Wissenschaftler belegt empirische Evidenz homöopathischer Potenzen

Für seinen Vortrag „Aktuelles aus der homöopathischen Grundlagenforschung“ erhielt der Physiker PD Dr. sc. nat. Stephan Baumgartner den Preis für den besten Vortrag auf dem Deutschen Ärztekongress für Homöopathie (25.-28.5., Münster) des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ). Stephan Baumgartner arbeitet an den Universitäten Witten/Herdecke und Bern.

  • Nach mehr als 20 Jahren Grundlagenforschung zur Homöopathie kommt Stephan Baumgartner zu dem Schluss, dass die Resultate der Experimente seiner Forschungsgruppe nicht mit der Hypothese in Einklang zu bringen sind, dass es sich bei homöopathischen Präparaten um reine Placebos handelt. In ausgedehnten verblindeten und randomisierten Experimentreihen ergibt sich wiederholt deutliche empirische Evidenz für spezifische Wirkungen von auch hochverdünnten homöopathischen Potenzen.
  • In den kommenden Jahren wird die Aufklärung des Wirkprinzips von homöopathischen Präparaten im Zentrum der Forschung stehen, um die Frage zu beantworten, wie die beobachteten Wirkungen der Homöopathie erklärt werden können.

An dem Hybrid Kongress des DZVhÄ in Münster unter dem Motto: Homöopathie: Ökologisch – Nachhaltig – Wissenschaftlich nahmen rund 500 Ärztinnen und Ärzte teil.


2022-06-13T18:27:03+02:00

DZVhÄ zum Aus der Homöopathie in der Musterweiterbildungsordnung

26. Mai 2022. Die Mehrheit der Delegierten des 126. Deutschen Ärztetages in Bremen haben am 26. Mai 2022 gegen die Zusatzbezeichnung Homöopathie in der Musterweiterbildungsordnung gestimmt. Dazu erklärt Dr. med. Michaela Geiger, 1. Vorsitzende des DZVhÄ:

„Als Begründung für die Ablehnung der Homöopathie wird die fehlende Wissenschaftlichkeit der Homöopathie aufgeführt. Ein Argument, das wir nicht stehen Michaele Geiger, 1. Vors. DZVhÄlassen können, es liegen genügend qualitativ hochwertige Studien unterschiedlichen Designs vor, die hinreichend einen Nutzen der Homöopathie belegen. Evidenzbasierte Medizin beruht nach ihrem Begründer Dr. Davids L. Sackett auf den drei Säulen: Studienlage(externe Evidenz), ärztliche Erfahrung (interne Evidenz) und die Präferenz der Patient*innen. Auf dieser Grundlage der drei Säulen der evidenzbasierten Medizin sollte die Entscheidung über die Inhalte der Weiterbildungsordnung der Ärztekammer entschieden werden.

Diese Abstimmung zeigt, dass es nun noch wichtiger wird für unseren Berufsverband, die qualitativ hochwertige ärztliche Aus- und Fortbildung der Homöopathie weiterzuentwickeln. Homöopathie hat in der Bevölkerung eine hohe Akzeptanz, sie wird von der Selbstmedikation bis hin zu schweren Erkrankungen in ärztlicher Begleitung angewandt. Diesem Stellenwert muss auch die ärztliche Fortbildung Rechnung tragen, die DZVhÄ Ausbildung mit dem Homöopathie-Diplom gewährleistet das.“

2022-05-31T16:26:31+02:00

Plakate für Ihre Praxis

Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) klärt mit Wartezimmer-Plakaten über die wesentlichen Grundzüge der Homöopathie auf. Ein Grund: die Deutungshoheit über die Homöopathie Hahnemanns im öffentlichen Raum wieder zurückzugewinnen. Der Verband möchte gemeinsam mit dem Bundesverband Patienten für Homöopathie (BPH) mehr als bisher Patientinnen und Patienten in die öffentliche Diskussion um die Homöopathie einbeziehen und ihre eigenen Erfahrungen und Beobachtungen auf der neuen Webseite des BPH veröffentlichen.

Es werden drei verschiedene Plakat-Motive angeboten, die herausgestellten Themen sind identisch. Ebenfalls die Aussage:

Für Therapiefreiheit und Vielfalt in der Medizin

 WIRKSAM

Das erleben Patientinnen und Patienten regelmäßig.
Das ist wissenschaftlich erwiesen.
Das gilt auch für Haus- und Nutztiere.

INDIVIDUELL

Wir berücksichtigen sowohl Ihre Befunde als auch Ihr Befinden.
Wir wägen genau ab, was Homöopathie im Einzelfall kann.
Wir arbeiten integrativ mit anderen Therapierichtungen zusammen.

NACHHALTIG

Wir schonen Ressourcen bereits bei der Herstellung der Arzneien.
Wir brauchen keine Tierversuche.Wir vermeiden Schadstoffbelastung von Gewässern und Umwelt.

SICHER

Wir sind wissenschaftlich ausgebildet.
Wir verfügen über reiche klinische Erfahrung.
Wir wissen, was zu tun ist, wenn Homöopathie nicht ausreicht.

ÖKONOMISCH

Die homöopathische Behandlung ist preiswert.
Die homöopathischen Arzneien sind günstig.
Homöopathie verbessert Ihre Gesundheit und spart Kosten langfristig.

Die A 2 Plakate können per Mail in der DZVhÄ Geschäftsstelle kostenlos bestellt werden, gerne auch für mehre Praxen zusammen und für die Apotheke in der Nachbarschaft.

2022-05-22T10:13:14+02:00

Homöopathie – aber sicher! Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker

Homöopathie sei gefährlich, heißt es immer wieder. So auch am 19. Mai im ARD Magazin Kontraste: Gefährliche Homöopathie und  die Rolle der Apotheker titelten die Autoren, die der Skeptiker-Szene gefährlich nahe stehen.

Der angebliche Grund für die Gefährlichkeit der Therapiemethode: wirksame andere Therapien würden unterbleiben und Krankheiten könnten schlimmstenfalls zum Tode führen. Vorgetragen wird diese verunsichernde Darstellung ausschließlich von Personen, die sich mit der Praxis ärztlicher Homöopathie entweder noch nie, nur sehr oberflächlich oder aber auf rein theoretischer Ebene beschäftigt haben.

Wir stellen klar:

Homöopathisch tätige Ärztinnen und Ärzte haben wie alle ihre KollegInnen ein abgeschlossenes Medizinstudium absolviert, die meisten eine Facharztausbildung, alle sind durch wissenschaftsbasierte Medizin sozialisiert. Hinzu kommt eine oft jahrelange praktische Tätigkeit in Kliniken, dabei erwächst aus Wissen Schritt für Schritt Erfahrung. Das gilt für sämtliche Ärzt*innen, egal welcher Fachrichtung oder Zusatzqualifikation, also auch für diejenigen Ärzt*innen, die sich schließlich der Homöopathie zugewandt haben.

  • Ärztinnen und Ärzte aller Fachrichtungen kennen die Krankheiten, Spontanverläufe und möglichen Komplikationen, für die sie besonders qualifiziert sind. Sie kennen erforderliche diagnostische Schritte ebenso wie Behandlungsoptionen der konventionellen Medizin. Und das ist gut so, denn eine breit gefächerte Kompetenz bedeutet Sicherheit für die PatientInnen auch dann, wenn Gefahr droht.
  • Homöopathisch tätige Ärztinnen und Ärzte wenden Homöopathie dann an, wenn Patienten dies wünschen. Gleichzeitig müssen die Voraussetzungen für ihren effektiven Einsatz gegeben sein: die Krankheit muss der Homöopathie grundsätzlich zugänglich sein, ärztlicherseits ist entsprechende Erfahrung in der Behandlung einer Krankheit notwendig, und nicht zuletzt müssen auch die Patienten selbst in der Lage sein, durch Selbstbeobachtung ihre Symptome und Beschwerden möglichst präzise und detailgenau zu schildern, denn gerade das individuelle Symptomen-Mosaik stellt die Voraussetzung dar für eine korrekte Arzneiwahl nach dem Ähnlichkeitsprinzip.
  • Behandelnde ÄrztInnen müssen sowohl in der Klinik, als auch im ambulanten Bereich jederzeit erreichbar sein, wenn sich Komplikationen abzeichnen und eine rasche therapeutische Intervention notwendig ist. Dies gilt umso mehr, wenn Arzt und Patient den Weg einer leitlinienorientierten Medizin verlassen und sich einer besonderen, meist individualisierenden Therapierichtung wie der Homöopathie zuwenden. In solchen Fällen ist rasche Entscheidung gefragt, ob eine homöopathische Behandlung durch eine konventionelle, medikamentöse oder chirurgische Therapie ersetzt oder zumindest ergänzt werden muss.
  • Und noch ein weiterer Aspekt dient vor Allem im ambulanten Bereich der Patientensicherheit, nämlich die Beratungskompetenz speziell qualifizierter Apothekerinnen und Apotheker. Seit fast zwei Jahrzehnten gibt es eine Weiterbildungsmöglichkeit für diese Berufsgruppe: Naturheilverfahren und Homöopathie. Grundlagen, homöopathische Arzneien, konkrete Anwendung und richtige Dosierung gehören zum „Stoff“ der Kurse. Ziel ist die qualifizierte Beratung der Apothekenkunden z.B. bei der Selbstbehandlung, aber auch bei unerwarteten Arzneireaktionen. Apothekerinnen und Ärzte sprechen „mit einer Stimme“, weil Sie wissen, wovon sie reden.

Übrigens: wussten Sie schon, dass einer homöopathiekritischen Apothekerin aus Oberbayern ca. 700 Kolleginnen und Kollegen allein in Bayern gegenüberstehen, die in den letzten Jahren eine entsprechende Qualifikation erworben und sich aus Überzeugung der homöopathischen Beratung zugewandt haben? Bundesweit sind es nach Auskunft der Apothekerkammer Bayern sogar mehr als 2200 Apothekerinnen und Apotheker, und das ist umso erstaunlicher, als die Beratung der Kunden nicht honoriert wird.

Wir sehen: Homöopathie ist in Ärztlicher Hand und flankiert von ApothekerInnen eine absolut sichere therapeutische Ergänzung und oft auch Alternative!

Dr. med. Ulf Riker, 2. Vorsitzender des DZVhÄ

2022-05-20T13:22:41+02:00

AHZ 5/2021

Thema: Kopfschmerz und Migräne

Aus dem Editorial:
Die Auswirkungen der Coronapandemie auf Kinder- und Jugendliche werden nach und nach untersucht und schlagen sich bereits in verschiedenen Diagnosen nieder: Das Schlagwort „Long COVID“ wird beispielsweise präzisiert mit „Post-COVID-19-Zustand“, „PASC“ (Post-acute Sequelae of COVID) oder auch „Post-COVID-CFS“ – Letzteres stellt womöglich eine Sonderform des postinfektiösen ChronischenFatigue-Syndroms (CFS) dar, dessen Auftreten auch nach anderen Virusinfektionen(z. B. EBV, Influenza) beschrieben ist.

Das gesamte Editorial von Christian Lucae finden Sie hier.

Hier finden Sie das Inhaltsverzeichnis der Ausgabe 04/2021.

Hier finden Sie die aktuellen Vereinsmitteilungen des DZVhÄ.

Viel Spaß bei der Lektüre dieser AHZ Ausgabe.

2021-10-19T19:08:48+02:00

Themendienst: Zusatzbezeichnung Homöopathie

Mit einem Themendienst bietet der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) jetzt Hintergründe über die Diskussion um die ärztliche Weiterbildung Homöopathie. Der Deutsche Ärztetag 2018 hatte sich deutlich für eine neue Musterweiterbildungsordnung mit der Zusatzbezeichnung Homöopathie ausgesprochen. Doch bei der Umsetzung in den insgesamt 17 Landesärztekammern blieb die Homöopathie zum Teil auf der Strecke. Nun stehen im September und Oktober 21 noch die Entscheidungen in Berlin und Bayern an.

 

Die Themen:

  • Erst beschlossen und dann abgeschafft? Zur Lage der ärztlichen Weiterbildung Homöopathie
  • Interview mit Dr. med. Alexandra Schulze-Rohr, DZVhÄ Vorstand Weiterbildung
  • Hintergründe: Die Anti-Homöopathie-Kampagne und der Brief des Münsteraner Kreises an den Deutschen Ärztetag 2018
  • Die Ausbildung eines homöopathisch tätigen Arztes / Ärztin
  • Ärzt*innen berichten, warum sie Homöopathie anwenden
  • Patienten berichten, warum sie Homöopathie in Anspruch nehmen / Bertelsmann Gesundheitsmonitor
  • Zusammengefasst: 9 Gründe zum Erhalt der Zusatzbezeichnung
  • Die AWMF fordert mehr Aus- und Weiterbildung in Komplementärmedizin
  • Daten & Fakten zur Homöopathie
  • Ausblick: Integrative Listen kandidieren für die Delegiertenversammlungen von Ärztekammer

Direkt zum Themendienst.

2021-10-15T17:57:28+02:00

AHZ 4/2021

225 Jahre Homöopathie: vom Auf und Ab einer „wissenschaftlichen Anomalie“

Das diesjährige Jubiläum der Homöopathie scheint nicht nur von den Schlagzeilen der Coronapandemie überschattet zu werden, sondern auch aufgrund der allgemeinen Homöopathie-Baisse der letzten Jahre wenig Beachtung zu fi nden. Dabei ist die 225-jährige Geschichte der Homöopathie durchaus spannend und abwechslungsreich.

Das gesamte Editorial von Christian Lucae finden Sie hier.

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Viel Spaß bei der Lektüre dieser AHZ Ausgabe.

2021-08-19T09:12:17+02:00

Onkologie-Leitlinie: Evidenz-Level 2b für Homöopathie

In der neuen S3 Leitlinie Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen PatientInnen wird der Homöopathie von der AWMF, der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, ein Evidenz-Level 2b bescheinigt. Erarbeitet wurden die 155 Empfehlungen und Statements unter Federführung der Deutsche Krebsgesellschaft (DKG), der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie, der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie. „In der Leitlinie werden die wichtigsten zur komplementären und alternativen Medizin zählenden Methoden, Verfahren und Substanzen, die von Patient*innen genutzt werden bzw. ihnen angeboten werden, nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin bewertet“, erklärt die Deutsche Krebsgesellschaft am 26. Juli 2021 in einer Presseerklärung. Unterteilt ist die evidenzbasierte Leitlinie in vier thematische Blöcke • Medizinische Systeme • Mind-Body-Verfahren • Manipulative Körpertherapien • Biologische Therapien. In den Block der medizinischen Systeme wurden aufgenommen: Akupunktur, Akupressur, anthroposophischer Medizin, Homöopathie und die klassi­schen Naturheilverfahren.

Stark positive Ergebnisse der Homöopathie Studie

Im Bereich der Homöopathie wurde eine mangelnde Qualität vieler Studien festgestellt, wie etwa kleine Fallzahlen. Die Studie von Frass et. al.* von 2015 aber konnte die Wissenschaftler*innen überzeugen: „Es liegen Daten aus einer RCT zum Einsatz von klassischer Homöopathie vor. …aufgrund der stark positiven Ergebnisse dieser Studie [kann] der Einsatz von klassischer Homöopathie (Erstanamnese in Kombination mit individueller Mittelverschreibung) zur Verbesserung der Lebensqualität bei onkologischen Patienten zusätzlich zur Tumortherapie erwogen werden“, heißt es in der Leitlinie. Die Evidenzaufarbeitung zu Homöopathie wurde von den Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Jena unter der Leitung von Prof. Dr. Jutta Hübner (DKG) durchgeführt –  einer entschiedenen Gegnerin der Homöopathie.

Eine weitere Studie von Prof. Michael Frass et. al.** konnte für die Leitlinie nicht mehr berücksichtigt werden, da sie am 3. Oktober 2020 im Oncologist publiziert wurde, somit außerhalb des Recherchezeitraums lag. Auch diese Frass-Studie wird in der Leitlinie vorgestellt: „Die Ergebnisse zeigen eine signifikante Verbesserung in der Lebensqualität für die HomöopathieGruppe im Vergleich zur Placebogruppe nach 9 und 18 Wochen. Auch die mediane Überlebenszeit war höher in der Homöopathiegruppe (435 Tage) im Vergleich zur Placebo (257 Tage) oder Kontrollgruppe (228 Tage, p=0.010), mit wiederum keinem Unterschied zwischen Placebo und Kontrollgruppe (p=0.258). Kritisch zu sehen ist die kurze Messzeit der Lebensqualität von nur 18 Wochen, da dies nur etwa ein Sechstel der Gesamtmesszeit ausmacht“. 

Studienleiterin ist entschiedene Homöopathie Gegnerin

„Wir müssen feststellen, dass die Homöopathie in dieser Leitlinie trotz der Leiterin Prof. Jutta Hübner mit einem 2b Evidenz-Level bewertet wurde“, sagt Dr. med. Michaela Geiger, Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ). Geiger vermutet, dass hinter den Kulissen erbittert über die Studien diskutiert wurde – Jutta Hübner ist prominente Gegnerin der Homöopathie, unter anderem ist sie Sprecherin des sogenannten Informationsnetzwerks Homöopathie (INH) und damit Sprecherin der Anti-Homöopathie-Kampagne in Deutschland. Das INH zur Frass-Studie: „In Anbetracht dieser Faktenlage erscheint es naheliegender, von einer nachträglichen Anpassung der Ergebnisse im Sinne eines gewollten Resultats als von einer validen Studie auszugehen. Ein Zurückziehen der Arbeit scheint angebracht.“

Jutta Hübner gab im Juli 2020 der WELT ein Interview zur jetzt veröffentlichten Leitlinie. Das Interview wurde unter der Überschrift: „Scharlatane haben praktisch Narrenfreiheit“ veröffentlicht. Ihr formuliertes Ziel: „Wir werden in der Leitlinie erstmals eine Übersicht darüber geben, was überhaupt wissenschaftlich gesichert und sinnvoll ist und welche Risiken bei einzelnen Methoden bestehen.“ Sie ergänzt, dass Homöopathie in der Behandlung von Krebs nichts verloren habe, da das Vertrauen zwischen Ärzten und Patienten zerstört würde. (zitiert: GWUP Webseite).

Alleine die Tatsache, dass in der Leitlinie die Homöopathie als medizinisches System eingestuft wurde, wird strittig gewesen sein. Auf der Familienseite „Susannchen“ des INH wird postuliert: „Homöopathie ist keine Medizin!“ Dieser Slogan wird auch vom sogenannten Münsteraner Kreis verwendet, für den Hübner 2018 ein Memorandum zur Abschaffung der Zusatzbezeichnung Homöopathie geschrieben hat. Darin heißt es: „Wir möchten den 121. Deutschen Ärztetag ersuchen, die Zusatzbezeichnung „Homöopathie“ ersatzlos zu streichen. … Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus wäre es dann ebenso gerechtfertigt, eine Zusatzbezeichnung „Gesundbeten“ für die „Kompetenz“ zu vergeben, welche Gebete zu welchen Heiligen bei welchen Krankheiten zur Anwendung kommen sollen.“ Dieser Aufforderung sind die Delegierten der Deutschen Ärztetags 2018 nicht gefolgt und auch die Wissenschaftsdefinition von Hübner und den sogenannten Skeptikern fand keinen Einzug in die neue S3 Leitlinie. Kurze Anmerkung: Der Münsteraner Kreis wird von Dr. Christian Weymayr koordiniert, er ist Autor des Buchs Die Homöopathie-Lüge – so gefährlich ist die Lehre von den weißen Kügelchen.

Zielsetzung der Leitlinie: Forschung und Weiterbildung der Komplementärmedizin fördern

Zur Zielsetzung der Leitlinie heißt es: „Die hohe Prävalenz der Nutzung von komplementären und alternativen Methoden sowie die große Anzahl verschiedener Verfahren der komplementären und alternativen Medizin und die fehlende Aus, Fort und Weiterbildung von Ärzten zu den Themen haben zu dem Entschluss geführt eine evidenzbasierte S3Leitlinie zu erstellen. Die Autor*innen machen sehr deutlich, dass die „Aus, Fort und Weiterbildung auf diesem Gebiet gefördert und Versorgungsstrukturen verbessert werden“ müssen. „Wir sehen darin eine Aufforderung an die Landesärztekammern, keine bestehenden Weiterbildungen der in der Leitlinie genannten medizinischen Systeme abzuschaffen und sich für deren Ausbau einzusetzen“, kommentiert Dr. Michaela Geiger. Zu einem weiteren wichtigen Punkt, den auch die Autor*innen der Leitlinie ansprechen, sagt Dr. Geiger: “Wir benötigen staatlich unterstützte Forschung in der Homöopathie, in der gesamten Komplementärmedizin. Neben der Weiterbildung ist dies ein wichtiger Baustein zur Fortentwicklung der Medizin.“

  • *Frass, M., Friehs, H., Thallinger, C., Sohal, N. K., Marosi, C., Muchitsch, I., . . . Oberbaum, M. (2015). Influence of adjunctive classical homeopathy on global health status and subjective wellbeing in cancer patients A pragmatic randomized controlled trial. Complementary Therapies in Medicine, 23(3), 309317
  • **Frass, M., Lechleitner, P., Gründling, C., Pirker, C., GrasmukSiegl, E., Domayer, J., . . . Muchitsch, I. (2020). Homeopathic Treatment as an AddOn Therapy May Improve Quality of Life and Prolong Survival in Patients with NonSmall Cell Lung Cancer: A Prospective, Randomized, PlaceboControlled, DoubleBlind, ThreeArm, Multicenter Study. The oncologist, 25(12), e1930e1955
2021-11-08T15:10:49+01:00

Lese-Tipp: „Wir können es besser“ von Clemens G. Arvay

DZVhÄ Lese-Tipp: „Wir können es besser“,  Clemens G. Arvay,  Quadriga Verlag 2020, 272 Seiten, ISBN: 978-3-86995-103-4, 20 Euro – von Dr. med. Ulf Riker, 2. Vorsitzender des DZVhÄ

Clemens Arvay ist Biologe und Autor, dieses Buch ist nicht sein erstes. Es ist auch keine „leichte Kost“, aber es ist ein Beispiel, wie durch sorgfältige Recherche von Einzelaspekten  und die gedankliche Vernetzung dieser Details ein Sachbuch von enormer inhaltlicher Dichte entsteht. Es ist das Gebot der Stunde, in Anbetracht zahlreicher simultaner Krisen die resultierende Komplexität der Zusammenhänge auf den Punkt zu bringen und in unsere Handlungsperspektiven zu übersetzen.

Da geht es zum Beispiel um Medienkritik im Zusammenhang mit der öffentlichen Aufbereitung der Corona-Pandemie, es geht aber auch um unseren Fleischkonsum (und seine ökologischen Kollateralschäden), um Folgen von Feinstaub für unser Immunsystem, um Hunger in Afrika oder Malaria-Tote (deren exorbitante Zahl keinen Vergleich mit Covid-19 zu scheuen braucht, aber in den Medien nicht vorkommt).

Arvay analysiert präzise auf dem Boden von Fakten (allein der Quellen-Teil des Buches umfasst ca. 30 Seiten!), seine Schlussfolgerungen bringen Teilaspekte miteinander in stringente und logische Verbindung und machen deutlich, wie auch über Fachbereichs-Grenzen hinweg Alles mit Allem zusammenhängt.

Die vorgebrachte Kritik ist nie aufgeregt oder anklagend, sondern leitet unmittelbar zum selbstständigen Nachdenken an. Wiederholt betont Arvay, dass ihm die wissenschaftliche Evidenz seiner Aussagen sehr wichtig ist; insofern hält das Buch auch kritischer Begutachtung stand. Leider liegt der Redaktionsschluss im Sommer 2020, wir müssen also entweder unter Arvays Anleitung selbst weiter denken oder sein Folge-Buch lesen  („Corona-Impfstoffe, Rettung oder Risiko?“ – vom Vorsitzenden der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft als „kritisch, sachlich geschrieben und sorgfältig recherchiert“ eingeschätzt).

„Wir können es besser“ stellt fest, was aus ökologischer (und öko-medizinischer!) Perspektive denkbar und möglich ist. Bleibt die Frage: wollen wir, was wir können? Und wann wollen wir damit anfangen?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2021-07-20T12:23:56+02:00

DZVhÄ Kommentar zu Spaltungen in Corona Zeiten

Die Corona-Pandemie ist längst nicht mehr allein ein medizinisches Problem, sie hat – auch durch politische und mediale Zuspitzungen – zu einem gesellschaftlichen Ausnahmezustand geführt. Die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guerot hat jüngst in der „Berliner Zeitung“ dazu aufgerufen, „die Hysterisierung aus der Diskussion zu nehmen“. Angesprochen ist damit auch ein sozialpsychologisches Phänomen, das einen Panikmodus ebenso beinhaltet wie Tendenzen der Spaltung. Guerot fordert als Ausweg „einen Raum für legitime Kritik“.

Was hat das mit uns, mit dem DZVhÄ, seinen Landesverbänden und seinen Mitgliedern zu tun? Wir erleben zurzeit eine Polarisierung innerhalb der eigenen Reihen. Mitglieder tragen sich mit dem Gedanken, ihren Berufsverband zu verlassen, wobei die einen das mit fehlendem „Mut“ im Kampf gegen Corona-Auflagen und Impfkampagnen begründen, andere mit dem genauen Gegenteil, nämlich einer in ihren Augen fehlenden Abgrenzung von Corona-Leugnern oder Impfverweigerern.

Ohne Zweifel repräsentieren unsere Mitglieder auch einen Querschnitt unserer Gesellschaft. Vor diesem Hintergrund haben wir im Dezember 2020 in einen „DZVhÄ-Standpunkt: „Selbstverständnis ärztliche Homöopathie“ Stellung bezogen zu Angriffen aus beiden Richtungen. Im März und April 2021 haben wir weitere DZVhÄ-Standpunkte veröffentlicht, und zwar zu „Homöopathie und Covid 19“ sowie zur „Individuellen Impfentscheidung“. In allen drei Stellungnahmen haben wir versucht, legitime Kritik ernst zu nehmen und in eine rationale und nachvollziehbare Balance zu bringen mit den ureigenen Interessen unseres Berufsverbandes: die Homöopathie Hahnemanns vor Angriffen aus allen möglichen politischen, weltanschaulichen oder medialen Richtungen zu schützen.

Dieses Bemühen hat – zugegeben! – nicht selten den Schwierigkeitsgrad einer Quadratur des Kreises. Dass dies unmöglich ist wissen wir alle! Der Versuch sollte dennoch zumindest den ernsthaften und engagierten Willen des gewählten Vorstandes zum Ausdruck bringen. Leider ist es oft wesentlich leichter, Kritik zu üben als bessere Vorschläge zu machen oder sich an Problemlösungen zu beteiligen. Die Homöopathie steht im Fokus einer breiten Phalanx von Gegnern, die mit viral gehenden Falschmeldungen für eine Elimination der Homöopathie aus unserem Gesundheitssystem, am besten auch gleich aus den Köpfen und Herzen der Menschen kämpfen. Es ähnelt einer autoimmunen Selbstdestruktion unserer Gemeinschaft, wenn zeitgleich in den eigenen Reihen Fronten entstehen, an denen eine gemeinsame Verteidigung unserer zentralen Anliegen zu scheitern droht.

Daher appellieren wir an Sie alle: kehren Sie Ihrem Verein und Berufsverband nicht den Rücken, sondern setzen Sie sich im Gegenteil für den Erhalt der Homöopathie ein! Die Fragen rund um Covid-19, Impfungen oder flankierende politische Entscheidungen sind für mündige Bürgerinnen und Bürger in einer offenen und freien Gesellschaft wichtige Denk- und Handlungsfelder, aber eines Tages wird hoffentlich klar sein, dass auch Covid-19 eine medizinhistorische Episode gewesen sein wird, aus der wir – hoffentlich! – sehr viel und Unterschiedliches gelernt haben werden. Dann aber sollte es die Homöopathie immer noch geben, und mit ihr Kolleginnen und Kollegen, die sie praktizieren. Und mit all diesen Menschen – also mit Ihnen und unseren jüngeren und nachfolgenden Kolleg*innen – sollte es auch noch einen starken und handlungsfähigen DZVhÄ geben!

Suchen wir also den Schulterschluss mit Kolleg*innen in der Primärversorgung, pflegen wir respektvollen Umgang miteinander und lassen Sie uns nicht aus den Augen verlieren:  unter dem breiten Dach der Integrativen Medizin und im Sinne von „One health“ werden wir alle mit unserer versammelten Kompetenz gebraucht! Nicht nur heute und im Zusammenhang mit der Pandemie, sondern auch in Zukunft!

Dr. med. Ulf Riker, 2. Vorsitzender des DZVhÄ, für den Vorstand

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2021-07-16T16:14:26+02:00
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