Kommentar: Lauterbach, Twitter, Homöopathie und die Wissenschaft

Ein Kommentar von Dr. med. Ulf Riker, 2. Vorsitzender des DZVhÄ

Im März dieses Jahres twitterte unser Gesundheitsminister: „Wir brauchen mehr Wissenschaft … und nicht weniger“. Recht hat er, der Lauterbach, ganz ohne Zweifel: unsere moderne und in bestimmten Bereichen hocheffektive Medizin wäre ohne die Erkenntnisse der medizinischen Wissenschaft  und ihrer Hilfstruppen aus Pharmazie oder Medizintechnik gar nicht denkbar. Ein Schelm, der annimmt, dass homöopathische ÄrztInnen daran zweifeln würden!

Woran man aber zweifeln darf ist die Plausibilität eines Denkmodells, in dem Wissenschaft als reine Natur-Wissenschaft absolut gesetzt wird. Seit langer Zeit und bis zum heutigen Tag postuliert diese Wissenschaft den Alleinvertretungsanspruch für Erkenntnisgewinn, ist dabei aber nicht wirklich bereit einzuräumen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse nicht mehr sind als Wahrscheinlichkeiten, die aus Beobachtungen abgeleitet sind.

Mag sein, dass Herr Lauterbach sogar dem Biologen Jakob von Uexküll zustimmen würde, von dem der Satz stammt: „Die Wissenschaft von heute ist der Irrtum von morgen“. Wir halten uns aber ganz offenkundig lieber am Heute fest als an morgen zu denken. Ein Beispiel: vor 50 Jahren hat der Club of Rome vor den Grenzen des Wachstums gewarnt, das damalige Handeln von Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft war ohne Zweifel wissenschaftsbasiert, die Warnung vor den Folgen freilich war es auch! Gewonnen hat das weiter so, vor den Konsequenzen in Form mehrerer paralleler Krisen stehen wir heute. Wie viele PolitikerInnen oder WissenschaftlerInnen kennen Sie, die heute öffentlich einräumen: ja, wir haben uns verrannt, wir hätten damals anders handeln müssen, es tut uns leid, wir haben uns getäuscht…? (Ach so, da hat doch eben unser Bundespräsident bekannt, dass er sich in der Russlandpolitik mitsamt vielen anderen hochrangigen Politikern getäuscht hat. Das hat immerhin ein gewisse Größe, auch wenn der entstandene Schaden noch größer ist…).

Und heute? Wir finden Mikroplastik in unserem Blutkreislauf, wir messen sinkende Grundwasserstände, wir investieren Milliarden in Renaturierung ganzer Landschaften, das Umweltbundesamt warnt vor zukünftig immer mehr Arzneimitttelrückständen in den Gewässern, große Geldsummen müssen als Folge anfälliger Monokulturen in Wald-Umbauprogramme investiert werden. Und so weiter. Alles von Wissenschaftlern aller möglichen Fachrichtungen mit- und vorausgedacht, nach „derzeitigem Wissensstand“ jederzeit gesichert.

Nachhaltiges Denken und Handeln sieht anders aus! „Irrtümer entstehen durch geschlossene Denk-Kollektive“, so fasste es der Biologe, Immunologe und Erkenntnistheoretiker Ludwig Fleck schon vor einem halben Jahrhundert zusammen und wies auf die Beharrungstendenz etablierter Denkstile hin. Max Planck trieb diesen Gedanken auf die Spitze und gab zu bedenken, dass sich neue Ideen erst dann durchsetzen können, wenn die Vertreter der alten ausgestorben seien.

Können wir in Zeiten sich gegenseitig verstärkender Krisen auf das Aussterben von Denkmodellen mit empirisch fragwürdigem Gehalt warten? Reichen lineare und teilweise monokausale wissenschaftliche Denkfiguren aus?  Oder braucht nicht doch unser Portfolio der Erkenntnismöglichkeiten Ergänzung, z.B. durch emotionale Intelligenz, Erfahrung oder Intuition? „Der Gegenstand ärztlicher Erkenntnis selbst unterscheidet sich im Grundsatz vom Gegenstand naturwissenschaftlicher Erkenntnis. Während der Naturwissenschaftler typische, normale Phänomene sucht, studiert der Arzt gerade die nichttypischen, nicht normalen, krankhaften Phänomene.“ Vielleicht eine Brücke zwischen naturwissenschaftlich orientierter Medizin und Homöopathie mit dem Zugewinn von Ressourcenschonung, Nachhaltigkeit und breiter Akzeptanz unter Menschen, die Gegenwart und Zukunft in ihrer ganzen Komplexität und Vielfalt berücksichtigt wissen möchten. Wie wäre es, lieber Herr Gesundheitsminister, wenn wir alle gemeinsam etwas breiter denken würden, wie viel von welcher Wissenschaft wir eigentlich brauchen und wie wir mit ihrer Hilfe, aber auch mit ergänzenden tools den „One Health“-Gedanken in gegenseitigem Respekt umsetzen und Zukunft sichern können?

2022-07-14T16:50:48+02:00

Was Evidenz basierte Medizin ist

Das Credo der Evidenzbasierten Medizin (EbM) ist das Lieblings-Argument von Kritikern der Homöopathie. Warum? Weil es sich – vermeintlich – so einfach auf den Punkt bringen lässt: „Keine ausreichende Studienlage, also nicht evidenzbasiert“. Bereits Studierende antworten oft auf die Frage, was evidenzbasierte Medizin denn sei: „Entscheidung nach Studienlage!“ Aber ist es das, worum es David Sackett wirklich ging?

In seinem bereits 1996 veröffentlichten Artikel „Was evidenzbasierte Medizin ist und was sie nicht ist“ schreibt Sackett sehr deutlich:

“Gute Ärzte nutzen beides: ihre individuelle klinische Expertise und die beste verfügbare externe Evidenz, keines von beiden reicht allein. Ohne klinische Expertise droht das praktische Tun von der Evidenz tyrannisiert zu werden, denn selbst exzellente externe Evidenz kann für den individuellen Patienten nicht anwendbar (inapplicable) oder unpassend (inappropriate) sein. Ohne die aktuelle beste Evidenz droht das praktische Tun schnell zu veralten zum Schaden des Patienten. Externe Evidenz kann informieren, aber niemals die individuelle klinische Expertise ersetzen und es ist diese Expertise, die entscheidet, ob eine externe Evidenz im individuellen Patientenfall überhaupt angewendet werden und – wenn dem so ist – wie diese in die klinische Entscheidung einbezogen werden sollte.“

Ist das von Bedeutung? Selbstverständlich, denn bis heute findet in der Medizin Vieles Anwendung, was lediglich tradiert ist oder sich durch Gewohnheit und Erfolg etabliert hat. Und bestimmt ist es gut, wenn sich der Eminenz-basierten Medizin („der Chef hat das schon immer so gemacht“) eine Evidenzbasierte Medizin entgegenstellen kann („bei sehr vielen Menschen ist der Verlauf aber genauso, unabhängig von der Maßnahme des Chefs“ oder sogar „viele Menschen leben länger ohne diese Maßnahme des Chefs“).

EbM also als Hilfe, die eigene Erfahrung und die Erfahrungen von Vielen in einen Kontext zu bringen.

Eine große Stärke der EbM für die tägliche Praxis ist vermutlich, dass sie uns gute Daten liefert, etwas Unwirksames (oder gar Schädliches) zu unterlassen lassen, oft ohne jedoch von solider Studienlage gestützte wirksame Alternativen zu liefern. Ein gutes Beispiel dafür ist die aktuelle EbM-basierte Nationale Versorgungsleitlinie Rückenschmerz, die in vielen Punkten berechtigte Negativempfehlungen ausspricht, während viele Positivempfehlungen nicht oder schwach unterstützt, teilweise  nur konsensuell und daneben oft realitätsfremd und kaum hilfreich für die tägliche Praxis sind.

Denn es ist oft viel schwieriger, solide Daten zur Unterstützung wirksamer Verfahren zu erbringen. Das liegt auf Studienebene an Faktoren wie finanziellem Support, Heterogenität im Design, fehlender Randomisierung, unterschiedlich durchführbarer Verblindung, hochvariabler Ein- und Ausschlusskriterien und vielem mehr, bei Leitlinien wohl auch dem Einfluss unterschiedlicher Lobbygruppen (Wie wäre beispielsweise sonst zu erklären, dass z.B. Akupunktur in den britischen EBM-NICE Guidlines bei jeder Form von Rückenschmerz als klare Negativempfehlung gelistet wird, während sie in Deutschland 2017 in die nationalen Versorgungsleitlinien sowohl bei akuten wie bei chronischen Rückenschmerzen als Kann – Empfehlung aufgenommen wurde?) Wie biegbar ist also Evidenzbasierte Medizin?

Und wie steht es um die Übertragbarkeit auf die reale Praxissituation? Meta-Analysen enthalten – für die bessere Vergleichbarkeit – in der Regel homogene Studiengruppen, aber in den seltensten Fällen reale Patienten mit ihren Begleiterkrankungen. Zulassungsstudien sind nicht an komplexen Patienten mit Zusatzerkrankungen erprobt und oft genug scheitert die Leitlinien-Therapie, weil sie beim individuellen Patienten wegen zusätzlicher Erkrankungen nicht anwendbar ist.

Evidenzbasierte Medizin ist nicht die Lehre von der doppelblind-randomisierten Studie, sondern „der gewissenhafte, ausdrückliche und angemessene Gebrauch der gegenwärtig besten vorhandenen Daten aus der Gesundheitsforschung, um bei Behandlung und Versorgung von konkreten Patienten Entscheidungen zu treffen. EbM beinhaltet die Integration individueller klinischer Expertise mit der bestmöglichen Evidenz aus klinischer Forschung und der Präferenz des Patienten.“ Diese Definition von David Sackett, nachzulesen im „British Medical Journal“ 1996; 312: 71–2, ist die einzige und korrekte Definition der evidenzbasierten Medizin. Sie auf ein Drittel zu kürzen ist sinnentstellend.

Ist Sackett ein Fürsprecher der Homöopathie? Sicher nicht!

Aber die Menschen, die meinen, unter der Fahne der Evidenzbasierten Medizin in den Krieg gegen die Homöopathie ziehen zu müssen, sollten so informiert sein, die Definition zu kennen. Oder so ehrlich, ihren Feldzug auf alles anzuwenden, was ihrer Definition nicht entspricht (womit dann allerdings nicht mehr viel übrig bliebe vom ärztlichen Tun). Oder sie sollten endlich zugeben, dass sie die Homöopathie aus persönlichen Gründen „einfach weghaben“ wollen oder dass ihnen ihr Vorgehen derzeit einfach nur „irgendwie opportun“ erscheint.

Für Ärztinnen und Ärzte bedeutet evidenz-basiertes Handeln:

  • Die Datenlage kennen und verbessern.
  • Wissen, was schaden und was helfen könnte.
  • Unsere Erfahrung einschätzen, unsere Grenzen kennen.
  • Zuhören und in Abstimmung mit dem individuellen Patienten die bestmögliche Therapie wählen.

Ärztinnen und Ärzte mit homöopathischer Zusatzqualifikation sind mit ihrem Tun davon nicht weiter entfernt als viele unsere KollegInnen!

Autorin: Dr. Alexandra Schulze-Rohr, DZVhÄ-Vorstand Fort- und Weiterbildung

2022-07-14T16:50:40+02:00

Video: Warum ich – immer noch – homöopathischer Arzt bin

Im Video erzählt der Internist Dr. Ulf Riker, 2. Vorsitzender des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ), warum er seit etwa 30 Jahren auch Homöopathie anwendet und wie es dazu gekommen ist.

„Ursprünglich hatte ich nicht vor, mich mit Homöopathie zu beschäftigen! Durch Medizinstudium und später als Assistenzarzt war ich schon damals selbstverständlich naturwissenschaftlich orientiert. Die Wende kam, als mich der damalige Chefarzt des Münchner Krankenhauses für Naturheilweisen dazu aufgefordert hat, eine homöopathische Arznei zu nehmen und zu beobachten, was daraufhin passiert. Das Ergebnis hat mein damaliges Weltbild tief erschüttert. Fünf Kügelchen in hoher Potenz, aber ohne spezifischen materiellen Inhalt haben über fast drei Wochen Symptome ausgelöst, wie ich sie vorher noch nie und auch später nie wieder hatte.

Fünf Kügelchen in hoher Potenz, aber ohne spezifischen materiellen Inhalt haben über fast drei Wochen Symptome ausgelöst, wie ich sie vorher noch nie und auch später nie wieder hatte. Jetzt könnte man sagen: was solls, war sicher nur Zufall. Aber kann es Zufall sein, dass ich ausgerechnet Symptome einer Arznei bekommen habe, die ich überhaupt nicht kannte? Ich konnte meine eigenen Symptome nachlesen in einem Buch, doch wie kamen meine Symptome in dieses Buch?

Seither sind mehr als 30 Jahre, unzählige Fortbildungen und Supervisionen vergangen, und ich kann heute sagen:

Homöopathie wirkt! Homöopathie wirkt weit über den Placebo-Effekt hinaus. Und das ist kein frommer Wunsch, keine Autosuggestion! Es ist die 30-jährige Erfahrung, die stärker ist als theoretische Überlegungen oder ideologische Annahmen.

Ich bin meinen vielen Patientinnen und Patienten aus diesen drei Jahrzehnten sehr dankbar, die mich haben teilnehmen lassen an ihren eigenen Erfahrungen. Ihre Erfahrungen wurden zu meinen Erfahrungen, gerade auch dann, wenn viele Patientinnen und Patienten ursprünglich selbst kritisch waren und sich erst durch das Erlebte selbst überzeugen ließen.

Dankbarkeit ist das Gefühl, das am besten passt zu einer Methode, deren Wirkweise bis heute unklar ist, aber deren Wirksamkeit über Placebo hinaus unbestreitbar ist.“

Alle DZVhÄ Videos.

2022-07-14T16:50:30+02:00

Homöopathie: ökologisch, nachhaltig, wissenschaftlich

Mit dem Kongress-Motto HOMÖOPATHIE: ÖKOLOGISCH – NACHHALTIG – WISSENSCHAFTLICH greift der DZVhÄ bei seinem Hybrid-Kongress vom 25.-28. Mai 2022 in Münster aktuelle und dringende Themen auf. Andreas Holling, Allgemeinarzt und Mitorganisator des Kongresses: Wir stehen vor großen Herausforderungen im Umgang mit den Folgen der Globalisierung und des Klimawandels. Neben der Landwirtschaft trifft dies vor allem auf die Medizin zu. Wir müssen uns Fragen stellen: Welchen Einfluss hat unser Verhalten auf unsere Lebensgrundlagen? Welche Antworten kann die Homöopathie geben? Wie können Antibiotika bei Mensch und Tier eingespart werden? Wie das Grundwasser weniger durch Arzneimittel belastet werden? Und machen dauerhaft immer mehr Medikamente gesund? Kongress Infomationen und Anmeldung

Die Grenzen des Wachstums

1972 veröffentlichte der Club of Rome seine berühmte Studie „Die Grenzen des Wachstums“ und setzte sich damit für eine nachhaltige Zukunft der Menschheit ein. 50 Jahre später wissen wir, dass viele der Prognosen von damals Realität geworden sind, ja sogar von der aktuellen Situation übertroffen werden.

Ein halbes Jahrhundert nach der visionären Veröffentlichung erleben wir die weltweite Ausbreitung eines Virus, das wie viele andere Krankheitserreger vor ihm vom Tier auf den Menschen übergesprungen ist, weil sich homo sapiens auf der Suche nach endlichen Ressourcen und in einer zügellosen Ökonomisierung sämtlicher Lebensbereiche die letzten Rückzugsgebiete unberührter Natur untertan macht.

Wir sehen zweierlei: Die Zerstörung von Natur, Umwelt und Klima entwickelt sich schleichend, aber unaufhaltsam, und bis wir das Ausmaß der Veränderungen realisieren, ist es bereits 5 vor 12 – manche ernsthaften Wissenschaftler sagen, es sei bereit 5 nach 12. Andererseits gewinnt eine Pandemie ein atemberaubendes Tempo, das uns neben Impfungen ein globales „social-distancing“ abverlangt, wo es doch eigentlich viel logischer wäre, zusammen zu stehen und gemeinsam den globalen Zerstörungen, dem Artensterben, der Überhitzung unseres Planeten und allen seinen Folgen entgegenzutreten.

Die ökologischen Zusammenhänge und die Notwendigkeit einer Fokussierung von Nachhaltigkeit sind uns aus wissenschaftlicher Sicht längst bekannt. Bekannt ist auch das Phänomen der kognitiven Dissonanz: wir wissen (oder ahnen längst), was zu tun (und zu lassen) wäre, verschieben aber die notwendigen Schritte in zukunftsblinder Regelmäßigkeit auf den nächsten Tag oder warten darauf, dass die Anderen bitte anfangen und mit gutem Beispiel voran gehen mögen.

One-Health

Es ist an der Zeit, die verschiedenen Erkenntnisstränge zusammen zu führen, Brücken zu bauen zwischen Naturwissenschaften einerseits und Sozialwissenschaften andererseits. Die Beziehung des Menschen zu seiner Umwelt in den Fokus zu rücken, bedeutet ganzheitliches Denken und Wahrnehmen ebenso wie die Integration physischer, psychischer, sozialer und kultureller Aspekte. Medizin wird vor diesem Hintergrund ihren Aufgaben nur dann gerecht, wenn sie Gesundheit und Umwelt zusammen denkt. Komplexe Sachverhalte zu verstehen, gelingt nicht durch Anwendung einfacher, monokausaler oder linearer Modelle oder Versuchsanordnungen.

Immer mehr ExpertInnen fordern, die komplexen Zusammenhänge zwischen Gesundheit von Menschen, Tier und Umwelt in einem „One Health“-Modell zu sehen, weil sich nur so nachhaltige und wirksame Maßnahmen treffen lassen. Damit dies Realität werden kann, müssen sich alle bewegen, vertraute Denkmodelle hinterfragen, in gemeinsamer Anstrengung Gesichertes und Bewährtes miteinander verbinden, Naturwissenschaft mit Erfahrungswissenschaft verknüpfen und vorurteilslos prüfen, was zu Synergieeffekten beitragen kann.

Was die Homöopathie beitragen kann

Homöopathie ist evidenzbasiere Medizin und gleichzeitig Teil einer Integrativen Medizin. Ganzheitliches Wahrnehmen ist Kernelement der Homöopathie: sie berücksichtigt körperliche Symptome und deren externe und konstitutionelle Ursachen ebenso wie seelische Reaktionsmuster und situative Gestimmtheit. Ihre Arzneien zeigen nachhaltige Wirkung, sind nebenwirkungsfrei und hinsichtlich Herstellung und Entsorgung ohne schädliche Auswirkungen. Ihre Anwendung ist in erfahrener Hand sicher und ihre Wirksamkeit wissenschaftlich belegt. Homöopathie lässt sich mit konventioneller Medizin problemlos kombinieren und daraus resultieren Synergieeffekte. Letztere tragen dazu bei, konventionelle Medikamente wie Psychopharmaka oder Antibiotika einzusparen und damit logischerweise auch potentielle Nebenwirkungen und Folgeverordnungen reduzieren. Qualifizierte homöopathische Ausbildung führt dazu, dass TierärztInnen und Humanmediziner dieselbe „Sprache“ sprechen und damit den „One Health“ Gedanken im Schulterschluss zur praktischen Geltung bringen.

Und nicht zuletzt sind Menschen, die sich der Integrativen Medizin und insbesondere der Homöopathie zuwenden aktive Befürworter einer nachhaltigen, humanökologischen Sichtweise, indem sie Eigenverantwortung für ihre Gesundheit sowie ihre Umwelt übernehmen und sich zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Gesundheit, Natur und Umwelt bekennen. Eigenverantwortung und Achtsamkeit im Umgang mit unseren Lebensgrundlagen sind Ressourcen, die in unser aller Interesse Förderung durch Politik und wissenschaftliche Begleitung verdienen. Nutzen wir das Potential und tragen wir gemeinsam dazu bei, dass es bei 5 vor 12 bleibt. Halten wir die tickende Uhr an, denn nach weiteren 5 Minuten könnte es für uns alle, für Gesundheit, Wohlstand und Frieden mit der uns umgebenden Natur zu spät sein.

Dr. med. Ulf Riker, 2- Vorsitzender des DZVhÄ

2022-07-14T16:50:21+02:00

DZVhÄ-Standpunkt gegen eine allgemeine Corona-Impfpflicht

Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) spricht sich gegen eine generelle Impfpflicht gegen Corona aus und bekennt sich zu einer freien, individuellen und verantwortungsvollen Impfentscheidung auf Grundlage sorgfältiger, ausgewogener und ergebnisoffener Beratung (individuelle Nutzen / Risiko-Abwägung).

Die Position des DZVhÄ berücksichtigt unter anderem die Stellungnahmen kompetenter Experten:

  • Der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichtes, Hans-Jürgen Papier (1) bezeichnete jüngst eine Impfpflicht als „in jedem Fall ein erheblicher Eingriff in das Grundrecht der körperlichen Integrität und Selbstbestimmung“, und dieser Eingriff lasse sich wegen ungewisser Entwicklung der Pandemie nur schwer rechtfertigen.
  • Der Virologe Hendrik Streeck (2) äußert sich skeptisch und verweist auf einen Vorschlag aus NRW, über eine Beratungspflicht nachzudenken.
  • Gerd Antes (3), einer der Wegbereiter der evidenzbasierten Medizin in Deutschland hat sich strikt gegen eine Impfpflicht ausgesprochen.
  • Selbst Thomas Mertens (4), Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (STIKO) ist gegen eine generelle Impfpflicht.

Als Argumente werden immer wieder Unklarheiten über zu erwartende Virusmutanten, Fragen nach Vollständigkeit und Dauer eines erreichbaren Impfschutzes, mutmaßliches Underreporting von gravierenden Impfnebenwirkungen, Aspekte der Umsetzung, Kontrolle und Sanktionierung einer Impfpflicht und/oder die Gefahr einer Spaltung der Gesellschaft ins Feld geführt.

Diese Argumente lassen erheblichen Zweifel daran zu, dass eine allgemeine Impfpflicht verhältnismäßig wäre:

  • Sie wäre nicht geeignet, die eigenen pandemiepolitischen Ziele zu erreichen.
  • Sie wäre nicht erforderlich, solange andere, unterschwellige Maßnahmen noch nicht ausgeschöpft sind.
  • Sie wäre nicht angemessen, weil die demokratiebezogenen Kollateralschäden zu groß sind.
  • Eine Impfpflicht auf Verdacht oder auf „Vorrat“ lehnen wir daher ab.

Für weitere Informationen (Faktencheck und Standpunkt) siehe www.individuelle-impfentscheidung.de

Quellen:

  • RP ONLINE, 6.3.22, www.rp-online.de
  • WAZ, 14.2.22, Virologe Streeck:Schluss mit Testeritis, 2G und Impfpflicht, www.waz.de
  • SWR, 11.3.22, Interview: Steigende Corona-Infektionszahlen: Kein Grund zur Sorge?, https://swr.de
  • Tagesschau, 13.1.22, STIKO-Vorsitzender gegen Impfpflicht, www.tagesschau.de
2022-07-14T16:50:12+02:00

Themendienst Forschung: Homöopathie ist Evidenzbasierte Medizin

In einem 7-seitigen Themendienst zur Homöopathie-Forschung fasst der Deutsche Zentralverein homöpathischer Ärzte (DZVhÄ) den aktuellen Forschungsstand zusammen. „Die Homöopathie-Forschung ist eine wenig beachtete Disziplin, dabei gibt es zum Beispiel über 200 randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) zur Homöopathie, es gibt Grundlagen- und Versorgungsforschung und Datenbanken, in denen sich jeder einen Überblick verschaffen kann“, sagt Dr. med. Michaela Geiger, 1. Vorsitzende des DZVhÄ.

Die Definition der Evidenzbasierten Medizin (EbM) ist laut Cochrane Institut: „EbM stützt sich auf drei Säulen: die individuelle klinische Erfahrung, die Werte und Wünsche des Patienten und den aktuellen Stand der klinischen Forschung.“ Nimmt man auch nur eine der drei Säulen weg, wackelt das Gebäude bzw. es stürzt ein. Der Diskurs um die Homöopathie hat in den letzten Jahren gezeigt, dass es offenbar einfacher ist, nur die Säule von Wissenschaft und Forschung in den Fokus zu rücken, das Modell der EbM also willkürlich zu verändern. Bereits der Begründer der EbM, David L. Sackett (1997) wies auf diese Gefahr des „Tyrannisierens der Medizin durch externe Evidenz“ hin. „Bezogen auf die Homöopathie ist diese Tyrannei sogar eine doppelte: es wird ihr wider besseres Wissen und entgegen der Faktenlage jegliche externe Evidenz abgesprochen“, sagt Dr. med. Ulf Riker. 2. DZVhÄ-Vorsitzender.

„Es liegen genügend Studien für akute und chronische Erkrankungen vor, die eine Wirksamkeit der homöopathischen Therapie über Placebo belegen.“ Prof. Dr. med. André-Michael Beer, Direktor der Klinik für Naturheilkunde der Klinik Blankenstein, Ruhr-Universität Bochum in einem kürzlich erschienenen Konsenspapier von 10 Professor*innen zur Homöopathie

Die Themen im Überblick:

• Einstieg zum Stand der Forschung in der Homöopathie
• Homöopathie ist evidenzbasiert!
• 10 Professoren – 10 Statements zur Homöopathie in der medizinischen Versorgung
• Interview mit Prof. Beer, Initiator der „10 Statements“
• Interview mit Wissenschaftler Dr. Alexander Tournier: „Wir haben genügend Beweise,
die für die Homöopathie sprechen”
• S3 Leitlinie Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen PatientInnen
• Versorgungsforschung: Die Securvita BKK-Studie
• „Evidenzbasierte Veterinär-Homöopathie und ihre mögliche Bedeutung für die Bekämpfung
der Antibiotikaresistenzproblematik – ein Überblick”
• Studienübersichten

DZVhÄ Themendienst-Forschung hier herunterladen.

2022-09-08T12:52:22+02:00

Ukraine: Spenden für medizinische Hilfe

Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) und seine Landesverbände unterstützen die Organisationen Ärzte ohne Grenzen und medico international bei ihren Einsätzen für die Menschen in der Ukraine bzw. in den Grenzgebieten finanziell. Diese Organisationen wissen, wie sie medizinische und humanitäre Hilfe in Krisen- und Kriegsgebieten leisten können und was genau dafür benötigt wird. „Deshalb haben wir uns für Geldspenden und gegen medizinische Sachspenden entschieden“, sagt Dr. med. Michaela Geiger, 1. Vorsitzende des DZVhÄ. Bis jetzt konnten bereits 10.000 Euro vom DZVhÄ-Landesverband Berlin und dem Bundesverband überwiesen werden. Möchten auch Sie diese Organisationen mit einer Spende unterstützen, können Sie dies über die hier verlinkten Webseiten schnell und sicher tun.

2022-07-14T16:49:48+02:00

DZVhÄ-Kommentar: Die Freiheit der Wissenschaft verteidigen

Die Uni Hamburg hat sich einen „Kodex Wissenschaftsfreiheit“ verordnet. Die Neue Züricher Zeitung stellt hierzu am 8. Februar 22 fest; „Wenn Selbstverständlichkeiten betont werden müssen, ist die Normalität bedroht“. Wissenschaftsfreiheit ist in Artikel 5 Absatz 3 Grundgesetz gewährleistet. Dennoch wird bereits in der Präambel des Kodex darauf hingewiesen, dass zum Beispiel die „Hervorbringung neuen Wissens, das für moderne Gesellschaften unverzichtbar ist“, nicht selten bedroht wird durch „Delegitimierung wissenschaftlicher Themen oder Gegenstände, die als unbequem oder bedrohlich empfunden werden“.

Auch wenn der Kodex vor dem Hintergrund von „cancel culture“ formuliert wurde hat er dennoch auch Bedeutung für die Homöopathie: Gegner der Homöopathie fordern ein Ende der Diskussion und weiterer Forschung im Bereich Homöopathie. Wissenschaft – verstanden als Orientierungshilfe in der Welt – beruht auf messbaren Fakten, die aber allein nicht in der Lage sind, die Welt und ihre komplexen Phänomene abschließend und endgültig zu beschreiben. Die Wissenschaftsgeschichte erweist sich als eine Folge von Paradigmenwechseln. Das Festhalten am Status quo des bislang Erkannten verhindert die „Hervorbringung neuen Wissens“. Das Ende der Forschung in einem Bereich der Wissenschaft zu fordern, kommt einer Kastration der Wissenschaft selbst gleich.

Nicht weniger, sondern mehr Wissenschaft ist zu fordern, wenn Phänomene zu beobachten sind, die mit den bisherigen Modellen der Erkenntnisgewinnung nicht schlüssig zu klären sind. Wissenschaft muss sich in Freiheit und ohne Voreingenommenheit entwickeln können. Oder mit den Worten von Max Planck:

„Eine neue wissenschaftliche Wahrheit pflegt sich nicht in der Weise durchzusetzen, dass ihre Gegner überzeugt werden und sich als belehrt erklären, sondern vielmehr dadurch, dass die Gegner allmählich aussterben und dass die heranwachsende Generation von vornherein mit der Wahrheit vertraut gemacht ist.“

Und noch ein weiterer Aspekt ist zu bedenken, der mit Freiheit – in einem weiteren Sinn! – zu tun hat: Messwerte haben im Zusammenhang mit Wissenschaft ihre Bedeutung. Wenn sie jedoch mit Grundwerten von Menschen in Konflikt geraten, dann ist es die Aufgabe des Staates dafür zu sorgen, dass diese Grundwerte auch im Alltag der Menschen ihren Platz haben können. Das heißt im Zusammenhang mit Homöopathie: Die Freiheit, sich entlang eigener Grundwerte – in gesunden wie in kranken Tagen – entfalten zu können, ist ein Grundrecht. Wissenschaft hat mit ihren Möglichkeiten dazu beizutragen, diesem Grundrecht Substanz zu verleihen. Und Politik sollte verhindern, dass der Freiraum für Wissensgenerierung nicht durch weltanschauliche Interventionen eingeengt wird.

  • Autor: Dr. med. Ulf Riker, Internist / Homöopathie / Naturheilverfahten, 2. Vorsitzender des DZVhÄ
2022-07-14T16:49:39+02:00

DZVhÄ zum Weltkrebstag: Versorgungslücken schließen

Die Deutsche Krebshilfe setzt sich für eine bestmögliche Behandlung und Betreuung von Krebspatienten ein. Ohne Zweifel hat die onkologische Versorgung in der Bundesrepublik einen sehr hohen Standard, dennoch gibt es Versorgungslücken. So weist die Deutsche Krebshilfe darauf hin, dass nicht nur die Vernetzung onkologischer Zentren, sondern auch die Arbeitsbedingungen im Pflegebereich verbessert und die psychoonkologische / psychosoziale Versorgung gestärkt werden sollten. Nicht zuletzt gebe es Lücken im Bereich der Palliativmedizin, wo die Möglichkeiten einer umfassenden multiprofessionellen Begleitung und Behandlung bekannter und flächendeckend zugänglicher gemacht werden müssten.

Gerade im Bereich der Behandlung von onkologischen Patienten hat die Komplementärmedizin und insbesondere auch die Homöopathie Wesentliches zu bieten. Zahlreiche Kolleginnen und Kollegen begleiten seit Langem auch Krebspatienten im Finalstadium in Kooperation mit anderen FachärztInnen und Palliativmedizinern, bilden also in Praxen, Hospizen und auf Palliativabteilungen bereits die geforderte Multiprofessionalität ab.

Ungeachtet der Frage von Placebo-Effekten durch Homöopathie kann sich diese Behandlungsmethode in Situationen am Lebensende wie z.B. bei Ängsten oder deliranter Unruhe als wirksame und nebenwirkungsfreie Hilfestellung bewähren, wenn moderne leitliniengerechte Therapien allein zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis führen. Hier gibt es nicht nur einzelne hochwirksame homöopathische Arzneien, sondern auch ausreichend Praxiserfahrung. Patienten und deren Angehörige wünschen Homöopathie gerade auch zur Symptomlinderung in dieser Krankheits- und Lebensphase, und qualifizierte Ärztinnen und Ärzte stellen die spezielle Expertise zur Verfügung. Damit sind 2 Säulen der Evidenzbasierten Medizin berücksichtigt und inhaltlich erfüllt. Die 3. Säule, also die externe Evidenz aus Studien, ist ebenfalls gegeben: so wurde Homöopathie jüngst auf Grund der aktuellen Studienlage in eine S3-Leitlinie „Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen PatientInnen“ aufgenommen.

Um Missverständnissen vorzubeugen: es ist hier nicht die Rede davon, dass Homöopathie „Krebs heilen“ könne. Vielmehr geht es um eine konsequente Nutzung des Potentials der Homöopathie, Beschwerden und Symptome zu lindern. Und zwar in einer Phase der Krankheit, in der es auch um Würde und Wünsche des Kranken und seiner Angehörigen geht. Das Gelingen setzt voraus, dass die behandelnden ÄrztInnen in der Begleitung von TumorpatientInnen qualifiziert und homöopathisch erfahren sind.

Autor: Dr. med. Ulf Riker, Internist / Homöopathie / Naturheilverfahten, 2. Vorsitzender des DZVhÄ

2022-07-14T16:49:28+02:00

10 Professoren, 10 Statements, 1 Konsens zu Homöopathie

Mit einem Konsenspapier zur Homöopathie in der medizinischen Versorgung wenden sich 10 Expert*innen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Bereichen, etwa der Pharmakologie, der Gesundheitsökonomie und verschiedenen medizinischen Fachrichtungen, an die Öffentlichkeit. Ihr Papier erschien jüngst in der Zeitschrift Gesundheitsökonomie & Qualitätsmanagement (26/2021) des Thieme Verlags. Initiiert wurde das Konsenspapier von Prof. Dr. med. André-Michael Beer, Direktor der Klinik für Naturheilkunde, Klinik Blankenstein, Ruhr-Universität Bochum. Im Interview (siehe unten) plädiert Prof. Beer „für ein Umdenken in der Medizin hin zu einer Integrativen Medizin inklusive der Homöopathie.“ Die Mitautor*innen erklären anschaulich jeweils aus ihren Gebieten, warum die Homöopathie eine wissenschaftlich fundierte, sozioökonomisch sinnvolle und vor allem therapeutisch wirksame Methode ist. Im Interview stellt Prof. Beer fest:

„Es liegen genügend aussagekräftige Studien für akute und chronische Erkrankungen vor, die eine Wirksamkeit der homöopathischen Therapie im Placebo Vergleich belegen und die in wissenschaftlichen hochrangigen Zeitschriften publiziert sind. Zudem bestätigt die ärztliche Erfahrung jeden Tag aufs Neue, dass wir es nicht mit einem Placebo zu tun haben.“

Zum Konsenspapier zur Homöopathie in der medizinischen Versorgung.

Interview mit Prof. Beer über das Konsenspapier Homöopathie in der medizinischen Versorgung

Direktor der Klinik für Naturheilkunde, Klinik Blankenstein, Hattingen / Lehrbereich Naturheilkunde, Ruhr-Universität Bochum

10 Professoren, 10 Statements über die Homöopathie in der Versorgung. Warum haben Sie dies initiiert?

Wir beobachten, dass Therapien der sog. integrativen Medizin, also einer Medizin, die Naturheilkunde mit der Schulmedizin verbindet, immer wieder in die Kritik geraten, obwohl die Kriterien der evidenzbasierten Medizin erfüllt werden.  Die Homöopathie gehört zur integrativen Medizin dazu. Die ärztliche Zusatzqualifikation zur Homöopathie wurde in einigen Bundesländern gestrichen, so dass Ärzte heute diese Qualifikation nicht mehr erlangen können. Der Entscheidungsprozess hierfür war wissenschaftlich kaum nachvollziehbar. Entsprechende fundierte Stellungnahmen liegen hierzu nicht vor. Der Pluralismus unserer Medizin, die „Therapiefreiheit“ steht damit in Gefahr, denn der Arzt muss sich am jeweils aktuellen naturwissenschaftlichen Erkenntnisstand orientieren und die gebotene Sorgfalt walten lassen. Dies kann er aber nur, wenn er sich regelmäßig fort- und weiterbildet.  Es ist jetzt dringend an der Zeit sich um eine Versachlichung der Diskussion zu bemühen. Mit den 10 Statements zur Homöopathie möchten wir zur Fachdiskussion einladen und dafür die inhaltliche Basis legen. Ziel des Positionspapiers ist es, wissenschaftliche Fakten in die Diskussionen über die Relevanz der Homöopathie für die Gesundheitsversorgung einzubringen. Ich selbst befasse mich als konventioneller Mediziner vornehmlich mit den sog. „klassischen Naturheilverfahren“ in Patientenversorgung, Forschung und Lehre und verfüge selbst nicht über die Zusatzqualifikation „Homöopathie“, setze aber in der Klinik die Homöopathie durchaus ein, da es Situationen gibt bei denen wir schlecht beraten wären, wenn wir diese wertvolle Therapieoption nicht nutzen würden.

Homöopathie ist Teil der integrativen Medizin, schreiben Sie. Welche Daten sprechen dafür?

Wir zeigen in dem Positionspapier, dass auch die Homöopathie die Kriterien der Evidenz basierten Medizin erfüllt. Das sind die externe Evidenz durch Studien, die Erfahrung des Arztes und die Präferenz der Patienten – somit ist die Homöopathie ein Baustein eines integrativen Behandlungskonzeptes.

Wie passt das zusammen: einerseits die Notwendigkeit von Leitlinien und dann die absolute individualisierte Homöopathie?

Ein überzeugendes Beispiel ist die S3-Leitlinie „Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen PatientInnen“. Der Homöopathie wurde hier der Evidenzlevel 2b zugesprochen, d.h., dass die Therapie nach aktueller Studienlage als optional anwendbar eingesetzt werden kann. In der Begründung heißt es:

„Es liegen Daten aus einer RCT zum Einsatz von klassischer Homöopathie vor. …aufgrund der stark positiven Ergebnisse dieser Studie [kann] der Einsatz von klassischer Homöopathie (Erstanamnese in Kombination mit individueller Mittelverschreibung) zur Verbesserung der Lebensqualität bei onkologischen Patienten zusätzlich zur Tumortherapie erwogen werden“. Wir müssen auf die Praxis schauen, hier hat die Homöopathie sehr gute Erfolge. Wir sehen, dass dies auch begleitend zur konventionellen Therapie ein gutes Konzept ist.

Das Wirkmodell der Homöopathie bezeichnen Sie in Ihrem Positionspapier als plausibel – warum?

Die homöopathische Behandlung verfolgt das Ziel, die körpereigene Regulation und Selbstheilungskräfte anzuregen sowie physiologische Funktionen wiederherzustellen – und dieses Prinzip ist plausibel. Auch in klassischen Naturheilverfahren und anderen medizinischen Therapien ist das Reiz-/Regulationsprinzip bekannt und vor allem anerkannt. Im Übrigen ist der Wirkstoff bei niedrigeren Potenzen nachweisbar. Zum Wirkmechanismus der höheren Potenzen gibt es vielversprechende Hypothesen, die jedoch noch bewiesen werden müssen.

Der Homöopathie wird von Kritikern nachgesagt, sie habe keine Wirkung über Placebo hinaus. Was erwidern Sie?

Es liegen genügend aussagekräftiger Studien für akute und chronische Erkrankungen vor, die eine Wirksamkeit der homöopathischen Therapie im Placebo Vergleich belegen und die in wissenschaftlichen hochrangigen Zeitschriften publiziert sind. Zudem bestätigt die ärztliche Erfahrung jeden Tag aufs Neue, dass wir es nicht mit einem Placebo zu tun haben. Ich sage immer: „Wenn es ein Placebo wäre, dann wäre es ein hervorragendes Placebo“.

Homöopathische Arzneien können in der Therapie alternativ oder begleitend wirksam eingesetzt werden und machen auch sozioökonomisch Sinn. Warum haben die Studien, mit denen Sie diese Aussagen belegen, in der Öffentlichkeit einen so schwierigen Stand?

Die „Öffentlichkeit“ liest und bewertet keine Studien. Das Regelwerk der wissenschaftlichen Gemeinschaft besagt u.a., dass Studien in einer Fachzeitschrift nur publiziert werden dürfen, soweit mehrere unabhängige Gutachter die Studien bewertet haben und diese dann zur Veröffentlichung freigegeben werden – oder, je nach Ergebnis des Gutachterprozesses, nicht. Einem solchen Verfahren unterliegen selbstverständlich auch die Studien zur Homöopathie, die in Fachjournalen schon publiziert wurden. Damit besteht für die wissenschaftliche Welt die Sicherheit, dass die Studie aussagekräftig ist. Innerhalb der wissenschaftlichen Community dürfen solche Veröffentlichung natürlich nochmal kritisch diskutiert werden. Dies ist aber keine Diskussion vor einer Öffentlichkeit, die damit nicht vertraut ist.  Nicht jeder hat die Kompetenz das zu beurteilen. Dafür sind jahrelange Prozesse auch auf den einzelnen Fachgebieten notwendig und dies gilt auch für die Naturheilkunde. Es ist leider so, dass das Regelwerk der wissenschaftlichen Community heute von sog. Experten, also letztlich die Basis, die weltweit als Grundlage unserer wissenschaftlichen Arbeit gilt, in Frage gestellt wird. Es sind auf diesen Wegen immer wieder Fehlinformationen über die Homöopathie in den Laiennetzwerken gestreut worden, ohne wissenschaftliche Auseinandersetzung. Die Homöopathie ist fest im Volk verankert und die Bevölkerung steht laut Umfragen mehrheitlich zur Homöopathie. In vielen Medien wird oft aber ein anderes Bild vermittelt: Ich denke, dass gerade Politiker und Entscheider bei den Krankenversicherungen unsere sozioökonomischen Daten und das Positionspapier daher aufmerksam lesen werden.

Therapiefreit in einem pluralistischen Medizinsystem sind hohe Werte für Sie – was verbinden Sie damit?

Der Begriff der „Therapiefreiheit“ beschreibt, dass einem Arzt aufgrund seiner fachlichen Kompetenz die freie Wahl der Behandlungsmethode zusteht, die er dem Patienten vorschlagen will. Allerdings muss er sich dabei am jeweils aktuellen naturwissenschaftlichen Erkenntnisstand orientieren und die gebotene Sorgfalt walten lassen. Dies kann er aber nur, wenn er sich entsprechend weiterbilden kann.

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Herr Prof. Beer, vielen Dank für das Interview

Das Interview führte Christoph Trapp

2022-07-14T16:49:20+02:00
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