Berlin, 4. Juni 2026 | Dr. Thomas Goppel (CSU) sagt im Interview Homöopathie gehört in die GKV: „Schafft nichts ab, was den Patienten hilft – und dem System Kosten spart.“ Thomas Goppel ist der Grandseigneur der CSU und ehemaliger bayerischer Wissenschaftsminister. Er setzt sich innerhalb der Union für den Verbleib der Homöopathie in der GKV ein. Unlängst hat Goppel in einem Brief an Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), die bayerische Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) und an den Fraktionsvorsitzenden im bayerischen Landtag, Klaus Holetscheck (CSU), geschrieben, man solle die Homöopathie mit ihren nutzbringenden Eigenschaften ins System integrieren, anstatt sie auszuschließen.
Frage: Herr Goppel, haben Sie eigene Erfahrungen mit Homöopathie?
Goppel: Ja, die habe ich bereits vor vielen Jahren gemacht. Nach meinen ersten fünf Monaten im Bayerischen Landtag merkte ich, dass mein Körper – vor allem die „Pumpe“ – nicht so schnell auf den harten Takt der Politik umschalten konnte, wie der Kopf das vorgab. Ein Bruder von mir, der immer einen guten Rat parat hatte, empfahl mir schließlich Valium, um meine Nervosität und Aufgeregtheit in den Griff zu bekommen. Daran hatte ich mich dann leider gewöhnt.
Frage: Wie kam es zum plötzlichen Wechsel von Valium zur homöopathischen Arznei?
Goppel: Ich lief zufällig einem Dr. Braun über den Weg, einem Homöopathen aus München. Der fragte mich ziemlich direkt, ob ich eigentlich noch ganz dicht sei, so viel Valium in mich hineinzufressen. Er empfahl mir stattdessen das homöopathische Mittel Gelsemium und sagte: „Probieren Sie das. Wenn es Ihnen guttut, lassen Sie das Valium weg. Wenn nicht, geben Sie mir Bescheid.“
Frage: Das war das Mittel, mit dem Sie Ihr Lampenfieber besiegt haben?
Goppel: Genau. Ich habe es in der passenden Dosierung eingenommen, um meine vegetativen Störungen zu behandeln. Auf das Valium konnte ich dadurch komplett verzichten, das Gelsemium habe ich noch eine Zeit lang weitergenommen. Die Wirkung hat zwar etwas länger auf sich warten lassen als bei der harten Chemie, aber am Ende habe ich die Beschwerden damit erfolgreich besiegt.
Frage: Und diese Erfahrung haben Sie dann auch mit Ihren Politik-Kollegen geteilt?
Goppel: Ja, durchaus. In den 45 Jahren, die ich im Landtag verbracht habe, konnte ich ein paar Dutzend Kollegen, die unter massivem Lampenfieber am Rednerpult litten, erfolgreich mit Homöopathie weiterhelfen.
Frage: Was wünschen Sie sich grundsätzlich von der Medizin?
Goppel: Mehr Offenheit. Ich plädiere leidenschaftlich für ein Miteinander der verschiedenen Methoden, statt dieses ewige Gegeneinander, das vor allem von der Schulmedizin befeuert wird. Man sollte in der Medizin schlichtweg bereit sein, auch Alternativen anzuerkennen.
Frage: Aktuell steht zur Debatte, die Homöopathie aus der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) auszuschließen. Wie bewerten Sie diese Pläne?
Goppel: Natürlich muss man im Zuge einer Gesundheitsreform jede Maßnahme daraufhin prüfen, ob sie Kosten einspart. Aber mit dem geplanten Aus der Homöopathie versucht man nun krampfhaft etwas durchzusetzen, was schon den Vorgängern nicht gelungen ist. Ich halte es beim besten Willen nicht für sinnvoll, Patienten pauschal zu verbieten, was ihnen nachweislich hilft.
Wenn durch diesen Schritt Milliarden eingespart würden, würde ich sagen: Okay, das Problem ist so groß, das müssen wir wohltun. Aber die Kosten für die Homöopathie sind im Gesamtbudget verschwindend gering – für die betroffenen Menschen ist die Wirkung jedoch enorm effektiv.
Frage: Besteht nicht sogar das Risiko, dass das Aus der Homöopathie das Gesundheitssystem am Ende teurer zu stehen kommt?
Goppel: Ganz gewiss. Die Patienten sind ja nicht plötzlich gesund, sie müssen weiter behandelt werden. Das passiert dann eben mit teureren schulmedizinischen Medikamenten, und das kostet richtig Geld. Wenn ich meine eigene Erfahrung als Maßstab nehme: Allein schon ein Päckchen Valium ist ungleich teurer als Gelsemium oder Calcium. Die Homöopathie wirkt – und sie hält die Patienten von den richtig schweren Kosten des Gesundheitssystems fern. Es wäre fatal, diesen Bereich jetzt für ganze 50 Millionen Euro zu zerschlagen. Wer die Gesamtausgaben kennt, weiß, dass von Peanuts die Rede ist.
Frage: Wie lautet Ihre konkrete Forderung an die Politik?
Goppel: Ich fordere die Bundestagsfraktionen nachdrücklich auf, auf eine Streichung der Homöopathie aus der GKV zu verzichten. Der hohe Nutzen für die Patienten ist in der Praxis bekannt. Selbst wenn wissenschaftlich umstritten sein mag, wie Homöopathie wirkt, steht fest, dass die Kosten im Gesamtsystem der Gesundheitsvorsorge überhaupt nicht ins Gewicht fallen.
Zur Person
Dr. Thomas Goppel war 45 Jahre Mitglied des Bayerischen Landtags, u.a. bayerischer Wissenschaftsminister und ist heute noch Mitglied im CSU-Parteivorstand. Der 79-jährige ist der Grandseigneur der CSU mit sehr viel Einfluss. Mehr Informationen.
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Thema: Thomas Goppel (CSU) im DZVhÄ-Interview: Homöopathie gehört in die GKV
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