DZVhÄ Kommentar zum Stirkat Interview

„Gefährliche Heilsversprechen“ – Falk Stirkat im Deutschlandfunk Kultur am 5. Juni

Man könnte es sportlich nehmen: da ist ein junger Arzt mit der Kompetenz zum Intubieren, ohne Promotion oder Facharztqualifikation, also erheblich eingeschränkter Praxiserfahrung, und schreibt mal eben ein Buch mit dem Titel „Der belogene Patient“. Was will der Kerl eigentlich? Und was will Deutschlandfunk Kultur mit ihm?

Sport hätte freilich auch mit „Fair Play“ zu tun, also mit der Haltung des Sportlers und mit Respekt vor dem sportlichen Gegner. Genau da aber beginnt das Problem: Stirkat leistet sich ein Foul nach dem anderen, und die Moderatorin von „Lesart“ lässt alle unkommentiert, Stirkat darf das Spielfeld nutzen, um nach Lust und Laune zu pöbeln.

Foul Nummer eins: alternative Heilansätze hätten keinerlei nachweisbare Wirkung, es werde aber das Gegenteil suggeriert, also handele es sich um eine Lüge. Alle Ärzt*innen mit Zusatzqualifikation Naturheilverfahren oder Homöopathie  also Lügner? Das ist Verleumdung unter dem Mantel der Meinungsfreiheit. Rote Karte!

Foul Nummer zwei: Homöopathie „oder sonstwas“ (!) auf dem Praxisschild: das gehört für Stirkat „verboten“. Hier zeigt sich die dogmatische und autoritäre Seite einer Skeptiker-Bewegung, die geringe oder fehlende eigene Fachkompetenz dadurch zu verbergen sucht, indem sie allen Andersdenkenden pauschal vorwirft, „nicht nach wissenschaftlichen Grundsätzen zu arbeiten“. Rote Karte!

Foul Nummer drei: Wer Homöopathie anböte habe „keinen Plan von Medizin – oder er betrüge Menschen bewusst, um seine Kassen aufzufüllen… dass das nicht kriminell sei, sei ihm ein völliges Rätsel“. Könnte es sein, dass Stirkat das Buch geschrieben hat, um seine eigene Kasse aufzufüllen? Oder ist es einfach nur rotzige Flegelei, Kolleg*innen mit mehr Praxis- und womöglich Lebenserfahrung ins Gesicht zu spucken, indem man sie kriminalisiert? Noch eine – tiefrote! – Karte.

Foul Nummer vier: Da plustert sich einer auf und weist darauf hin, dass man, „um Dinge zu verstehen“ Jahre des Studiums und eine „sechsjährige Facharztausbildung“ machen müsse. Peinlich nur, dass er eine solche selbst nicht hat! Si tacuisses…..! Gelbe Karte.

Foul Nummer fünf: Dass „Menschen leichteren Gemüts“ sich zur Homöopathie hingezogen fühlen, obwohl sie die „Fakten nicht verstehen“ zeugt von selbstkritikfreier Arroganz, die weder individuelle Erfahrungen von zahllosen Patient*innen und Ärzt*innen noch Ergebnisse der Wissenschaft zu respektieren bereit ist. Nochmals rote Karte.

Wenn ein Spieler mehrmals foult und andere Mitspieler mutwillig verprügelt, dann gehört das Spiel abgepfiffen, der Spieler suspendiert und der Schiedsrichter ausgewechselt. Leider aber wird das Erlebte kein Einzelfall bleiben, es werden andere „Spieler“ nachwachsen, die in der Blase des medialen Homöopathie-Bashing sozialisiert sind. Wo bitte bleiben Regelwerk und Ehrenkodex als Basis von medialem Fair-Play? Wie gedenken seriöse Medien zukünftig zu reagieren, wenn bereits vor Jahrzehnten ein Mitbegründer der in den USA entstandenen Skeptiker-Bewegung (Carl Sagan) die Herabwürdigung anderer Ansichten als Merkmal seiner Community kritisierte?

 

Dr. med. Michaela Geiger, 1. Vorsitzende DZVhÄ, Ärztin, Homöopathie / Notfallmedizin

Dr. med. Ulf Riker, 2. DZVhÄ Vorsitzender, Facharzt für Innere Medizin / Zusatzbezeichnungen Naturheilverfahren und Homöopathie