheit.

Weitere Informationen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2021-09-21T20:36:29+02:00

„Wichtig ist die Offenheit der Apotheker für Homöopathie“

Interview mit Apotheker Hans Wilhem aus Dachau.

„Und man muss sich ja auch Folgendes überlegen: viele allopathische Arzneimittel sind extrem teuer bei manchmal bescheidener Wirkung. Bei der Homöopathie ist es meistens genau umgekehrt.“

Herr Wilhelm, erzählen Sie uns bitte, wie Sie als Apotheker zur Homöopathie gekommen sind

Ich war schon früh auf der Suche nach ergänzenden Therapieverfahren, die auf natürliche Weise helfen könnten, Krankheiten aus eigener Kraft zu überwinden. Aber erst eine persönliche schwere Lebenskrise, die ich vollständig und nachhaltig mit Hilfe homöopathischer Arzneien überwinden konnte, hat mich neugierig gemacht. Das war der Zeitpunkt, ab dem ich mich intensiv mit Homöopathie beschäftigt habe.

Nach welchen Kriterien beraten Sie in Ihrer Apotheke die Kund*innen, die homöopathische Arzneien kaufen wollen?

Meine Erfahrung ist: Menschen wollen selbst aktiv werden, wenn sie krank sind. Sie übernehmen damit auch Verantwortung für ihre eigene Gesundheit. Damit das erfolgreich gelingt braucht es die Beratungskompetenz auch der Apotheker*innen. In der Apotheke dürfen wir ja nicht selbst therapieren, aber wir können sehr wohl unsere Kund*innen dadurch unterstützen, dass wir mit ihnen eine partnerschaftliche Beziehung aufbauen und z.B. fragen: wie sind Sie denn auf diese Arznei gekommen, die Sie kaufen wollen?  Sobald ein Gespräch stattfindet, ergibt sich auch die Möglichkeit für eine „Mini-Anamnese“: da frage ich z.B. nach der möglichen Ursache ihrer aktuellen Krankheit und nach Modalitäten der Symptome. Oft bestätigt sich die Arzneiwahl der Kund*innen, immer wieder aber kann ich im Gespräch auch eine andere Arznei vorschlagen, die vielleicht besser passt. Da ist im Grunde kein Unterschied, ob sich meine Beratung auf Phytotherapie, Nahrungsergänzungsmittel, allopathische Medikamente oder eben die Homöopathie bezieht.s

Wie schätzen Sie die Kompetenz Ihrer Kund*innen in Bezug auf die homöopathische Selbstbehandlung ein? Und wie können Sie diese Kompetenz im Apotheken-Alltag fördern?

Viele Menschen sind ja heutzutage regelmäßig bei „Google“ unterwegs, suchen nach Erklärungen für ihr Kranksein und auch nach Möglichkeiten, was man denn tun könnte. Dieses Vorgehen ist in Laienhand natürlich oft recht unsicher. Aber es gibt natürlich auch sehr viele Menschen, die sich mit der Homöopathie bereits intensiver auseinandergesetzt haben. Ich will es mal so sagen: wenn ich auf Augenhöhe mit den Kund*innen neugierig bin, also auch persönliches Interesse zeige, dann kann das gemeinsame Hinterfragen auch zu neuen Erkenntnissen hinsichtlich einer homöopathischen Arzneiwahl führen und manchmal auch Horizonte öffnen und weiten.

Wie sind Ihre Erfahrungen im Kontakt mit homöopathisch tätigen Ärzt*innen sowie entsprechend qualifizierten Heilpraktiker*innen?

Wichtig ist die Offenheit der Apotheker*innen für Homöopathie. Damit diene ich auch dem Verhältnis zwischen Patient*innen und ihren ärztlichen oder nichtärztlichen Therapeut*innen. Menschen, die sich für Homöopathie entschieden haben, suchen auch die Kompetenz einer geeigneten Apotheke, und sie suchen die ergänzende Beratung, damit sie sich rundum sicher und aufgehoben fühlen. Selbstverständlich bin ich auch bereit, seltene homöopathische Arzneien zu besorgen, wenn sie von kompetenten Homöopathen verordnet wurden. Dabei lerne auch ich selber immer wieder Neues hinzu

Können Sie den Anteil homöopathischer Arzneien am Gesamtumsatz Ihrer Apotheke orientierend quantifizieren?

Wir müssen in unseren Apotheken ja ein sehr breites Spektrum an Produkten vorhalten: das reicht von der großen Zahl allopathischer Medikamente über Nahrungsergänzungsmittel und Vitamine bis hin zu homöopathischen Arzneien. Innerhalb dieser breiten Palette spielt Homöopathie wirtschaftlich eine absolut untergeordnete Rolle. Die Beratungsintensität ist relativ hoch, wenn ich diesen Bereich ernst nehme, der ökonomische Effekt beim Verkauf homöopathischer Arzneien hingegen gering. Was aber meist übersehen wird: meine Offenheit und meine Beratungskompetenz führen zu einer Bindung der Kund*innen, und das wirkt sich – längerfristig – sehr wohl positiv aus. Man muss diesen Aspekt also im Gesamtzusammenhang sehen. Apotheken, die neben allopathischen Medikamenten ausschließlich Mainstream-Angebote im Sortiment haben sind auf dem Markt austauschbar.

Was sagen Sie den Kritikern, die Ihnen unterstellen, Sie würden nur Zucker zu überhöhten Preisen verkaufen?

Ich verstehe die Beweggründe für derartige Aussagen nicht! Homöopathie ist unter erfahrener Anwendung und Begleitung nicht gefährlich, sondern sicher. Es gibt viele Studien, die eine Wirksamkeit der Homöopathie belegen. Und man muss sich ja auch Folgendes überlegen: viele allopathische Arzneimittel sind extrem teuer bei manchmal bescheidener Wirkung. Bei der Homöopathie ist es meistens genau umgekehrt. Außerdem: die Entscheidung für Homöopathie ist eine private, Patienten haben das Recht, sich so zu entscheiden. Der Hinweis auf den teuren Zucker ist Polemik und dient nur der medialen Aufmerksamkeit.

Vielen Dank, Herr Wilhelm für Ihre klaren Antworten!

Die Fragen stellte Dr. med. Ulf Riker, 2. Vorsitzender des DZVhÄ

Foto: Hans Wilhelm, Apotheker

2021-06-29T12:08:09+02:00

Die Zusatzbezeichnung Homöopathie ist wichtig

Versorgung und Relevanz

Stimmt es, dass homöopathisch tätige Ärzt*innen in einer geschützten Nische arbeiten und nicht an der medizinischen Grundversorgung der Bevölkerung teilnehmen? Das ist falsch, eine Umfrage des DZVhÄ  unter allen Arztpraxen mit Therapieschwerpunkt Homöopathie im Frühjahr 2021 hat ergeben:

  • Das Altersspektrum behandelter Patient*innen reicht von Kindern bis zu Senioren.
  • Fast 2/3 der Kolleg*innen sind allgemeinärztlich tätig, gefolgt von Kinder- und Jugendärzten, Internisten, Gynäkologen sowie Psychiatern / Psychotherapeuten.
  • Der größte Teil hat neben der Zusatzbezeichnung auch das Homöopathie-Diplom erworben, die Voraussetzung zur Teilnahme an der integrierten Versorgung ist.
  • Durchschnittlich sind die Ärzte seit 20 Jahren homöopathisch tätig.
  • Durchschnittlich werden pro Quartal 785 Patient*innen versorgt.
  • 77 % der Praxen nehmen regelmäßig Blut ab
  • 74 % machen Hausbesuche
  • 70 % führen Impfberatung durch und oder impfen in der Praxis
  • 62 % bieten fachärztliche Check-ups an
  • 46 % bieten internistische Basisdiagnostik an (EKG, Ergo, Sono etc.)
  • 45 % betreuen Patienten in Altenheimen
  • 38 % führen Kinder-Vorsorgeuntersuchungen durch
  • 30 % übernehmen Aufgaben im Bereich der Palliativmedizin

1. Fazit: Homöopathisch tätige Ärzt*innen tragen einen relevanten Beitrag zur allgemeinmedizinischen und hausärztlichen Versorgung in Deutschland bei. Neben homöopathischer Zusatzqualifikation ist eine fundierte Fort- und Weiterbildung im Bereich der konventionellen Medizin die Basis. Damit dieses solide Fundament erhalten bleibt, ist erforderlich, auch die Zusatzbezeichnung Homöopathie in ärztlicher Hand zu erhalten.

Fachärzt*innen mit Zusatzbezeichnung Homöopathie

Mehr als die Hälfte aller Ärzt*innen mit Zusatzbezeichnung Homöopathie sind als Fachärzte für Allgemeinmedizin tätig und damit in der medizinischen Grundversorgung engagiert. Es folgen Kinder- und Jugendärzt*innen, Internist*innen, Ärzt*innen für Psychiatrie und Psychotherapie, Frauenärzt*innen und HNO-Ärzt*innen. In unseren Reihen sind des weiteren Ärzt*innen für Psychosomatische Medizin, Physikalische und Rehabilitative Medizin, Chirurgie, Anästhesiologie, Haut- und Geschlechtskrankheiten sowie Augenheilkunde.

Bei niedergelassenen Kassenärzten lagen die Gesamtarzneikosten / Quartal durchschnittlich 12 Prozent niedriger, die Zahl der Antibiotika-Verordnungen lagen im Vergleich zum Fachgruppendurchschnit 27 Prozent niedriger, bei Protonenpumpenhemmern wurde der Fachgruppendurschnitt um ca. 20 Prozent unterschritten.

2. Fazit: Homöopathisch tätige Ärzt*innen decken das komplette fachärztliche Spektrum ab. Damit ist in all diesen Disziplinen ein Höchstmaß an Patientensicherheit durch integrative, konventionelle und homöopathische Behandlungsoptionen gegeben. Dass dies so bleibt und Patient*innen nicht zu weniger oder gar nicht qualifizierten Heilern abwandern ist es erforderlich, dass die Homöopathie auch in Zukunft auf hohem Ausbildungsniveau und in ärztlicher Hand erhalten bleibt.

 

 

 

 

2021-07-16T09:42:09+02:00

DZVhÄ Kommentar: Corona-Leugner Beitrag von Frontal21

Frontal 21 ist ein ambitioniertes ZDF-Magazin mit investigativ-journalistischem Anspruch. Unter der Überschrift „Verharmlosen und hetzen“ wurde am 25. Mai über Corona-Leugner berichtet, darunter Soldaten und Polizisten, aber auch Ärzte. Sie leugnen die Gefahren der Pandemie, rufen zum Widerstand gegen die Corona-Schutzmaßnahmen auf und machen sich teilweise mit ihren Aktionen strafbar.

Ohne Zweifel ist es in einer offenen und demokratisch verfassten Gesellschaft erlaubt, veröffentlichte Meinungen und politische Maßgaben kritisch zu hinterfragen, erst recht wenn sie den Anschein der Alternativlosigkeit erwecken können oder Zweifel an ihrer Plausibilität oder Stringenz aufkommen. Dennoch müssen sich Alle an Recht (auch Standesrecht) und Gesetz halten.

Vor diesem Hintergrund stellt der DZVhÄ erneut klar, dass wir uns als Berufsverband von sämtlichen rechtswidrigen, verschwörungstheoretischen, ideologischen, antisemitischen oder antidemokratischen Positionen distanzieren. Gleichzeitig halten wir es für absolut inakzeptabel, wenn Ärzt*innen mit Zusatzbezeichnung Homöopathie in Medien immer wieder in die Nähe grundsätzlicher Impfgegnerschaft gerückt oder mit Corona-Leugnern, Verschwörungstheoretikern oder gar Reichsbürgern in Verbindung gebracht werden.

Wir betonen: homöopathisch tätige Ärzt*innen versorgen Patienten und bekennen sich zu einer konsequenten, umsichtigen sowie fachlich und menschlich souveränen Begleitung ihrer Patient*innen. Viele homöopathisch orientierte Praxen beteiligen sich an der derzeitigen Impfung der Bevölkerung.

Wir vertreten einen integrativ-medizinischen Therapieansatz, der neben allen Optionen der konventionellen Medizin zusätzlich eine homöopathische Ergänzung, manchmal auch Alternative vorsieht. Im Rahmen unserer individualisierenden Vorgehensweise legen wir besonderen Wert darauf, die Resilienz unserer Patient*innen bestmöglich zu fördern und lehnen daher Panikmache oder die Ausübung von politischem oder medialem Druck als immunkompromittierend ab.

Wir bedanken uns an dieser Stelle ausdrücklich bei allen Kolleg*innen unseres Verbandes, die mit großem Engagement und einem bis an die Belastungsgrenzen reichenden Einsatz ihre Patient*innen auch in schwierigen Zeiten der Pandemie umfassend betreuen. Sie machen glaubwürdig deutlich, welchen Stellenwert gerade auch homöopathisch tätige Ärzt*innen in der medizinischen Basisversorgung der Bevölkerung haben.

 

Dr. med. Michaela Geiger, 1. Vorsitzende DZVhÄ, Ärztin, Homöopathie / Notfallmedizin

Dr. med. Ulf Riker, 2. DZVhÄ Vorsitzender, Facharzt für Innere Medizin / Zusatzbezeichnungen Naturheilverfahren und Homöopathie

 

 

 

2021-06-15T09:20:16+02:00
Nach oben