Interview mit Frau Dr. Claudia Levin – Homöopathie in der Palliativmedizin

Zur Person: Frau Dr. Levin ist
– Fachärztin für Innere Medizin und Allgemeinmedizin
– Lehrbeauftragte an der TU München
– Seit 1995 palliativmedizinisch an Hospizen tätig
– Mitautorin von Büchern zur Palliativmedizin inkl. Homöopathie
– Delegierte der Bayerischen Landesärztekammer


Bitte erzählen Sie uns kurz, wie Sie als Ärztin zur Palliativmedizin und zusätzlich zur Homöopathie gekommen sind.

Als junge Ärztin mit vier Kindern gründete ich nach fünf Jahren Klinik eine Landarztpraxis. Dort kamen junge Mütter mit dem Wunsch auf mich zu, ich möge doch bitte fortführen, was sie bei ihren Hebammen erlebt hätten: die Homöopathie. Ich habe mich daraufhin mit dieser für mich damals noch unbekannten Therapiemethode beschäftigt, Arzneimittelbilder gelesen und gelernt und mich Schritt für Schritt in die Welt der Kügelchen eingearbeitet.

Die Palliativmedizin kam erst später dazu, als ich anfing, HIV-Patienten zu behandeln. In den 80er und Anfang der 90er Jahre gab es noch keine wirksame Therapie. Man konnte die Betroffenen als HIV-Behandler nur so gut es ging in ihren Leiden bis zum Schluss begleiten.

Haben Sie ein besonderes Erlebnis, das Ihnen die Homöopathie als hilfreiche Therapie näher gebracht hat?

Ja, wir hatten damals einen Diamantfasanen mit einer offenen Fraktur am Bein. Die Universitätstierklinik gab ihn uns nach längerer Behandlung mit dem Hinweis zurück, da sei nichts mehr zu machen. Ich habe es dann mit meinen noch eher bescheidenen homöopathischen Kenntnissen versucht, und das Tier wurde tatsächlich wieder gesund.

Stoßen Sie mit Ihren konventionellen palliativmedizinischen Optionen an Grenzen, und wenn ja: wo liegen diese?

Nach meiner Erfahrung liegen die Grenzen oft im emotional-mentalen Bereich: häufig haben Sterbende Angst vor Vergiftung, es bestehen Kontrollzwänge oder es fehlt das Vertrauen in die medizinischen Einrichtungen. Diese Barriere kann mit dem gezielten Einsatz einiger homöopathischer Arzneien oft überwunden werden. Die Arzneimittelbilder mancher „großer“ Mittel geben sehr klare Hinweise auf ihre Einsatzmöglichkeit. Z.B. kann Arsenicum album die Angst so spürbar lindern, sodass die Menschen dann auch wieder für andere konventionelle Therapien offen sind. Oder: Unruhezustände mit Schreien, Schimpfen, Fluchen lassen sich oft erstaunlich gut mit Hyoscyamus dämpfen, vielleicht sogar besser und zumindest nebenwirkungsärmer als mit Neuroleptika, deren leitliniengerechter Einsatz z.B. bei Demenz oder Delir ohnehin eingeschränkt ist.

Wie kommt Ihr Einsatz von Homöopathika in den entsprechenden Einrichtungen an?

Ich habe erlebt, dass Mitarbeiter in Hospizen zunächst skeptisch reagierten. Sie dachten, ich wolle ohne Not z.B. Opiate oder Sedativa einsparen. Überzeugend war dann, wenn zum Beispiel Patienten, die im Rahmen ihrer Amyotropher Lateralsklerose große Angst zu ersticken hatten und deshalb einen extremen Kontrollzwang und generelles Misstrauen gegenüber dem Pflegepersonal entwickelten, nach homöopathischen Mittelgaben zugänglicher und vertrauensvoller wurden, was natürlich die Arbeit mit ihnen enorm erleichterte.

Können Sie noch andere Beispiele für den Einsatz homöopathischer Arzneien nennen?

Atemnot ist in vielen Fällen ein in der Sterbephase starke Ängste auslösendes Symptom. Wenn man hier mit der klassischen Medikation aus Morphium und Sedativa keinen wirklichen Erfolg hat, kommt der Patient manchmal unter einem der klassischen homöopathischen Sterbemittel besser zur Ruhe.

Was möchten Sie jüngeren Kolleginnen und Kollegen mit auf den Weg geben, wenn sie sich für Palliativmedizin und Homöopathie interessieren?

Zunächst: Jeder Arzt und jede Ärztin ist zumindest für seinen Bekanntenkreis auch Experte für medizinische Not-Situationen. Das Lebensende mit schwerer Krankheit ist ein solcher medizinischer Notfall. Zum Glück kann die moderne Palliativmedizin hier wesentliche Erleichterung bringen. Man kann sie in den unterschiedlichsten Fortbildungsformaten erlernen.

In Grundzügen sollte jeder Arzt, gleich welcher Fachrichtung er angehört, mit den Grundzügen der Palliativmedizin vertraut sein

Manche Menschen scheuen Nebenwirkungen von Medikamenten besonders. Dazu gehören selbstverständlich Schwangere und junge Eltern, aber auch Patienten mit chronischen oder onkologischen Erkrankungen. Hier ist es gut, wenn man alternativ oder ergänzend nebenwirkungsarme Methoden anbieten kann. In meiner ärztlichen Praxis waren das besonders Akupunktur und Homöopathie, aber auch Osteopathie, Aromatherapie oder Hypnotherapie nach Erickson.

Gibt es für Sie eine Art Credo hinsichtlich der Palliativmedizin?

Wie schon erwähnt bin ich überzeugt, dass jeder Arzt eine gewisses palliatives Grundwissen haben sollte. Der Grundstein dafür wird seit etlichen Jahren bereits im Studium gelegt.  Wesentlich für eine gelingende Hilfe bei sterbenden Patienten sind dann aber letztlich wirkliches menschliches Interesse, Respekt, Fachwissen und Wissen um die eigenen Grenzen.

Liebe Frau Dr. Levin, wir danken Ihnen sehr herzlich für Ihre Zeit und den Einblick in Ihren so wichtigen Bereich einer menschlichen Medizin!

Das Interview führte Dr. Ulf Riker

2021-09-28T13:56:48+02:00

Editorial Newsletter September 2021

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Leserinnen und Leser!

Manche Meldungen kommen zur rechten Zeit: An den Kinderkliniken des Elisabeth-Krankenhaus Essen und des St. Marien-Krankenhauses Landshut hat eine Befragung von 1323 Eltern ergeben, dass Integrative Medizin in der Behandlung der kleinen Patienten dringend gewünscht wird, und zwar selbst dann, wenn es sich um Selbstzahler-Leistungen handeln würde. Ganz besonders steht die Homöopathie im Zentrum des Interesses: 60 % der Eltern wünschen sich für ihre Kinder eine homöopathische Begleitbehandlung, mit deutlichem Abstand gefolgt von Osteopathie und Phytotherapie. Die Autoren plädieren dafür, das gewünschte Angebot in den Kinderkliniken auszuweiten. Zwingende Voraussetzung seien allerdings entsprechend qualifizierte Therapeuten – ein weiteres gewichtiges Argument für den Erhalt der Zusatzbezeichnung „Homöopathie“ !

Auch die Aufnahme der Homöopathie in eine aktuelle S3-Leitlinie zur „Komplementärmedizin in der Onkologie“ zeigt, dass Homöopathie in klinischen Studien inzwischen wissenschaftliche Relevanz erlangt hat. Das Ergebnis ist umso erstaunlicher, da Frau Prof. Hübner (Jena), bekennende Homöopathie-Gegnerin, den Vorsitz der Leitlinienkommission innehatte.  In Anbetracht der Bedeutung dieser Leitlinie für die Homöopathie, vor Allem aber für betroffene Patientinnen und Patienten ist der vorliegende Newsletter schwerpunktmäßig diesem Thema gewidmet.

Die beiden Beispiele zeigen erneut, dass im Bereich der Komplementärmedizin insgesamt, besonders aber im Bereich Homöopathie nicht weniger, sondern mehr Forschung notwendig ist, um das wissenschaftliche Fundament zu stärken und durch qualifizierte Therapieangebote zu untermauern.

Mit herzlichen Grüßen

Dr. Ulf Riker – 2. Vorsitz DZVhÄ

2021-09-28T11:53:07+02:00

Webinar mit Resie Moonen

In unserem letzten Veranstaltungs-Newsletter vom 01.09.2021 wiesen wir u.a. auf ONLINE Homöopathie Seminare hin. Als Nachtrag dazu möchten wir gerne auf das folgende Seminar hinweisen, das im Veranstaltungs-Newsletter leider unberücksichtigt blieb.
Unser großes Angebot an Veranstaltungen entnehmen Sie bitte wie bisher unserem Veranstaltungskalender auf www.weiterbildung-homoeopathie.de.

Einladung

zum Webinar mit Dr. med. Resie Moonen
Widerstand und Wehrhaftigkeit: individuelle Homöopathie bei Immunitäts- und Rekonvaleszenzproblemen
Samstag, 9. Oktober 2021, online per ZOOM

Thema

Resie Moonen wird uns mehrere Patientinnen und Patienten vorstellen, deren Widerstandsfähigkeit gestört ist, hierunter auch Covid- und Long-Covidfälle mit verschiedenen Immunitätsproblemen und schwieriger Rekonvaleszenz. Diese Fälle verdeutlichen, wie die Lebenskraft des menschlichen Individuums durch die Homöopathie gestärkt werden kann. Zum Einsatz kommen Mittel aus dem Mineral- und Pflanzenreich. Resie Moonen nimmt Bezug auf die Systematik von Rajan Sankaran und Jan Scholten und erklärt die Einteilung in die verschiedenen Reiche sowie die Stadien-Einteilung in die Untergruppen des jeweiligen Reichs.

 

Das jeweilige ausgewählte Mittel erfüllt die allgemeinen Charakteristika der Pflanzen- oder Mineralfamilie. Die Arzneimittelwahl wird aber auch durch die Repertorisation und die homöopathische Materia medica bestätigt. Die Fälle werden mit Videopräsentationen von zeitlich lang auseinanderliegenden Follow-ups anschaulich dargestellt. Dadurch kann die Verschreibung gut nachvollzogen werden.

Das Webinar wird in deutscher Sprache gehalten und es bestehen Möglichkeiten zur Interaktion und für Fragen. Es wird KEINE Aufzeichnung geben.

2021-09-27T15:40:44+02:00

Literatur – Empfehlungen zur Palliativmedizin

Leitfaden Palliativ Care
Palliativmedizin und Hospizbegleitung
Herausgeber: Bausewein, Claudia; Roller, Susanne; Voltz, Raymond
7. Auflage 2021; € 52,-

Nach Einschätzung vieler Experten das Standardwerk.
Das Deutsche Ärzteblatt schreibt in einer Rezension:
„Es ist allen Betroffenen nur zu wünschen, dass ihr Behandlunsteam dieses wunderbare Handbuch als Leitfaden in der Begleitung anwendet. Ob im ambulanten Bereich oder in der Klinik, ob als Hausarzt, Chirurg oder Intensivmediziner, ob als Pflegender oder Seelsorger – jedem professionell Tätigen, der auch Schwerkranke und Sterbende betreut, sei dieser handliche Leitfaden ans Herz gelegt. Gerade dann, wenn es heißt, jetzt könne nichts mehr getan werden, bleibt häufig noch sehr viel zu tun!“

Homöopathie in der Palliativmedizin
Linderung der Leiden Schwerkranker und Sterbender
Autoren: Gisela Holle, Claudia Levin, Herbert Michalczyk
3. Auflage 2021, € 34,-

Ein Meilenstein in der ergänzenden homöopathischen Behandlung von Schwerkranken und Sterbenden, vollgepackt mit langjähriger Erfahrung im Hospizdienst und in der Palliativmedizin. Es geht aber nicht nur um Symptome und geeignete homöopathische Arzneien, sondern auch um konkrete Pflege-Tips und die Begleitung der Angehörigen. Inklusive einem Palliativ-Repertorium.

 

2021-09-28T09:16:48+02:00

Onkologie-Leitlinie: Evidenz-Level 2b für Homöopathie

In der neuen S3 Leitlinie Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen PatientInnen wird der Homöopathie von der AWMF, der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, ein Evidenz-Level 2b bescheinigt. Erarbeitet wurden die 155 Empfehlungen und Statements unter Federführung der Deutsche Krebsgesellschaft (DKG), der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie, der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie. „In der Leitlinie werden die wichtigsten zur komplementären und alternativen Medizin zählenden Methoden, Verfahren und Substanzen, die von Patient*innen genutzt werden bzw. ihnen angeboten werden, nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin bewertet“, erklärt die Deutsche Krebsgesellschaft am 26. Juli 2021 in einer Presseerklärung. Unterteilt ist die evidenzbasierte Leitlinie in vier thematische Blöcke • Medizinische Systeme • Mind-Body-Verfahren • Manipulative Körpertherapien • Biologische Therapien. In den Block der medizinischen Systeme wurden aufgenommen: Akupunktur, Akupressur, anthroposophischer Medizin, Homöopathie und die klassi­schen Naturheilverfahren.

Stark positive Ergebnisse der Homöopathie Studie

Im Bereich der Homöopathie wurde eine mangelnde Qualität vieler Studien festgestellt, wie etwa kleine Fallzahlen. Die Studie von Frass et. al.* von 2015 aber konnte die Wissenschaftler*innen überzeugen: „Es liegen Daten aus einer RCT zum Einsatz von klassischer Homöopathie vor. …aufgrund der stark positiven Ergebnisse dieser Studie [kann] der Einsatz von klassischer Homöopathie (Erstanamnese in Kombination mit individueller Mittelverschreibung) zur Verbesserung der Lebensqualität bei onkologischen Patienten zusätzlich zur Tumortherapie erwogen werden“, heißt es in der Leitlinie. Die Evidenzaufarbeitung zu Homöopathie wurde von den Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Jena unter der Leitung von Prof. Dr. Jutta Hübner (DKG) durchgeführt –  einer entschiedenen Gegnerin der Homöopathie.

Eine weitere Studie von Prof. Michael Frass et. al.** konnte für die Leitlinie nicht mehr berücksichtigt werden, da sie am 3. Oktober 2020 im Oncologist publiziert wurde, somit außerhalb des Recherchezeitraums lag. Auch diese Frass-Studie wird in der Leitlinie vorgestellt: „Die Ergebnisse zeigen eine signifikante Verbesserung in der Lebensqualität für die HomöopathieGruppe im Vergleich zur Placebogruppe nach 9 und 18 Wochen. Auch die mediane Überlebenszeit war höher in der Homöopathiegruppe (435 Tage) im Vergleich zur Placebo (257 Tage) oder Kontrollgruppe (228 Tage, p=0.010), mit wiederum keinem Unterschied zwischen Placebo und Kontrollgruppe (p=0.258). Kritisch zu sehen ist die kurze Messzeit der Lebensqualität von nur 18 Wochen, da dies nur etwa ein Sechstel der Gesamtmesszeit ausmacht“. 

Studienleiterin ist entschiedene Homöopathie Gegnerin

„Wir müssen feststellen, dass die Homöopathie in dieser Leitlinie trotz der Leiterin Prof. Jutta Hübner mit einem 2b Evidenz-Level bewertet wurde“, sagt Dr. med. Michaela Geiger, Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ). Geiger vermutet, dass hinter den Kulissen erbittert über die Studien diskutiert wurde – Jutta Hübner ist prominente Gegnerin der Homöopathie, unter anderem ist sie Sprecherin des sogenannten Informationsnetzwerks Homöopathie (INH) und damit Sprecherin der Anti-Homöopathie-Kampagne in Deutschland. Das INH zur Frass-Studie: „In Anbetracht dieser Faktenlage erscheint es naheliegender, von einer nachträglichen Anpassung der Ergebnisse im Sinne eines gewollten Resultats als von einer validen Studie auszugehen. Ein Zurückziehen der Arbeit scheint angebracht.“

Jutta Hübner gab im Juli 2020 der WELT ein Interview zur jetzt veröffentlichten Leitlinie. Das Interview wurde unter der Überschrift: „Scharlatane haben praktisch Narrenfreiheit“ veröffentlicht. Ihr formuliertes Ziel: „Wir werden in der Leitlinie erstmals eine Übersicht darüber geben, was überhaupt wissenschaftlich gesichert und sinnvoll ist und welche Risiken bei einzelnen Methoden bestehen.“ Sie ergänzt, dass Homöopathie in der Behandlung von Krebs nichts verloren habe, da das Vertrauen zwischen Ärzten und Patienten zerstört würde. (zitiert: GWUP Webseite).

Alleine die Tatsache, dass in der Leitlinie die Homöopathie als medizinisches System eingestuft wurde, wird strittig gewesen sein. Auf der Familienseite „Susannchen“ des INH wird postuliert: „Homöopathie ist keine Medizin!“ Dieser Slogan wird auch vom sogenannten Münsteraner Kreis verwendet, für den Hübner 2018 ein Memorandum zur Abschaffung der Zusatzbezeichnung Homöopathie geschrieben hat. Darin heißt es: „Wir möchten den 121. Deutschen Ärztetag ersuchen, die Zusatzbezeichnung „Homöopathie“ ersatzlos zu streichen. … Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus wäre es dann ebenso gerechtfertigt, eine Zusatzbezeichnung „Gesundbeten“ für die „Kompetenz“ zu vergeben, welche Gebete zu welchen Heiligen bei welchen Krankheiten zur Anwendung kommen sollen.“ Dieser Aufforderung sind die Delegierten der Deutschen Ärztetags 2018 nicht gefolgt und auch die Wissenschaftsdefinition von Hübner und den sogenannten Skeptikern fand keinen Einzug in die neue S3 Leitlinie. Kurze Anmerkung: Der Münsteraner Kreis wird von Dr. Christian Weymayr koordiniert, er ist Autor des Buchs Die Homöopathie-Lüge – so gefährlich ist die Lehre von den weißen Kügelchen.

Zielsetzung der Leitlinie: Forschung und Weiterbildung der Komplementärmedizin fördern

Zur Zielsetzung der Leitlinie heißt es: „Die hohe Prävalenz der Nutzung von komplementären und alternativen Methoden sowie die große Anzahl verschiedener Verfahren der komplementären und alternativen Medizin und die fehlende Aus, Fort und Weiterbildung von Ärzten zu den Themen haben zu dem Entschluss geführt eine evidenzbasierte S3Leitlinie zu erstellen. Die Autor*innen machen sehr deutlich, dass die „Aus, Fort und Weiterbildung auf diesem Gebiet gefördert und Versorgungsstrukturen verbessert werden“ müssen. „Wir sehen darin eine Aufforderung an die Landesärztekammern, keine bestehenden Weiterbildungen der in der Leitlinie genannten medizinischen Systeme abzuschaffen und sich für deren Ausbau einzusetzen“, kommentiert Dr. Michaela Geiger. Zu einem weiteren wichtigen Punkt, den auch die Autor*innen der Leitlinie ansprechen, sagt Dr. Geiger: “Wir benötigen staatlich unterstützte Forschung in der Homöopathie, in der gesamten Komplementärmedizin. Neben der Weiterbildung ist dies ein wichtiger Baustein zur Fortentwicklung der Medizin.“

  • *Frass, M., Friehs, H., Thallinger, C., Sohal, N. K., Marosi, C., Muchitsch, I., . . . Oberbaum, M. (2015). Influence of adjunctive classical homeopathy on global health status and subjective wellbeing in cancer patients A pragmatic randomized controlled trial. Complementary Therapies in Medicine, 23(3), 309317
  • **Frass, M., Lechleitner, P., Gründling, C., Pirker, C., GrasmukSiegl, E., Domayer, J., . . . Muchitsch, I. (2020). Homeopathic Treatment as an AddOn Therapy May Improve Quality of Life and Prolong Survival in Patients with NonSmall Cell Lung Cancer: A Prospective, Randomized, PlaceboControlled, DoubleBlind, ThreeArm, Multicenter Study. The oncologist, 25(12), e1930e1955
2021-11-08T15:10:49+01:00
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