Ärztetag-Delegierter zum Aus der Weiterbildung Homöopathie

Dr. med. Jürgen de Laporte, Hausarzt und Facharzt für Innere Medizin aus Esslingen, berichtet als Delegierter des Deutschen Ärztetags (DÄT, 24. bis 27. Mai 2022) in Bremen über das Aus der Homöopathie in der Musterweiterbildungsordnung. 

Ein Thema, das die Delegierten überraschte, denn es wurde erst kurzfristig auf die Tagesordnung genommen – am Tag zuvor war davon noch keine Rede. Eine inhaltliche Diskussion fand entsprechend nicht statt. Vor der Abstimmung konnte de Laporte spontan nur noch ein kurzes Pro-Homöopathie Statement halten. Vor dem DÄT hatten sich bereits 13 von 17 Landesärztekammern gegen die Zusatzbezeichnung Homöopathie in der neuen Weiterbildungsordnung ausgesprochen.

Dr. de Laporte  betreibt in Esslingen eine hausärztliche Praxis. Er sieht ein grundsätzliches Kommunikationsproblem zwischen konventionell- und komplementärmedizinisch tätigen Ärztinnen und Ärzten. Er sagt: Die Erfahrungsräume dieser beiden Gruppen sind sehr unterschiedlich. Wahrgenommen wird von der jeweils anderen Gruppe nur das, was schiefläuft. Einig sind sich  beide Gruppen im Ziel, nämlich der gesunde Patient. Aber die Vorstellung darüber, was eine ausreichend gute Konsultation ausmacht, ist verschieden. Die Homöopathie-Kritiker fordern eine ausschließlich wissenschaftlich orientierte Medizin und fokussieren sich auf objektivierbare Diagnosen. Integrativ-Komplementärmedizinisch tätige Ärzt*innen erfragen dagegen die Gesamtheit der Symptome.

Jürgen de Laporte wirft den konventionell tätigen Kolleg*innen fehlende Wertschätzung der Arbeit der Ärzt*innen mit Zusatzbezeichnung Homöopathie vor. “Viele meinen mit dem Thema Globuli das Wesentliche der Homöopathie erfasst zu haben. Dass es sich hierbei um ein anderes, individuelles Menschenbild handelt, in dem Selbstregulation im Mittelpunkt steht, bleibt außen vor.“

Doch de Laporte spart auch nicht mit Kritik an den Kolleg*innen aus der Homöopathie: Nach seiner Einschätzung waren vor allem in den 80er und 90er Jahren viele homöopathisch tätige Ärzt*innen überheblich und meinten, ohne konventionelle Medizin auszukommen. „Sie verkörperten den Anspruch, die besseren Ärzt*innen zu sein und  haben sich vom Rest der Kolleg*innen entfernt.“

Die Entwicklung der letzten 10 Jahre, in denen dank WissHom und dem Homoepathy Research Institut (HRI) wissenschaftliche Studien unterstützt und veröffentlicht wurden, wurden vom Deutschen Ärztetag  nicht wahrgenommen. Das Vorurteil ´es gäbe keine Studien` wird gebetsmühlenartig wiederholt, oder es werden diese Studien nicht mit dem gleichen Maß, wie andere Studien in der Medizin beurteilt und verurteilt: Weil nicht sein darf, was nicht sein kann.

Dr. de Laporte sieht in der Zusatzbezeichnung Homöopathie ein wichtiges Element der zuhörenden Medizin. „Die Streichung ohne Alternative reißt eine deutliche Lücke in die Versorgung von Menschen mit komplexen Beschwerden. Patienten werden sich vermehrt weniger qualifizierten Behandlern zuwenden.“

Nachdem das Pendel in den letzten Jahren stark in Richtung studienorientierter Medizin ausgeschlagen hat und der individuelle Patient etwas aus dem Fokus etwas geraten ist, freut sich Dr. de Laporte, dass sich jetzt über die LiMED (Liste Integrative Medizin) die Erfahrungsheilkunde in die ärztlichen Gremien einbringen wird. „Somit kann beigetragen werden, die “evidence based medicine” mit ihren 3 Säulen Studien/ Erfahrung /Patientenwunsch wieder aus der Schieflage der  Überbewertung von Studienwissen in der Primärmedizin herauszukommen!“

2022-06-27T08:31:42+02:00

DZVhÄ kommentiert: Weiterbildung ohne Homöopathie?

Kommentar des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) zum Aus der Homöopathie in der Musterweiterbildungsordnung

Während am 26. Mai der Deutsche Ärztekongress für Homöopathie in Münster unter dem Motto Homöopathie wissenschaftlich-ökologisch-nachhaltig eröffnet wurde, stellten ein paar Kolleginnen beim Deutschen Ärztetag einen Antrag zur Streichung der Zusatzbezeichnung Homöopathie aus der gerade erst verabschiedeten Musterweiterbildungsordnung (MWBO), der nach kurzer Diskussion mit großer Mehrheit angenommen wurde.

Man kann nach der Motivation dieser Kolleginnen fragen: Gibt es so wenig andere Probleme im deutschen Gesundheitssystem? Ist diese ja nur in vier Landesärztekammern übernommene Zusatzbezeichnung ihnen solch ein Dorn im Auge? Warum nur?

Ganz sicher ist das vorgebrachte Argument der fehlenden Wissenschaftlichkeit erneut ein vorgeschobenes und fadenscheiniges. Ganz sicher haben sich diese Kolleginnen im Vorfeld nicht mit dem aktuellen wissenschaftlichen Stand auseinandergesetzt. Sonst hätten sie festgestellt, dass es Daten gibt, die sie mindestens zum Innehalten und Überdenken ihrer Position gebracht hätten. Sie hätten den kollegialen Austausch suchen können, um sich ein fundiertes Bild zu machen. Im anderen Fall hätten sie – wenn sie ehrlich wären – einen Parforceritt durch die MWBO machen und noch x weitere Zusatzbezeichnungen streichen müssen. Haben sie aber nicht. Sie haben sich vor den Karren einer Meinungsmache spannen lassen. Und nebenbei sind sie ihrer Aufgabe, die Interessen ihrer ärztlichen Kolleginnen zu vertreten, nicht nachgekommen.

Ganz sicher haben sie überdies den Patientinnen einen Bärendienst erwiesen: Die Ärztekammern geben die Sicherung einer qualifizierten ärztlichen Versorgung mit Homöopathie ab. Interessierten Patientinnen (und Kolleginnen!)  wird die Orientierung zu qualifizierten Ansprechpartnern erschwert. Sie ignorieren den von der Mehrheit der Patientinnen gewünschten integrativen Ansatz unter Einbeziehung der Homöopathie.

Was folgt? Eine fundierte Weiterbildung, qualifizierte Fortbildungen, das Aufrechterhalten von Standards zur Therapiesicherheit, die Laien und Kolleginnen, Patientinnen und anderen therapeutischen Berufsgruppen, sowie Kostenträgern Orientierung geben, liegen damit allein beim DZVhÄ.

Lassen Sie uns hier (noch) besser werden, lassen Sie uns den integrativen Ansatz leben, lassen Sie uns auf die Kolleginnen (transdisziplinär und transprofessionell) zugehen und unverdrossen den Dialog suchen. Nehmen wir diese Aufgabe ernst, die Homöopathie ist es wert!

Dr. med. Alexandra Schulze-Rohr, DZVhÄ-Vorstand Weiterbildung

2022-06-26T12:11:05+02:00

MDR Podcast, Prof. Kekulé und die Homöopathie

Statement des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) zum MDR Podcast Kekulés Gesundheits-Kompass, Folge #6 Homöopathie ist eine Religion vom 9. Juni 2022.

Der MDR hat in einem Podcast einen neuen Anti-Homöopathie-„Experten“ entdeckt: Prof. Kekulé, Virologe und Epidemiologe ist aus zahlreichen klugen Stellungnahmen rund um die Corona-Pandemie bekannt. Ein Dummkopf, wer sich als Laie einbildet, ihm in seinem Kompetenzbereich das Wasser reichen zu können. Kekulé selbst aber begibt sich mit großer Nonchalance und in lockerem Plauderton auf ein Gebiet, das nicht in seinem Kompetenzbereich liegt: die Homöopathie. Weil es ja im medialen Mainstream ausgemachte Sache zu sein scheint, dass auf diesem Feld Jede und Jeder seinen Senf dazu geben kann – und zwar ohne jede eigene Fachkompetenz oder Praxiserfahrung – ist es also durchaus „logisch“, dass sich Kekulé einreiht in die bunte Truppe aus Kabarettisten, Maschinenbauern, Verwaltungswissenschaftlern und, ja, auch ÄrztInnen, die aber alle hauptsächlich Eines eint: in den meisten Fällen haben sie keinerlei Therapieverantwortung für kranke Menschen und keine gewachsene Praxiserfahrung in der Anwendung der Homöopathie als Bestandteil integrativmedizinischer Therapie.

Kekulé: den Homöopathen sei „mit dem Quirl durchs Hirn gefahren“

Kekulé laviert wortreich durch die Fragen des Moderators und unternimmt dabei den Versuch, die zwei Herzen in seiner Brust in eine äußerst labile Balance zu bringen: einerseits sei er Naturwissenschaftler, und aus diesem Blickwinkel mache ihn die Homöopathie „wütend“, als Arzt aber müsse er sagen „wer heilt hat recht“. Weil man das aber eigentlich gar nicht mehr sagen darf, schwächt er diese Aussage  umgehend wieder ab und unterstellt mehrfach, homöopathische ÄrztInnen hätten ausschließlich kommerzielle Interessen. Um seine verunglimpfende Unterstellung noch zu toppen, gibt er zu Protokoll, den Homöopathen sei „mit dem Quirl durchs Hirn gefahren“, eine erstaunlich unwissenschaftliche Aussage aus professoralem Munde. Eigentlich sollte ein hochangesehener Virologe die vielen individuellen Kombinationsmöglichkeiten von Beschwerden in der Praxis wenigstens gedanklich nachvollziehen können und nicht der Verlockung erliegen, das Leben ausschließlich aus der Sicht monokausaler Studien zu betrachten.

Auch sonst nimmt es Kekulé nicht so genau im Hinblick auf Stringenz seiner Aussagen: mal nennt er den Placebo-Effekt „fürchterlich, weil der haut Ihnen den echten Wirkungseffekt zusammen“ (gemeint sind Studien), mal redet er eben diesem Plabeo-Effekt wohlwollend das Wort („grundsätzlich nix Schlechtes“). Aber auch diese Aussage relativiert er gleich wieder: wenn ein Placebo-Effekt von der Homöopathie ausgelöst wird, dann handelt es sich natürlich um eine per se anrüchige „Professionalisierung und Industrialisierung“ dieses Effektes. So geht Messen mit zweierlei Maß!

Da ist es am Ende auch nicht mehr verwunderlich, dass gleich zwei ehemalige Präsidenten der Bundesärztekammer an den Pranger gestellt werden, weil sie in puncto Homöopathie anderer Meinung waren als Herr Kekulé heute. Es wundert auch nicht mehr, dass Homöopathie im Zusammenhang mit einer Aussage einer „Grünen“-Abgeordneten in assoziativen Zusammenhang mit „Fake Facts und rechten Verschwörungstheorien“ gestellt wird. Und wenn ein Internist mit Zusatzbezeichnung Homöopathie erst mal als „Heilpraktiker“ zitiert wird, dann scheint im Zusammenhang mit der Methode auch sauberes Recherchieren obsolet geworden zu sein.

„Kontamination der Wissenschaft“

Wenn allerdings homöopathischen ÄrztInnen „Aufgabe des wissenschaftlichen Anspruches“ und eine „Kontamination der Wissenschaft mit parawissenschaftlichen Ideen auf Grund von kommerziellen Interessen“ unterstellt wird, dann würde man sich doch vom Produzenten des Podcast (MDR) sowie vom Protagonisten Kekulé beweiskräftige Erklärungen erwarten. Denn nichts ist unsinniger und weiter an den Haaren herbeigezogen als die Aussage, homöopathische ÄrztInnen hätten das Terrain der Wissenschaft längst verlassen. Auch hier wird deutlich: man macht sich als Homöopathie-Kritiker nicht mehr die Mühe, die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus Grundlagenforschung oder  Ergebnisse aus der Versorgungsforschung zur Kenntnis zu nehmen.

„Si tacuisses“, möchte man Prof. Kekulé zurufen, aber irgendwie muss man sich wohl zu Wort melden, wenn einem das akademische Lehrdeputat irgendwie – unklar, ob zu Recht oder zu Unrecht – abhandengekommen ist. Vermutlich wäre es auch sinnvoller, wenn er sich wieder verstärkt seinen eigentlichen Forschungsgebieten zuwenden würde, anstatt sich fachfremd in Szene zu setzen.

Gerne stehen KollegInnen aus den Reihen des DZVhÄ für einen Podcast mit dem MDR  zur Verfügung, wenn ein faktenbezogener Diskurs zur Homöopathie das redaktionelle Ziel sein sollte.

2022-06-21T10:23:59+02:00

Rachel Roberts (HRI): Homöopathie ist mehr als Placebo

Interview mit Rachel Roberts, Geschäftsführerin des britischen Homeopathy Research Instituts (HRI). Sie ist Expertin zum Thema Homöopathie-Forschung. Roberts erkläert u.a. die Standards qualitativ guter Forschung und nennt Homöopathie-Studien, die diese Standards erfüllen. Auf die Frage nach der Wirkung homöopathischer Arzneien sagt sie: „Die besten Untersuchungen zeigen, dass homöopathische Arzneimittel echte klinische Wirkung haben, die über den Placebo-Effekt hinausgehen.“ Vertieft wird das Thema Homöopathie-Forschung auf dem eintägigen HRI Online-Kongress „Key Collaborations in Homeopathy Research“ am 25. Juni 2022.

Was sind Ihrer Meinung nach die drei wichtigsten Qualitätsmerkmale für gute Forschung?

Wenn ich die Qualität von Homöopathie Studien beurteile, achte ich immer auf das, was ich als kompromisslose Forschung bezeichne – d. h. Studien, die die richtigen Fragen stellen, die die hochwertigsten konventionellen wissenschaftlichen Forschungstechniken anwenden und die es außerdem schaffen, die Qualität der homöopathischen Behandlung der Patienten nicht zu beeinträchtigen oder zu gefährden.

Das bedeutet für mich gute Forschung:

  1. Sie untersucht potenzielle neue Behandlungen für Patienten, die dringend klinische Hilfe benötigen. Es macht keinen Sinn, die Homöopathie für Krankheiten zu erforschen, bei denen die konventionelle Medizin bereits hervorragende Arbeit leistet. Viel wichtiger ist es, zu prüfen, ob die Homöopathie Patienten helfen kann, für die es derzeit keine ausreichend wirksame Behandlung gibt oder bei denen die vorhandenen Behandlungen problematisch sind – weil sie etwa unerwünschte Nebenwirkungen verursachen oder kontraindiziert sind.
  2. Es werden Studiendesigns und Ergebnismessungen (Instrumente zur Messung der Auswirkungen der getesteten Behandlung) verwendet, die in der wissenschaftlichen Welt allgemein anerkannt sind.
  3. Die Wahl der Arznei(en), die Dosierung und die Dauer der Behandlung sollten der Behandlung ähnlicher Patienten durch gut ausgebildete homöopathische Verordner in der realen Welt entsprechen.

Können Sie uns ein Beispiel einer Studie nach Ihrem Qualitätsanspruch nennen?

Eine meiner derzeitigen Lieblingsarbeiten, die ein perfektes Beispiel für all diese Elemente darstellt, ist eine israelische Studie (Lotan et al. 2020), in der untersucht wurde, ob die Homöopathie Seromen (Flüssigkeitsansammlungen nach Operationen) nach einer Mastektomie bei Patientinnen mit Brustkrebs vorbeugen kann. Serome verursachen in der Regel starke Beschwerden und verzögern die Heilung, doch gibt es keine andere konventionelle Behandlung als das Anlegen von Drainagen nach der Operation, um die Flüssigkeit zu entfernen.

Diese „Goldstandard“-Studie – eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie – ergab, dass bei den Frauen, die nach der Operation mit homöopathischen Arzneimitteln (Arnica montana und Bellis perennis) behandelt wurden, die Drainagen 2,4 Tage früher (18 % früher) entfernt werden konnten als bei den Frauen, die ein Placebo erhielten. Bedauerlicherweise müssen sich viele Frauen einer solchen Operation unterziehen, so dass es sehr wünschenswert wäre, wenn weitere Forschungen in diesem Bereich durchgeführt würden, mit dem Ziel, dieses einfache homöopathische Behandlungsprotokoll als durchzuführende, kostengünstige Ergänzung der routinemäßigen Nachsorge für solche Patientinnen einzuführen.

Wie beurteilen Sie die Standards in der Homöopathie Forschung?

Die Standards in der Homöopathie Forschung sind im Vergleich zu anderen Bereichen, einschließlich der konventionellen medizinischen Forschung, sehr gut. Laut den Ergebnissen einer kürzlich im BMJ veröffentlichten Studie (Gartlehner et al. 2022) scheint der Forschungssektor der Homöopathie die konventionelle Medizin in Bezug auf wissenschaftliche und ethische Standards zu übertreffen, mit einem geringeren Maß an „Berichtsverzerrungen“ – ein Problem, das zu einer Überschätzung des Nutzens von Behandlungen führen kann. So wurde beispielsweise untersucht, wie oft die Forscher das „primäre Ergebnis“ änderten, d. h. welches Symptom bzw. welche Messung, das während einer Studie überwacht wurde, als das wichtigste „Ergebnis“ der Studie angesehen wurde. Es wurde festgestellt, dass dieses Verschieben, um günstigere Ergebnisse zu erzielen, in 25 % der Homöopathie-Forschungsstudien vorkommt, während dies in 43 % der Studien der konventionellen Medizin der Fall ist (Shah K et al, 2020).

Ich beschäftige mich nun schon seit über zehn Jahren mit der Homöopathie Forschung und es ist schön zu sehen, dass immer mehr qualitativ hochwertige Studien veröffentlicht werden. Laut Dr. Robbert van Haselen, dem Direktor des World Integrated Medicine Forum, zeigt die Evidenzbasis der Homöopathie in den letzten Jahren einen klar erkennbaren Trend zur Verbesserung der Studienqualität. Es wird also auf immer höherem Niveau geforscht – wir müssen nur noch mehr davon produzieren!

An welchen Homöopathie-Themen arbeiten die Wissenschaftler derzeit?

Ein spannendes Forschungsgebiet ist die Erforschung des Einsatzes der Homöopathie über die klinische Medizin hinaus, als Teil einer nachhaltigen und ökologischen Landwirtschaft. Die Verwendung ungiftiger homöopathischer Produkte anstelle chemischer Pestizide oder der Ersatz von Antibiotika in der Viehzucht durch homöopathische Arzneimittel könnte beispielsweise die Umweltverschmutzung und die Verunreinigung der Nahrungskette verringern.

…was davon wird auf Ihrem Kongress am 25. Juni diskutiert werden?

Professorin Leoni Bonamin aus Brasilien, der über zwei Jahrzehnte Erfahrung in der Laborforschung zu homöopathischen Arzneimitteln hat, wird auf dem HRI-Online-Kongress einen Vortrag halten. Dies gibt uns die seltene Gelegenheit, direkt von einer der weltweit führenden Expertin auf diesem Gebiet etwas über die Arbeit verschiedener Forschungsteams in Brasilien zu erfahren, die die Homöopathie untersuchen und einsetzen, von Landwirten, die die Homöopathie zur Verbesserung des Wohlergehens und der Qualität ihrer Rinder einsetzen, über Tierärzte, die die Homöopathie zur Verringerung der Auswirkungen von Gelbfieber bei Affen einsetzen, bis hin zu den neuesten Ergebnissen ihrer eigenen Laborexperimente.

Können Sie die Aussage „Homöopathie funktioniert nicht über den Placebo-Effekt“ bestätigen?

Ganz und gar nicht. Dies ist eine häufig genannte Theorie, aber die Daten sind einfach nicht vorhanden, um sie zu stützen. Im Gegenteil, die strengsten Untersuchungen zeigen, dass homöopathische Arzneimittel eine echte klinische Wirkung haben, die über den Placebo-Effekt hinausgeht – den man bei allen medizinischen Behandlungen beobachten kann.

Laborforscher in mehreren Ländern haben gezeigt, dass homöopathische Arzneimittel biologische Wirkungen bei Pflanzen, Fischen, Kaulquappen und sogar isolierten Blutzellen haben können. Diese Ergebnisse können nicht durch Placebo erklärt werden.

Und wenn wir uns die klinische Forschung ansehen, so hat der bahnbrechende Bericht von Dr. Robert Mathie aus dem Jahr 2014 gezeigt, dass individuell verschriebene homöopathische Arzneimittel mit 1,5- bis 2,0-fach höherer Wahrscheinlichkeit eine positive Wirkung haben als Placebo. Die klinische Wirkung, die er bei homöopathischen Arzneimitteln feststellte, ist ähnlich wie bei verschiedenen konventionellen Medikamenten, z. B. Sumatriptan bei Migräne, Fluoxetin bei schweren depressiven Störungen und Cholinesterasehemmer bei Demenz.

Wenn man sieht, dass diese Art von positiven Daten in allen Teilbereichen der Forschung – Laborexperimente, Veterinär- und Humanforschung – generiert werden, ist der Gesamttrend schwer zu ignorieren.

Referenzen

  1. Lotan AM et al. Arnica montana and Bellis perennis for seroma reduction following mastectomy and immediate breast reconstruction: randomized, double-blind, placebo-controlled trial. Europäische Zeitschrift für Plastische Chirurgie, 2020: 43, 285-294.
  2. Gartlehner G et al. Assessing the magnitude of reporting bias in trials of homeopathy: a cross-sectional study and meta-analysis. BMJ Evidence-Based Medicine, 2022; eFirst
  3. Shah K et al. Outcome reporting bias in Cochrane systematic reviews: a cross-sectional analysis. BMJ Open, 2020;16;10:e032497.

Rachel Roberts

ist Geschäftsführerin des Homeopathy Research Institute (HRI) und arbeitet seit 2010 für das Institut. Sie schloss ihr Studium der Biowissenschaften an der Universität Birmingham (UK) mit Auszeichnung ab und spezialisierte sich auf Physiologie. Außerdem absolvierte sie 1997 das College of Homeopathy in London und arbeitete anschließend bis 2012 als Homöopathin in privater Praxis. Rachel Roberts unterrichtete Homöopathie und medizinische Wissenschaft an verschiedenen Institutionen in und außerhalb Großbritanniens.

Über HRI

HRI ist eine im Vereinigten Königreich ansässige gemeinnützige Organisation, die sich der Förderung qualitativ hochwertiger Forschung im Bereich der Homöopathie auf internationaler Ebene widmet. Weitere Informationen: www.hri-research.org

2022-06-20T13:07:08+02:00

Leserbrief von Dr. Anette Schuricht zu Antibiotikaresistenzen

Die Ärzte Zeitung berichtet am 15. Juni 22 über das Thema Herausforderung Antibiotikaresistenzen. Dazu hat Dr. Annette Schuricht, Fachärztin für Allgemeinmedizin aus Berlin, diese Meinung:

„Wenn wir jetzt so ein massives Problem mit Antibiotikaresistenzen haben, vor allem gefördert  durch den übermäßigen Gebrauch in der Landwirtschaft, und wir alles tun müssen, um dem entgegenzutreten, dann finde ich es vollkommen absurd, ausgerechnet jetzt den Landwirten den Einsatz von homöopathischen Arzneimitteln zu verbieten! Dass dadurch signifikant der Einsatz von Antibiotika in der Viehzucht gesenkt werden konnte, ist in Studien belegt. Sicher müssen wir auch intensiv an der Entwicklung neuer Antibiotika arbeiten und sicher sollte sich auch grundsätzlich in der Art der Tierhaltung und beim Fleischkonsum der Bevölkerung schnell einiges ändern. Aber wie in allen Bereichen ist der Pluralismus in der Medizin von unschätzbarem Wert. Wer dies politisch verhindert ist in meinen Augen verantwortungslos.“

2022-06-17T12:55:10+02:00

Video-Statement von Dr. Albrecht: Homöopathie in der hausärztlichen Praxis

Berlin, 17. Juni 2022. Dr. med. Christiane Albrecht, Fachärztin für Allgemeinmedizin, Homöopathie, Akupunktur aus Berlin

Zum Video

Homöopathie ist eine wunderbare Ergänzung für die Hausarztpraxis. Sie gibt mir die Chance, für die Patienten eine dauerhafte Heilung zu bewirken. Vor allem bei Patienten, bei denen noch eine Regeneration möglich ist, wie z.B. bei entzündlichen, allergischen, psychosomatischen oder funktionellen Erkrankungen. Die Patienten kommen üblicherweise zu einem Vorgespräch, da schaue ich nach den medizinischen Diagnosen, überlege, was die bestmögliche Therapie für sie ist. Wenn nötig, wird nochmal eine konventionelle Diagnostik durchgeführt.  Wenn ich dann überzeugt bin, dass Homöopathie eine sinnvolle Alternative ist, steigen wir in die Behandlung ein. Die Behandlung ist bekannterweise sehr individuell. Ich begebe mich auf die Suche nach dem individuellen homöopathischen Arzneimittel. Konventionelle Arzneimittel werden zunächst weiter genommen, wenn dies nötig ist. Wenn die homöopathischen Arzneien ihren Effekt zeigen, dann kann ich die konventionellen Mittel langsam reduzieren. Unterm Strich habe ich also zwei Methoden für meine Patienten zur Verfügung.

Dr. med. Christine Albrecht

  • Medizinstudium in Berlin
  • 1991 Approbation als Ärztin
  • Ausbildung in Innere Medizin, Chirurgie, Kinderheilkunde, Allgemeinmedizin in verschiedenen Berliner Krankenhäusern und Praxen
  • 1998 Anerkennung als Ärztin für Allgemeinmedizin
  • Seit 1998 hausärztliche Versorgung mit alternativmedizinischem Schwerpunkt in Berlin-Mariendorf.
  • Ab Januar 2008 Praxis in Berlin-Wilmersdorf, Schwerpunkte Homöopathie und Akupunktur
2022-06-20T08:18:09+02:00

Standpunkt: Affront gegen Ärzt:innen mit Zusatzbezeichnung Homöopathie

Berlin, 15. Juni 2022. In einer Hau-Ruck-Aktion haben die Delegierten des Deutschen Ärztetages am 26. Mai 2022 die Homöopathie aus der Musterweiterbildungsordnung (MWBO) der Bundesärztekammer gestrichen. Der Antrag wurde von einer kleinen Gruppe der Delegierten erst am Tag der Abstimmung  eingebracht, eine sachlich-inhaltliche Vorbereitung und Abwägung der Argumente war somit weder erwünscht noch möglich, die Einholung der fachlichen Expertise durch Anhörung von Vertreter:innen der Homöopathie im Vorfeld war nicht erfolgt, ein „audiatur et altera pars“ ganz offenkundig und ohne Rücksicht auf eine Minderheit als überflüssig erachtet worden.

In diesem Zusammenhang sei an den ehemaligen Bundestagspräsidenten  erinnert, der in seiner Abschiedsrede 2017 unter Anderem Folgendes gesagt hat:

„Eine vitale Demokratie ist nicht daran zu erkennen, dass am Ende Mehrheiten entscheiden, sondern daran, dass auf dem Weg bis zur Entscheidung Minderheiten ihre Rechte wahrnehmen können. Dafür zu sorgen ist die nicht immer einfache, aber nach meinem Verständnis vornehmste Aufgabe aller Entscheidungsträger.“ Prof. Dr. Norbert Lammert

Tatsache ist: die Mehrheit der auch von homöopathisch tätigen Ärztinnen und Ärzten gewählten Delegierten des Ärztetages fällt einer großen Zahl ihrer eigenen Kolleg:innen in den Rücken und macht sich ohne inhaltliche Auseinandersetzung die Agenda der sogenannten „Skeptiker“ zu eigen, die sich damit brüsten, die Meinungshoheit in Deutschland zum Thema Homöopathie errungen zu haben, aber mehrheitlich keinerlei Behandlungsverantwortung tragen.

Beim Deutschen Ärztetag 2018 hatte sich die Delegiertenversammlung noch mehrheitlich für den Verbleib der Homöopathie in der MWBO ausgesprochen. Was hat sich seither faktisch geändert, was die Kehrtwende der Delegierten als plausibel erscheinen lässt? Es ist anzunehmen, dass auch vor 4 Jahren die wissenschaftliche Sachlage ausschlaggebend für das Votum der Delegierten war. Zwischenzeitlich wurde Homöopathie z.B. von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) mit einer Empfehlung in die neue S3-Leitlinie „Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen PatientInnen“ aufgenommen (1).

Die Grundlagenforschung der letzten 10 Jahre zeigt eindeutig und reproduzierbar, dass auch homöopathisch höher potenzierte Zubereitungen im Tier- und Pflanzenmodell statistisch signifikante Effekte haben (2). Auch die Versorgungsforschung hat deutliche Hinweise dafür ergeben, dass Homöopathie im Praxisalltag über den Placebo-Effekt hinaus erfolgreich ist (3/4). Zusätzlich gibt es im Bereich von RCTs und Metaanalysen Ergebnisse, die einen Vergleich mit Studien aus dem Bereich der konventionellen Medizin nicht scheuen müssen (5).

Eine rationale Entscheidung der Delegierten hätte also zumindest das Votum aus dem Jahre 2018 bestätigen müssen.

Geändert hat sich in den letzten vier Jahren die Dramaturgie im Umgang mit der Homöopathie: der mediale und politische Druck der „Skeptiker“ hat zugenommen und offenkundig zu einem eklatanten Verlust an Solidarität mit einer Minderheit von Kolleg:innen geführt, ohne dass dem ein, wie auch immer gearteter Gewinn für Qualität und Sicherheit in der Patientenversorgung gegenübersteht.

Die Delegierten des Ärztetages haben aber nicht nur ihre eigenen Kolleg:innen kompromittiert, sondern auch sehr vielen Patientinnen und Patienten keinen Dienst erwiesen: der Wunsch der Patienten nach qualifizierter Homöopathie in ärztlicher Hand mit dem Ziel größtmöglicher Therapiesicherheit ist in der Bevölkerung ungebrochen (6/7). Mit der Streichung  der Zusatzbezeichnung entfällt der Zugriff der Ärztekammern auf die Sicherstellung der Qualität homöopathischer Behandlungsangebote. Patient:innen werden sich unter Umständen anderen „Heilern“ zuwenden und dabei therapeutische Sicherheit einbüßen. Das ist die bittere Konsequenz dieser Ärztekammerentscheidung, die zu verantworten sein wird.

Die formal demokratisch zustande gekommene Entscheidung des Deutschen Ärztetages erweist sich in ihrer Konsequenz als de-facto-Entmündigung zahlloser Patientinnen und Patienten, denen die Freiheit ihrer Therapie- und Arztwahl ohne eigene Mitsprachemöglichkeit in absehbarer Zeit irreversibel genommen sein wird. Es steht zu befürchten, dass das, was die verantwortlichen Delegierten unter dem medialen Jubel der genannten Skeptiker entschieden haben, sich als Pyrrhus-Sieg entpuppen wird.

Der Deutsche Ärztetag hat in Redebeiträgen und Anträgen sehr eindeutig eine Aufwertung der „Sprechenden Medizin“ gefordert. Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer hat dies auch in seinem Grußwort an den Deutschen Homöopathie Kongress im Mai in Münster hervorgehoben. Das, was „Sprechstunde“ eigentlich meint, beinhaltet neben „Sprechen“ immer auch „Zuhören“. Diese Art des diagnostisch-therapeutischen Prozedere, wie es auch zur DNA der Homöopathie gehört, war und ist neben der Psychotherapie und der Allgemeinmedizin ein bewährter institutionalisierter Baustein einer zukunftsweisenden und modernen Medizin. Das ärztliche „Zuhören“ in der homöopathischen Anamnese wird selbst von den Kritikern als wirksam erachtet. Der eklatante Vertrauensverlust von Teilen der Bevölkerung in eine als seelenlos erlebte konventionelle Medizin wird nur durch vertrauensbildende Maßnahmen aufgefangen, die Entscheidung über die Köpfe von Patientinnen und Patienten hinweg und die Spaltung der Ärzteschaft ist das Gegenteil davon!

Entsolidarisierung innerhalb der Ärzteschaft, Verlust an Patientenzentrierung und ein eklatanter Mangel an ärztlicher und wissenschaftlicher Streitkultur sind Merkmale dieser Deutsche-Ärztetag-Entscheidung. Es besteht die Gefahr, dass weitere ärztliche (und nichtärztliche) Therapiemethoden in den Fokus derer geraten, die  ärztliche Erfahrung als überflüssig einschätzen, die Grundlagen der Evidenzbasierten Medizin nach eigenem Ermessen umdeuten und nur noch das als Medizin gelten lassen wollen, was sich zweifelsfrei auf das Modell von Molekül-Rezeptor-Interaktionen reduzieren lässt. Es lohnt ich, in diesem Zusammenhang an den ehemaligen Präsidenten der Bundesärztekammer zu erinnern, der sagte:

„Medizin ist keine Naturwissenschaft, sondern eine Erfahrungswissenschaft, die sich auch wissenschaftlicher Erkenntnisse aus anderen Fachgebieten bedient“. Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe

Wir erleben alle, wozu ein Verlust an Biodiversität im Bereich unserer Umwelt führen kann. Es gilt, eine zukunftstaugliche Methoden-Vielfalt auch innerhalb unserer modernen Medizin zu erhalten und irreversible Verluste zu verhindern. Nicht Macht und Einfluss halten komplexe Systeme in der Balance, sondern aufgeklärtes und respektvolles Miteinander!

Der Vorstand des DZVhÄ

Drs. Michaela Geiger, Ulf Riker, Alexandra Schulze-Rohr und Gerhard Antrup

  1. M, Lechleitner P, Gründling C, Pirker C, Grasmuk-Siegl E, Domayer J, et al. Homeopathic Treatment as an Add-On Therapy May Improve Quality of Life and Prolong Survival in Patients with Non-Small Cell Lung Cancer: A Prospective, Randomized, Placebo-Controlled, Double-Blind, Three-Arm, Multicenter Study. Oncologist. 2020;25(12); e1930-e55
  2. Critical Evaluation of Specific Efficacy of Preparations Produced According to European Pharmacopeia Monograph 2371 https://www.mdpi.com/2227-9059/10/3/552
  3. Witt CM, Lüdtke R, Baur R, Willich SN. Homeopathic medical practice: long-term results of a cohort study with 3981 patients. BMC Public Health. 2005; 5:115
  4. Beer AM, Borchard U, Frass M, et al. Homöopathie in der medizinischen Versorgung. Gesundh ökon Qual manag. 2021; 26: 245-247
  5. Randomisierte kontrollierte Studien zur Homöopathie: eine Untersuchung der Datenlage von Dr. Robert Mathie https://www.hri-research.org/de/laufende-projekte/mehr-informationen-aus-dem-vorhandenen-wissenschaftlichen-datenmaterial-ziehen/randomisierte-kontrollierte-studien-zur-homoeopathie-eine-untersuchung-der-datenlage/
  6. Securvita Krankenkasse. Langzeitstudie: Homöopathie ist wirtschaftlich und wirksam. 15.09.2020 https://www.krankenkassen-direkt.de/news/mitteilung/SECURVITA-Langzeitstudie-Homoeopathie-ist-wirtschaftlich-und-wirksam-2692040.html
  7. Meinungen zur Homöopathie. Berlin: Forsa-Umfrage F20.0082/38662; 28. Feb 2020
2022-06-15T17:37:28+02:00

HRI Studien-Monitor II: Homöopathie hilft signifikant nach Brustkrebs OP

Berlin, 13. Juni 2022. Das Homeopathy Research Institut (HRI) hat die Serie Studien-Monitor gestartet und stellt regelmäßig Studien zur Homöopathie vor, die die Wirksamkeit der Homöopathie über den Placebo-Effekt hinaus zeigen. „Homöopathie wirkt über den Placebo-Effekt hinaus, zahlreiche hochwertige wissenschaftliche Studien belegen dies“, schreibt das HRI. In dieser zweiten Ausgabe wird eine Studie von Dr. Adi Maisel Lotan, Abteilung für plastische und rekonstruktive Chirurgie, Hebräische Universität von Jerusalem, Israel, aus dem Jahr 2020 vorgestellt. Die Studie untersucht die Wirkung der Homöopathie bei der Reduktion von Seromen nach Mastektomie und sofortiger Brustrekonstruktion. Serome sind Flüssigkeitsansammlungen, die sich nach einer Operation bilden können.

Medizinische Relevanz der Studie

Brustkrebs ist die häufigste Tumorart bei Frauen, und in den meisten Fällen umfasst die Behandlung eine Mastektomie*, gefolgt von einer Brustrekonstruktion. Ein postoperatives Serom (eine Flüssigkeitsansammlung im Wundbereich) ist nach einer Brustrekonstruktion häufig. Es verursacht Beschwerden bei den Patientinnen und kann zu weiteren medizinischen Problemen führen, z. B. zu einer langsameren Wundheilung und/oder zu Verzögerungen bei der weiteren onkologischen Behandlung. Dies kann in der Folge zu einem längeren Krankenhausaufenthalt und höheren medizinischen Kosten führen. Die gängige Praxis zur Vermeidung übermäßiger Flüssigkeitsansammlungen ist das Einlegen chirurgischer Drainagen. Trotz umfangreicher Forschungsarbeiten konnte bisher keine vollständig wirksame Methode zur Vermeidung von Seromen gefunden werden. Dies veranlasste die Autoren, neue Methoden zur Verringerung der Drainage zu untersuchen.

Die aktuelle Studie umfasst 55 Frauen (78 Brüste) im Alter von 18 Jahren oder älter, die sich einer Mastektomie und einer sofortigen Brustrekonstruktion unterzogen haben. Sie wurde als randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie angelegt und untersuchte die Wirkung der homöopathischen Mittel Arnica montana und Bellis perennis auf die Serombildung.

Die wissenschaftlichen Ergebnisse

Es wurden zwei Gruppen verglichen, die entweder Arnica montana und Bellis perennis oder ein Placebo erhielten. Das primäre Maß für die Wirksamkeit der Behandlung war die Zeit, die verging, bis die chirurgischen Drainagen entfernt werden konnten („Zeit bis zur Drainageentfernung“). Weitere Überwachungskriterien waren u.a. die Verwendung von Schmerzmitteln und Komplikationen.

  • Die homöopathische Behandlung verkürzte die durchschnittliche Drainagezeit um 2,4 Tage, von 13,5 Tagen in der Placebogruppe auf 11,1 Tage in der Homöopathiegruppe, und dieses Ergebnis war statistisch signifikant (p< 0,05).
  • Der Einsatz von Opioiden (Schmerzmitteln) war in der Homöopathiegruppe geringer als in der Placebogruppe, auch wenn der Unterschied die Schwelle der statistischen Signifikanz verfehlte (p=0,057).
  • Es wurden keine Nebenwirkungen der homöopathischen Behandlung beobachtet.

Das bedeuten die Ergebnisse

  • Dies ist die erste prospektive, randomisierte Studie in einem klinischen Umfeld über die Verwendung von Homöopathie bei der postoperativen Behandlung von Brustrekonstruktionen.
  • Die Homöopathie als kostengünstige und risikoarme Behandlungsoption sollte als medizinisch wertvolle und kosteneffiziente Zusatzbehandlung nach einer Operation weiter untersucht werden.
  • Da Serome nicht auf Operationen im Zusammenhang mit Brustkrebs beschränkt sind, bietet diese Studie vielversprechende Perspektiven für die Berücksichtigung dieses homöopathischen Behandlungsprotokolls in anderen ähnlichen klinischen Situationen.

Fazit der Autoren

Serombildung ist ein häufiges Problem nach Mastektomie und Brustrekonstruktion bei Frauen mit Brustkrebs. Eine Verringerung der Serombildung bedeutet, dass die Patientinnen nach der Operation weniger Beschwerden haben, d. h. weniger Komplikationen auftreten und sie weniger Schmerzmittel benötigen. Dies kann wiederum dazu beitragen, den Krankenhausaufenthalt zu verkürzen und die Krankenhauskosten zu senken. Die positive Wirkung von Arnica montana und Bellis perennis auf die Verringerung von Seromen – hier gemessen an der Zeit bis zur Entfernung der Drainage – ist daher ein vielversprechendes Ergebnis dieser Studie, sowohl für die Patientinnen als auch für die Gesundheitsdienstleister.

Weitere Information zu dieser Studie von Lotan et al lesen Sie auf der HRI-Webseite.

2022-06-13T18:31:55+02:00

Homöopathie genießt in der ökologischen Nutztierhaltung einen hohen Stellenwert

Berlin, 1. Juni. Interview mit Heinz-Josef Thuneke, Vorstandsvorsitzender der Bioland-Stiftung. Er hat mehr als 30 Jahre Erfahrung als Bio-Landwirt und fast genauso lang arbeitet er in Institutionen der ökologischen Landwirtschaft. Er hat die ökologische Landwirtschaft mit groß gemacht und hat den Nutzen der Homöopathie an seinen Tieren – und an sich – erlebt.

„Der Ökolandbau ist ein fantastischer Weg für die Lösung vieler Umwelt– und Gesundheitsprobleme. Mit der Bioland-Stiftung geben wir vielen Menschen, der ganzen Gesellschaft, die Möglichkeit, daran mitzuwirken.“

Haben Sie auf Ihrem Hof, bei Ihren Tieren, auch homöopathische Arzneien eingesetzt?

Selbstverständlich habe ich bei meinen Nutztieren auch homöopathische Arzneimittel eingesetzt.

Das neue Tierarzneimittelgesetz schreibt vor, dass Homöopathika nur noch von Ärzt*innen abgegeben werden dürfen. Zu welchen Problemen führt das auf den Höfen?

Mit dem neuen Gesetz werden die Betriebsleiter:innen, die bisher aufgrund langjährig erworbenen Erfahrungswissens, das häufig mit Besuchen von Weiterbildungskursen vertieft wird, in die Illegalität abgedrängt und quasi kriminalisiert werden. Sie sind jetzt gesetzlich verpflichtet, die in ihrer Stallapotheke befindlichen Homöopathika zu entfernen. Durch die Erschwernis, nun im Falle von Tiererkrankungen Homöopathika nicht mehr unmittelbar einsetzen zu dürfen, sondern zuvor immer erst den Tierarzt konsultieren zu müssen, geht wertvolle Zeit verloren. Nicht übersehen werden darf ferner, dass die Betriebsleiter:innen eine Ordnungswidrigkeit begehen, die mit Ordnungsgeldern bis zu 3.000 € belegt werden kann, wenn sie dem Tierarzneimittelgesetz zuwider handeln.

Wie nehmen Sie die öffentliche Diskussion um die Homöopathie wahr?

Ich bin regelrecht empört über die Art und Weise der polemischen Debatte, die „alle Jahre wieder“ von den klassischen Medien, d.h. von den Magazinen (z.B. „Der Spiegel“), über die überregionalen („seriösen“) Tageszeitungen bis hin zu den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern (z.B. „heute-show“ oder „ZDF Magazin Royal“) befeuert wird. Das kommt zumindest in Teilen der politischen Klasse gut an, auch bei Teilen der Grünen, was ich nicht erwartet hätte. Ich denke aber, dass die Teile der Bevölkerung, die dieser Methode offen bis positiv gegenüberstehen, resilient gegenüber diesen zum Teil primitiven Anwürfen sind.  

Fördert die Bioland-Stiftung auch Forschungsprojekte zur Homöopathie (…oder könnte sie das)?

Die Bioland Stiftung ist noch sehr jung und existiert seit 2017. Es geht uns derzeit um nichts weniger als unsere Lebensgrundlagen, die aufgrund des Klimawandels und des dramatischen Rückgangs der Biologischen Vielfalt massiv gefährdet sind. Deshalb konzentriert sich unsere Arbeit auf die Schwerpunktthemen Klimaschutz, gesunde und fruchtbare Böden sowie die Förderung der Biodiversität in der Landwirtschaft. In unserem Themenspeicher warten aber auch noch Projektideen zum Komplex „Verbesserung des Tierwohls“ darauf, angepackt zu werden. Es ist vorstellbar, darin Teilprojekte zur Homöopathie zu integrieren, denn sie genießt in der ökologischen Nutztierhaltung einen hohen Stellenwert.

2022-06-01T09:14:38+02:00
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