DZVhÄ-Standpunkt gegen eine allgemeine Corona-Impfpflicht

Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) spricht sich gegen eine generelle Impfpflicht gegen Corona aus und bekennt sich zu einer freien, individuellen und verantwortungsvollen Impfentscheidung auf Grundlage sorgfältiger, ausgewogener und ergebnisoffener Beratung (individuelle Nutzen / Risiko-Abwägung).

Die Position des DZVhÄ berücksichtigt unter anderem die Stellungnahmen kompetenter Experten:

  • Der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichtes, Hans-Jürgen Papier (1) bezeichnete jüngst eine Impfpflicht als „in jedem Fall ein erheblicher Eingriff in das Grundrecht der körperlichen Integrität und Selbstbestimmung“, und dieser Eingriff lasse sich wegen ungewisser Entwicklung der Pandemie nur schwer rechtfertigen.
  • Der Virologe Hendrik Streeck (2) äußert sich skeptisch und verweist auf einen Vorschlag aus NRW, über eine Beratungspflicht nachzudenken.
  • Gerd Antes (3), einer der Wegbereiter der evidenzbasierten Medizin in Deutschland hat sich strikt gegen eine Impfpflicht ausgesprochen.
  • Selbst Thomas Mertens (4), Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (STIKO) ist gegen eine generelle Impfpflicht.

Als Argumente werden immer wieder Unklarheiten über zu erwartende Virusmutanten, Fragen nach Vollständigkeit und Dauer eines erreichbaren Impfschutzes, mutmaßliches Underreporting von gravierenden Impfnebenwirkungen, Aspekte der Umsetzung, Kontrolle und Sanktionierung einer Impfpflicht und/oder die Gefahr einer Spaltung der Gesellschaft ins Feld geführt.

Diese Argumente lassen erheblichen Zweifel daran zu, dass eine allgemeine Impfpflicht verhältnismäßig wäre:

  • Sie wäre nicht geeignet, die eigenen pandemiepolitischen Ziele zu erreichen.
  • Sie wäre nicht erforderlich, solange andere, unterschwellige Maßnahmen noch nicht ausgeschöpft sind.
  • Sie wäre nicht angemessen, weil die demokratiebezogenen Kollateralschäden zu groß sind.
  • Eine Impfpflicht auf Verdacht oder auf „Vorrat“ lehnen wir daher ab.

Für weitere Informationen (Faktencheck und Standpunkt) siehe www.individuelle-impfentscheidung.de

Quellen:

  • RP ONLINE, 6.3.22, www.rp-online.de
  • WAZ, 14.2.22, Virologe Streeck:Schluss mit Testeritis, 2G und Impfpflicht, www.waz.de
  • SWR, 11.3.22, Interview: Steigende Corona-Infektionszahlen: Kein Grund zur Sorge?, https://swr.de
  • Tagesschau, 13.1.22, STIKO-Vorsitzender gegen Impfpflicht, www.tagesschau.de
2022-03-16T15:51:58+01:00

Homöopathie und Impfen – eine Studie, die ihren Namen nicht verdient

Eine „Studie“ der OTH Regensburg macht zurzeit die Runde durch Medien, um der Homöopathie eine Mitschuld an der schleppenden Impfkampagne zu geben. Um es vorweg zu nehmen: käme die Studie aus der Homöopathie, wäre sie längst in der Luft zerrissen worden, und zwar zurecht! Weil sie aber in den Mainstream des Homöopathie-bashing passt, wird sie munter genutzt. Daher: wer kritische Studienbetrachtung fordert, wird kritische Studienbetrachtung ernten.

  1. Es wird die Impfbereitschaft von Eltern tituliert, bei sorgfältiger Lektüre stellt man aber fest, dass in der mit n=2014 angegebenen Zahl der auf Stichprobenbasis telefonisch Befragten nur n=461 auf Eltern entfallen, also nur ca. ein Fünftel der insgesamt Befragten .
  2. Die Teilstichprobe der Eltern war wie bereits genannt n=461. Die Auswertung zur „Einstellung zur Homöopathie und Impfbereitschaft von Eltern“ (Tabelle 2) basiert aber nur auf n=375 Eltern. Damit wurden n=86 Eltern ohne Angabe von Gründen aus der Auswertung ausgeschlossen.
  3. Die Frage „Wenn ein Impfstoff gegen das Coronavirus in Deutschland zugelassen wird: Würden Sie sich impfen lassen?“ wird mit seinen 4 Antwortmöglichkeiten von „Sicher nicht“, „eher nein“, „eher ja“ , „Ja sicher“ dem Anspruch der Befragten und potentiellen Impflinge nach umfassender Aufklärung und Risikoabschätzung nicht gerecht. „Eher nicht“ unter der Kategorie Impfverweigerung zu subsumieren ist im Übrigen so lange nicht korrekt, solange Befragte noch gar keine konkreten Daten zur Verfügung haben, mit deren Hilfe sie sich eine sichere und vollständige eigene Meinung bilden könnten.
  4. Die zu beantwortenden Fragen bezüglich Zustimmung zum Impfen sind ausschließlich impfkritisch und haben teilweise verschwörungstheoretische Implikationen. Für ein ausgewogenes Gesamtbild wären womöglich Fragen erforderlich gewesen, die im Gegenzug tatsächlich oder gefühlt das Vertrauen in Pharmaunternehmen, Impfstoffe, Wirksamkeit oder Nebenwirkungen abgefragt hätten
  5. Die Autoren proklamieren einen „signifikanten Zusammenhang zwischen der Haltung zur Homöopathie und der eigenen Impfbereitschaft“. Dabei bleiben konkrete Zahlen oder Prozentangaben, die diese Aussage nachvollziehbar machen würden, im Dunkeln. Eine derartige Intransparenz ist in höchstem Maße unwissenschaftlich.
  6. Die Studie stellt fest, dass die Impfbereitschaft der Eltern mit dem Schulabschluss steigt und bei Befragten mit Hochschulabschluss signifikant höher ist. Die Autoren zitieren außerdem, dass „sich ein gewisses Vertrauen in nicht evidenzbasierte Methoden wie der Homöopathie besonders bei höher gebildeten Eltern zeigt“. Aufgrund der unzureichenden Methodenbeschreibung bleibt aber auch hier unklar, wie die Verteilung der Befragten mit bzw. ohne Hochschulabschluss in der Teilstichprobe „Eltern“ war. Es bleibt zu diskutieren, ob das Ergebnis zur „Einstellung zur Homöopathie und Impfbereitschaft von Eltern“ anders ausfallen würde, wenn ein höherer Anteil von Eltern mit hohem Bildungsabschluss in der Teilstichprobe „Eltern“ vorhanden wäre.
  7. Zum Zeitpunkt der Datenerhebung war noch kein Corona-Vakzin in der EU zugelassen. Da es somit noch keine Informationen über etwaige Nebenwirkungen von Corona-Vakzinen gab, wurde stellvertretend nach der Einschätzung der Häufigkeit ernster Nebenwirkungen bei Grippeimpfungen gefragt. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass für Eltern die potentiellen Nebenwirkungen besondere Bedeutung für ihre Impfentscheidung gegen das Coronavirus haben. Die Studie wurden also zu einem Zeitpunkt durchgeführt, als Antworten überhaupt noch nicht möglich waren.
  8. Die Studie und ihre mediale Rezeption lassen außerdem komplett außer acht, dass zum jetzigen Zeitpunkt die Antworten völlig anders ausgefallen sein könnten, weil inzwischen Erfahrungen mit den Impfstoffen vorliegen und die Entwicklung der Pandemie bis zur aktuell vierten Welle zum Umdenken geführt haben kann.
  9. Insgesamt bleibt festzuhalten, dass der häufig zitierte Zusammenhang zwischen der Impfbereitschaft von Eltern und ihrer Einstellung zur Homöopathie auf der Aussage von 375 Befragten beruht. Wie repräsentativ eine solche Umfrage sein kann muss jeder selbst entscheiden.

Zusammengefasst: Die Studie ist an vielen Stellen nicht transparent, die Beschreibung der Methodik bleibt vage, und Ergebnisse lassen sich nicht schlüssig nachvollziehen. Derzeit wird die Studie trotz ihrer offensichtlichen Mängel dazu benutzt, Stimmung gegen die Homöopathie zu machen, weil Homöopathie angeblich die Impfkampagne behindere und womöglich sogar an Corona-Toten schuld sei. Das Zitieren dieser Studie dient damit einzig und allein dazu, von zahlreichen Fehlern im öffentlichen Umfeld abzulenken und die Homöopathie zum Sündenbock zu machen.

Dr. med. Ulf Riker, 2. Vorsitzender des DZVhÄ

Kennen Sie den DZVhÄ-Standpunkt Homöopathie und Covid-19?

2021-12-01T20:27:30+01:00

DZVhÄ Kommentar zu Spaltungen in Corona Zeiten

Die Corona-Pandemie ist längst nicht mehr allein ein medizinisches Problem, sie hat – auch durch politische und mediale Zuspitzungen – zu einem gesellschaftlichen Ausnahmezustand geführt. Die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guerot hat jüngst in der „Berliner Zeitung“ dazu aufgerufen, „die Hysterisierung aus der Diskussion zu nehmen“. Angesprochen ist damit auch ein sozialpsychologisches Phänomen, das einen Panikmodus ebenso beinhaltet wie Tendenzen der Spaltung. Guerot fordert als Ausweg „einen Raum für legitime Kritik“.

Was hat das mit uns, mit dem DZVhÄ, seinen Landesverbänden und seinen Mitgliedern zu tun? Wir erleben zurzeit eine Polarisierung innerhalb der eigenen Reihen. Mitglieder tragen sich mit dem Gedanken, ihren Berufsverband zu verlassen, wobei die einen das mit fehlendem „Mut“ im Kampf gegen Corona-Auflagen und Impfkampagnen begründen, andere mit dem genauen Gegenteil, nämlich einer in ihren Augen fehlenden Abgrenzung von Corona-Leugnern oder Impfverweigerern.

Ohne Zweifel repräsentieren unsere Mitglieder auch einen Querschnitt unserer Gesellschaft. Vor diesem Hintergrund haben wir im Dezember 2020 in einen „DZVhÄ-Standpunkt: „Selbstverständnis ärztliche Homöopathie“ Stellung bezogen zu Angriffen aus beiden Richtungen. Im März und April 2021 haben wir weitere DZVhÄ-Standpunkte veröffentlicht, und zwar zu „Homöopathie und Covid 19“ sowie zur „Individuellen Impfentscheidung“. In allen drei Stellungnahmen haben wir versucht, legitime Kritik ernst zu nehmen und in eine rationale und nachvollziehbare Balance zu bringen mit den ureigenen Interessen unseres Berufsverbandes: die Homöopathie Hahnemanns vor Angriffen aus allen möglichen politischen, weltanschaulichen oder medialen Richtungen zu schützen.

Dieses Bemühen hat – zugegeben! – nicht selten den Schwierigkeitsgrad einer Quadratur des Kreises. Dass dies unmöglich ist wissen wir alle! Der Versuch sollte dennoch zumindest den ernsthaften und engagierten Willen des gewählten Vorstandes zum Ausdruck bringen. Leider ist es oft wesentlich leichter, Kritik zu üben als bessere Vorschläge zu machen oder sich an Problemlösungen zu beteiligen. Die Homöopathie steht im Fokus einer breiten Phalanx von Gegnern, die mit viral gehenden Falschmeldungen für eine Elimination der Homöopathie aus unserem Gesundheitssystem, am besten auch gleich aus den Köpfen und Herzen der Menschen kämpfen. Es ähnelt einer autoimmunen Selbstdestruktion unserer Gemeinschaft, wenn zeitgleich in den eigenen Reihen Fronten entstehen, an denen eine gemeinsame Verteidigung unserer zentralen Anliegen zu scheitern droht.

Daher appellieren wir an Sie alle: kehren Sie Ihrem Verein und Berufsverband nicht den Rücken, sondern setzen Sie sich im Gegenteil für den Erhalt der Homöopathie ein! Die Fragen rund um Covid-19, Impfungen oder flankierende politische Entscheidungen sind für mündige Bürgerinnen und Bürger in einer offenen und freien Gesellschaft wichtige Denk- und Handlungsfelder, aber eines Tages wird hoffentlich klar sein, dass auch Covid-19 eine medizinhistorische Episode gewesen sein wird, aus der wir – hoffentlich! – sehr viel und Unterschiedliches gelernt haben werden. Dann aber sollte es die Homöopathie immer noch geben, und mit ihr Kolleginnen und Kollegen, die sie praktizieren. Und mit all diesen Menschen – also mit Ihnen und unseren jüngeren und nachfolgenden Kolleg*innen – sollte es auch noch einen starken und handlungsfähigen DZVhÄ geben!

Suchen wir also den Schulterschluss mit Kolleg*innen in der Primärversorgung, pflegen wir respektvollen Umgang miteinander und lassen Sie uns nicht aus den Augen verlieren:  unter dem breiten Dach der Integrativen Medizin und im Sinne von „One health“ werden wir alle mit unserer versammelten Kompetenz gebraucht! Nicht nur heute und im Zusammenhang mit der Pandemie, sondern auch in Zukunft!

Dr. med. Ulf Riker, 2. Vorsitzender des DZVhÄ, für den Vorstand

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2021-07-16T16:14:26+02:00

DZVhÄ Kommentar: Corona-Leugner Beitrag von Frontal21

Frontal 21 ist ein ambitioniertes ZDF-Magazin mit investigativ-journalistischem Anspruch. Unter der Überschrift „Verharmlosen und hetzen“ wurde am 25. Mai über Corona-Leugner berichtet, darunter Soldaten und Polizisten, aber auch Ärzte. Sie leugnen die Gefahren der Pandemie, rufen zum Widerstand gegen die Corona-Schutzmaßnahmen auf und machen sich teilweise mit ihren Aktionen strafbar.

Ohne Zweifel ist es in einer offenen und demokratisch verfassten Gesellschaft erlaubt, veröffentlichte Meinungen und politische Maßgaben kritisch zu hinterfragen, erst recht wenn sie den Anschein der Alternativlosigkeit erwecken können oder Zweifel an ihrer Plausibilität oder Stringenz aufkommen. Dennoch müssen sich Alle an Recht (auch Standesrecht) und Gesetz halten.

Vor diesem Hintergrund stellt der DZVhÄ erneut klar, dass wir uns als Berufsverband von sämtlichen rechtswidrigen, verschwörungstheoretischen, ideologischen, antisemitischen oder antidemokratischen Positionen distanzieren. Gleichzeitig halten wir es für absolut inakzeptabel, wenn Ärzt*innen mit Zusatzbezeichnung Homöopathie in Medien immer wieder in die Nähe grundsätzlicher Impfgegnerschaft gerückt oder mit Corona-Leugnern, Verschwörungstheoretikern oder gar Reichsbürgern in Verbindung gebracht werden.

Wir betonen: homöopathisch tätige Ärzt*innen versorgen Patienten und bekennen sich zu einer konsequenten, umsichtigen sowie fachlich und menschlich souveränen Begleitung ihrer Patient*innen. Viele homöopathisch orientierte Praxen beteiligen sich an der derzeitigen Impfung der Bevölkerung.

Wir vertreten einen integrativ-medizinischen Therapieansatz, der neben allen Optionen der konventionellen Medizin zusätzlich eine homöopathische Ergänzung, manchmal auch Alternative vorsieht. Im Rahmen unserer individualisierenden Vorgehensweise legen wir besonderen Wert darauf, die Resilienz unserer Patient*innen bestmöglich zu fördern und lehnen daher Panikmache oder die Ausübung von politischem oder medialem Druck als immunkompromittierend ab.

Wir bedanken uns an dieser Stelle ausdrücklich bei allen Kolleg*innen unseres Verbandes, die mit großem Engagement und einem bis an die Belastungsgrenzen reichenden Einsatz ihre Patient*innen auch in schwierigen Zeiten der Pandemie umfassend betreuen. Sie machen glaubwürdig deutlich, welchen Stellenwert gerade auch homöopathisch tätige Ärzt*innen in der medizinischen Basisversorgung der Bevölkerung haben.

 

Dr. med. Michaela Geiger, 1. Vorsitzende DZVhÄ, Ärztin, Homöopathie / Notfallmedizin

Dr. med. Ulf Riker, 2. DZVhÄ Vorsitzender, Facharzt für Innere Medizin / Zusatzbezeichnungen Naturheilverfahren und Homöopathie

 

 

 

2021-06-15T09:20:16+02:00

DZVhÄ: Globuli sind nie Impfersatz

Berlin, 3. Mai 2021. Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) hat bereits zu Beginn der Pandemie im Jahr 2020 darauf hingewiesen, dass im Zusammenhang mit Covid-19 zunächst sämtliche Vorgaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) sowie der Gesundheitsbehörden zu berücksichtigen seien. Es wurde außerdem klargestellt, dass die Nennung homöopathischer Einzelarzneien zur Behandlung schwerer Corona-Verläufe unterbleiben sollte, weil dies nicht den Regeln der Homöopathie Hahnemanns entspricht und Patient*innen zu Fehlschlüssen oder unkontrollierter Selbstbehandlung verleiten kann.

Im Laufe der Pandemie haben zahlreiche ärztliche Kolleginnen und Kollegen, die über eine homöopathische Zusatzausbildung sowie langjährige Praxiserfahrung verfügen, in sorgfältiger Abwägung konventionell-medizinischer Notwendigkeiten und individueller Besonderheiten die Erfahrung gemacht, dass gezielt ausgewählte homöopathische Arzneien in der Lage sind, die Krankheits-Symptomatik abzumildern und Krankheitsverläufe abzukürzen. „Für homöopathisch tätige Ärzt*innen gilt das im Übrigen nicht nur bei Covid-19, sondern auch bei anderen, vielfach viralen Infekten, bei denen die Therapieoptionen der konventionellen Medizin nicht selten eingeschränkt sind.  Ob Homöopathie zum Einsatz kommt oder nicht liegt in der freien Entscheidung jedes einzelnen, aufgeklärten Patienten und in der Erfahrung der Ärzt*innen.“ betont Dr. Ulf Riker, 2. Vorsitzender des DZVhÄ.

Impfungen dienen der Vorbeugung von Erkrankungen. Wirksame Impfstoffe sind gerade in einer Pandemie wichtige Hilfen für Menschen, die sich schützen wollen und die auch geschützt werden müssen. Homöopathisch ausgebildete und tätige Ärzt*innen sind nicht automatisch Impfgegner, wie immer wieder unterstellt wird. Riker weist darauf hin, dass „die Abwägung, ob im Einzelfall der erwünschte Impferfolg mögliche Neben- und Folgewirkungen einer Impfung überwiegt, einer sorgfältigen Analyse, Aufklärung und Beratung durch Ärzt*innen mit einschlägiger Erfahrung“ bedarf.

Es bleibt in der Eigenverantwortung einzelner Apotheker*innen, in Eigenregie oder auf Wunsch von Ärzt*innen (oder Heilpraktikern) aus Impfstoffen (oder anderen Medikamenten) homöopathische Präparate herzustellen. Dabei sind arzneimittelrechtliche Vorschriften einzuhalten. Eine explizite Aufklärung darüber, dass diese Präparate definitiv kein Ersatz für eine Impfung sind, ist zwingend erforderlich.

„Ausleitung“ meint im naturheilkundlichen Sinne „Entgiftung“. Impfstoffe sind primär keine „Gifte“, ihre immunologische Wirkung ist erwünscht. Das Auftreten von Krankheitssymptomen nach einer Impfung ist eine Eigenreaktion des Organismus auf die Impfung. Die auftretenden Erscheinungen lassen sich nicht „ausleiten“, aber homöopathisch und individuell behandeln. Präparate aus Krankheitsprodukten oder auch herkömmlichen Arzneien (also auch aus Impfstoffen) können erfahrungsgemäß dazu beitragen, Symptome zu lindern. Dasselbe Ziel lässt sich aber prinzipiell auch mit den bereits bekannten und handelsüblichen homöopathischen Arzneien erreichen.

Der DZVhÄ appelliert an seine Mitglieder, sich der Behandlung von Corona-Patient*innen oder Geimpften mit Folgeerscheinungen mit besonderer Sorgfalt zu widmen, rechtliche Vorgaben zu berücksichtigen, die eigene Erfahrung in der Behandlung von Covid-19 selbstkritisch zu reflektieren. „Dazu gehört, dass wir unsere Patient*innen über Möglichkeiten, Grenzen und Folgewirkungen einer Impfung, einer homöopathischen Begleitung, bei einer unzureichend behandelten Krankheit aber auch über drohende Komplikationen vollumfänglich aufklären. Gegebenenfalls überweisen wir sie an ärztliche Kolleg*innen oder in die Klinik“, sagt Dr. Michaela Geiger, 1. Vorsitzende des DZVhÄ.

Kontakt:

Deutscher Zentralverein homöopathischer Ärzte e.V. (DZVhÄ)
Axel-Springer-Str. 54b, 10117 Berlin
Telefon: (030) 325 9734 0, Fax: (030) 325 9734 19
E-Mail: presse@dzvhae.de
Internet: www.dzvhae.de

2021-05-08T13:13:38+02:00

Dr. med. Stefanie Jahn über Covid-19 Herausforderungen

Gespräch mit Dr. med. Stefanie Jahn über die Herausforderungen, die mit der Covid-19-Pandemie vor uns liegen (April 2020).

Ärztliche Homöopathie: Frau Dr. Jahn, Sie sind Ärztin, unter anderem für Homöopathie, und an einer renommierten Klinik für Naturheilkunde in Deutschland tätig. Wie schätzen Sie heute, sechs Wochen nach offizieller Ausrufung der Covid-19-Pandemie, deren Risikopotenzial generell und, speziell, für die Gesellschaft in Deutschland ein?

Stefanie Jahn: Zunächst: Das SARS-Cov-2-Virus ist ein neuartiges Virus, das sich offenbar schnell verbreitet. Über den Immunschutz wissen wir wenig. Auch die ausgelöste Infektionskrankheit Covid-19 ist in ihrer Komplexität und ihren unterschiedlichen Verläufen neu. Die Medizin – und das gilt für die konventionelle Medizin wie für Naturheilverfahren und die Homöopathie – verfügt über kein Mittel, von dem wir gesichert sagen könnten: es hilft. Studienergebnisse zu den eingesetzten Behandlungsmethoden stehen bislang aus.

Allein die mehrfachen Unbekannten bergen naturgemäß hohe Gefahren. Hinzu kommt, dass wir nicht wissen, wie viele Menschen sich weltweit tatsächlich infiziert haben und wie viele an dem Virus oder mit dem Virus verstorben sind. Wir müssen davon ausgehen, dass die Zahlen erheblich höher sind als die Zahl der offiziell bestätigten Fälle. Zu berücksichtigen sind überdies soziale, psychische und wirtschaftliche Folgeerscheinungen.

Wie beurteilen Sie angesichts dessen das bisherige Vorgehen zur Eindämmung der Pandemie seitens der verantwortlichen Mediziner und Politiker in Deutschland?

Auch wenn die Einschränkungen massiv sind, scheinen mir die Maßnahmen, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und die Klinken auf einen möglichen Ansturm vorzubereiten, bislang vernünftig. Ich habe den Eindruck, dass die Politik sich ihrer hohen Verantwortung bewusst ist, Entscheidungen differenziert trifft und sich neuen Erkenntnissen anpasst, also insgesamt besonnen agiert.

Dabei ist klar, dass eine solche Krise nicht von Einzelnen allein gemeistert werden kann. Wir brauchen eine enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit von erfahrenen Vertretern und Vertreterinnen verschiedener Bereiche: Medizin, Psychologie, Wirtschaft, Soziologie, aber unbedingt auch Kunst und Kultur.

Je länger die Krise und die verhängte, öffentliche Quarantäne dauern, desto wichtiger wird ein Diskurs über unsere Werte, über Prioritäten unseres Lebens und über die Frage, wie wir künftig zusammen leben wollen.

Es ist wie bei jeder Erkrankung: Je schwerer und Existenz bedrohender sie ist, umso wesentlicher wird die Frage notwendiger Veränderungen nach Überwindung der Krise. Damit eröffnen sich auch Chancen.

Die konventionelle Medizin verfügt bislang über keine Arzneimittel, Impfstoffe oder sonstige, Erfolg versprechende Behandlungsmethoden gegen Covid19. – Wie schaut es im naturheilkundlichen und homöopathischen Bereich aus?

Sehr wichtig ist, dass präventive oder symptomatische Maßnahmen unterschieden werden von kausalen bzw. spezifischen Therapien. Kausale Therapien gibt es bislang nicht.

Dies vorangestellt würde ich jedoch nicht sagen, dass die konventionelle Medizin über keinerlei Erfolg versprechende Behandlungsmethoden von COVID-19 verfügt: Ohne intensivmedizinische Maßnahmen würden mit Sicherheit noch viel mehr Menschen sterben. Allerdings stehen diese selbst in industrialisierten Ländern nur einem begrenzten Teil der Bevölkerung zur Verfügung, in anderen Regionen der Welt sogar nur in einer verschwindend geringen Zahl.

Bedenkt man dies, kommt der Vorsorge eine hohe Bedeutung zu. Und hier kann die Naturheilkunde einiges beitragen. Denn die einfachste Form der Prävention ist ein gesundes Immunsystem, unter anderem durch eine vollwertige Ernährung mit Kräutern und Gewürzen, die reich an sekundären Pflanzenstoffen sind, und die antivirale und antibakterielle Potenziale haben. Ätherische Öle und Aromastoffe haben ebenfalls diese Fähigkeiten. Auch Verfahren der Mind-Body-Medizin, wie regelmäßige Atem- und Entspannungsübungen körperliche Betätigung an der frischen Luft, ausreichender Schlaf, Wechselduschen, Nasenspülungen und Inhalationen und dergleichen sind sehr hilfreiche vorbeugende Maßnahmen.

Von homöopathischer Seite gibt es zunehmend mehr Berichte über erfolgreiche Behandlungen von SARS-CoV-2-Infizierten und an Covid-19 Erkrankten, aus Indien, aber auch aus Brasilien, Thailand, China, Kuba, der Türkei und, nicht zuletzt, auch aus Deutschland, Großbritannien, Italien und weiteren europäischen Ländern. Mitunter werden Homöopathika prophylaktisch eingesetzt.

Aber, man muss sehr deutlich sagen: Wir stehen am Anfang dieser Pandemie. Und noch gibt es keine validen, wissenschaftlich fundiert ausgewerteten Daten zu Behandlungsverläufen und -ergebnissen. Zurückhaltung bei Aussagen im Hinblick auf Erfolge der jeweiligen Behandlungsmethoden oder Arzneimittel halte ich momentan für geboten.

Damit vertreten Sie die Linie des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ), der seinen Mitgliedern zu Beginn der Pandemie empfohlen hatte, den Weisungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) zu folgen und zur Zurückhaltung hinsichtlich Aussagen zu angeblichen Möglichkeiten homöopathischer Behandlungen von Covid-19-Erkrankten riet.

Innerhalb des Verbandes gibt es aber auch andere Stimmen: Kolleginnen und Kollegen, die auf einen offensiveren Auftritt der ärztlichen Homöopathen drängen…

Man kann sich an die Vorgaben des RKI halten und sich dennoch offensiv positionieren. Das muss sich nicht ausschließen, und das macht der DZVhÄ meines Erachtens auch in sehr verantwortungsbewusster Form.

Tatsache ist, dass seit Beginn der Corona-Pandemie Homöopathen und Homöopathinnen in vielen Ländern tätig werden. Die Nachfrage nach homöopathischer Behandlung und anderen integrativen Methoden ist groß, auch in Deutschland. Einige Homöopathika beispielsweise sind zeitweise ausverkauft. Ob man mit einer homöopathischen Behandlung bei schweren Fällen wirklich etwas ausrichten kann, wissen wir noch nicht – aber wenn diese Behandlung dazu beiträgt, dass aus den leichteren Anfangsstadien keine schweren Fälle werden, wäre das ein relevanter Beitrag zur Entlastung des Gesundheitssystems.

Es ist sinnvoll und vor dem Hintergrund, dass viele Menschen Homöopathie anwenden, auch wichtig, dass wir uns mit den Chancen, aber auch den Grenzen einer homöopathischen Behandlung auseinanderzusetzen, Behandlungen mit Qualitätsmerkmalen versehen, Erfahrungen analysieren und die Öffentlichkeit darüber informieren.

Der DZVhÄ hat hierzu ein Projekt gestartet, das die Krankheits- und Behandlungsverläufe von homöopathisch behandelten SARS CoV 2/COVID19- Patientinnen und Patienten generieren soll. Ziel ist, mittels einer ausreichenden Anzahl von präzisen Fallaufnahmen eine standardisierte Auswertung zu ermöglichen. Auch auf internationaler Ebene laufen solche Projekte mit dem Ziel, die Daten zusammenzuführen und die Ergebnisse abzugleichen. So funktioniert verantwortungsbewusste, zukunftsorientierte Medizin, sowohl homöopathisch als auch konventionell.

Den „Offensiveren“ unter den homöopathischen Ärzten in Deutschland scheint das nicht zu genügen. Sie sagen, die Homöopathie habe bereits große Erfahrung und kenne auch aus der Erfahrung mit der Bekämpfung von früheren Epidemien wirksame Arzneimittel. Dabei wird vor allem auf angebliche homöopathische Behandlungserfolge während der „Spanischen Grippe“ im Jahr 1918 verwiesen.

Die Geschichte der Homöopathie ist eng verknüpft mit Berichten über positive Erfahrungen bei früheren Epidemien und Pandemien. Große Anerkennung und Popularität bekam die Homöopathie durch ihr Wirken bei Cholera- und Gelbfieberepidemien. Diese Erfolge waren ein Grund, dass die Homöopathie an Popularität gewann und zum Beispiel vor 200 Jahren in Österreich legalisiert wurde. Seitdem ist aber viel passiert: Die konventionelle Medizin hat sich weiterentwickelt, und brachiale Methoden, deren Vermeidung der Homöopathie ebenfalls zu Erfolgen verhalf, gehören überwiegend der Vergangenheit an.

Hinzu kommt, dass die Beurteilung der Ergebnisse homöopathischer Behandlungen während der Spanischen Grippe sehr differenziert erfolgen muss. Allein schon, weil die Methoden – Kriterien und Kontrollen – häufig nicht mehr nachvollziehbar sind, mit denen die Daten erhoben wurden. Diese reichen von statistischen Auswertungen zu unpräzisen Angaben.

Interessant bleiben jedoch Berichte, die darauf hinweisen, dass die Behandlungsergebnisse von Homöopathen umso besser waren, je früher die Behandlung begann. War bereits eine der für die „Spanische Grippe“ typischen Komplikationen wie eine Pneumonie eingetreten, sah die Prognose ähnlich düster aus wie unter der konventionellen Therapie.

Allerdings ist damit noch nicht gesagt, wie die homöopathische Behandlung im Einzelnen aussah – ob ein Konstitutionsmittel, ein Epidemikum, eine Nosode zum Einsatz kamen; auch nicht, ob und welche Zusatzmaßnahmen ergriffen oder unterlassen wurden. Zu berücksichtigen sind auch Ort und Zeitpunkt der Behandlung. Fand sie zu Beginn oder am Ende der Pandemie der Spanischen Grippe statt, als die Todesrate generell geringer war, oder im Oktober und November 1918, als die Seuche offenbar am virulentesten war und weltweit die meisten Menschen verstarben.

Was folgt daraus für die Corona-Pandemie? Was soll und kann, Ihrer Ansicht nach, ein homöopathischer Arzt, eine homöopathische Ärztin jetzt und heute tun? Wie kann und sollte der Verband sich in die Debatte um mögliche Vorsorgemaßnahmen und Behandlungsformen einbringen?  

Seit einigen Tagen liegen die Ergebnisse einer FORSA-Umfrage vor. Dieser zufolge ziehen 60 Prozent der Befragten eine homöopathische Behandlung im Falle einer COVID-19 Erkrankung in Betracht. Rund 40 Prozent der Befragten befürworten die Erforschung von Methoden zur Vorbeugung gegen eine Infektion mit dem Corona-Virus und der Behandlung von COVID-19 nicht nur mit der konventionellen, sondern auch der homöopathischen Medizin.

Überdies sitzen die Menschen nicht auf einen Impfstoff wartend da. Sie möchten etwas für sich, für ihre Gesundheit und für ihr Immunsystem tun. Eine Infektion mit dem Corona-Virus verläuft sehr unterschiedlich, auch bei Menschen mit Vorerkrankungen. Das heißt, der Prävention einer Infektion und der Vorbeugung eines schweren Verlaufs bei einer Infektion kommt eine große Bedeutung zu. Hier kann die Homöopathie eine Rolle spielen.

Viele homöopathische Ärztinnen und Ärzte weltweit behandeln Corona-Infizierte bzw. an COVID-19 Erkrankte. Behandlungen müssen unter Einbeziehung der zur Verfügung stehenden diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten stattfinden. Integrative Methoden wie Homöopathie, anthroposophische Medizin, Naturheilverfahren und Traditionelle Chinesische Medizin sollten hier einbezogen werden, und Forschung muss auf der Grundlage einer guten medizinischen Praxis (Good Medical Practice) stattfinden.

Der DZVhÄ sollte auf die Potentiale einer homöopathischen Behandlung während der Corona-Pandemie hinweisen und hierfür mit den Verantwortlichen in Kontakt treten. Ein Ziel sollte die Erforschung homöopathischer Behandlungen und ihrer Effekte bei der derzeitigen Pandemie sein. Ihren Mitgliedern sollte der Verband Forum sein, Erfahrungsaustausch ermöglichen und Handlungsempfehlungen geben.

2021-03-31T11:39:31+02:00

DZVhÄ Standpunkt: Homöopathie und Covid-19

Die Sicherheit der Patientinnen und Patienten steht für uns Ärztinnen und  Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Homöopathie im Mittelpunkt des Handelns. Hierin unterscheiden wir uns nicht im Geringsten von unseren ärztlichen Kolleginnen und Kollegen anderer Fachrichtungen. Wir bieten jedoch an Covid-19 erkrankten Patient*innen –  wenn dies gewünscht wird und medizinisch sinnvoll erscheint – auch eine therapeutische Begleitung mit homöopathischen Arzneien an.  Ärzt*innen unterliegen ihrer Berufsordnung und sind für die Folgen ihres Handelns jeweils verantwortlich.

Die Position des DZVhÄ ist eindeutig:

  1. Wir tragen die politisch legitimierten und medizinisch notwendigen Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung mit. Gleichzeitig wünschen wir uns eine nachvollziehbare und längerfristige Strategie, die sich nicht nur an tagesaktuellen Zahlen, sondern an plausiblen Zielen orientiert.
  2. Wir behalten uns als Ärzt*innen mit Zusatzbezeichnung Homöopathie vor, unsere Patient*innen homöopathisch zu begleiten, sofern das entsprechende Vorgehen nicht zur Unterlassung anderer notwendiger medizinischer Maßnahmen führt.
  3. Wir erwarten eine differenzierte Aufklärung der Bevölkerung über Hintergründe und Zusammenhänge der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Hierzu gehören auch Transparenz und eine bessere Kommunikation hinsichtlich aller Fakten im Zusammenhang mit der Covid-19-Impfung – wir fordern, dass Impfstoffe sowohl in den Hausarztpraxen für Kassen- als auch bei den Privatärzten angeboten werden.
  4. Wir erwarten eine konsequente wissenschaftliche Begleitung aller Maßnahmen und ihrer Ergebnisse, nicht zuletzt auch der medizinischen, psychologischen und sozialen Kollateralfolgen. Deshalb fordern wir eine professionelle, interdisziplinäre Betreuung für Kinder und Jugendliche.
  5. Von Seiten der homöopathisch orientierten Ärzteschaft gibt es keine Berührungsängste zur konventionellen Medizin. Es wäre wünschenswert, wenn in einer absoluten medizinischen Ausnahmesituation wie der aktuellen Pandemie homöopathische Angebote auch von Seiten der konventionellen Medizin im Interesse der Patient*innen Tolerierung fänden.

▶ Wir stellen fest: die angeordneten Maßnahmen sowie die Pandemie an sich bedeuten Stress und lösen in der Bevölkerung Ängste aus. Beide Faktoren bergen die Gefahr der Schwächung körpereigener Abwehrleistung. Die Stärkung des Immunsystems ist, unabhängig von den zu erwartenden Effekten der Impfung ein wichtiges Ziel im Kampf gegen die Pandemie. Auf dieses Ziel sollten Politik und Medizin mehr als bisher ihr Augenmerk richten. Homöopathie kann hier, neben anderen Maßnahmen, helfen und sich bewähren.

Der Vorstand des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) im April 2021

2021-04-08T17:04:11+02:00

DZVhÄ-Standpunkt: Individuelle Impfentscheidung

Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte e.V. (DZVhÄ) hat bereits 2018 ausführlich und differenziert zum Thema „Impfen“ Stellung genommen. Aus aktuellem Anlass sind die Kernaussagen im Folgenden nochmals zusammengefasst und ergänzt.

  1. Als homöopathisch tätige Ärzt*innen haben wir dasselbe akademische Fundament wie alle unsere Kolleg*innen. Zum Kernbestand ärztlichen Handelns gehört selbstverständlich auch die Präventivmedizin. Impfungen sind vorbeugende Maßnahmen, um Infektionskrankheiten möglichst zu verhindern. Das gilt prinzipiell auch in Pandemie-Zeiten.
  2. Homöopathisch tätige Ärzt*innen sind keine Impfgegner. Im Rahmen unserer besonderen Qualifikation beurteilen wir Krankheiten parallel zum konventionellen medizinischen Vorgehen immer auch individuell. Dasselbe gilt im Zusammenhang mit Impfungen: individuelle Impfberatung versetzt Menschen in die Lage, ihre Impfentscheidung souverän, verantwortlich und faktenbasiert selbst zu treffen.
  3. Homöopathische Ärzt*innen beraten unter Berücksichtigung der jeweils aktuellen STIKO-Empfehlungen (Ständige Impfkommission). Abweichungen von diesen Empfehlungen setzen laut Bundesgerichtshof gewichtige Bedenken ernsthafter Stimmen der medizinischen Wissenschaft voraus. Der individuelle Gesundheitszustand eines Menschen kann ebenfalls Gesichtspunkt gegen eine konkrete Impfung sein.
  4. Impfungen sind – juristisch betrachtet – immer auch Körperverletzungen (1), die nur dann straffrei sind, wenn Patient*innen bzw. bei Kindern deren Eltern nach umfassender Aufklärung eingewilligt haben. Dem hohen Wert der Selbstbestimmung über die eigene Gesundheit ist jede öffentliche Empfehlung untergeordnet.
  5. Impfempfehlungen sind Leitlinien, die entsprechend individueller Besonderheiten (Konstitution, Vorerkrankungen, bestehende Krankheiten) im Einzelfall angepasst werden müssen. Nur so lassen sich gesellschaftliche Erfordernisse (Verhinderung von Ansteckungen durch hohe Impfraten) und Persönlichkeitsrechte (Erhalt der eigenen Gesundheit) miteinander vereinbaren.
  6. Die Aufklärung über Impfungen muss umfassend, sachlich, wertneutral und ergebnisoffen auf Basis möglichst objektiver Informationen erfolgen. Die Rechtsprechung des BGH fordert auch eine Aufklärung über seltene Risiken der Impfung. Homöopathisch tätige Ärzt*innen sind sich der besonderen Anforderungen an Qualität und Umfang einer verantwortungsvollen Aufklärung über Ziele und Risiken einer Impfung stets bewusst.
  7. Hinweise auf mögliche Nebenwirkungen von Impfungen oder nachfolgende gesundheitliche Beeinträchtigungen müssen in jedem Fall vorurteilsfrei dokumentiert und wissenschaftlich nachverfolgt werden. Meldungen bei der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft oder beim Paul-Ehrlich-Institut sind auch für homöopathisch tätige Ärzt*innen selbstverständlich.
  8. Es gibt keine „homöopathischen Impfungen“! Homöopathische Arzneien können keine nachweisbare Immunität hervorrufen. Anderslautende Aussagen oder Empfehlungen lehnen wir strikt ab.
  9. Unter Berücksichtigung konstitutioneller Aspekte und aktueller Symptome können homöopathische Arzneien zur Stärkung des Immunsystems beitragen und im konkreten Einzelfall Krankheitsverläufe günstig beeinflussen. Dessen ungeachtet tragen homöopathisch tätige Ärzt*innen in Fällen von Epidemie oder Pandemie allgemeine öffentliche Schutzmaßnahmen mit.
  10. Der DZVhÄ und seine ärztlichen Mitglieder bekennen sich zu einer Integrativen Medizin, die konventionelle Diagnose- und Behandlungs-Strategien ebenso berücksichtigt wie komplementäre Therapieansätze. Im Zentrum der Bemühungen steht auch bei homöopathisch tätigen Ärzt*innen immer die Gesundheit und Therapiesicherheit der Patient*innen. Das betrifft präventive und kurative Ansätze in gleicher Weise.

Die Kooperation mit Kolleg*innen anderer Fachrichtungen ist für homöopathisch tätige (Fach-) Ärzt*innen selbstverständliche Praxis. In Zeiten der Pandemie oder anderer großer gesundheitspolitischer Herausforderungen gilt diese Bereitschaft zur Kooperation besonders auch im Bereich der Gesundheitspolitik, sofern gute Gründe und politische Legitimation bestehen. Wir sind uns der besonderen ärztlichen Verantwortung jederzeit bewusst, stellen unsere spezielle Qualifikation aber auch selbstbewusst in den Dienst unserer Patient*innen und der Gesellschaft.

 

(1) Bundesgesundheitsblatt, S. 520: https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/1581/20QaF5yEusvNc.pdf?sequence=1

 

Erstellt: 7. März 2021 | Zuletzt geändert: 7. Dezember 2021

2021-12-07T12:18:25+01:00

Fortbildung: DZVhÄ Diplom Punkte und Corona-Pandemie

Seit einem Jahr hält uns die Corona-Pandemie fest im Griff. Aufgrund beruflicher und persönlicher Belastungen kommt die Fortbildung daher manchmal zu kurz. Viele Angebote wurden auch abgesagt und das Sammeln der notwendigen Punkte so zusätzlich erschwert.

Das Homöopathie-Diplom ist ein besonderer und von Krankenkassen wie Patienten anerkannter Qualifikationsnachweis. Um dieses Qualitätsversprechen langfristig halten zu können, sind die Richtlinien zum Diplom eine verbindlich einzuhaltende Grundlage. Um Ärger im Zusammenhang mit der Beantragung eines neuen Diploms zu vermeiden, bitten wir Sie daher, den hierfür notwendigen Nachweis von 100 Punkten aus den letzten fünf Jahren auch in der derzeitigen Lage nicht aus dem Blick zu verlieren.

Folgende ausgewählte Möglichkeiten des Punkteerwerbs möchten wir in Erinnerung rufen:

  • Nehmen Sie vom 13.-15. Mai 2021 von zu Hause an der Übertragung des live-Streams des Deutschen Ärztekongresses für Homöopathie teil (20 Punkte).
  • Nehmen Sie an anderen online-Fortbildungsangeboten teil. Diese finden Sie unter: www.weiterbildung-homoeopathie.de > Veranstaltungssuche (Kalender) > Schnellsuche nach Kategorien > Fernseminar/Webinar (Fortbildung).
  • Sammeln Sie Punkte durch das Selbststudium Ihrer AHZ: 3 Punkte pro Ausgabe. Alle Infos dazu finden Sie in der AHZ.

Foto: iStock.com/Studenten2

2021-04-26T16:48:31+02:00

DZVhÄ Standpunkt: Corona-Newsticker der HG

Aus Sicht des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) haben alle gesellschaftlichen Gruppierungen (nicht nur) in Corona-Zeiten die Verantwortung, das Miteinanderleben in unserer Gesellschaft kritisch zu begleiten – aber nicht zu polarisieren oder gar zu spalten. Die Anti-Homöopathie-Kampagne trägt ihren Teil zur Verunsicherung der Bevölkerung bei. Zusätzlich stellt ein „Corona-Newsticker“ der Hahnemann-Gesellschaft vom Dezember 2020 die von Politik und Wissenschaft veranlassten Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung in Frage. Beides bringt die ärztliche Homöopathie in Misskredit.

Bereits im November 2020 hatte der DZVhÄ aus aktuellem Anlass eindeutig Stellung bezogen zu medialen Verknüpfungen der Themen „Homöopathie“ einerseits und „Impfgegnern“, „Corona-Leugnern“ oder radikalen politischen oder ideologischen Sichtweisen im Umfeld der Covid-19-Pandemie andererseits, in DZVhÄ-Positionspapier heißt es unter anderem:

Wir leugnen nicht die Schwere der Covid-19-Pandemie, aber wir warten nicht allein auf einen Impfstoff, sondern bieten den Betroffenen – wenn gewünscht – im Krankheitsfall und bis sichere Impfstoffe vorhanden, sind eine therapeutische Begleitung mit homöopathischen Arzneien an.

Die Sicherheit der Patientinnen und Patienten steht für Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Homöopathie im Mittelpunkt des Handelns. Hierin unterscheiden wir uns nicht im Geringsten von ärztlichen Kolleginnen und Kollegen anderer Fachrichtungen.

Die Verlautbarung der Hahnemann-Gesellschaft (Dezember 2020) erfordert aus unserer Sicht eine erneute Klarstellung:

  1. In einem Beitrag von Deutschlandfunk Kultur wird die Hahnemann-Gesellschaft als „Deutschlands führende Homöopathie-Organisation“ vorgestellt. Diese Darstellung ist falsch: Mit einer um den Faktur 100 größeren Mitgliederzahl ist der DZVhÄ mit Abstand der größte Berufsverband von (Fach-) Ärzt*innen mit Zusatzqualifikation Homöopathie. Der DZVhÄ ist darüber hinaus primärer Ansprechpartner der Ärztekammern im Zusammenhang mit der Erlangung der Zusatzbezeichnung sowie auch der gesetzlichen Kostenträger im Rahmen der Kostenübernahme.
  2. Der DZVhÄ distanziert sich klar und eindeutig von allen Aussagen der Hahnemann-Gesellschaft, die als Verharmlosung der Covid-19 Pandemie verstanden werden können.
  3. Der DZVhÄ distanziert sich speziell von den Aussagen, die Schutzmaßnahmen (AHA-Regeln) seien „wirkungslos“, Impfungen seien „unnötig“ und „symptomlose Virusträger seien nicht ansteckend“.
  4. Solange täglich in Deutschland und weltweit tausende Menschen nicht nur mit, sondern auch an Covid-19 sterben, halten wir die Äußerung für zynisch, auch diese Pandemie sei selbstlimitierend. Die Folgen der Verharmlosung der Pandemie zeigen sich aktuell in erschütternder Deutlichkeit in anderen Ländern, z.B. in den USA oder in Brasilien
  5. Der DZVhÄ weist darauf hin, dass auch für Ärzt*innen Meinungsfreiheit besteht. Ärzt*innen unterliegen freilich auch ihrer Berufsordnung und sind für die Folgen ihres Handelns jeweils selbst verantwortlich. Die Verantwortung für eine gelingende Pandemiebekämpfung und den Schutz der Bevölkerung können einzelne Ärzt*innen nicht übernehmen, deshalb liegt diese Verantwortung bei der Politik und ihren professionellen Beratern.

Die Position des DZVhÄ ist eindeutig:

  1. Wir tragen die politisch legitimierten und medizinisch notwendigen Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung mit. Gleichzeitig wünschen wir uns eine nachvollziehbare und längerfristige Strategie, die sich nicht nur an tagesaktuellen Zahlen, sondern an plausiblen Zielen orientiert.
  2. Wir behalten uns als Ärzt*innen mit Zusatzbezeichnung Homöopathie vor, unsere Patient*innen homöopathisch zu begleiten, sofern diese das wünschen und das entsprechende Vorgehen nicht zur Unterlassung anderer notwendiger medizinischer Maßnahmen führt.
  3. Wir erwarten eine differenzierte Aufklärung der Bevölkerung über Hintergründe und Zusammenhänge der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Hierzu gehören auch Transparenz und eine bessere Kommunikation hinsichtlich aller Fakten im Zusammenhang mit der Covid-19-Impfung.
  4. Wir erwarten eine konsequente wissenschaftliche Begleitung aller Maßnahmen und ihrer Ergebnisse, nicht zuletzt auch der medizinischen, psychologischen und sozialen Kollateralfolgen.
  5. Wir stellen fest: die angeordneten Maßnahmen sowie die Pandemie an sich bedeuten Stress und lösen in der Bevölkerung Ängste aus. Beide Faktoren bergen die Gefahr der Schwächung körpereigener Abwehrleistung. Die Stärkung des Immunsystems ist, unabhängig von den erwarteten Effekten der Impfung ein wichtiges Ziel im Kampf gegen die Pandemie. Auf dieses Ziel sollten Politik und Medizin mehr als bisher ihr Augenmerk richten. Homöopathie kann hier, neben anderen Maßnahmen, helfen und sich bewähren.

Der DZVhÄ-Vorstand im Januar 2021, mitgetragen von den Vorständen der Landesverbände

Dr. Michaela Geiger – 1. Vorsitzende

Dr. Ulf Riker – 2. Vorsitzender

Dr. Gerhard Antrup – Vorstand Finanzen

Dr. Alexandra Schulze-Rohr – Vorstand Fort- und Weiterbildung

Dr. Ursula Dohms – 1. Vorsitzende Berlin Brandenburger Verein homöopathischer Ärzte

Dr. Katharina Kunze – 1. Vorsitzende LV Sachsen / Sachsen-Anhalt

Dr. Sieglinde Lauer – 1. Vorsitzende LV Hessen / Rheinland-Pfalz / Saarland

Dr. Peter Emmrich – 1. Vorsitzender LV Baden-Württemberg

Dr. Peter Großgott – 1. Vorsitzender LV Thüringen

Dr. Anja Hölscher – 1. Vorsitzende LV Hamburg / Schleswig-Holstein

Dr. Ulf Riker – 1. Vorsitzender LV Bayern

2021-03-22T12:11:51+01:00
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