20 20 Oktober

Was Homöopathie zur Prävention beitragen kann

Berlin, 20. Oktober 2025. Die Gesundheitskompetenz von Menschen, die Homöopathie als „ihre“ Therapie der Wahl wünschen kann die Primär- und Sekundärprävention maßgeblich fördern. Sie wissen um die Bedeutung gesunder Ernährung, ausreichender Bewegung oder einer sozial verträglichen live-work-balance. Sie beobachten sich auch selbst genauer und reflektieren Zusammenhänge zwischen Faktoren ihrer Um- und ihrer In-welt. Ausführliche homöopathische Anamnesen haben sie besonders geschult, frühe Zeichen einer Krankheitsentwicklung wahr zu nehmen und im Sinne der Selbstfürsorge geeignete Schlüsse daraus zu ziehen 

„Prävention darf nicht erst beginnen, wenn wir krank sind“, war das Thema eines Staatsempfanges der Bayerischen Gesundheitsministerin Judith Gerlach, zu deren Aufgabenbereichen ja auch die „Pflege“ und die „Prävention“ gehören. Gemeint war hier also die Primär-Prävention, die – in gesunden Tagen – verhindern soll, dass Menschen überhaupt krank werden.

Der Übergang zur Sekundär-Prävention kann allerdings fließend sein, denn dabei geht es darum, frühzeitig erste Krankheitszeichen zu erkennen und eine rechtzeitige Behandlung zu ermöglichen. Der Vollständigkeit halbe: Tertiär-Prävention umfasst therapeutische Maßnahmen, die nach Auftreten einer Krankheit deren Verschlimmerung oder Komplikationen verhindern sollen.

Prävention gelingt nur im Miteinander! Gesundheitskompetenz ist dabei eine maßgebliche Voraussetzung: Patienten müssen Informationen finden und verstehen können, Ärzte müssen die Zusammenhänge erklären und ihre Patienten im Sinne eines respektvollen „shared-decision-making“ auf Augenhöhe begleiten. Bereits Hahnemann sah im Arzt einen „Gesundheitserhalter“ (Organon § 4), dessen Aufgabe es sei, „die Gesundheit störenden“ Aspekte nicht nur zu kennen, sondern sie „von den gesunden Menschen zu entfernen“. Wie Hahnemann zu seiner Zeit verstehen wir darunter heute all das, was im Rahmen der klassischen Naturheilverfahren mit „Ordnungstherapie“ gemeint ist: ausgewogene Ernährung, ausreichende Bewegung, Stressbewältigung und ein Ausgleich zwischen Anspannung und Entspannung als Voraussetzung für vitale Selbstheilungskräfte.

Homöopathie-Patientinnen und Patienten sind gesundheitsbewusst

Die Erfahrung zeigt: PatientInnen, die sich der Homöopathie zuwenden haben die Neigung, ihre Gesundheit als hohen Wert an sich zu schätzen und Störungen frühzeitig wahr und ernst zu nehmen. Ihre besondere Kompetenz liegt vermutlich in differenzierter Selbstwahrnehmung und der Bereitschaft, durch gesundheitsbewusstes Verhalten vorbeugend aktiv zu sein. Ihr Gesundheitsbewusstsein ist in der Regel höher als im Durchschnitt der Normalbevölkerung, die potentielle Homöopathie-Klientel verhält sich – bewusst oder unbewusst – primärpräventiv.

Im Falle auftretender Krankheitssymptome führt ihr Selbstwahrnehmung nicht selten auch zu rechtzeitigem Reagieren, entweder im Sinne konsequenter Regulierung der Lebensumstände und des Gesundheitsverhaltens oder durch Kontaktaufnahme zu ÄrztInnen ihres Vertrauens. Verknüpft man diesen Aspekt mit der Tatsache, dass Homöopathie-affine Patienten üblicherweise sehr genau über die Fakten und Hintergründe der Homöopathie Bescheid wissen, dann resultiert aus der besonderen Selbstfürsorge auch die Fähigkeit, ihre individuellen Beschwerden sehr differenziert zu beschreiben. Dies wiederum ist die Voraussetzung für eine korrekte homöopathische Arzneiwahl im Rahmen eines individuellen integrativen Behandlungsplanes.

Der positive Nebeneffekt besteht darin, dass Selbstfürsorge im Zusammenhang mit Wissen um Möglichkeiten und Grenzen der Homöopathie genau das verhindert, was der Homöopathie immer wieder vorgeworfen wird: zu einer Verzögerung einer anderen wirksamen Therapie zu führen. Das Gegenteil ist der Fall: die Integration der Homöopathie in den Rahmen konventioneller Behandlungsoptionen führt in ärztlicher Hand zu hoher Sicherheit bei gleichzeitiger Berücksichtigung der Patientenpräferenzen mit dem Ziel, Sekundärprävention fest im Focus zu behalten.

Homöopathie als Methode eröffnet die Möglichkeit der Prävention

Aber nicht nur patientenseitig erfüllt Homöopathie Voraussetzungen der Prävention: auch die Methode selbst eröffnet die Möglichkeit der Krankheitsprävention. Wenn sich bereits in gesunden Tagen eine konstitutionell passende homöopathische Arznei finden lässt, dann kann dies zu einer nachhaltigen Stabilisierung des individuellen Gesundheitsniveaus beitragen und dazu führen, dass manche Krankheiten sich gar nicht erst entwickeln. Dies findet seine praktische Bestätigung unter Anderem in der Pädiatrie, wo Homöopathie zum Beispiel eine erhöhte Infektanfälligkeit maßgeblich reduzieren kann. In der Folge lässt sich dann auch der Einsatz von Antibiotika deutlich einschränken.

Ähnliches gilt z.B. im Falle von verzögerter Rekonvaleszenz nach akuten Krankheiten oder zur Vorbeugung von Rückfällen, wenn sich eine Arznei finden lässt, die das Mosaik konstitutioneller und krankheitstypischer Symptome in idealer Weise abdeckt.

Derartige Erlebnisse und Erfahrungen können ihrerseits die Patienten-Compliance wesentlich fördern und auf diese Weise wiederum eine präventive Wirkung entfalten.

Homöopathie kann Überdiagnostik und Übertherapie vermeiden

Aus den genannten Aspekten lässt sich am Ende sogar eine quartäre Prävention ableiten: wenn es nämlich gelingt, im engen Austausch mit aufgeklärten PatientInnen und ihrer besonderen Gesundheitskompetenz Überdiagnostik und Übertherapie zu vermeiden. Daten aus der Versorgungsforschung stützen diese Annahme: unter konsequenter homöopathischer Therapie lassen sich konventionelle Medikamente einsparen und damit auch die mitunter notwendige Behandlung ihrer Nebenwirkungen überflüssig machen.

Fazit:

 Die Gesundheitskompetenz von Menschen, die Homöopathie als „ihre“ Therapie der Wahl wünschen kann die Primär- und Sekundärprävention maßgeblich fördern.

  • Homöopathie-Patienten beobachten ihre Symptome oft sehr viel besser und verhindern Verzögerungen weiterer Diagnostik und Therapie.
  • Ihre achtsame Selbstreflexion hilft wesentlich beim Auffinden einer geeigneten homöopathischen Arznei als Teil eines integrativmedizinischen Therapiekonzeptes.
  • Der frühzeitige Einsatz konstitutionell oder situativ passender Arzneien kann Krankheitsentwicklungen eindämmen und dabei helfen, Rückfälle sowie Komplikationen zu verhindern.
  • Homöopathie ist in ärztlicher Hand eine sichere Behandlungsoption mit präventivmedizinischer Bedeutung.

Autor: Dr. med. Ulf Riker, 2. DZVhÄ-Vorsitzender

 

18 18 September

AHZ 5/2025 Forschung in der Homöopathie

Die Allgemeine Homöopathische Zeitung (AHZ) ist die Mitgliederzeitschrift des DZVhÄ. In der fünften Ausgabe 2025 steht das Thema „Forschung in der Homöopathie“ im Mittelpunkt. Lesen Sie das Editorial und die Vereinsmitteilung in voller Länge und stöbern Sie im Inhaltsverzeichnis. Mitglieder erhalten die komplette Print-Ausgabe automatisch im Rahmen ihrer Mitgliedschaft.

Editorial: Forschung in der Homöopathie

von Holger Malchow

Frühe Debatten um Homöopathieforschung

Sommersemester 1993: Der Hörsaal des pharmakologischen Instituts der medizinischen Fakultät der Universität Homburg/Saar ist brechend voll. Nicht nur Medizinstudenten, sondern auch die Professoren und der Dekan des Instituts sind anwesend beim Vortrag von Dr. Henning Albrecht, dem Geschäftsführer der Karl und Veronica Carstens-Stiftung. Er spricht zum Stand der Forschung in der Homöopathie.

Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie der Stand der Forschung damals war, der Schlagabtausch nach dem Vortrag zwischen H. Albrecht und den Pharmazieprofessoren war hart, aber fair. Organisiert hatte ihn der studentische Arbeitskreis für Homöopathie der medizinischen Fakultät Homburg/Saar auf Anregung des Wilseder Forums für Homöopathie.

Historische Entwicklung der Homöopathieforschung

Das Forum, Zusammenschluss und Austauschplattform der studentischen Homöopathiearbeitskreise, entstand ein Jahr vorher durch großzügige Unterstützung der Carstens-Stiftung, die damals – im Gegensatz zu heute – die Forschung zur Homöopathie und die Integration der Homöopathie in die Universitäten und Kliniken großzügig förderte, wie z. B. am Dr. von Haunerschen Kinderspital der LMU München.

Die Homöopathieforschung war von Beginn an kein einfaches Terrain. Gegenwind bekamen die Forscher nicht nur von den konventionellen Medizinern, sondern vor allem aus den eigenen Reihen, den homöopathischen Ärztinnen und Ärzten. Man hatte Sorge, dass die klinischen Erfolge der Homöopathie in Studien nicht bestätigt werden könnten. Wie sollte man eine randomisierte Doppelblindstudie mit Erfolg durchführen, wo es doch bei der homöopathischen Behandlung auf das Individualisieren ankommt? Groß war die Bestürzung, als die Münchner Migränestudie von W. Springer und H. Walach keinen Vorteil für die Homöopathiegruppe zeigen konnte.

Dabei hatte bereits 1997 eine der ersten Metaanalysen doppelblinder Studien einen positiven Effekt der homöopathischen Arzneien gezeigt [Linde K et al. Are the clinical effects of homoeopathy placebo effects? A meta-analysis of placebo-controlled trials. The Lancet 1997; 350 (9081): 834–843]. Zum Glück haben sich die Forscherinnen und Forscher vom Widerstand (und den Anfeindungen) aus den eigenen Reihen und den anfänglichen Schwierigkeiten nicht entmutigen lassen.

Aktuelle Forschung und Projekte

In dieser Ausgabe lesen Sie im Interview mit Stephan Baumgartner, Universitäten Bern und Witten/Herdecke, warum ein Physiker sich entschieden hat, zur Homöopathie zu forschen, und wie er die Frage anging: Unterscheiden sich homöopathische Arzneien, das heißt potenzierte Substanzen, signifikant von Placebo? Wie ist es in der Grundlagenforschung mit der Individualisierung? Stephan Baumgartner gibt einen detaillierten und spannenden Einblick in seine nun rund 30-jährige Forschungstätigkeit.

Paul Doesburg beschreibt in seinem Artikel ein für die Grundlagenforschung wichtiges Modell der computergestützten Analyse von Kristallisationsbildern von Kressekeimlingen unter Stannum metallicum. Welchen Einfluss haben Handystrahlungen auf die Wirkung der homöopathischen Arzneimittel?

Neben P. Doesburg ist auch Maria Olga Kokornaczyk Mitglied der Forschungsgruppe von Stephan Baumgartner. In ihrem Artikel gibt sie einen Überblick über den Einsatz formgebender Verfahren, wie z. B. die Tropfenverdunstungsmethode in der Homöopathieforschung.

Katharina Gärtner beschreibt in ihrem Artikel ihren persönlichen Weg in der klinischen Forschung, der u. a. zur Publikation der Datenbank HOMIS Bibliografie, einer Zusammenstellung kontrollierter klinischer Studien zur Homöopathie, führte.

Zur Versorgungsforschung zu zählen ist das Projekt Empirium: Rainer Schäferkordt stellt nach 8 Jahren Arbeit/Forschung/Entwicklung erste Ergebnisse des WissHom-Projekts Falldokumentation, einer prospektiven Datenerhebung, aus dem Praxisalltag vor. Bedauerlich, dass nur 4 (!) von über 2000 in Deutschland praktizierenden homöopathischen Ärztinnen und Ärzten an dem Projekt teilgenommen haben.

Bedeutung der Forschung für die Homöopathie

Wie wichtig die Forschung zur Homöopathie ist, zeigt sich immer wieder in der Auseinandersetzung mit den Homöopathiegegnern, wie zuletzt in der Schweiz. Dort sollte über eine Motion im Bundesparlament die Komplementärmedizin über die Hintertür aus der Grundversicherung ausgeschlossen werden. Der Ständerat (die 2. Kammer des Parlaments) hatte die Motion ohne Gegenstimme abgelehnt – ein Beispiel für erfolgreiches Lobbying dank hervorragender Forschungsergebnisse und dem Einsatz der Kollegenschaft.

Eine spannende Lektüre wünscht Ihnen
Holger Malchow

4 4 August

AHZ 4/2025 Blütezeit der Homöopathie

Die Allgemeine Homöopathische Zeitung (AHZ) ist die Mitgliederzeitschrift des DZVhÄ. In der vierten Ausgabe 2025 steht das Thema „Blütezeit der Homöopathie“ im Mittelpunkt. Lesen Sie das Editorial und die Vereinsmitteilung in voller Länge und stöbern Sie im Inhaltsverzeichnis. Mitglieder erhalten die komplette Print-Ausgabe automatisch im Rahmen ihrer Mitgliedschaft.

Editorial: Blütezeit der Homöopathie

von Bernhard Zauner

Letzte Blütezeit der Homöopathie

Blütezeiten gab es in der gut 200-jährigen Geschichte der Homöopathie immer wieder sowie auch die Entwicklung in die Gegenrichtung. Die letzte Blütezeit der Homöopathie lag in den beginnenden 1980er- und 1990er- bis in die frühen 2000er-Jahre. Damals erreichte die Homöopathie einen Höhepunkt an Popularität, insbesondere in vielen Ländern Europas und anhaltend z. B. in Indien.

Es gab mehrere Gründe, die dazu beitrugen: Viele Menschen suchten nach Heilmethoden als Ergänzung zur konventionellen Medizin. Zu dieser Zeit wurden verschiedene alternative Heilmethoden, Naturheilkunde und ganzheitliche Ansätze bis zur Esoterik populär. In Deutschland wurde 1976 die Homöopathie offiziell als besondere Therapierichtung in die Arzneimittelgesetzgebung aufgenommen, was ihren Status stärkte. Viele gesetzliche Krankenkassen begannen – wegen der gesetzlichen Lage – homöopathische Behandlungen zu erstatten.

Institutionalisierung und gesellschaftliche Akzeptanz

Die Homöopathie war salonfähig, zahlreiche Prominente, darunter Ärzte und Politiker (Karl und Veronica Carstens-Stiftung), unterstützten sie öffentlich. Es gab zahlreiche – und glücklicherweise gibt es manche davon noch immer – Lehrstühle und Forschungsprojekte zur Homöopathie an verschiedenen Universitäten, inklusive Lehrveranstaltungen für Student*innen, Aus- und Fortbildung, anerkannt von den Ärztekammern. Fachzeitschriften und Bücher zur Homöopathie erreichten eine große Leserschaft. Vor etwa 30 Jahren erlebte sie eine neue und die bisher letzte Renaissance in Europa.

In dieser Zeit kam auch das gegenwärtige Herausgeberteam der AHZ in Kontakt mit der Homöopathie. Für mich war es während des Medizinstudiums kein Widerspruch, mich mit beiden „Welten“ zu beschäftigen und mein Wissen zu vertiefen. Die Student*innen forderten damals Vorlesungen zur Homöopathie; in den Hörsälen der damaligen Fakultät für Medizin der Universität Wien (heute MUW), war es kein Problem, entsprechende Veranstaltungen zu organisieren. Ein paar Studentengenerationen später wird an dieser Universität ein Wahlfach zur Esoterik in der Medizin angeboten, in dem die Homöopathie naturgemäß nicht gut wegkommt; was zählt, ist Evidence-Based Medicine, geschuldet der materialistischen Weltanschauung des Transhumanismus.

Wandel des Zeitgeists und naturwissenschaftlicher Druck

Die Gründe für diese Veränderung sind im Wandel des Zeitgeistes zu suchen, der auch vor der Medizin nicht haltmacht. So war es bereits im 19. Jahrhundert: Johann Emanuel Veith, Homöopath, Arzt und Priester, war ein „Star“ seiner Zeit, er predigte im Wiener Stephansdom über die erfolgreiche homöopathische Cholera-Behandlung. Kurz danach kam es zum Niedergang der Homöopathie. Es waren die aufkommenden Erfolge in den Erkenntnissen der Bakteriologie – der Cholera-Erreger wurde entdeckt – und den anderen Naturwissenschaften, die begeisterten.

Heute wird gemessen und überwacht, biometrische Daten werden übertragen und gesammelt, zur scheinbaren Optimierung der Menschheit. Zusätzlich hat sich eine Cancel Culture entwickelt: Was nicht Fakt ist, ist Fake. Mit diesem Heft soll auf diese Zeit zurückgeblickt und diese Periode ein wenig dokumentiert werden. Dies soll nicht pessimistisch wirken, denn die Homöopathie ist bisher noch nie untergegangen.

Veith schrieb:
„Ein spanisches Sprichwort vergleicht die Wahrheit mit dem Öle, welches, noch so sehr im Wasser gerüttelt, immer wieder emporsteigt. Die homöopathische Heilmethode […] wird von Freund und Feind mächtig geschüttelt, gerüttelt und geläutert; sie wird nicht untergehen.“
(Quelle: Internationale Homöopathische Presse 1876, VII. und VIII. Band, S. 129–140)

Perspektiven und Beiträge in diesem Heft

Heiner Frei, dessen Polaritätsanalyse in den letzten Jahren die Entwicklungen in der Homöopathie prägte, ist in diesem Heft vertreten. Er beschreibt die Methode vom Beginn bis zu den aktuellen Entwicklungen.

Carl Rudolf Klinkenberg widmet sich in seinem Artikel der Entwicklung unserer „Werkzeuge“ in der täglichen Praxis, das sind die Repertorien und natürlich die Materia medica. Im ersten Teil seines Artikels beschäftigt sich der Autor mit der anfänglichen kritischen Sicht auf die Repertorien und mit den Versuchen, solche zu entwickeln, und zwar in der Frühzeit der Homöopathie.

Dario Spinedi schreibt über die Entwicklung der „Kent-Methode“ bis zum Einsatz in seiner Klinik im Tessin.

26 26 Juni

Podcast: Jüngere Ärztinnen und Ärzte setzen auf Homöopathie

Berlin, 26. Juni 2025. Im DZVhÄ-Podcast erzählen jüngere Ärztinnen und Ärzte, warum sie in ihren Praxen auf Homöopathie setzen, erklären die Möglichkeiten der Weiterbildung Homöopathie und gehen der Frage nach, ob es bestimmte Fachgebiete gibt, in denen Homöopathie speziell eingesetzt wird. Die 9. Folge der DZVhÄ-Podcast Reihe wird wieder von Dr. Martina Kloepfer moderiert.

Es spricht vieles dafür, die Homöopathie in der ärztlichen Praxis einzusetzen. Medizinisch ist es sinnvoll, die Methode ist evidenzbasiert, die Abrechnung in GKV und PKV ist geregelt und als Voraussetzung gibt es mit dem Homöopathie-Diplom des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) eine geregelte qualifizierte Ausbildung. In der 9. Folge des DZVhÄ-Podcast kommen nun Ärztinnen und Ärzte zu Wort, die ihre persönliche Erfahrung mit der Homöopathie in Praxis und Klinik schildern.

  • Aline Rost ist Fachärztin für Allgemeinmedizin / Homöopathie, sie ist in eigener Kassenpraxis in Werdau bei Zwickau niedergelassen. Die Hausärztin sagt: „Ich wende Homöopathie an, weil sie sehr gut hilft und oft auch dann, wenn die konventionelle Medizin keine Therapieansätze mehr hat.“
  • Dr. med. Martin Schmitz ist Facharzt für Allgemeinmedizin / Homöopathie und arbeitet in Mutter und Kind Kliniken auf Fehmarn: „Ich wende Homöopathie an, weil es die vielseitigste Form der Medizin ist, die ich kenne und sie die Vielseitigkeit der Menschen widerspiegelt. Aber auch, weil ich mit meiner Medizin keinen Schaden anrichten möchte, sondern zur Gesundheit der Mitmenschen beitragen möchte.“
  • Maria Reiser-Köhler ist Ärztin / Homöopathie und praktiziert als Privatärztin in Estenfeld-Mühlhausen bei Würzburg. Sie sagt: „Homöopathie wende ich an, weil sie beim passenden Mittel auf eine ganz sanfte Art zu einer tiefen Regulation des Körpers beiträgt, eine nachhaltige Wirkung besitzt und oft zu einer besseren Lebensqualität für die Betroffenen führt. … Die Homöopathie ist ein großer Teil in meinem ärztlichen Tun und Wirken geworden. Ich empfinde das in der Behandlung meiner Patienten als sehr, sehr unterstützend, und es ist kein Gegensatz, die konventionelle Medizin – wie wir sie im Studium gelernt haben – und die Homöopathie.“

Die Aus-, Weiter- und Fortbildung in Homöopathie

Die wichtigste Ausbildung ist das Homöopathie-Diplom des DZVhÄ. Es ist eine fundierte, bundesweit einheitliche Ausbildung in der ärztlichen Homöopathie. In rund drei Jahren wird unter erfahrener Anleitung umfassendes Wissen und praktische Fertigkeiten für eine erfolgreiche homöopathische Behandlung vermittelt. Das Diplom ermöglicht niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten die Abrechnung mit gesetzlichen Krankenkassen, die an den Selektivverträgen Homöopathie teilnehmen. Für viele homöopathisch tätige Ärztinnen und Ärzte beginnt die Beschäftigung mit der Homöopathie im Studium – der DZVhÄ bietet auch hier vielfältige Möglichkeiten an. Die Homöopathie direkt im Rahmen des Medizinstudiums kennenzulernen ist jedoch nur noch an wenigen Universitäten in Form von Wahlpflichtfächern möglich, etwa in München.

Erfahrungen in die homöopathische Praxis können während einer Famulatur gemacht werden. Der DZVhÄ bietet bundesweit Famulaturplätze in engagierten Praxen an, auch Assistenz– und PJ-Stellen können auf der DZVhÄ-Seite gefunden werden.

Für einen frühen Einstieg in die Homöopathie bietet der Verein Globulista – Bildungsinitiative Homöopathie Seminare an. Tradition hat bereits das jährlich im Frühling stattfindende fünftägige Seminar, dass Maria Reiser-Köhler empfiehlt. Sie ist inzwischen Globulista-Vorständin, hat das Homöopathie-Diplom absolviert und steht jetzt kurz vor der Prüfung zur Zusatzbezeichnung Homöopathie. Die Zusatzbezeichnung durch die Ärztekammern ist jedoch ein Auslaufmodell und wird kaum noch angeboten.

Die Landesverbände des DZVhÄ stehen Studierenden als Ansprechpartner für Unterstützung zur Verfügung. „Eine gute Möglichkeit, die auch ich genutzt habe, sind die Mentorenprogramme zur Begleitung in einer homöopathisch tätigen Praxis“, sagt Martin Schmitz.

Wann und in welchen Fachgebieten Homöopathie eingesetzt wird

Martin Schmitz: „Homöopathie wird meistens im Bereich der Kinderheilkunde, der Allgemeinmedizin und der Gynäkologie eingesetzt. Aber prinzipiell kann man sie in allen Fachgebieten einsetzen.“ Der Klinikarzt ergänzt: „Wichtig ist immer das Abklären der diagnostischen Grundlage: Um welche Erkrankung handelt es sich? Gibt es sehr akuten Handlungsbedarf? Gibt es akute Notfälle, oder habe ich etwas Zeit, um den Patienten zu behandeln?“ Er hebt eine Besonderheit des klinischen Alltags hervor, dass er von Patienten manchmal sehr prägnante Symptome hört. Aus Sicht der konventionellen Medizin ist mit ihnen nichts anzufangen, ist der Arzt aber in homöopathische Denk- und Vorgehensweisen geschult, lässt sich oft ein Hinweis auf ein ganz bestimmtes homöopathisches Arzneimittel erkennen.

Aline Rost hat sich bewusst für die Allgemeinmedizin entschieden, „weil ich dort die Patienten ungefiltert sehe. Ich bin der erste Anlaufpunkt und kann dirigieren, wie ich den Patienten behandle, weiterempfehle und welche Optionen es für ihn gibt.“ In ihrer Praxis hat sie die Erfahrung gemacht, „dass es zwei besondere Einsatzgebiete für die Homöopathie gibt: Virusinfektionen, da es keine wirklichen Optionen in der konventionellen Medizin gibt und generell, wenn die konventionelle Medizin keine Behandlungsansätze mehr zu bieten hat.“

Maria Reiser-Köhler macht die Erfahrung, dass vor allem Patienten mit chronischen Erkrankungen ganz gezielt in ihre Homöopathie-Praxis kommen. Sie sind dann oft in der Situation, dass sie konventionell austherapiert sind und dass bei den verordneten Medikamenten die Nebenwirkungen überwiegen. Das Schöne ist, „dass ich die Homöopathie immer auch komplementär einsetzen kann. Ich muss nicht aufpassen, dass ich Interaktionen unter den verschiedenen Arzneimitteln auslöse.“ So kann Ärztin Reiser-Köhler mit Hilfe der Homöopathie häufig die Schmerzmedikamente reduzieren. Sie sagt: „So benötigen Migränepatienten plötzlich nur noch die Hälfte der Dosierung und Schritt für Schritt immer weniger. Das ist ein ganz, ganz wertvoller Gewinn an Lebensqualität für die Betroffenen – darin sehe ich die sehr große Stärke der Homöopathie.“

Die Abrechnung in GKV und PKV ist geregelt

Vor allem für Praxisgründungen kann ein Schwerpunkt auf Homöopathie existenzsichernd sein. Denn die Inanspruchnahme der Homöopathie durch die Bevölkerung groß ist, auch bietet die Homöopathie therapeutisch ergänzende Möglichkeiten zur konventionellen Medizin. Auch die Abrechnung homöopathischer Leistungen in der Kassenpraxis ist bundesweit geregelt, sie erfolgt über die Selektivverträge Homöopathie. Rund zwei Drittel der gesetzlichen Krankenkassen übernehmen als extrabudgetäre Leistung im Rahmen von Selektivverträgen mit dem DZVhÄ-Tochterunternehmen MGL Managementgesellschaft für Gesundheitsleistungen mbH die Kosten für homöopathische Behandlungen bei Vertragsärzten. Die erbrachten Leistungen für u.a. die ausführliche homöopathische Anamnese und Folgeleistungen werden adäquat honoriert. Voraussetzung für die Teilnahme an den Verträgen ist neben einer Kassenzulassung das Homöopathie-Diplom des DZVhÄ und/oder die Zusatzbezeichnung Homöopathie.

In der Klinik wird Homöopathie nicht extra berechnet, hier gehört sie zur entsprechenden Leistung. Martin Schmitz: „Das muss letzten Endes der Klinikbetreiber oder die Leitung der Klinik entscheiden, inwieweit sie offen ist für die Homöopathie, wie weit sie den Ärzten auch Zeit einräumt, mit der Homöopathie zu behandeln. In den meisten Kliniken habe ich zumindest freie Hand, ob ich in der Akutsprechstunde homöopathische oder konventionelle Medizin einsetze. Der große Vorteil ist für die Klinik, dass die homöopathischen Arzneimittel deutlich preiswerter sind als konventionelle.“

Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Erstattung homöopathischer Leistungen in der privatärztlichen Praxis:

    • Einerseits die große Gruppe der Privatversicherten,
    • aber auch gesetzlich Versicherte mit einer Zusatzversicherung nehmen eine privatärztliche Therapie gerne in Anspruch.
    • Eine weitere Möglichkeit der Rechnungsstellung bieten Selbstzahler, die weder privatversichert sind noch über eine Zusatzversicherung verfügen.

Homöopathie ist fester Bestandteil der Gebührenordnung für Ärztinnen und Ärzte (GOÄ). Mit verschiedenen Abrechnungsziffern bildet sie die homöopathische Praxis umfassend ab. Auch in der neuen GOÄ bleibt die Homöopathie weiterhin integriert. Im aktualisierten Abrechnungswerk werden neben der Anamnese- und Folgeanamneseziffer auch neue Möglichkeiten – etwa eine Gebührenposition für die Fallanalyse oder ein Zuschlag für eine längere Erstanamnese – eingeführt.

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„Der Homöopathie-Podcast“ des DZVhÄ kann direkt hier auf der Webseite gehört werden. Sie möchten keine neue Folge verpassen? Dann hören und abonnieren Sie den Podcast auf allen gängigen Podcast-Plattformen: Spotify, Apple Podcasts, podimo, Deezer, Youtube Music, Youtube und vielen mehr. Wir freuen uns, wenn Sie den Podcast dort liken!

Diese DZVhÄ-Podcasts sind bisher erschienen

  • Homöopathie in der Forschung | Folge 8 – Drei Wissenschaftler berichten über den Stand der Homöopathie-Forschung
  • Homöopathie in der Tiermedizin | Folge 7 – Die Tierärztinnen Dr. med. vet. Brigitte Hentschel, Dr. med. vet. Beatrice Milleder und Dr. med. vet. Dörte v. Bremen sprechen über die Homöopathie in der Tiermedizin.
  • Homöopathie in der Kinderheilkunde | Folge 6 – Kinderärztin Dr. Monika Grasser und der Kinderarzt Dr. Dominik Ewald: Ein vielseitiger Podcast über Therapie, Elternwünsche, Abrechnung und Berufspolitik.
  • Homöopathie in der Allgemein- und Familienmedizin | Folge 5 – Dr. med. Michaela Geiger und Dr. med. Jörg Albrecht sprechen im 5. DZVhÄ-Podcast über die Homöopathie in der hausärztlichen Versorgung. Was ist Familienmedizin und wie wird Homöopathie in die Hausarztpraxis integriert?
  • Patientensicherheit | Folge 4 – Der Präsident der Bundesapothekerkammer, Thomas Benkert, im Gespräch mit Dr. Ulf Riker, Internist und Vorstandsmitglied im DZVhÄ, über Patientensicherheit im Miteinander von konventioneller und homöopathischer Medizin.
  • Die Anamnese in der Homöopathie | Folge 3 – Dr. med. Michaela Geiger und Dr. med. Alexandra Schulze-Rohr, Vorstände des DZVhÄ, sprechen darüber, wie sich in der Homöopathie das diagnostische Gespräch mit der klinischen Diagnostik zu einer Medizin verbindet.
  • Die Integrative Medizin | Folge 2 – Dr. med. Michaela Geiger, 1. Vorsitzende des DZVhÄ im Gespräch mit Robert Schmidt, Chefarzt des Münchner Krankenhauses für Naturheilweisen über die Integrative Medizin in Praxis und Klinik.
  • Über die Vielfalt in der Medizin | Folge 1 – Dr. med. Michaela Geiger und Dr. med. Ulf Riker, Vorstände des DZVhÄ, berichten u.a. an Beispielen aus der eigenen Praxis, warum Pluralismus und Therapiefreiheit wichtige Werte in der Medizin sind.

Und hier finden Sie alle Podcast-Folgen auf einen Blick.

23 23 Juni

SPD-Antrag will homöopathischen Arzneimitteln den Arzneimittel-Status nehmen

Berlin, 23. Juni 2025. Der Bundesparteitag der SPD vom 27.-29. Juni wird über einen Antrag der Hamburger Genossen abstimmen, der homöopathischen Arzneimitteln den Arzneimittelstatus und die Apothekenpflicht nehmen soll. Der Vorstand des DZVhÄ hat sich per Brief an die SPD-Hamburg und an SPD-Gesundheitspolitiker gewandt und erwartet auf offene Fragen Antworten.

Der Antrag G28 Kein Sonderrecht für wirkungslose Präparate wurde von der Antragskommission angenommen. Darin wird eine „Hinweispflicht auf den fehlenden Wirkungsnachweis“ (homöopathischer Arzneien) gefordert, apodiktisch wird festgestellt, dass es „keinerlei medizinische oder wissenschaftliche Belege“ für eine Wirksamkeit gebe. Unabhängig davon, dass ein Unterschied besteht zwischen „wissenschaftlichen“ und „medizinischen“ Belegen, stellt sich die Frage, auf welche Fakten sich diese Behauptung stützen kann. Denn:

  • Wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit homöopathischer Arzneien gibt es inzwischen zuhauf und sie werden auch nicht dadurch weniger, indem man sich weigert, sie unter Berücksichtigung objektiver Kriterien zur Kenntnis zu nehmen.
  • Medizinische Belege hingegen finden sich nicht nur in der Versorgungsforschung, sondern lassen sich vor allem in der täglichen ärztlichen Praxis, also in der konkreten Versorgungssituation am Patienten, erkennen.

SPD-Antrag widerspricht der ärztlichen Praxis

Die ärztliche Versorgung kranker Menschen findet nicht im Fokus von Weltanschauung oder Parteipolitik statt, sondern im unmittelbaren Patientenkontakt. Dieser sollte im Sinne von Wahlfreiheit seitens der Patienten, aber auch im Interesse der Therapiefreiheit seitens der Ärzte von jeglicher politischen Einmischung freigehalten werden. Eine solche wäre nur dann erforderlich und sachlich begründet, wenn von der Homöopathie potenzieller Schaden für Patientinnen und Patienten ausginge; das ist aber definitiv nicht der Fall.

Der Antrag verdient keine Zustimmung, da er in diametralem Widerspruch zur lebenswelt­lichen Erfahrung von Patientinnen und Patienten steht und fundierte Praxiserfahrungen zahl­reicher qualifizierter Ärztinnen und Ärzte unberücksichtigt lässt.

Auch widerspricht der Antrag der Koalitionsvereinbarung mit der Union, in der sich die neue Bundesregierung zur Förderung der Naturheilkunde und Integrativen Medizin bekennt:
„Wir unterstützen Forschung und Versorgung zur Naturheilkunde und Integrativen Medizin zur Präventionsförderung.“

SPD-Antrag widerspricht den wissenschaftlichen Fakten

„Woher nehmen Sie die Sicherheit Ihrer Aussagen, dass es keinerlei medizinische oder wissenschaftliche Belege für eine Wirksamkeit gebe?“, fragt der DZVhÄ-Vorstand die Hamburger-SPD-Spitze und nennt ein paar aktuelle Beispiele:

  • Auf der Grundlage positiver Studienergebnisse wurde 2021 die zusätzliche homöopa­thische Behandlung als Behandlungsoption in die ärztliche S3-Leitlinie „Komplementär­medizin in der Behandlung von onkologischen Patienten“ aufgenommen. https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/komplementaermedizin
  • Eine methodisch hochwertige zusammenfassende Auswertung aller sechs vorliegenden Metaanalysen placebokontrollierter Studien bei jeglicher Indikation kommt zu dem Ergebnis: Die homöopathische Behandlung weist statistisch signifikant bessere Ergeb­nisse auf als eine Placebo-Behandlung, auch in Studien mit hoher methodischer Qualität.
    Die Arbeit wurde 2023 in der renommierten Fachzeitschrift Systematic Reviews publi­ziert. Im Peer Review Verfahren wurde von den unabhängigen Gutachtern die methodi­sche Qualität hervorgehoben. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37805577/
  • „Fasst man den aktuellen Stand der präklinischen und klinischen Forschung zusammen, kann man schlussfolgern, dass homöopathische Präparate spezifische Wirkungen zeigen, die sich von Placebo unterscheiden, wenn sie adäquat eingesetzt werden […]“ https://www.ikim.unibe.ch/forschung/uebersichten_zum_stand_der_forschung/homoeopathie/index_ger.html

Fragen an die Antragssteller

Im SPD-Antrag wird pauschal auf eine (angeblich) fehlende wissenschaftliche und medizinische Evidenz abgehoben – ohne die zugrundeliegende Datengrundlage zu benennen. Daraus ergeben sich folgende Fragen:

  1. Welche, nach etablierten Standards der Evidenzbasierten Medizin angefertigte Quellen liegen Ihrer Bewertung der Homöopathie zu Grunde?
  2. Welche Gründe rechtfertigen es, dass die Ergebnisse des o.g. Systemischen Reviews ignoriert werden?
  3. Auf der Grundlage welcher Daten kommen Sie hinsichtlich der o.g. ärztlichen S3-Leitlinie zu einer abweichenden Beurteilung als das federführende wissenschaftliche Expertengremium?
  4. Die Kritik an der Wissenschaftlichkeit der Homöopathie und ihren Studienergebnissen muss zweifellos ihrerseits wissenschaftlich begründet sein. Dies erwartet die Öffentlich­keit gerade von ihren Volksvertretern über die Bewertung medizinischer Maßnahmen. Auf welche wissenschaftlich tragfähigen Quellen stützt sich Ihre Kritik an der Homöo­pathie?

 

Weitere Homöopathie-Informationen

Der Homöopathie-Podcast des DZVhÄ

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Thema: SPD-Antrag will homöopathische Arzneimitteln den Arzneimittel-Status nehmen

 

22 22 Mai

Fakt ist: Homöopathie – eine Methode mit Mehrwert

Berlin, 22. Mai 2025. Fakt ist: Homöopathie – eine Methode mit Mehrwert. Sie ist sicher in der Therapie, kompatibel mit der konventionellen Medizin und es lassen sich konventionelle Arzneimittel einsparen. Dr. med. Ulf Riker, Facharzt für Innere Medizin / Homöopathie und 2. DZVhÄ-Vorsitzender, stellt in Serie Fakten zur Homöopathie vor.

Homöopathie ist Evidenzbasierte Medizin (EbM) und bewährte Therapiemethode im Rahmen der Integrativen Medizin. Abgeschlossenes Medizinstudium, klinische Erfahrung sowie regelmäßige Fort- und Weiterbildung im Bereich Homöopathie bilden das solide Fundament. Wie Vieles in der Medizin hat auch Homöopathie ihre Grenzen – aber sie bietet auch Hilfe und Unterstützung, wenn die konventionelle Medizin an ihre Grenzen stößt.

Kein Risiko

Zurecht fordert die Evidenzbasierte Medizin, dass der Nutzen einer Methode größer sein soll als ihr Risiko. Immer wieder wird von den Kritikern der Homöopathie vorgetragen, Homöopathie beinhalte das Risiko, dass den Kranken andere notwendige Therapien vorenthalten würden. Quellen, die diese Aussage bestätigen, gibt es keine. Homöopathisch zusatzqualifizierte Ärztinnen und Ärzte kennen aber die Leitlinien der konventionellen Medizin und sind in der Lage, individuell zu entscheiden, welche Therapie erforderlich und ausreichend sicher ist.

Kompatibel mit konventioneller Medizin

Medikamente der konventionellen Medizin wirken auf der Ebene der Moleküle und deren Interaktion mit Rezeptoren. Homöopathische Arzneien wirken wie andere Naturheilverfahren auch nach einem besonders spezifischen Reiz-Reaktions-Prinzip. Beide Wirkprinzipien behindern sich meist nicht, sondern können sich ergänzen. Daraus resultieren Effekte von Synergie. Also kein „Entweder – oder“, sondern angepasstes „Sowohl – als auch“!

Medikamente einsparen

Homöopathische Arzneien können bei korrekter Auswahl Schmerzen lindern, Fieber senken, Antibiotika einsparen, allergische Reaktionen dämpfen, Hautausschläge zum Verschwinden bringen und Vieles mehr. Weniger allopathische Medikamente bedeuten auch weniger Medikamenten-Nebenwirkungen. Ärztinnen und Ärzte können individuell festlegen, welche Medikamente (oder andere Verfahren der konventionellen Medizin) unumgänglich sind und wann Homöopathie Erfolg verspricht.

Fakt ist: Homöopathie – eine Methode mit Mehrwert

Der Mehrwert der Homöopathie zeigt sich in Studien aus der Versorgungsforschung, vor Allem aber im konkreten Praxisalltag! Patientinnen und Patienten erleben die Wirkung homöopathischer Arzneien ganz unmittelbar und oft auch nachhaltig. Das ist der Grund, warum weite Teile der Bevölkerung sich den Erhalt der Homöopathie wünschen: der Mehrwert überzeugt!

Fakten-Serie:

  1. Homöopathie ist auch präventive Medizin
  2. Homöopathie ist Evidenzbasierte Medizin
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19 19 Mai

AHZ 3/2025 Homöopathie international

Die Allgemeine Homöopathische Zeitung (AHZ) ist die Mitgliederzeitschrift des DZVhÄ. In der dritten Ausgabe 2025 steht das Thema „Homöopathie international“ im Mittelpunkt. Lesen Sie das Editorial und die Vereinsmitteilung in voller Länge und stöbern Sie im Inhaltsverzeichnis. Mitglieder erhalten die komplette Print-Ausgabe automatisch im Rahmen ihrer Mitgliedschaft.

Editorial: Homöopathie international

von Christian Lucae

Zeiten des Umbruchs

Wir leben in einer Zeit des Umbruchs: Klima- und Wirtschaftskrise, Kriege, Populismus, Inflation – und als ob dies noch nicht genug wäre: Getriggert durch die Wahl eines neuen amerikanischen Präsidenten sind noch weitere Unwägbarkeiten auf vielen politischen Schauplätzen entstanden. Durch das Abwenden der USA von Europa steht das Jahr 2025 ganz im Licht einer beispiellosen militärischen Aufrüstung.

Auch die Homöopathie ist von Umbrüchen nicht verschont geblieben. Die goldene Ära seit den 1990er-Jahren ist schon einige Zeit lang in Auflösung begriffen, der Nachwuchs bleibt aus, Ausbildungsmodule können aufgrund fehlender Teilnehmerinnen und Teilnehmer oft nicht stattfinden, die Ärztekammern canceln die Zusatzbezeichnung, und natürlich kommt – zumindest in Europa – die demografische Entwicklung zum Tragen: Zahlreiche Ärztinnen und Ärzte der Generation „Babyboomer“ geben aus Altersgründen ihre praktische Tätigkeit auf.

100 Jahre LMHI – ein internationales Netzwerk

Es gibt aber nicht nur Umbrüche, sondern auch bemerkenswerte Kontinuitäten: In diesem Jahr wird die Liga Medicorum Homoeopathica Internationalis (LMHI) 100 Jahre alt. Am 10. September 1925 gegründet, hat sich durch diese Organisation ein Netzwerk homöopathischer Ärztinnen und Ärzte weltweit etabliert. 14 Mitglieder aus 9 Ländern waren bei ihrer Gründung in Rotterdam anwesend. Aktuell stammen die Mitglieder aus weit über 70 Ländern.

Der erste Präsident wurde Roy Upham (1879–1956) aus den USA; die aktuelle Präsidentin, Altunay Ağaoğlu, kommt aus der Türkei. Die LMHI war bis 2012 in Genf beheimatet, seit 2013 befindet sich ihr Sitz in Köthen.
Die Ziele der LMHI – oft auch nur „die Liga“ genannt – waren und sind bis heute die Entwicklung und Sicherung der Homöopathie weltweit, die Schaffung einer Verbindung zwischen approbierten Homöopathen und Homöopathinnen mit medizinischen, tierärztlichen, zahnmedizinischen oder pharmazeutischen Abschlüssen und Gesellschaften sowie an Homöopathie interessierten Personen (www.lmhi.org/Home/AboutUs).

Weltkongresse und aktuelle Beiträge

Für die meisten praktizierenden Ärztinnen und Ärzte wird die LMHI in den jährlich stattfindenden Kongressen wohl am besten sichtbar. Der erste Weltkongress wurde 1926 in Paris abgehalten, der aktuelle Kongress zum 100. Jubiläum fand vom 14.–17. Mai 2025 – wenige Tage vor Erscheinen der vorliegenden Ausgabe der AHZ – in Utrecht statt.

Die vielfältige Welt der Homöopathie spiegelt in gewisser Weise auch unser aktuelles Heft wider: Im zweiten Teil ihres Aufsatzes (der erste Teil ist in der AHZ 4/2024 nachzulesen) berichten Susann Buchheim-Schmidt und Ralf Schwarzbach über die Potenzierung und deren unterschiedliche Spielarten in den homöopathischen Arzneibüchern weltweit. Eine Geschichte der Kontinuität ist die enorme Verbreitung der Homöopathie in Indien: Dies wird im Interview mit Roya Varanasi aus Neu-Delhi deutlich, das Michael Teut im vergangenen Jahr geführt hat. Marion Baschin erläutert uns die digitalen Angebote des Instituts für Geschichte der Medizin, die die homöopathiegeschichtlichen Schätze des Instituts in ein neues Licht rücken, und lädt gleichzeitig zu einem Besuch vor Ort in Stuttgart ein. Michael Hadulla beschreibt in seinem Beitrag die homöopathische Mittelfindung bei Lumbago eines 75-jährigen Patienten als „Odyssee durch die Polychreste“.

Gemeinsam für die Zukunft der Homöopathie

Wie sollen wir in der Homöopathie auf die vielen Umbrüche reagieren? Die LMHI macht es vor: Die verschiedenen homöopathischen Gesellschaften sollten gemeinschaftlich agieren. Autorinnen und Autoren, die eine Verwässerung der Homöopathie Hahnemanns fürchten und die Aus- und Abgrenzung anderer Methoden – manchmal sogar fast im Sinne einer Cancel Culture – betreiben, sollten erkennen, dass uns dieses Denken langfristig nicht weiterhilft.

Vor bald 40 Jahren hielt Will Klunker einen Vortrag über die Grundlagen im Organon und schloss: „Dies faßt nochmals zusammen, was Hahnemann für immer unter Homöopathie verstand, die man heute allerdings genötigt ist, durch den Zusatz ‚genuin‘ eigens zu benennen, wenn man von ihr zu sprechen hat“ [ZKH 1998, 42: 181]. Ob „klassisch“, „genuin“ oder sonstige Vornamen – am Ende gibt es nur die eine Homöopathie. Statt die Unterschiede verschiedener Strömungen herauszustellen, sollten wir uns auf diese gemeinsamen Grundlagen besinnen, die die Homöopathie zusammenhalten. Es geht nur gemeinsam!

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