Von der „Zusatzbezeichnung“ zur „Integrativen Liste“

Von der „Zusatzbezeichnung“ zur „Integrativen Liste“

Immer deutlicher zeigt sich: Auch die Homöopathie muss sich öffnen und bereit sein für neue Wege.

Auf dem Deutschen Ärztetag in Erfurt, im Juni 2018, hat die Bundesärztekammer ihre neue Musterweiterbildungsordnung (MWBO) verabschiedet. Darin wurde, nach jahrelangem  Gutachtenverfahren, die Zusatzbezeichnung Homöopathie nicht nur erhalten, sondern sogar weiter ausgebaut (A-F Kurse).

Die Umsetzung dieser Verabschiedung indes liegt in der Verantwortung der Landesärztekammern, die nun, wie sich zeigt, mehrheitlich abrücken von dem gemeinsamen Beschluss und der damit verbundenen Empfehlung: 12 von 17 Landesärztekammern haben über eine Umsetzung der MWBO bereits abgestimmt. Lediglich vier Landesärztekammern folgten der Empfehlung der Bundesärztekammer und übernahmen die neue MWBO. Acht Landesärztekammern haben die Zusatzbezeichnung Homöopathie aus ihrer Weiterbildungsordnung gestrichen. Weitere Abstimmungen stehen in diesem Jahr noch in den Landesärztekammern Berlin und Bayern an.

Dem Vorstand des DZVhÄ ist es an dieser Stelle ein großes Anliegen, all denen in ihrer Mitgliederschaft zu danken, die sich in den zurückliegenden Monaten in ihren Bundesländern und gegenüber den für sie zuständigen Landesärztekammern für einen Erhalt der Zusatzbezeichnung eingesetzt haben. Allzu oft ging der Enttäuschung über das Abstimmungsergebnis eine Enttäuschung über den Verlauf der Debatte mit den ärztlichen Kolleginnen und Kollegen oder gar ein Ausschluss aus dieser Debatte voraus.

Markanter noch als das Ergebnis der Abstimmungen zeigt insofern die Handhabung der Debatte, dass viele Vertreterinnen und Vertreter der konventionellen Medizin mit der Frage einer Beibehaltung der Zusatzbezeichnung Homöopathie nicht zuletzt auch die Frage nach der eigenen Bereitschaft zu mehr Offenheit für neue, integrative Behandlungsmethoden und anderen Forschungsansätzen.

Das ist bedauerlich, weil es dem Missverständnis eines „Entweder – Oder“ folgt, anstatt sich damit auseinanderzusetzen, was Komplementärmedizin wirklich will – und, wenn sie konstruktiv statt konkurrierend eingesetzt und umgesetzt wird, auch leisten kann.

Die Überzeugung, dass wir mit unserem Engagement für die Homöopathie uns zugleich für ein besseres Verständnis und mehr Interesse an der komplementären Medizin einsetzen, gibt uns die nicht ermüdende Motivation, weiter zu kämpfen und uns auch bei den verbleibenden Landesärztekammern für den Erhalt der Zusatzbezeichnung einzusetzen. Über weitere Unterstützung in diesem Engagement freuen wir uns und freut sich jeder betroffene Landesverband sehr – insbesondere, falls Sie Kontakte zu Delegierten Ihrer Landesärztekammer und damit die Möglichkeit der persönlichen Ansprache und Überzeugungsarbeit haben.

Melden Sie sich also gerne beim Vorstand Ihres Landesverbandes!
Weitere Infos über die Streichung der Zusatzbezeichnung Homöopathie (FAQ) und eine Übersicht „Homöopathie in den LÄK“ finden Sie hier.

Gründung „Integrativer Listen“

Der Weg der Zukunft wird aber, nicht nur in unserer Gesellschaft, sondern auch in der Medizin ein Weg des geteilten Wissens, des offenen Denkens und des pragmatischen Vorgehens sein. Die Zeiten von behaupteten Gewissheiten, die nicht in Frage gestellt werden, ist vorbei, insbesondere in der Arztpraxis und in gesundheitspolitischen Debatten. Aus der hörigen Patientin und dem hörigen Patient ist ein gut informierter, nicht nur für sich selbst verantwortungsbewusste Bürgerin und Patientin und verantwortungsbewusster „Bürger-und-Patient geworden: Mehr als zwei Drittel aller Deutschen befürworten die Möglichkeit der Wahl einer komplementären medizinischen Behandlung.

Diese Zahl weist den Weg: Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte wird sich verstärkt dafür einsetzen, dass die Komplementärmedizin mit eigener Stimme oder auf den regionalen oder interdisziplinären Listen in den Landesärztekammern vertreten ist. Bremen hat den Anfang gemacht, Niedersachsen soll folgen.

Eine Integrative Liste Niedersachsen befindet sich in der Gründung und wird zur Neuwahl der Kammerversammlung der Landesärztekammer, die für Dezember diesen Jahres ansteht, erstmalig kandidieren. Der DZVhÄ wird die Initiative nach Kräften unterstützen. Sollten Sie Interesse haben, oder sogar bereit sein, sich um einen Listenplatz zu bewerben, melden Sie sich gerne!

Nachfolgend eine Information der in Gründung befindlichen Integrativen Liste Niedersachsen im Wortlaut:

Die Integrative Liste Niedersachsen (iLN) stellt sich vor

Unsere Überzeugung:
Alle Patientinnen und Patienten profitieren von einem individuellen auf sie abgestimmten integrativmedizinischen Behandlungsplan. Gerade chronische Erkrankungen, deren Therapien häufig sehr eingreifend und mit erheblicher Minderung der Lebensqualität verbunden sind, erfordern geradezu die Integration von Behandlungen aus konventioneller und komplementärer Medizin.
Komplementäre Medizin sollte mit der gesamten Vielfalt der Methoden in den Praxisalltag zum Wohle aller Patienten integriert werden.

Unsere  Vision:

1. Methodenvielfalt in der Medizin der Zukunft.
Erhalt und Ausbau der Methodenvielfalt in der ärztlichen Behandlung, Integration von studienbelegten Konzepten im Kontext von Phytotherapie, Homöopathie, Anthroposophischer Medizin, Akupunktur und anderer integrativmedizinischer Methoden in individuell abgestimmten Gesamtkonzepten mit dem Ziel einer ganzheitlichen Förderung der Gesunderhaltung und Salutogenese breiter und vulnerabler Bevölkerungsschichten.
In diesem Zusammenhang arbeiten wir für die Vernetzung von komplementärer und konventioneller Medizin und hin zu einem Systemwechsel von ökonomisierter zu patientenorientierter Medizin. Dabei werden Tendenzen zur Bürokratisierung hinterfragt. Wir arbeiten für die finanzielle Gleichstellung von sprechender Medizin und „Gerätemedizin“.

2. Bewahrung und Ausbau ärztlicher Kompetenz für integrative Verfahren:
Langfristige Verankerung in der Weiterbildungsordnung als unverzichtbare Notwendigkeit zur Fortsetzung und Weiterentwicklung bewährter Fortbildungen im integrativmedizinischen Bereich. Der konstruktive Weg dorthin ist ein „Ausschuss Integrative Medizin“ in der Ärztekammer und Sicherstellung seiner Präsenz in den Ausschüssen für Ärztliche Fortbildung und Ärztliche Weiterbildung.

3. Nachhaltigkeit für die Medizin der Zukunft.
Die Hinwendung zu stark nachgefragten Anforderungen der Patientinnen und Patienten unter Beachtung ökologischer Kriterien für eine Medizin der Zukunft ist die große Herausforderung der nächsten Jahre – wie auch auf dem Deutschen Ärztetag diskutiert. Gerade dort bietet die Integrative Medizin vorausschauende und auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Behandlungen an. Dank ihrer integrativen Verfahren ist das die beste Basis für eine nachhaltige Medizin.

4. Autonomie und Freiberuflichkeit in Ärztekammer und Politik
Wir stehen für die Sicherung der freien Tätigkeit in Praxen, jenseits von MVZ, Krankenhaus und Großkonzernen.
Wir unterstützen und fordern für Patienten die Sicherstellung der freien Arztwahl und Unterstützung der unabhängigen Meinungsbildung zu Krankheiten und deren Behandlungsoptionen

!!!Wählen Sie uns!!!
Wahlzeit ist vom 01.12.2020 – 14.12.2020
In Niedersachsen