Stellungnahme des DZVhÄ zum Thema Impfen

Berlin, 23. Januar 2018.

Impfungen sind Vorbeugung, manchmal auch Risiko

Schutzimpfungen gehören zu den präventiven medizinischen Maßnahmen in der Medizin; sie können bis zu einem gewissen Grad Infektionskrankheiten verhindern und auch die Möglichkeit der Ansteckung für Ungeimpfte verringern. Unter bestimmten, wenn auch seltenen Umständen können sie schwer wiegende Reaktionen mit vorübergehenden oder bleibenden Schäden hervorrufen. Wie für jede andere präventive medizinische Maßnahme muss eine Diskussion über möglichen Nutzen und mögliche Risiken auch für Impfungen legitim sein und auf einem sachlichen Niveau geführt werden.

Homöopathische Ärzte sind keine Impfgegner

Homöopathische Ärzte sind keine Impfgegner. Homöopathische Ärzte setzen lediglich auf eine individuelle Impfentscheidung durch eine auf die einzelne Person und ihre Umwelt abgestimmte Impfberatung. Das beinhaltet eine auf die speziellen Verhältnisse abgestellte Aufklärung über das Für und Wider, damit der Betroffenen für sich abwägen kann, welche Impfungen für ihn wann angezeigt wären. Homöopathische Ärzte beraten entsprechend der Empfehlungen der Ständigen Impfkommission. Kampagnen von Impfgegnern sind unseriös und gefährlich, wenn sie pauschal alle Impfungen ablehnen.

STIKO-Empfehlungen

Die öffentlichen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) sind sorgfältig erwogen und berücksichtigen den aktuellen Stand des Wissens mit der Absicht, das Auftreten vieler Infektions­krankheiten grundsätzlich zu verhindern. Diese Empfehlungen sind kein Gesetz, geben aber den medizinischen Standard vor, von dem laut Bundesgerichtshof nur abgewichen werden kann, wenn gewichtige Einwände anerkannter Fachleute vorliegen oder wenn eine Impfung im Einzelfall wegen des Gesundheitszustands des Patienten nicht zulässig ist.

Andererseits ist jede Impfung juristisch eine Körperverletzung, die nur dann straffrei ist, wenn der Patient bzw. dessen Eltern nach umfassender Aufklärung zugestimmt haben. Die geforderte Entschei­dung kann ihnen weder vom impfenden Arzt noch von einer öffentlichen Empfehlung abgenommen werden. Dem hohen Wert der Selbstbestimmung über die eigene Gesundheit ist jede öffentliche Empfehlung untergeordnet.

Interessenskonflikt zwischen Individuum und Gesellschaft

Im öffentlichen Gesundheitsdienst ist die Verhinderung von Ansteckung ein oberstes Ziel, dem eine möglichst hohe Impfrate dient. Für den einzelnen Menschen ist Förderung und Erhaltung der eigenen Gesundheit der höchste medizinische Anspruch. Nicht immer lassen sich beide Forderungen gleich­zeitig erfüllen. In der individuellen Medizin ist jeder Fall ein besonderer Einzelfall. Eine Impf­empfehlung kann daher nur Leitlinie sein, die gemäß der individuellen Besonderheiten dem Einzelfall angepasst werden muss. Dabei müssen Konstitution, Vorerkrankungen und bestehende Krankheiten sowie Patientenpräferenzen berücksichtigt werden.

Aufklärung

Die Entscheidung, gerade ein Kind gegen bestimmte Krankheiten zu impfen oder nicht zu impfen, ist von Bedeutung für dessen weitere gesundheitliche Entwicklung. Dies stellt beson­dere Anforderungen an Qualität und Umfang der vorausgehenden Aufklärung durch den verant­wortlichen Arzt, die außer den juristisch geforderten Inhalten (wie Verlauf, Risiken und Behandlungs­möglichkeiten der jeweiligen Erkrankungen, Wirksamkeit, Wirkdauer und bekannte unerwünschte Arzneiwirkungen der entsprechenden Impfungen) unbedingt auch die individuelle gesundheitliche und soziale Lebenssituation des Impflings berücksichtigen muss. Dieses Aufklärungsgespräch muss sachlich, wertneutral und ergebnisoffen auf der Grundlage möglichst objektiver Informationen geführt werden.

Selbstbestimmung

Eine nach sorgfältiger Impfaufklärung verantwortlich getroffene Entscheidung für oder gegen bestimmte Impfungen ist zu akzeptieren. Gemäß der Ottawa-Charta der Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordern wir, „allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen.“

Reaktionen dokumentieren und melden

Treten im engen zeitlichen Zusammenhang mit einer durchgeführten Schutzimpfung gesund­heitliche Beeinträchtigungen des Impflings auf, sind diese vorurteilsfrei zu dokumentieren und durch den verant­wortlichen Arzt an die Arzneimittel­kommission der deutschen Ärzteschaft oder das Paul-Ehrlich-Institut zu melden. Eine vorschnelle Einstufung des Ereignisses als unabhängig von der Impfung verhindert eine aussagekräftige Erfassung möglicher unerwünschter Arzneiwirkungen und eine sofortige sinnvolle Therapie auch leichterer Impffolgen.

Keine „homöopathische Impfung“

Es gibt keine „homöopathischen Impfungen“. Kein homöopathisches Mittel ist in der Lage, eine nachweisbare Immunisierung hervorzurufen. Vor dem Ersatz einer notwendigen Impfung durch die Einnahme homöopathischer Medikamente wird gewarnt.

Ganz anders ist die homöopathische Vorbeugung von Erkrankungen zu bewerten. Sie ist mög­lich, wenn im Rahmen einer Epidemie oder bei ansteckenden Krankheiten im persönlichen Umfeld die zu erwartende Krankheit in ihren Besonderheiten und charakteristischen Symptomen bekannt ist und das geeignete homöopathische Arzneimittel, auch unter Berücksichtigung der individuellen Besonder­heiten des Ansteckungsgefährdeten, sorgfältig ausgewählt wird.

Homöopathischen Ärzte sind ausgebildete „Schulmediziner“

Die über 7.000 homöopathischen Ärzte in Deutschland sind alle ausgebildete „Schulmediziner“ mit einer staatlichen Zulassung (Approbation). Sie haben zusätzlich eine Ausbildung zur Homöopathie abgeschlossen, die von den Ärztekammern offiziell vergeben wird.

Die ärztliche Homöopathie versteht sich in erster Linie als integrative Medizin. Homöopathische Ärzte stellen konventionelle Medizin und Homöopathie nicht in einen Widerspruch, sondern praktizieren ein Miteinander der Methoden.