Streit der ‚Grünen‘ um die Homöopathie

Streit der ‚Grünen‘ um die Homöopathie

Wer lauter ist, hat recht?
Ein „Lehrstück“ innerhalb der Homöopathie Debatte

Kritik ist nichts Ungewöhnliches für Vertreter der Homöopathie. Auch die Auseinandersetzung mit Klischees, Halbwahrheiten oder Missverstandenem oder Missverständlichem ist, leider, Teil unseres Alltags.

Die Vehemenz allerdings, mit der Kritiker derzeit gegen die Homöopathie zu Felde ziehen, mit der einzelne Journalisten alle ethischen Grundsätze über Bord werfen und ihre Machtposition in meinungsbildenden Medien nutzen, um der Homöopathie das Existenzrecht abzusprechen, ist neu.

Und neu ist auch, dass die Debatte eine politische Partei förmlich zu zerreißen droht – noch dazu eine, die eben gerade dabei ist, von der Nischen- und Klientelpartei zur Volkspartei zu werden: B90/Die Grünen.

Ein Antrag auf dem Parteitag im November 2019, eingebracht von einer Gruppe der „Jungen Grünen“ war der Auslöser für ein Beben, von dem das „Handelsblatt“ schrieb: „Die Grünen tun sich leichter eine gemeinsame Position zur Globalisierung zu finden, als eine zu den Globuli.“

Es brauchte eine erhebliche Kraftanstrengung etablierter Parteimitglieder, um die Angelegenheit nicht zu einem öffentlich ausgetragenen Streit werden zu lassen. Die Einsetzung einer Sondierungskommission schien die Lösung. Doch auch diese scheiterte. Der Bundesvorstand sah sich wegen fortgesetzten Fehlverhaltens der Homöopathie-Kritiker und „jungen Wilden“ veranlasst, die Kommission wieder abzusetzen. Weil diese Auseinandersetzung, erstens, noch nicht zu Ende ist und, zweitens, ihr Ausgang von erheblicher, politischer Bedeutung sein könnte, dokumentieren wir hier in etwas ausführlicherer Form, den „grünen Streit um die Homöopathie“

Im November 2019 reichten die „Jungen Grünen“ ihren Antrag auf der Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis90/Die Grünen in Bielefeld ein (Antrag V-01 „Echter Patient*innenschutz: Bevorteilung der Homöopathie beenden!“)

In einem wissenschaftlichen Gutachten wiesen Dr. med. Harald J. Hamre und Dr. med. Helmut Kiene von der Universität Witten / Herdecke auf falsche bzw. irreführende Aussagen in diesem Antrag hin. Sie zeigen, dass die vermeintlich „wissenschaftlichen Erkenntnisse“, auf die sich die Antragsteller berufen, mehr oder weniger ungeprüfte populäre Meinungsäußerungen sind. Stellungnahme des INH zum Wissenschaftlichen Gutachten vom 09.12.2020), in der die Unterzeichner der Stellungnahme Dr. Natalie Grams, Dr. ing. Norbert Aust und Udo Endruscheit die hervorgebrachte Kritik an der Homöopathie (keine Evidenz, keine Studien, erhöhtes Risiko wegen Verzögerung einer angebrachten Therapie) zu rechtfertigen versuchen.

Dr. med. Harald J. Hamre und Dr. med. Helmut Kiene antworteten auch auf dieses Schreiben des INH mit einer weiteren Stellungnahme, in der sie nicht weniger als 11 Aussagen des INH richtigstellen. (siehe Stellungnahme vom 30.01.2020 mit dem Titel „Eine Serie falscher Aussagen“).

Foto: istock.com/kritchanut