„Überdosis“ Homöopathie: medizinisch sinnfreie Aktion

Berlin, 21. Oktober 2016. Die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) führt eine „Überdosis“-Aktion in Hamburg und Berlin durch. Am 23. Oktober treffen sich Homöopathie-Gegner, um gemeinsam eine „Überdosis“ homöopathischer Arzneien (Globuli) einzunehmen – und das Ausbleiben von Vergiftungserscheinungen als Wirkungslosigkeit der Arzneimittel zu deuten.
„Die Aktion ist aus medizinischer Sicht komplett sinnfrei“, erklärt Cornelia Bajic, 1. Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ). „Bei der Einnahme von homöopathischen Hochpotenzen ist die Häufigkeit der Einnahme von Bedeutung, nicht die Menge. Die Aktion bringt keinen Erkenntnisgewinn“, so Bajic.

Ebenfalls wird außer Acht gelassen, dass die Homöopathie auf dem Ähnlichkeitsprinzip basiert: „Würden die Aktionisten ihre individuellen Beschwerden einem homöopathischen Arzt schildern, könnte dieser ein heilendes Homöopathikum für den Einzelnen finden“, erklärt Bajic, „eine Arzneigabe – ohne Bezug zum Beschwerdebild des Patienten – ist gar keine Homöopathie“, so Bajic weiter.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) äußert sich ablehnend zur Aktion: „Aus Sicht des BfArM tragen Aufrufe, Arzneimittel in Überdosierungen einzunehmen, nicht zur Aufklärung und Sensibilisierung von Patientinnen und Patienten bei“, heißt es von der Behörde.

Das letzte Mal fand die von der GWUP als jährliche Aktion geplante „Überdosis“ Homöopathie im Jahr 2011 in Deutschland statt. Danach wurde die Kampagne gestoppt: Die GWUP hatte Kinder an der Aktion teilnehmen lassen, sie schluckten ganze Fläschchen homöopathischer Arzneien. Darüber hinaus gab es kritische Berichterstattung zur GWUP-Aktion, Journalisten ließen sich kaum von der PR-Kampagne instrumentalisieren.

Dass die Homöopathie wirkungsvolle Medizin ist, ist durch viele Studien der unterschiedlichsten Designs belegt. Sowohl kontrollierte randomisierte Studien (RCTs) als auch Studien aus der Versorgungsforschung zeigen, dass die Homöopathie wirkt: „Es liegen heute mehr als 200 randomisierte klinische Studien zur Homöopathie vor, von denen mehr als die Hälfte ein statistisch signifikantes und positives Ergebnis zugunsten der Homöopathie aufweist“, erklärt Dr. Michael Teut von der Charité Berlin, „die Studien aus der Versorgungsforschung zeigen in der Summe ein relativ einheitliches Bild: Bei Patienten, die sich homöopathisch behandeln lassen, treten im klinischen Alltag relevante Verbesserungen auf, ähnlich stark ausgeprägt wie in der konventionellen Therapie, allerdings mit weniger Nebenwirkungen“. Teut ist einer der Autoren des aktuellen Forschungsreaders „Der aktuelle Stand der Forschung zur Homöopathie“, der von der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie (WissHom) im Mai 2016 herausgegeben wurde.

Kompletter Forschungsreader hier als PDF.