LIMed verdoppelt Zahl der Sitze bei der Kammerwahl in Niedersachsen

Berlin, 28. Januar 2026. Bei der Wahl der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN, 27.11. – 11.12.2025) konnte die Liste Integrative Medizin (LIMed) ihre Sitze verdoppeln. Außerdem wurde Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Diana Steinmann am 22. Januar 2026 in den Vorstand der Ärztekammer gewählt.

Die Liste Integrative Medizin (LIMed) erzielt bei den Kammerwahlen 2025 der ÄKN einen herausragenden Erfolg: Die Sitzzahl steigt von zwei auf vier Delegierte. Dieses Ergebnis ist ein deutliches Signal für die wachsende Bedeutung integrativer Medizin innerhalb der Ärzteschaft und bestätigt das große Engagement der niedersächsischen LIMed-Gruppe.

Gewählt wurden:

  • Göttingen/Hildesheim: Dr. med. Susanne von Ohlen
  • Hannover: Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Diana Steinmann
  • Braunschweig: Prof. Dr. med. Christoph Wiese
  • Wilhelmshaven/Oldenburg: Ein Sitz ist erreicht; die Besetzung wird noch entschieden

Integrative Medizin im ÄKN-Vorstand gestärkt

Ein bedeutendes Zeichen für die integrative Medizin setzte die Wahl von Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Diana Steinmann am 22. Januar 2026 in den Vorstand der Ärztekammer Niedersachsen. Dieser Erfolg ist das Ergebnis kontinuierlicher Vernetzung und vertrauensvoller Zusammenarbeit in der vorherigen Legislatur.

Christiane Qualmann, in der vergangenen Legislatur LIMed-Delegierte, wurde diesmal für den Hausärztinnen- und Hausärzteverband in die Ärztekammer gewählt. Durch die enge Kooperation und das gewachsene gegenseitige Vertrauen in sachorientierte, fachlich fundierte Arbeit konnte Diana Steinmann als LIMed-Kandidatin für den Vorstand nominiert und schließlich mit deutlicher Mehrheit gewählt werden.

Der Erfolg zeigt, wie wichtig beharrliches Engagement, Teamarbeit und professionelle, sachorientierte Arbeit innerhalb der ärztlichen Selbstverwaltung sind. LIMed dankt Christiane Qualmann und Diana Steinmann herzlich für ihren Einsatz in der vergangenen Legislatur und wünscht allen Delegierten der Ärztekammer Niedersachsen viel Erfolg für die kommenden Aufgaben.

Ihre Wahl macht deutlich: Integrative Perspektiven gewinnen in der ärztlichen Selbstverwaltung zunehmend an Gewicht.

Wer ist LIMed?

Die Liste Integrative Medizin entstand 2019/2020 aus einer Basisbewegung in Bremen und Niedersachsen und setzt sich dafür ein, dass integrative Therapieverfahren in den Ärztekammern sachlich, evidenzorientiert und qualitätsgesichert vertreten sind. LIMed engagiert sich für eine faire Bewertung integrativer Methoden, für Weiterbildungsstrukturen unter Kammeraufsicht und für eine pluralistische, patientenorientierte Medizin.

LIMed ist bundesweit in 11 Ärztekammern vertreten und entwickelt sich zunehmend zu einer maßgeblichen Stimme für die integrative Medizin in der berufspolitischen Landschaft Deutschlands. www.hufelandgesellschaft.de/limed

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2026-01-29T13:26:03+01:00

DZVhÄ-Interview mit MdB Dr. Pilsinger über Homöopathie und wichtige Reformen

Berlin, 12. Januar 2026. DZVhÄ-Interview mit Dr. Stephan Pilsinger (CSU), Bundestagsabgeordneter, Mitglied im Gesundheitsausschuss und Arzt. Dr. Pilsinger spricht sich im Interview klar für den Erhalt der Homöopathie im GKV-System aus.

❔ Herr Dr. Pilsinger, Sie sind Gesundheitspolitiker und Arzt: Welche Kriterien sind für Sie besonders wichtig, damit unser Gesundheitssystem bezahlbar bleibt und gleichzeitig dafür Sorge getragen wird, dass Menschen selbstbestimmte „Aktivisten“ ihrer eigenen Gesundheit bleiben können?

Wir geben im Vergleich zu anderen Industrienationen sehr viel Geld für die Gesundheit pro Kopf aus. Aber die Ergebnisqualität ist – gerade mit Bezug auf Krankheitslast und Lebenserwartung – nicht gut. Um das zu ändern, müssen wir auf der einen Seite in unserem weit verzweigten Gesundheitssystem die Effizienzen steigern, z.B. durch das geplante Primärarztmodell. Zum anderen müssen wir viel stärker die Prävention mitdenken. Unser System muss viel mehr daran arbeiten, dass die Menschen erst gar nicht krank und behandlungsbedürftig werden, statt dass auch vermeidbare Erkrankungen mit viel Aufwand und Geld auskuriert werden müssen.

❔ Die SPD hat unter Karl Lauterbach 2024 für eine Elimination der Homöopathie als Kassenleistung argumentiert. Nun sind es aktuell die GRÜNEN, die mit nahezu identischen Argumenten dasselbe fordern. Wie positionieren sich an diesem Punkt Vertreterinnen und Vertreter von CDU und CSU?

Die Grünen argumentieren im Kern damit, dass Homöopathie nicht mehr als freiwillige Kassenleistung übernommen werden darf, weil aus ihrer Sicht derzeit kein wissenschaftlicher Nutzen für diese Methode nachgewiesen werden könne. Dabei wird in dieser Debatte mit zweierlei Maß gemessen: Wenn es den Grünen wirklich nur um wissenschaftliche Nachweise ginge, müssten auch andere schulmedizinische Behandlungen, wie z.B. diverse Rückenoperationen, deren Wirksamkeit hochumstritten ist, auf den Prüfstand gestellt werden. Außerdem handelt es sich bei der Erstattung von Homöopathie um eine freiwillige Satzungsleistung einiger Krankenkassen. Ich finde, jede Krankenkasse sollte selbständig entscheiden können, welche Leistung sie als Satzungsleistung anbieten will. Ein gewisser Wettbewerb um die besten Konzepte tut auch den gesetzlichen Krankenkassen gut.

❔ Wie erleben Sie persönlich die kontroverse öffentliche Diskussion rund um die Homöopathie? Wird sie Ihrer Meinung nach ausreichend sachlich und faktenorientiert geführt? Und was bedeutet es für Sie als Politiker, wenn innerhalb kürzester Zeit 200.000 Menschen eine Bundestags-Petition („Weil’s hilft“) unterzeichnen und damit zum Ausdruck bringen, dass sie Homöopathie als kassenfinanzierte Behandlungsoption auch in Zukunft in Anspruch nehmen möchten?

❕ Diese Diskussion wird von einigen Seiten schon sehr subjektiv und auf Basis von Vorurteilen geführt – nach dem Motto „Diese Spinner mit ihren Zuckerkügelchen!“. Das ist nicht fair und wird dem wissenschaftlichen Ernst der Homöopathie auch nicht gerecht. Als Gesundheitspolitiker führe ich regelmäßig Gespräche mit Vertretern der evidenzbasierten Homöopathie und weiß daher, dass die Mehrheit der homöopathisch agierenden Ärzte seriös ist. Klar gibt es in der Szene auch schwarze Schafe, die durch entsprechende Medienberichte leider die ganze Branche in ein schlechtes Licht rücken. Das ist schade und sollte umso mehr motivieren, diese schwarzen Schafe auszusortieren – im Übrigen insbesondere aus der Verbandsszene der Homöopathie selbst heraus.

❔ Würden Sie den Vorwurf vieler Menschen im Lande teilen, dass es sich bei den Anträgen von SPD und aktuell von den GRÜNEN um eine de facto Einschränkung des Selbstbestimmungsrechtes der Menschen „durch die Hintertüre“ handelt, also um eine Art Bevormundung?

❕ Wenn Homöopathie sozusagen „von Staats wegen“ als Kassenleistung verboten würde, wogegen ich mich klar ausspreche, wäre das schon eine Einschränkung der Wahlfreiheit der Patienten und ein Verlust medizinischer Methodik. Wie gesagt: Wenn Homöopathie auf evidenzbasierten Erkenntnissen beruht und wirkt, dann sollte das auch von der Politik anerkannt werden und eine Erstattung durch die Kassen zumindest optional möglich bleiben.

❔ Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung heißt es unter Anderem „Wir unterstützen Forschung und Versorgung zur Naturheilkunde und Integrativen Medizin zur Präventionsförderung.“ Prävention ist ohne Zweifel ein Hebel zur Kostendämpfung und damit enorm wichtig. Können Sie nachvollziehen, dass Homöopathie-affine Menschen einen besonders differenzierten Bezug zu Selbstwirksamkeit als Mittel zur Prävention haben? Und wie könnte Ihrer Meinung nach Homöopathie in die Forschung zur Prävention einbezogen werden?

❕ Dass Homöopathie-affine Menschen besonderen Wert auf Prävention bei sich selbst legen und sich das auch was kosten lassen, beobachte ich auch. Ist ja auch gut so! Die Frage einer intensiveren Einbindung von Homöopathie in die Forschung zur Prävention sollten wir bei dem geplanten Präventionsgesetz mitdenken, das wir in dieser Wahlperiode auch noch angehen wollen. Da sind wir als Politiker auf Ihre Expertise angewiesen.

❔ Ein Aspekt einer grundlegenden Reform des Gesundheitssystems könnte die vollständige Integration besonderer Therapierichtungen in die GKV als Modell-Projekt sein. Über fünf Jahre Daten sammeln und dann entscheiden, ob dies eine gute Option ist. In der Schweiz wurde dies gemacht – mit einem positiven Ausgang für Homöopathie und weitere Methoden. Ist so ein Vorgehen für Sie vorstellbar?

❕ Wissenschaftlich aufbereitete Daten im Bereich der Homöopathie z.B. über fünf Jahre sammeln und entsprechend aufbereiten, hört sich für mich gut an. Das nennt sich dann Evaluation. Wenn die Evaluation positive Ergebnisse bringt, sollten wir diese oder jene Methode implementieren.

Sehr geehrter Herr Dr. Pilsinger, wir bedanken uns sehr für Ihre Zeit und Bereitschaft, unsere Fragen zu beantworten.

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2026-01-19T08:15:33+01:00

Acht Fragen an KBV-Chef Andreas Gassen

Berlin, 17. Dezember 2025. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. med. Andreas Gassen, fordert in einem Agenturbericht am 13. Dezember das Aus der Homöopathie als Kassenleistung. Da Gassen fordert und nicht wissenschaftsbasiert begründet, hat sich der DZVhÄ mit diesen acht Fragen an ihn gewendet:

  1. Auf welche Fakten stützen Sie Ihre Aussage, es gebe für Homöopathie keine Evidenz? (Bitte nennen Sie Ihre Quellen!) Welche Definition von Evidenzbasierter Medizin liegt Ihrer Einschätzung zu Grunde?
  2. Welche konkreten Argumente veranlassen Sie, vorliegende RCT´s, Metaanalysen sowie das Umbrella Review ebenso zu ignorieren wie z.B. Ergebnisse aus der Grundlagenforschung?
  3. Sinn und Zweck von kontrollierten Doppelblindstudien (RCT`s) ist die Beurteilung von Wirksamkeit jenseits eines Placebo-Effektes. Wo sehen Sie die Unterschiede zwischen „Glauben an Homöopathie“ einerseits und Placebo-Effekten in nahezu allen Bereichen der konventionellen Medizin andererseits?
  4. Wie kommen Sie auf die Zahl von 50 Mio. Euro, die gesetzliche Krankenversicherungen jährlich für Homöopathie ausgeben? (Bitte geben Sie auch hier Ihre Quellen an). Worin besteht Ihre Kritik an den dargelegten gesundheitsökonomischen Studien zum Einsparpotenzial der Homöopathie?
  5. Wie begründen Sie die Forderung, dass politisch (z.B. durch die Gesundheitsministerin) über Fragen der Wissenschaft und Ergebnisse der Forschung entschieden werden sollte?
  6. Als Verbandsfunktionär müssen Sie auch über Kosteneffizienz nachdenken. Wie können Sie es vertreten, Ihren homöopathisch – integrativ arbeitenden Kolleginnen und Kollegen ökonomisch verantwortungsvolles Arbeiten abzusprechen, indem Sie die Politik dazu aufrufen, bei der Homöopathie restriktiv einzugreifen?
  7. Arzneimittelkosten explodieren vor Allem dadurch, dass neue, noch patentgeschützte Medikamente in die Anwendung drängen und von den Krankenkassen bezahlt werden müssen, obwohl ihr Zusatznutzen und damit auch ihre Evidenz noch gar nicht beurteilt werden können. Welche realistischen Vorschläge zur Kostendämpfung gibt es hierzu von Ihrer Seite?
  8. Patienten haben in ihrer jeweiligen Krankheit ein Recht auf Schutz ihrer individuellen Rechte bzw. Ihrer Selbstbestimmung im Sinne einer „Informierten Entscheidung“ sowie darauf, dass ihre Ärzte ihrer Mitverantwortung für den individuellen Therapieverlauf gerecht werden können. Können Sie nachvollziehen, dass Ihre öffentliche Wortmeldung contra Homöopathie das Vertrauensverhältnis von Patient*innen und Ärztinnen und Ärzten empfindlich stören kann. Ist dies Ihrer Meinung nach mit ärztlicher Ethik vereinbar?

Monika Kölsch und Dr. Ulf Riker, Vorsitzende des DZVhÄ: „Uns liegt sehr daran, in einen sachlichen und faktengestützten Dialog mit Ihnen als Verbandsvertreter sowie der Ärzteschaft, der Politik und der interessierten Öffentlichkeit zu kommen und wir gehen davon aus, dass Sie das ähnlich sehen. Daher freuen wir uns auf Ihre Antworten.“

Über den weiteren Verlauf der Kommunikation mit KBV-Chef Dr. Andreas Gassen wird hier berichtet.

 

 

2025-12-17T17:51:39+01:00

ARD-Quarks Beitrag zur Homöopathie entbehrt wissenschaftlicher Seriosität

Berlin, 15. Dezember 2025. Das ARD-Wissenschaftsformat Quarks äußert sich am 6. Dezember ausführlich auf Instagram zur Homöopathie. Diesen Beitrag kann der Deutsche Zentralverein homöopathisher Ärzte (DZVhÄ) nicht unkommentiert stehen lassen, da Quarks die wissenschaftliche Datenlage komplett ausblendet und als Erklärung für die Wirksamkeit lediglich den Hinweis auf das „Daran glauben“ gibt. 

In der Diskussion um Homöopathie stand lange Zeit der Vorwurf im Raum, in homöopathischen Arzneien sei „nichts drin, also kann auch nichts dran sein“. Außerdem gebe es keine wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit der Methode. Beide Argumente sind nicht stichhaltig: zum einen sind in niedrig potenzierten Arzneien (D4 – D12) rein rechnerisch durchaus noch Moleküle einer Ausgangssubstanz enthalten. Zum anderen liegen inzwischen viele Ergebnisse aus der Grundlagenforschung, Versorgungsforschung sowie klinischen wissenschaftlichen Studien (6 Metaanalysen sowie ein systematischer Review) vor, die hinsichtlich methodischer Strenge, Transparenz und statistischer Validität den Vergleich mit entsprechenden Arbeiten aus der konventionellen Medizin nicht zu scheuen brauchen. Mehrheitlich kommen diese Arbeiten zum Ergebnis, dass homöopathische Arzneien über den Placebo-Effekt hinauswirken. Die gefundene Evidenz steht in direktem Kontrast zur Tatsache, dass die wissenschaftlichen Belege in dem Quarks Beitrag konsequent ignoriert oder negiert werden. Ein solches Vorgehen entbehrt wissenschaftlicher Seriosität.

Wo bleibt die wissenschaftliche Neugier?

Darüber hinaus wird der Homöopathie die Scientabilität generell abgesprochen, und zwar ausschließlich auf Grund der Tatsache, dass es – noch! – keine eindeutige Klärung eines Wirkprinzips gibt. Eigentlich wäre gerade das eine besondere wissenschaftliche Herausforderung: mit großer Neugier und unter Einsatz aller Möglichkeiten herauszufinden wie es sein kann, dass die klinische Praxis Heilungsverläufe zeigt, die sich herkömmlichen linearen Modellen von Kausalität widersetzen (ein Phänomen übrigens, das wir auch in anderen Bereichen der Medizin finden können!)

Die einfache Schlussfolgerung von „Quarks“, dass sich beschriebene Heilungen ausschließlich auf „Empathie“ und „gründliche Anamnesen“ zurückführen ließen ist ein durchaus plausibles Denkmodell, berücksichtigt aber genau nicht die Tatsache, dass die überwiegende Mehrzahl der methodisch hochwertigen Studien randomisiert, doppelblind und placebokontrolliert durchgeführt wurden, also so angelegt waren, dass subjektive Einflüsse („Glaube“, „Setting-Faktoren“ etc.) explizit ausgeschlossen waren.

Die Praxis der Homöopathie ist nicht mit Placebo erklärbar

Die Auseinandersetzung mit Homöopathie erfordert – wie in jeder anderen medizinischen Fachrichtung auch – entsprechende Ausbildung und klinische Erfahrung. Es reicht somit nicht aus, wenn fachfremde „Experten“ lediglich ihrem „Bauchgefühl“ oder ihrem jeweils reduktionistischen Weltbild folgen und auf dieser Basis ihr Urteil abgeben, was denkbar (und damit plausibel) ist oder eben nicht.

Hinzu kommt, dass es in der homöopathischen Praxis nicht selten zu unerwarteten Reaktionen seitens der Patienten kommt, die einer reinen „Wunscherfüllung“ („Ich will einfach nur gesund werden, deshalb glaube ich an Homöopathie“) zunächst zu widersprechen scheinen, mit dem linearen Modell einer Placebo-Reaktion also nicht vereinbar sind. Das widerspricht nicht der Aussage „Unsere Psyche spielt eine enorme Rolle beim Gesundwerden“, aber es fordert dazu auf, mit wissenschaftlichem Geist und methodischer Stringenz nach schlüssigen – und vermutlich über die Hypothese vom „Gedächtnis des Wassers“ hinausgehende – Erklärungen für das Phänomen Homöopathie zu suchen.

Resümee

Der Beitrag von „Quarks“ steht unter dem Motto „Wissenschaft statt Bauchgefühl“, ist aber das genaue Gegenteil: die wissenschaftliche Datenlage bleibt unberücksichtigt, als Erklärung für die Wirksamkeit gibt es lediglich den Hinweis auf das „Daran glauben“. Bleibt am Ende immerhin der wichtige Hinweis, was die konventionelle Medizin von der Homöopathie lernen könnte: gründliche Anamnesen und „mehr Empathie für Betroffene“. Dann wären auch in der konventionellen Medizin wohl mehr Placebo- (und weniger Nocebo-!) Effekte möglich, und vielleicht ließe sich dadurch auch der Einsatz teurer (weil teilweise patentgeschützter) Medikamente reduzieren?

Weitere Informationen:

Autor: Dr. med. Ulf Riker, 2. DZVhÄ-Vorsitzender

 

 

 

2025-12-15T11:37:45+01:00

DZVhÄ-Statement über die Homöopathie-Berichterstattung zum GRÜNEN Parteitag

Berlin, 8. Dezember 2025. Die Berichterstattung über den GRÜNEN-Parteitagsbeschuss (28.11.25), die Homöopathie aus der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zu streichen, kommen zumeist in scheinbarer journalistischer Neutralität daher. Es werden die GRÜNEN Begründungen für diesen Beschluss kommentarlos übernommen – und diese sind äußerst fragwürdig, weshalb sie hier kurz beleuchtet werden.

Kleiner Fakten-Check der Grünen-Argumente

  • „Wissenschaft statt Wünschelrute“, mit diesem Ausruf einer Rednerin auf der Bundesdelegiertenkonferenz (BDK) am 28. November wurde vor der Abstimmung noch einmal die Stimmung im Saal gepusht. In den 60er Jahren hieß es „Freiheit statt Sozialismus“. Die Ähnlichkeit zeigt sich in der Polarisierung, die nicht davor zurückschreckt, „Eigenes“ mit dem „Verwerflichen“ in Konfrontation zu bringen. Das Ziel: Gegner oder Andersdenkende ins Abseits zu stellen oder lächerlich zu machen.
  • Es wird argumentiert, dass durch die „Kostenerstattung der Homöopathie ihre Wirksamkeit suggeriert“ wird. So würden Patientinnen und Patienten in die Irre geführt, hieß es. Doch die Wirksamkeit der Homöopathie erklärt sich nicht durch Kostenerstattung, sondern durch wissenschaftliche Studien sowie individuelle Erfahrung der Patientinnen und Patienten. Beide Aspekte ignorieren die GRÜNEN in ihrem Antrag.
  • Die Solidargemeinschaft solle nur bezahlen, „was nachweisbar wirkt“. Richtig! Homöopathie muss Bestandteil der Kassenmedizin blieben, denn sie wirkt. Zu einer anderen Einschätzung kann nur kommen, wer hartnäckig die Ergebnisse der Grundlagenforschung sowie der Versorgungsforschung ignoriert und sich auch nicht mit den vorliegenden Metaanalysen und einem Systematischen Review ernsthaft auseinandergesetzt hat.

Mit der GRÜNEN Position zur Homöopathie sei auch ihr „Verhältnis zur Wissenschaft“ generell verknüpft, hieß es. Dieses Verhältnis ist unter den Antragsbefürwortenden sehr ambivalent: Denn was im Zusammenhang mit dem Klimawandel selbstverständlich ist, sollte zweifelllos auch im Bereich der Medizin gelten. Warum messen die GRÜNEN mit zweierlei Maß und negieren notorisch die Ergebnisse der Homöopathie-Forschung? Homöopathie erfüllt längst alle drei Kriterien einer Evidenzbasierten Medizin:

  • Zahlreiche Studien belegen eine Wirksamkeit der Homöopathie über Placebo hinaus,
  • Patientinnen und Patienten präferieren Homöopathie im Rahmen einer Integrativen Medizin und
  • Ärztinnen / Ärzte mit Zusatzbezeichnung haben die erforderliche Erfahrung.

Fazit

Die GRÜNEN haben unter dem Tagesordnungspunkt „Sonstiges“ zum Ausdruck gebracht, dass sie weder an einer fachlichen Auseinandersetzung interessiert (der Antrag auf eine ordentliche Debatte wurde abgelehnt!) noch bereit sind, ihre eigene Position kritisch zu hinterfragen. Sie haben sich selbstgefällig ihrer „Haltung“ versichert, ein fragwürdiges Signal in die Gesellschaft gesandt, und der enthusiastische Applaus für die Antragsteller hinterließ den Eindruck einer gut organisierten Inszenierung. Ob das zur Lösung von Problemen unseres Gesundheitssystems beitragen wird, darf bezweifelt werden. Ob unter diesen Umständen bisher überzeugte oder auch langjährige Wählerinnen und Wähler der Partei ihren GRÜNEN treu bleiben werden ebenfalls.

Die Debatte starten

Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) steht für eine offene Gesellschaft, steht für die gesellschaftliche Debatte. Diese vermissen wir zunehmend – auch im Themenfeld Medizin. Wir laden Journalistinnen und Journalisten zu dieser Debatte mit uns ein. Machen Sie mit? Über ein Redaktionsgespräch mit Ihnen würden wir uns sehr freuen. Schreiben Sie uns eine Mail an presse@dzvhae.de

Lesen Sie auch

2025-12-09T08:13:28+01:00

Stellungnahme von Prof. Frass zur Oncologist-Rücknahme seiner Studie

Berlin, 3. Dezember 2025. Der Oncologist hat die Studie „Homeopathic Treatment as an Add-On Therapy May Improve Quality of Life and Prolong Survival in Patients with Non-Small Cell Lung Cancer: A Prospective, Randomized, Placebo-Controlled, Double-Blind, Three-Arm, Multicenter Study“ von Prof. Frass Ende November 2025 zurückgezogen. Der DZVhÄ dokumentiert hierzu eine Stellungnahme von Prof. Frass. 

„In diesem Beitrag beschreibe ich die Gründe, die zur Rücknahme des Artikels bezüglich Verbesserung der Lebensqualität und Verlängerung des Überlebens bei PatientInnen mit kleinzelligem Lungenkarzinom im renommierten Journal TheOncologist geführt haben.

Nachdem nach zweijähriger genauester Überprüfung die Gültigkeit unserer Daten im September 2024 bestätigt worden war, erhielt ich überraschend am 29. Juli 2025 eine E-Mail von Frau Prof. Susan Bates, der Herausgeberin des Journals TheOncologist. Ich wurde gebeten, innerhalb von 3 (drei!) Tagen zu antworten, da der Artikel sonst zurückgezogen würde. Ich antwortete innerhalb von 2 Tagen. Bis heute verstehe ich nicht, was mit „einarmiger Studie” gemeint ist, da ich als Kliniker immer 2 Gruppen vergleiche. Ich war auch überrascht über die Frage nach der Verwendung von homöopathischen Arzneimitteln (HMPs) in meiner Privatpraxis.

Auch nach dem Versenden einer weiteren E-Mail erhielt ich etwa 2,5 Monate lang keine Antwort. Plötzlich erhielt ich eine E-Mail vom 24. Oktober 2025, in der mir mitgeteilt wurde, dass die Rücknahme nun bestätigt worden sei. Als Grund wurde angegeben,dass die Studie aufgrund ihres individualisierenden Charakters möglicherweise nicht reproduzierbar sei. Natürlich wäre sie das, da mehrere hundert österreichische Ärzte in den jeweiligen Gesellschaften bis heute UND StudentInnen an der Medizinischen Universität Wien bis 2018 in klassischer Homöopathie ausgebildet worden waren. Abgesehen davon, dass keine/r der AutorInnen jemals homöopathische Arzneimittel an den jeweiligen Kliniken „vermarktet“ hat, ist die Annahme, dass bei einem Preis von etwa 15 € pro Fläschchen ein Interessenkonflikt besteht, erscheint lächerlich. Weder ich noch einer der MitautorInnen hat jemals eine Provision von der Apotheke erhalten, im Gegenteil, die Studienmedikation musste bezahlt werden.

In keiner Weise wurden die im September 2024 als korrekt festgestellten Daten angezweifelt. Der Grund für die Rücknahme liegt also in der Überqualifikation der HomöopathInnen, die eben diese zusätzliche medizinische Ausbildung absolviert haben und die Methode beherrschen.

Fazit: Die Daten der Studie stimmen, so wie sie vor einigen Jahren vom Journal genauestens geprüft worden sind. Das Abstract der Studie kann daher natürlich weiterhin zitiert werden:

Frass M. Additive Homeopathy Improves Quality of Life and Prolongs Survival in Patients With NSCLC: A Prospective, Randomized, Placebo-Controlled, Double-Blind, Three-Arm, Multicenter Study.  World Health Congress, Prague, Czech Republic, Oct 3–5, 2025. Available from: https://www.whc2025prague.com/program-en/michael-frass2 

➡️Der DZVhÄ hat die Rücknahme von der Frass-Studie kommentiert. Zum Kommentar.

2025-12-03T12:38:57+01:00

DZVhÄ-Kommentar zur Rücknahme der Frass-Studie

Berlin, 3. Dezember 2025. In der renommierten Zeitschrift The Oncologist wurde 2020 eine Studie von Frass et al. veröffentlicht: Homeopathic Treatment as an Add-On Therapy May Improve Quality of Life and Prolong Survival in Patients with Non-Small Cell Lung Cancer: A Prospective, Randomized, Placebo-Controlled, Double-Blind, Three-Arm, Multicenter Study. Nun wurde diese Studie von der Zeitschrift zurückgezogen – lesen Sie hier den DZVhÄ-Kommentar zur Rücknahme der Frass-Studie. Kommentiert von Dr. med. Mirko Berger, Hamburg.

Nach Kritik an der Studie hatte die Zeitschrift die Vorwürfe geprüft und nach mehreren Korrekturen und Stellungnahmen, zuletzt im September 2024, den Beitrag nicht zurückgezogen. Am 24.11.2025 erfolgte nun die Rücknahme (Retraction) mit der Begründung: „… Angesichts dieser anhaltenden Unsicherheit und der zuvor in den Korrekturen behandelten Probleme hat die Zeitschrift kein Vertrauen mehr in die in dem Artikel berichteten Ergebnisse und Schlussfolgerungen und hat beschlossen, ihn zurückzuziehen.“ (1). Der Erstautor der Studie verteidigt  sich in einer ausführlichen Stellungnahme auf der DZVhÄ-Webseite gegen die Vorwürfe (2).

Vorbemerkung: Die Ergebnisse der Studie haben keinen Eingang in medizinische Leitlinien gefunden. Beispielsweise beruht die als „evidenzbasiert“ eingestufte Empfehlung einer begleitenden homöopathischen Behandlung zur Verbesserung der Lebensqualität bei Krebspatienten nicht auf den Ergebnissen der o.g. Studie („S3-Leitlinie Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen PatientInnen“).

Über 10.000 Beiträge werden pro Jahr in der medizinischen Forschung zurückgenommen

Die Rücknahme von Studien ist kein Problem, welches nur die Homöopathie betrifft. Die Zahl zurückgezogene Artikel in der konventionellen medizinischen Forschung nimmt seit Jahren kontinuierlich zu. Zuletzt wurden über 10.000 Beiträge pro Jahr zurückgenommen. Darunter auch solche, die in renommierten Zeitschriften veröffentlicht wurden, deren Autor Nobelpreisträger sind und die trotz der Rücknahme weiterhin häufig in der medizinischen Literatur zitiert werden (3,4). Eine Arbeitsgruppe um den Neuropsychologen Sabel von der Otto von Guericke Universität Magdeburg beziffert die Anzahl gefälschter Publikationen in der Biomedizin nach der Analyse von 17.000 Publikationen auf knapp 6 %. Weitere 15 % wurden als verdächtig eingestuft. Konservative Schätzungen gehen demnach von circa 100.000 fehlerhaften Veröffentlichungen pro Jahr aus (5).

„Größte wissenschaftliche Krise aller Zeiten“

Der Hinweis auf das Ausmaß des Problems im Bereich der konventionellen medizinischen Forschung soll nicht davon ablenken, dass selbstverständlich alle Studien, also auch solche aus dem Bereich der Homöopathie einer sorgfältigen Prüfung unterzogen werden müssen. Wenn Artikel offensichtlich unkorrekt sind müssen sie auch zurückgezogen werden. Die Studie von Frass wurde allerdings nach Veröffentlichung im Oncologist bereits einmal einer kritischen Prüfung unterzogen, die nicht zur Rücknahme führte. Dass nun erneut eine Prüfung mit jetzt anderslautendem Ergebnis durchgeführt wurde, könnte auch der Tatsache geschuldet sein, dass Gegner der Homöopathie ein für die Homöopathie positives Ergebnis für grundsätzlich unmöglich halten und daher verhindern wollen, was dieser Annahme widerspricht.

Unabhängig vom Einzelfall der Frass-Studie hat das Ausmaß des Problems in der wissenschaftlichen Forschung mittlerweile eine so große Dimension angenommen, dass Experten es als die „größte wissenschaftliche Krise aller Zeiten“ einstufen (6). Es ist bedauerlich, dass nun explizit die Homöopathie in den Fokus der Aufmerksamkeit gezogen wurde.

Quellennachweis:

(1) https://academic.oup.com/oncolo/article/30/11/oyaf364/8340391

(2) https://www.dzvhae.de/stellungnahme-von-prof-frass-zur-oncologist-ruecknahme-seiner-studie/

(3) Jaime et al: The Citation of Retracted Papers and Impact on the Integrity of the Scientific Biomedical Literature, 2025 – www.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/leap.1667

(4) Retraction Watch: After realizing a fungus contaminated their experiments, researchers retract and redo study – www.retractionwatch.com

(5) The Royal Society: Fake publishing – the greatest scientific fraud – www.royalsociety.org/blog/2025/11/reformation-of-science-publishing/

(6) Reiter: Das Papier nicht wert. DIE ZEIT, 48, S. 38, 13.11.2025

2025-12-09T10:40:38+01:00

Grüne-Bundesdelegiertenkonferenz votiert gegen Homöopathie

Berlin, 28. November 2025. Auf der Bundesdelegiertenkonferenz (BDK) von Bündnis 90/Die Grünen (28.–30. November 2025) wurde unter dem Tagesordnungspunkt ‚Vermischtes‘ über die Grüne Haltung zur Homöopathie in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) abgestimmt. Die Delegierten stellten sich hinter einen Antrag, der das Aus der Homöopathie im GKV-System besiegeln soll.

Die Antragsbegründung ist in keinem einzigen Punkt stichhaltig: sie ignoriert umfangreiche Forschungsergebnisse, ignoriert Erfahrungen zahlloser PatientInnen und ÄrztInnen, missachtet die Kosteneffizienz, ist reine Symbolpolitik und widerspricht dem eigenen grünen Parteiprogramm. Denn das Selbstbestimmungsrecht der Patientinnen und Patienten wird auf dem Umweg über die Erstattungspraxis ausgehebelt und führt bestenfalls zu einer homöopathischen Zwei-Klassen-Medizin, ohne dass dadurch auch nur ein einziges notwendiges Reformprojekt für unser Gesundheitssystem realisiert würde.

„Es kann nicht Aufgabe der Politik sein, die wissenschaftliche Relevanz von medizinischen Therapieoptionen zu beurteilen. Erst recht dann nicht, wenn die Faktenlage gar nicht oder nur selektiv Berücksichtigung findet“, kommentiert Monika Kölsch, 1. Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) das Abstimmungsergebnis.

Die medizinethische Forderung des „Nicht Schadens“ wäre unter Umständen das einzige tragfähige Argument, das ein Interventionsrecht der Politik (Patientenschutz) begründen könnte. Es existieren aber keine belastbaren oder relevanten Daten, die belegen würden, dass Homöopathie in ärztlicher Hand zu Verzögerung einer anderen notwendigen Therapie führt und dadurch Patienten schadet.

Monika Kölsch: „Zum Glück hat diese Entscheidung weder eine unmittelbare Auswirkung auf unsere Praxen noch für unsere Patienten. Auch teilen nicht alle GRÜNEN-Mitglieder die Ansichten der Antragsteller und setzen sich weiterhin für ein patientenzentriertes und pluralistisches Medizinsystem ein.“

2025-12-01T08:54:13+01:00

Ab jetzt anmelden zum DZVhÄ Homöopathie-Kongress 2026

Berlin, 20. November 2025. Zum Homöopathie Kongress 2026 vom 14.–16. Mai 2026 laden der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ), in Kooperation mit der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie (WissHom), herzlich nach Köthen ein. Direkt zur Anmeldung.

Das Thema des 26er Kongresses: Homöopathie als Chance. Ein wichtiges Thema, da die Homöopathie neue Perspektiven für die medizinische Versorgung eröffnet – in der Praxis wie in der Klinik, im Stall und sogar auf dem Feld.

Homöopathie-Kongress bietet Perspektiven für die Praxis

Expertinnen und Experten verschiedener Fachrichtungen zeigen, wie sich Therapienotstände mithilfe der Homöopathie überbrücken lassen.
Sie präsentieren konkrete Ansätze für Situationen, in denen Leitlinien an der Realität scheitern – und wie durch Erfahrung und Augenmaß ein verantwortungsvoller Umgang mit Antibiotika möglich ist.

Homöopathie-Kongress  steht für Pluralismus in der Medizin

Die Medizin steht vor der Aufgabe, ihr Methodenspektrum zu erweitern, um den wachsenden Herausforderungen durch zivilisatorische, umwelt- und altersbedingte Erkrankungen begegnen zu können. Mehr echte Prävention und die Integrative Medizin sind zentrale Bausteine der Lösung – aktuelle Studien und Forschungsprojekte belegen das eindrucksvoll.

Der Kongress ist der Höhepunkt ärztlicher Homöopathie-Fortbildung im deutschsprachigen Raum. Und doch auch weit mehr als eine Fortbildung: Ein Ort der Begegnung und des Austauschs für alle, die die ärztliche Homöopathie im Alltag weitertragen und stärken möchten. Seien auch Sie ein Teil davon.

Hier, wo Samuel Hahnemann viele Jahre wirkte, treffen sich Ärztinnen und Ärzte, um Antworten auf die medizinischen Fragen unserer Zeit zu finden. Unter dem Motto „Homöopathie als Chance“ rücken wir 2026 die Möglichkeiten dieser Therapie ins Zentrum, denn Homöopathie eröffnet neue Perspektiven für die medizinische Versorgung.

➡️ Informationen zum Kongress-Programm und zur Anmeldung: www.homoeopathie-kongress.de

2025-11-24T11:18:37+01:00

Replik auf Medical Tribune Beitrag „Homöopathie richtet schließlich keinen Schaden an…“

Berlin, 11. November 2025. „Homöopathie richtet schließlich keinen Schaden an… – Was ist dran am Mythos von der harmlosen Naturmedizin?“ Mit diesem Titel erschien am 7. November 2025 ein Beitrag von Dr. med. Janos Hegedüs, Internist, in der Medcial Tribune. Eine Replik auf den Beitrag wurde von Dr. med. Ulf Riker, Internist und 2. Vorsitzenden des DZVhÄ, verfasst.

Der Beitrag erhebt Dr. Hegedüs, Internist und „Aufklärer“, in den Rang eines Experten in Sachen Homöopathie. Wobei er ganz offensichtlich weder eine entsprechende Ausbildung noch eigene Praxiserfahrung vorzuweisen hat. Seine Wahl zum Interviewpartner macht deutlich, dass eine differenzierte Auseinandersetzung mit Homöopathie seitens der Medical Tribune nicht vorgesehen war. Das Auswahlkriterium war erkennbar, Informationen so zu suchen und zu interpretieren, dass sie den mutmaßlich vorbestehenden redaktionellen Überzeugungen und Erwartungen entsprechen. – Im Wissenschaftsbetrieb nennt man das Confirmation Bias. Die Antworten decken sich auf recht banale und teilweise infantilisierende Weise mit den Narrativen der gegen Homöopathie zu Felde ziehenden Skeptikerbewegung.

Eine Gegendarstellung auf Augenhöhe

Im Sinne ausgewogener Berichterstattung sei es gestattet, eine Gegendarstellung zu den Interviewfragen vorzulegen. Der Autor der Antworten ist ebenfalls Internist, allerdings mit Zusatzbezeichnungen Homöopathie und Naturheilverfahren. Außerdem kann er auf ca. 35-jährige Praxiserfahrung mit Homöopathie als Bestandteil einer integrativen Medizin und individueller Therapieplanung auf den Boden evidenzbasierter Medizin blicken.

Fakt oder Mythos? „Homöopathie ist Naturmedizin“

Jede Form der Medizin greift auf die eine oder andere Weise in Prozesse der Natur ein: auf molekularer Ebene (Molekül-Rezeptor-Interaktion), physikalisch (Reiz-Reaktions-Modell), emotional-interaktiv (Psychotherapien), mechanisch (Operationen), manchmal sogar ohne sichere Kenntnis eines Wirkprinzips oder auf Basis von Studien ohne besonders hohen Evidenzgrad.

Naturmedizin nutzt in erster Linie diätetische oder physikalische Heilmethoden (Fasten, Kneipp-Anwendungen), aber auch Pflanzenextrakte (pharmakologische Wirkung) sowie Regulierung und Modifikation der Lebensweise (Ordnungstherapie). Homöopathie beruht auf einem phänomenologischen Ansatz: potenzierte Arzneien kommen nach dem Ähnlichkeitsprinzip zum Einsatz und wirken vermutlich ebenfalls auf einem naturbasierten Reiz-Reaktionsprinzip – dessen spezielle Natur aber noch nicht entschlüsselt ist.

Die Tatsache, dass homöopathische Arzneien in höheren Potenzen nur noch wenige oder gar keine Moleküle der Ausgangssubstanz (Salze, Mineralien, Pflanzen, tierische Produkte etc.) enthalten – und dennoch wirken! – erklärt die Gegnerschaft gegen die Methode. Dabei wird vorausgesetzt, dass es jenseits einer rein materialistischen Natursicht keine weiteren Hypothesen und schon gar keine Erfahrungen geben kann, die mit dieser Grundüberzeugung nicht in Einklang stehen.

Patienten verwechseln Homöopathie nur selten mit Naturmedizin. Wenn es dennoch vorkommt, lässt sich das Missverständnis rasch klären. Entscheidend ist, dass sich jede Form der Medizin, ob „Schulmedizin“, „Naturmedizin“ oder Homöopathie an ihren ganz konkreten und objektiven Therapieergebnissen messen lassen muss.

Fakt oder Mythos? „Die Patientinnen und Patienten wollen Homöopathie, weil sie gute Erfahrungen damit gemacht haben“

Patientinnen und Patienten möchten vor allem eines: ihre Beschwerden los und einfach wieder gesund werden. Dazu brauchen sie keine theoretischen, weltanschaulichen Belehrungen oder YouTube-Videos mit inhaltlicher Schlagseite, sondern Ärztinnen und Ärzte mit fundierter Ausbildung, Erfahrung und der Bereitschaft, auf Augenhöhe die in Frage kommenden Therapieoptionen zu besprechen. Dabei geht es nicht um wiederkehrenden Schnupfen oder ein wundgescheuertes Knie, sondern um akute oder chronische Krankheiten, für die es evidenzbasierte Therapie-Leitlinien gibt, aber oft auch andere Möglichkeiten der Behandlung. Wenn unter Homöopathie eine Neurodermitis ausheilt, eine Allergie oder eine Migräne  verschwindet, ein Bluthochdruck nur noch die Hälfte der bisher notwendigen Medikamente braucht oder Antibiotika überflüssig werden, weil sich die Immunität stabilisiert hat, dann wäre es zynisch, solche positiven Erfahrungen kopfschüttelnd ins Reich der Phantasie oder des Glaubens an Übersinnliches zu verweisen. Respekt lässt sich nicht durch Dogmatismus ersetzen!

Fakt oder Mythos? „Wer homöopathische Mittel nehmen will, soll das tun: Es schadet schließlich nicht“

Ärzte, auch homöopathisch zusatzqualifizierte, sind einer Medizin-Ethik verpflichtet, die fordert: erstens nicht schaden, zweitens vorsichtig sein, drittens heilen. In diesem Sinne erwarten Patienten sorgfältige Aufklärung über Möglichkeiten, mögliche Nebenwirkungen und Grenzen einer Methode. Das gilt selbstverständlich auch für die Homöopathie. Unter Umständen kann das bedeuten, dem Wunsch nach „alternativer“ homöopathischer Behandlung auch zu widersprechen. Unter der Obhut von Ärzten, die auf dem Boden evidenzbasierter Medizin stehen und sich ihrer Verantwortung bewusst sind läuft das Narrativ von „esoterischem Irrglauben“ oder dem Abgleiten „in eine Welt von Verschwörungserzählungen, Lügen und Scharlatanen“ ins Leere! Unterstellungen wie „Homöopathie vergiftet den Geist der Menschen“ sind bestenfalls Unfug, vielleicht auch Ignoranz, schlimmstenfalls bösartige Polemik und ärztlicher Profession unwürdig.

Fakt oder Mythos? „Die Wirkung von Homöopathie ist nur noch nicht beweisen, weil die Industrie nicht an Studien interessiert ist“

Wer als Arzt oder Ärztin zusätzlich Homöopathie praktiziert, ist deswegen noch lang kein Gegner der konventionellen Medizin oder der „Industrie“. Ähnliches gilt für Patientinnen und Patienten, die Homöopathie als Ergänzung und wenn möglich als Alternative wünschen. Es ist sogar genau andersherum: dass Homöopathie wirkt, und zwar eindeutig über den Placebo-Effekt hinaus wurde in den letzten 10 – 15 Jahren in zahlreichen und hochkarätigen Arbeiten aus der Grundlagenforschung, der Versorgungsforschung sowie in klinischen Studien belegt. Diese Arbeiten brauchen hinsichtlich ihrer Methodik und Auswertung den Vergleich mit Studien aus der konventionellen Medizin nicht zu scheuen. Wer ihnen dennoch jeglichen Wert abspricht ist entweder selbst gar nicht an den Ergebnissen interessiert (weil sie den eigenen Überzeugungen widersprechen) oder misst mit zweierlei Maß. Beides entbehrt wissenschaftlicher Solidität. Dass Homöopathie „allen fundamentalen Erkenntnissen der Naturwissenschaft widerspricht“ unterstellt, alles Erforschbare wäre heute final geklärt und es gebe ab sofort keine weiteren erwartbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse und Überraschungen mehr. Das ist das Gegenteil dessen, was jüngst ein Vertreter der sog. „Skeptiker“ angemahnt, aber sich selbst und seine Clique natürlich davon ausgenommen hat: „Epistemologische Bescheidenheit“!

Fakt oder Mythos? „Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker praktizieren eine sanfte, ganzheitliche Medizin, „Schulmediziner“ eine nebenwirkungsreiche Medizin“

Die meisten Ärzte haben – sofern es die Strukturen unseres Gesundheitssystems zulassen – den Anspruch auf ganzheitliches Therapieren, wirksame Medikamente haben Nebenwirkungen, und qualifizierte HeilpraktikerInnen arbeiten im Idealfall mit Haus- oder Fachärzten zusammen. Nichts von alledem hat zunächst mit Homöopathie zu tun, und die fiktive Meinungsäußerung polarisiert in unnötiger Weise. Denn oberstes Ziel von ÄrztInnen und HeilpraktikerInnen muss die Therapiesicherheit für die Patienten sein. Wenn es in gemeinsamer Anstrengung gelingt, Nebenwirkungen einer Therapie durch Homöopathie zu reduzieren oder eine allopathische Medikation im Einzelfall auch komplett überflüssig zu machen, dann festigt dies das Vertrauen in die jeweiligen BehandlerInnen, fördert die Compliance mündiger Patientinnen und sorgt so für bestmögliche Behandlungserfolge. Eine win-win-win-Situation also!

Fazit

Die permanente Wiederholung einschlägiger Negativ-Narrative zur Homöopathie und die Missachtung oder Negierung aktueller Forschungsergebnisse hat ein einziges Ziel: Homöopathie aus dem Gesundheitssystem, aus der Erstattung und am besten auch gleich aus den Köpfen der Menschen zu eliminieren, freilich ohne auch nur eine einzige Alternative anzubieten.

Homöopathie ist evidenzbasierte Medizin: Patienten wünschen sie, qualifizierte Ärztinnen und Ärzte bieten Wissen und Erfahrung (interne Evidenz) und wissenschaftliche Studien (externe Evidenz) belegen eine Wirksamkeit der Homöopathie über Placebo hinaus. Daher muss für wirksame, aber frei verkäufliche Arzneien die Apothekenpflicht und damit die Beratung erhalten bleiben, damit auch bei Selbstmedikation die Patientensicherheit gewährleistet ist.

Dass Homöopathie „Schaden anrichten“ kann – durch Unterlassung oder Verzögerung einer anderen indizierten Therapie – wurde bislang nie in relevanter Weise belegt, müsste im Falle der Objektivierung allerdings auch in Relation zu einer in Deutschland fünfstelligen Zahl jährlichen Todesfällen durch Medikamentennebenwirkungen gesetzt wird.

Der Autor

Dr. Ulf Riker (72) – Internist (Zusatzbezeichnungen Homöopathie und Naturheilverfahren) auf Basis der EbM –  mehrjährige Klinikleitung – seit 25 Jahren in eigener Praxis niedergelassen – verschiedene Vorstandstätigkeiten im DZVhÄ und dem Landesverband Bayern – langjährige Dozententätigkeit in Homöopathie für Ärzte und Apotheker.

 

 

2025-11-11T11:02:01+01:00
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